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Ijiumutr Anzeiger
Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.
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Nr. 251.
Dienstag den 28» Oktober
1878.
Amtliches.
Pokizei-Verordnung.
Auf Grund deS §. 5 der Verordnung vom 20. September 1867 wird nach Einvernehmen mit dem Herrn Oberbürgermeister hier folgende Verordnung erlassen:
Das Fahren mit bespanntem Fuhrwerk, das Reiten und das Vieh- treiben auf dem neuen Verbindungsweg vom Johanniskirchplatz nach der Haingasse ist bei Meidung einer Geldstrafe bis 9 Mark oder entsprechender Haststrafe verboten.
Hanau am 23. Oktober 1879.
Der Landrath.
Am 19. f. MiS. ist ein 4 Jahre altes Mädchen, blond, mit blauer Kaputze, wollen dunklem Kleid, zwei Unterröcken, 1 Paar wollenen und 1 Paar baumwollenen Strümpfen, sowie Schuhr« bekleidet, im Main bei DieteSheim ertränkt worden, ohne daß bis fttzt die Leiche aufgefunden wäre. Es wird um alsbaldige Mittheilung ersucht, falls eine Leiche, wie oben bezeichnet, länden sollte.
Hanau am 25. Oktober 1879
Der Landrath.
Gefunden: 1,04 M., in ein Knüpftüchelchen eingebunden. Eine Karte von Heffen- Nassau. Ein weißes Taschentuch. Drei quittirte Rechnungen von Gebrüder Hofs zu Frankfurt a. M. Ein Notizbuch mit der Aufschrift „König". Ein Gutsübergabe-Vertrag, nnägefertigt zu Holzmühl
Hanau am 28 Oktober 1879.
M«S Königlichem LandrathSamt
Mundscha«.
R. F. Unser Kaiser widmet sich seit seiner Rückkehr in die Reichs- haupistadt in gewohnter Weise den Regierungsgeschästen und empfängt fast täglich die Vortragenden Räthe. Am Freitag erwies der Monarch einem dahingeschiedenen treuen Staatsdiener die letzte Ehre, indem er den Bestattungsseierlichkeiten für den verstorbenen Staatsminister v. Bülow in der Matts äi- Kirche beiwohnte und dabei Gelegenheit nahm der Wittwe und den Söhnen des verblichmen Staatsmannes seinen kaiserlichen Trost zu spenden. — Am Dienstag Mittag um 12 Uhr wird der Kaiser im Weißen Saale des königlichen Schlosses zu Berlin den Landtag eröffnen.
Ter BundeLrath hat in seiner letzten Plenarsitzung keine Entscheidungen von hervorragender Bedeutung gefällt, sondern er erledigte nur eine große Menge unter seine Competenz gehörende Angelegenheiten, be- treffend die Ausführung der Zölle, bezüglich der PenfionSverhältnisse der Reichsbeamten u. s. w.
Das Staatsministerium hielt am letzten Sonnabend unter dem Vorsitze des Vic«Präsidenten Grasen Stolberg eine Berathung ab, in welcher alle auf die bevorstehende Session des Landtages bezüglichen Angelegenheiten einer nochmaligen Prüfung unterworfen wurden. Eine ziemliche Anzahl Reformrorlagen auf dem Gebiete der Verwaltung, der Steuern und des Verkehrswesens werden dem Landtage vorgelegt, auf welche wir später im Besonderen zurückkommen werden.
Der inneren Gestaltung des Landtages und zumal derjenigen des Abgeordnetenhauses sieht man in Hinblick auf die neue Parteitage mit begreiflicher Spannung entgegen. Las Herrenhaus wird sich wahrscheinlich schon am Lage der Landtagseröffnung konstituiren und seinen bisherigen Präsidenten wieder wählen. Das Abgeordnetenhaus wird indessen erst am Donnerstag oder Freitag seine Präsidentenwahlen vollziehen können und dürfte bis dahin der Abgeordnete v. Bockum-Dol'fs als Alterspräsident die Geschäfte des Hauses leiten. Ob der Abg. v. Ben- uigsen wieder zum Präsidenten des Abgeordnetenhauses gewählt werden wird, ist offenbar sehr zweifelhaft, da einektheils innerhalb der Conser- vativen noch keine rechte Einigkeit über die Präsidentenwahl Bennigsens besteht und andernthetts neben dem Centrum auch die Fortschrittspartei entschlossen ist, gegen Gennigsen zu stimmen.
In Folge seiner sich mehr und mehr verschlimmernden Krankheit
soll der Justizminister Dr. Leonhardt den Wunsch osficiell ausgesprochen haben, sein Amt niederlegen zu dürfen.
