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Nr. 242«
Freitag den 17. Oktober
1879.
Amtliches.
Gefunden: Ein Rlchmnbvch. Ein kleines Portemonnaie mit etwas Geld. Eine schwarze Uhrkeite. Ein Messer. Eine silberne Broche, die Figur eines Vogels darstellend.
Verloren: Zwei graue Pferdedecken.
Hanau am 17. Oktober 1879.
us Königlichem Landrathsamt. ___________
Der gegen Karl Engel vrnTanmxmten unter dem 16. August 1876 erlossine Steckbrief wird als erledigt zurückgezogen.
Hanau, 13. Oktober 1879.
Der Staatsanwalt.
_________________Schumann.__________________
Ruudscha«.
R. F. Der Aufenthalt des Kaisers in Baden-Baden hat stch sehr erfreulich gestaltet. Der greise Held, welcher nächsten Montag wieder nach Berlin zurückkehren wird, fühlt sich jetzt so wohl, daß er wahrscheinlich an einigen Hofjagden, die um diese Zeit in der Nähe von Berlin algehalten werden, iherlnehwen wird. In Baden-Baden empfing der Kaiser Wilhelm in letzter Woche auch mehrmals den französischen Botschafter am deutschen Hofe, Grafen H aint Ballier. Auch wurde der Graf Saint-Vallier zur kaiserlichen Tafel und zu mehreren Hoffestlich- feiten gezogen, woraus man gewiß mit Recht den Schluß ziehen kann, daß die oificteDen Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich die besten sind. — Was die deutsch-russischen Beziehungen anbetrifft, so beginnen dieselben sich mehr und mehr zu klären. Von Petersburg aus weht seit einiger Zeit ein friedlicher Wind und in Berlin kommt man den Russen gern entgegen, gibst BiSmarck hat auch zu wiederholten Malen erklärt, daß er gern bereit sei, den rufsischcn Kanzler Fürsten Gortschakoff zu empfangen, wenn dieser es wünsche.
Unser Kanzler, der seit voriger Woche in der Einsamkeit von Varzin Erholung sucht, kann auf seinen neugesammelten Lorbeeren aus- ruhen, denn die Politiker des Zu- und Auslandes sind darin einig, daß Fürst Bismarck in den letzten vier Wochen aufs Neue gezeigt hat, daß er der Mann ist, der die innere und äußere politische Lage vollständig beherrscht. 3m Vereine mit dem österreichischen Staatsmanne führte Fürst Bismarck einen glänzenden dipIrmatischen Schachzug gegen die panslowistischen Anmaßungen Rußlands aus, ein Schachzug, den England billigt und Frankreich und Italien hinnehmen müssen.
Im Wege der Reichszesetzgebung soll in Deutschland auf einem Gebiete Regelung und Einheit geschaffen werden, welches eine große volkswirtschaftliche L einmütig hat. Der Reichskanzler hat in einem Rundschreiben den Bundesregierungen die Gründe und Vortheile nahe- gelegt, welche eine reichSgesetzliche Regelung des Versicherungswesens haben würde, und dürfte sich der BundeSrath demnächst des Weiteren mit dieser Angelegenheit zu beschäftigen haben. Von Vorlagen, die der Reichskanzler dem BunkeSrathe in den letzten Tagen überwieS, erwähnen wir eine Bekanntmachung, betreffend die Statistik des Waarenverkehrs des deutschen Zollgebietes mit dem Auslande.
Hin und wieder kommt es vor, daß einzelne Bundesstaaten mit Beschwerden vor den BundeSrath treten und Abhilfe vom Reiche fordern. Dabei ist die leidige Geldfrage, gerade wie im Leben der Menschen in der Regel der Schwerpunkt der Verhandlungen, wie wir aus einer solchen Klage sehen. Das Fürstenthum Cchwarzburg-Souders- Hausen klagt beim Bundes: athe um Zahlung von 200,000 Mark durch das Reich, welche Summe Schwarzburg-Sondershausen seit dem Jahre l 1867 für Militärbauten aufgewandt habe. Seine Klage stützt Schwarz- i burg-Sondershausen auf ähnliche Fälle, wo Sachsew Weimar, Anhalt | u. s. w. Entschädigungen empfangen haben.
Es erhält sich das Gerücht, daß der preußische Justizminister wegen seines leidenden Zustandes demnächst aus dem Amte scheiden wird. Herr Leonhardt kann mit gutem Gewissen abgetzen, denn die Justizorganisation ist turchgeführt und dieser Ruhm wird für immer mit seinem Namen verknüpft sein. Als Nachfolger wird noch immer Herr v. Schelling bezeichnet.
