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Hanauer Ameiaer
Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit beHdriftifdjic Beilage, und Samtzugs mit der Berliner Prooinzial-Correspondmz.
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DieSspaltigeZeile
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Nr. 252.
Mittwoch den 29. Oktober
1879.
Amtliches.
An die Herrn Bürgermeister der Landgemeinden zu Windecken und die Herrn Ortspolizeiverwalter des Kreises.
Die Personenstands-Ausnahme zum Zwecke der Veranlagung der Klassensteuer für das Etatsjahr April 1880/81 hat ausnahmslos am 12. November d. J. stattzusinden.
Es sind hierfür, so wie für die nachfolgende Einschätzung die Vor- schriftm der Jnstruction vom 29. Mai 1873 (Amtsblatt S. 85), ferner vom 3. Januar 1877 (Amtsblatt S. 34), sowie die Geschäftsanweisung vom 16. März 1877 maßgebend. Für eine gleichmäßige den gesetzlichen und sonstigen Vorschriften entsprechende Veranlagung ist Sorge zu tragen.
Die seitherige Einrichtung der doppelten Aufstellung der Klas» sensteuer-Rollen und der einfachen Ausfertigung der EinkommenS- Nachweisungen wird auch jetzt beibehalten. Dos erforderliche Formular ist bereits geheftet, mit blauem Umschläge versehen und zur Seförderung abgesandt worden.
Die Herrn Bürgermeister werden die Rollen und Einkommens- Rachweisungen möglichst selbst aufstellen, damit in den Angaben der sämmtlichen Einwohnern der Gemeinde und ihres Personenstandes (vergleiche §. 2 der Jnstruction vom 29. Mai 1873) nicht gefehlt wird. Bis zum 20. November c. müssen mir die vorbereiteten Rollen und Einkommens-Nachweisungen zur Einsicht vorliegen.
Die Klassensteuer-Einschätzungs-Commissionen bestehen
1) in Langenselbold außer dem Ortsvorstand in 7 Mitgliedern,
2) in Stadt Windecken und in den übrigen Landgemeinden aus 5 Mitgliedern,
3) in den iKuisbezirken aus 3 Mitgliedern.
Der Termin zur Wahl der Commissionen sowie zur Vornahme der Einschätzung wird später von mir bestimmt werden.
Hanau am 27. Oktober 1879.
Der Landrath.
Da der am 1. November stattfindende Buß-, Bet- und Danktag in diesem Jahre auf einen Sonnabend fällt, wird der Reustädter-Markt von Sonnabend den 1. November auf Freitag den 31. Oktober e. und der Altstädter-Markt von Freitag den 31. Oktober auf Donnerstag den 30. Oktober c. verlegt.
Hanau am 28. Oktober 1879.
Gefunden: Eine Brille. Eine messingene Uhrkette. Eine Häckelnadel. Ein Portemonnaie mit etwas Geld.
Verloren: Ein Nachen mit 4 Riemenzieher vnd 1 Ruder (fort- getrieben). Ein Militär-Paß, auf den Namen Anton Joseph Binder aus Fulda lautend.
Hanau am 29. Oktober 1879.
__________________Aus Königlichem Landrathsamt.__________________
LagessHa»«
— Berlin, 28. Okt. Die beiden Häuser des Landtags wurden heute Mittag 12 Uhr durch Se. Majestät den Kaiser mit folgender | Thronrede eröffnet:
»Erlauchte edle und geehrte Herren von beiden Häusern des Landtages l
Indem Ich die Gesammtvertretung der Monarchie nach Erneuerung deS Hauses der Abgeordneten wiederum begrüße, ist eS Mir Bedürfniß, nochmals den Gefühlen innigen Dankes Ausdruck zu geben für die Beweist der Theilnahme, welche Mir und Meiner Gemahlin bei Gelegenheit des durch Gottes Gnade im Frühjahr begangenen Festes aus allen Kreisen bi3 Volkes, zugleich unter reicher Bethätigung des Patriotismus, gewidmet worden sind. In jenen Kundgebungen habe Ich ebenso wie in den mannigfachen Erweisen der Liebe und Treue, die Mir neuer- dingS in verschiedenen Provinzen der Monarchie zu Theil geworden sind, eine erhebende Bestätigung der Ueberzeugung gefunden, daß unter allem Wandel der Zeiten das innige Band zwischen Fürst und Volk, auf welchem das Erblühen der preußischen Monarchie von jeher beruht hat,
in alter Festigkeit besteht und eine weitere gesegnete Entwickelung verbürgt.