Sowohl über die Stellung als auch über die Haltung des Cultusministers v. Puttkammer werden fortwährend von verschiedenen Seiten ganz irrthümliche Behauptungen aufgestellt. Herr v. Puttkammer denkt zur Zeit nicht i aran, feine Entlassung zu nehmen, und was seinen Eifer, mit der Politik seines Vorgängers zu brechen, anbetrifft, so hat der Minister v. Puttkammer nach der authentischen Angabe deS „Reichsanzeigers" neulich im Münster der Stadt Reuß zu dem Caplan Schierer geäußert, er bitte Gott, daß die Zeit bald kommen möge, wo die Wünsche der katholischen Bevölkerung ihre Erfüllung „auf dem Boden der Landesgesetze" finden würden.
Der Ausschuß des bayerischen Reichsraths hat den Gesetzentwurf, betreffend einen Aufschlag der Malzsteuer, angenommen und wird sich demnächst des Plenum des ReichsrathS mit diesem Gegenstände beschäftigen.
In Sachen deS zu erleichternden Handelsverkehrs zwischen Deutschland und Oesterreich wird es sich wahrscheinlich nur um eine Verlängerung des Meistbegünstigungsvertrags und der Errichtung eines gemeinsamen Zollcartells handeln, wobei man allerdings für die Zukunft nicht stehen zu bleiben ged.nkt.
Im österreichischen Abgeordnetenhause ist die Annäherung zwischen Deutschland und Oesterreich mit Verfall ausgenommen woben. Wie man aus den Adreßentwürfen sowohl von Seiten der Majorität als auch von Seiten der Minorität ersehen kann, äußern die Abgeordneten ihre Freude über den deut ch-österreichischen Bund und hoffen davon eine Stütze für die Wohlfahrt beider Länder zu erhalten.
Während die Lobrede des englischen Ministers des Auswärtigen, Lord Salisburh's, welche derselbe bei einem Bautet in Manchester zur Verherrlichung der Politik des gegenwärtigen englischen Ministeriums hielt und in der er zugleich eine Jubelhymne aus den deutschen Reichskanzler Fürst Bismarck anstimmte, weil dieser dem mächtigen Rivalen Englands die drohenden Greifkrallen etwas stutzte — noch in allen politischen Kreisen die lebhaftesten Erörterungen hervorruft, nmd schon eine andere Rede aus Manchester veröffentlicht, welche ziemlich das Gegentheil von der Galisbury'schen Rede bezweckt. Der Führer der englischen liberalen Partei, Marquis von Hattington, erklärte in einer Versammlung, daß die Politik des Lord Halisbury, welcher die Kriege behufs Aufrechterhaltung einer schlechten Regierung rechtfertige, eine unmoralische Politik sei. Eine liberale Regierung werde eine Politik von Bündnissen befolgen, um den Frieden und die Unabhängigkeit Europas zu sichern, um die Schwachen gegen die Starken und die freie Mevölke- rung gegen ihre Unterdrücker zu schützen. — Die von der englischen Regierung in der Colonialfroge befolgte kriegerische Politik wird auch immer noch ein gut Stück Arbeit behalten, eh' sie ihre Werke für voi- lendet ansehen kann. Daß die Angelegenheit in Centralasien noch immer einen ernsten Charakter hat, geht aus der stattgefundenen Veränderung in der Vertretung Englands am Persischen Hofe hervor. Während England bisher in Teheran nur einen „Geschäftsführer" unterhielt, ist jetzt zur umsichtigeren Wahrung der englischen Interessen ein Gesandter für Teheran bestimmt. — Auch die Unruhen in Afghanistan sind noch nicht zu Ende. General Roberts sendet von Kabul aus nach allen Richtungen Truppenabtheilungen zur Zerstreuung feindlicher Volkshaufen, namentlich haben sich die Ghilzais in starker Anzahl vereinigt. Der Gouverneur von Khelat Ghilzai, welcher sich feit dem Einzüge der Engländer in diese Stadt immer freundlich gesinnt gezeigt hatte, hat plötzlich mit seinem gesäumten Generalstabe die Stadt verlassen. Ueber die von ihm eingeschlagene Richtung war noch nichts bekannt. — Man glaubt, daß die afghanische Regentschaft während der Minderjährigkeit des Sohnes Jakub Khans dem Halbbruder des letzteren, Voli Mahomed, welcher ein energischer Mann sein soll, übertragen werde. — Vom Coplande wird von leichten Unruhen unter den Boers der Transvaal- republik berichtet und soll Oberst Lamyon ein Detachement Dragoner nach Widdledurg geschickt haben.
Die Begnadigung der französischen Communisten gibt sich immer