In der am Montag stattgehabten ersten Abgeordneten-Sitzung des, österreichischen Reichsraths wurde Graf Franz Caronini mit 338 (von 341) Stimmen zum Präsidenten des Abgeordnetenhauses gewählt. Der
selbe dankte für die ibm erwiesene Ehre und erbat sich das Vertrauen und die Unterstützung der Versammlung. Nach eimm Lob, welches er seinem Vorgänger, Grafen Rechbauer, spendete, begrüßte er sympathisch die nach langjähriger Abwesenheit wieder in das Abgeordnetenhaus ein- tretenden Czechen und versprach ihnen Berücksichtigung ihrer Forderungen, soweit sie mit den Existenzbedingungen der Monmch'e zu vereinbaren seien, sprach ab,r auch bie Hoffnung aus, sie würden ihrerseits die Rechte der Verfassung, die Staatsgrundgesetze dem Reiche unverkümmert erhalten, und wünscht, unter Hinweis auf die friedlich vollzogene Occu- pation Novibazars, daß der alte Zwist im Nbg-ordnetenhause nicht wieder auflodern möge. In das am Schluß der Rede auf den Kaiser ausgebrachte Hoch stimmte die Versammlung begeistert ein.
Welche Fortschritte der Radikalismus in Frankreich macht, seitdem die begnadigten Eommunaris den Boden d s französischen Festlandes betreten haben, beweist die aus Paris gemeldete Thatsache, daß der mit amnestirte ehemalige Redacteur des communistischin Jourra s „Pöre Duchesne", Humbert, am letzten Sonntag zum Munizipalrath für den Pariser Stadttheil Javel gewählt worden ist. Die französische Regierung ist durch diese unverhofft schnelle und erfolgreiche Wiederholung der Wahlagitationen seitens der Radikalen zu der Ueberzeugung gelangt, daß diesen letzteren geginüber eine milde Nachsicht schlecht angebracht ist. Sie ließ, nach einer durch die „Agence Hava." veröffentlichten Note, gezen Humbert, sowie gegen das Journal „Marseillaise" weg n des zweifachen Vergehens: den Richterstand b schimpft und Thatfachen verherrlicht zu haben, welche vom Gesetz als Verbrechen bezeichnet werden, die gerichtliche Untersuchung einleiten. — In Pans fand zu Ehren der fremden Osficiere, welche den Manövern der französischen Truppen bei- wolnten, ein vom Kriegsminister veranfialtetes Ga adiner statt, an welchem sechzig französische und fremde Ofsiciere Theil nahlwn; der durch feine in Laon gehaltene Rede bekannt gewordene Holländische General Pfeiffer war jedoch nicht zugegen.
Für England ist der bedeutsame Moment gekommen, daß es zeige« muß, welche exemplarische und wirksame Strafe es ü er ein meuterisches Volk verhängen kann, welches seit 1841 zweimal die englische Gesandtschaft ermordete. Nachdem die aufständischen Afghanen, welche sich noch als letztes Hinderniß gegen die Besetzung Kabuls in Balahissar hielten, in der Nacht zum 9. geflohen waren, konnte die englische Cavallerie in Kabul einrücken. Dieselbe fand dort 72 Geschütze rar; vorher waren bereits 110 Kanonen durch die Truppen des General Roberts erbeutet worden. Die Aufständischen sprengten, eh' sie Kabul verließen, eine Pulverfabrik in die Luft und räumten das Fort noch vor Ankunft der englischen Cavallerie. Am 12. Mittags hi lt General Roberts in Begleitung des Emirs seinen Einzug in Kabul. Die britischen Truppen bildeten Spalier, die Artillerie salutirts durch Abfeuern beim Hissen der Flagze am Eingänge der Stadt. Balahissar und die Anhöhen um Kabul wurden von 2 englischen Regimentern besetzt. Nach einer Meldung aus Lahore sollen die britischen Truppen Jellalabad ebenfalls besetzt haben. Der Widerstand der Aufrührer wird für beendet gehalten. — Hinsichtlich der Absichten Englands mit Afghanistan erklärte der englische Minister des Innern, Staatssekretär Croß, England werde sich nicht in die inneren Angelegenheiten Afghanistans mischen, sondern nur für Fernhaltung fremder Einflüsse Sorge tragen.
Rußland dagegen ist nur zu bereit den für England so verhaßten Einfluß auf die afghanischen Angelegenheiten auszuüden. Wie es heißt, sind an England von russischer Seite Vorschläge gemacht worden, welche den Wunsch ausdrücken, England möge weder Herat, noch die Plateaus von Badakshan, über welche eine Hochstraße vom Becken des Amu nach Gilgil und Kaschmir läuft, besetzen. Dabei fährt Rußland eifrig fort, seine Militärmacht in Centralasien zu verstärken. Nach einem Plane des Generals Troitzy sollen die Kirgisenstämme in Turkestan auf gleichen Fuß mit den Kofccken gebracht und zum Militärdienst herangezogen werden, was der russischen Truppenmacht in Centra-asien bis Ende dieses Jahres eine Verstärkung von 10—15 Tausend Mann verschaffen soll. — Mit den in der russischen Diplomatie bevorstehenden Veränderungen wird die Einladung des Domänen- Ministers Walujew nach Li- vadia, dem Aufenthaltsorte des Czaren, in Beziehung gebracht. Man nimmt an, daß Herr von Walujew als Vice-Kanzler die Leitung des