Die Finanzlage und der Staatshaushalt werden in Folge der Mehreinnahmen, welche auf Grund der Steuerreform im Reiche aus den Erträgen der Zölle und der Tabakssteur den einzelnen Staaten zufließen sollen, im Laufe der nächsten Jahre allmählich erhebliche Veränderungen und Erleichterungen erfahren. Dieselben konnten jedoch bei der Aufstellung des Etats für das nächste Jahr noch nicht von entscheidender Bedeutung sein. Wenn auch aus den Erträgen der Reichssteuern eine nicht unbeträchtliche Mehreinnahme schon für das nächste Jahr in Aus- sicht genommen werden kann, so wird doch die augenblickliche Finanzlage noch wesentlich durch die Nachwirkung der seitherigen Verhältnisse bestimmt.
Im letzten Verwaltungsjähre haben die Einnahmen zur Bestreitung der Ausgaben nicht hingereicht. Auch ist eine Erhöhung des Matrrku- larbeitrags für das lausende Jahr nothwendig geworden.
Bei dem auf den meisten Gebieten der Erwerbsthätigkeit fortdauernd lastenden Drucke haben die Ausgabebedürfnisse des Staates in den regelmäßigen Einnahmen des nächsten Jahres ihre Deckung nicht vollständig finden können. Die zur Ergänzung erforderlichen Mittel werden wiederum im Wege der Anleihe zu beschaffen sein. Die daraus bezüglichen Gesetze werden Ihnen mit dem Staatshaushalts Etat unverzüglich vorgelegt werden. Meine Regierung hegt die Zuversicht, baß Sre ihr bereitwillig helfen werden, die Schwierigkeiten der jetzigen Ueberganzs« zeit zu überwinden, des Uebergangs, so Gott will, zu einer Zeit neuen wirthsck östlichen und finanziellen Aufschwungs.
In Erfüllung der dem Landtage während der vorigen Session ertheilten Zusage wird Ihnen alsbald der Entwurf eines Gesetzes vorgelegt werden, welches die Verwendung der dem Staatshaushalte aus dem Ertrage der Reichsfieuern zufließenden Mehreinnahmen zu Klassen- und Einkommensteuer-Erlassen, vorbehaltlich anderweitiger mit Zustimmung deS Landtages darüber zu treffender Verfügungen, zu regeln bestimmt ist.
Eine durchgreifende Reform der direkten Besteuerung wird bis zu einer günstigeren Gestaltung der Finanzlage vorzubehalten fein.
Um aber eine für viele Gemeinden dringend wünschenSwerthe Erleichterung ihres Haushaltes durch Erweiterung ihrer Einnahmequellen eintreten zu lassen, wird Ihnen die Einführung einer Steuer vom AuS- fchank geistiger Getränke und vom Kleinhandel mit Branntwein vorgeschlagen werden.
Der Entwurf dieses Gesetzes, von welchem zugleich eine heilsame Gegenwirkung gegen den in wirthschastlicher und sittlicher Hinsicht bedenklichen Andrang zu derartigen Geschäften erwartet werden darf, sowie ein fernerer Gesetzentwurf wegen Besteuerung des Wanderlagerbetriebes zu Gunsten der Kommunen wird Ihnen demnächst zugehen.
In hervorragender Weise wird Ihre Mitwirkung auf dem Gebiete )es Eisenbahnwesens in Anspruch genommen werden. Durchdrungen von der Ueberzeugung, d»ß rur im Wege entschlossener Durchführung des StaatseisenbahnsystemS die Eisenbahnen der öffentlichen Wohlfahrt mit solchem Nachdruck und Erfolge dienstbar gemacht werden lönnen, wie dies die Interessen des Landes mit wachsender Stärke erheischen, hat Meine Regierung mehrere Verträge vereinbart, welche die Ueberführung wichtiger Aktien-Eisenbehn-Unternehmungen in die Hände deS Staates zum Gegenstand haben. Dieselben werden alsbald Ihrer Beschlußfassung unterbreitet werden. — Wesentlich vermöge der von ihr eingeschlagenen Schritte ist die Regierung in den Stand gesetzt, Ihnen zugleich die Ausführung neuer Eisenbahnlinien durch die Hand oder doch mit Unterstützung des Staates vorzuschlagen, — dazu bestimmt, wichtige Landestheile aufzuschließen und mit dem vaterländischen Eisenbahnnetze in Verbindung zu bringen.
Auch die Verbesserung der Wasserstraßen bildet den Gegenstand angelegentlichster Fürsorge Meiner Regierung. In einer ausfühllichen Denkschrift werden Ihnen die Ziele dargelegt werden, welche die Regierung in planmäßigem Vorgehen bei der Regulirung der fünf Haupt- ströme, des Rheins, der Weser, der Elbe, der Oder und der Weichsel ins Auge gefaßt hat, und welche Gesammtmittel dafür erforderlich sind.