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Nr. 235.

Hanauer ADM

Zugleich Amtliches Organ für Kreis und StadtHmrau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial Corresponbenz.

Donnerstag den 9. Oktober

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Preis r

Die ispaltige Garmondzeile ob. bereit Raum

10 Pfg.

Die Lspalt. Zeile 20 Psg.

DieSspaltigeZeile 30 Psg.

1879.

Amtliches.

WekanntmachRNAM auf Grund des Reichsgesetzes vom 21. Oktober 1878.

Das durch meine Bekanntmachung vom 17ten Januar d. I. (Amtsblatt Nr. 6) erlassene Verbot der vom kommunistischen Arbeiter- bildungsverein in London herausgegebenen periodischen Druckschrift: Freiheit" erstreckt sich auch auf diejenigen Nummern dieses Blattes, welche unter der AufschristCommunist" zur Ausgabe gelangen. Berlin den 30, September 1879.

Der Reichskanzler. In Vertr.: Eck.

Auf Grund des §. 12 des Reichsgesetzes gegen die gemeingefähr­lichen Bestrebungen der Sozialdemokratie vom 21. Oktober 1878 wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß die im Verlage von N. Herter zu Riesbach-Zürich am 28. v. Mts. erschienene Probenum- »er der periodischen Zeitschrift:Der Sozi aldemokrat", Internationales Organ der Sozialdemokratie Deutscher Zunge, nach §, 11 des gedachten Gesetzes durch die unterzeichnete Landespolizeibehörde verboten ist.

Berlin den 3. Oktober 1879.

Königliches Polizei Präsidium. von Madai.

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Ist die Republik der Friede?

(A. V. Trib.)

Es war vorau§zusehcn, daß die Veränderungen, welche am 1. Ok­tober in der Verwaltung Elsaß-Lothringens vor sich gegangen sind, in der französischen Presse lebhaft commentirt werden würden. Die That­sache, daß die Re chstande in eine mehr selbstständige Stellung zum deutschen Gesammtreitze und zu den einzelnen Bundesstaaten getreten sind, daß aus diese Weise der Uebergang von einer französischenPro­vinz" zu einem deutschenStaate" deutlicher markirt wird, mußte na­türlich in Frankreich gemischte Gefühle erwecken. Wir würden in Deutschland der französischen Presse einige chauvinistische B- mcrkuugen zu Gute gehalten haben, man hätte aber erwarten können, daß Organe, die zu der sranzösischm Regierung in gewissen Beziehungen stehen, sich Maß darin auferlegt hätten. Die Folgen dieser getäuschten Erwartung zeigen sich bereits. Schon beginnen auch in deutschen osficiösen Blättern die Plänkeleien und zwar in derNordd. Mg. Ztg." ziemlich derb. Bezeichnend für die Haltung eines Theils der französischen Presse ist auch die Erscheinung, daß Organe, welche der Regierung sehr nahe stehen, die diesjährigen demschm Manöver auf das ungünstigste/ die frontöfi» schen aber sehr Vortheilhast beurtheilt haben. Allen voran in dieser Hinsicht ist dieRep. fr." gegangen. Wir haben seiner Zeit das Ur­theil des Gambettistischen B lattes über die deutschen Truppenübungen im Erfaß mitgethült; über die französischen Manöver schreibt dieselbe Bettung u. A.:

»Man kaun ohne Prahlerei, ohne Uebertreibung, ohne falsche» Dünkel versichern, daß unsere Armee sich von jetzt ab im vollständigen Besitz ihrer selbst befindet."

Nachdem dieRep. fr." dann zugestanden hat, daß bei den Ma­növern allerdings einige kleine Fehler vorgekommen seien, die das Glatt aber alsunrergeordnete Punkte" bezeichnet, heißt es weiter:

Aber das sind nur Details, denen man nicht so große Wichtig­keit beilegen sollte. Was gegenwärtig constatirt werden muß, ist, daß unsere junge republikanische Armee so ist, wie die Nation nach den un­geheuern Opfern erwarten durste, die sie für die Organisation ihrer Desepsivkräste gebracht hat. Das Gefühl der Pflicht und der Selbst­verleugnung in der Nation hat gleichen Schritt gehalten mit der mili­tärischen Schulung. Wir sind glücklich, das hier laut und vernehmlich constatir.n zu können."

Wicht so optimistisch beurtheilt ein anderes durchaus nicht reactio uareS Blatt die Leistungen derjungen republikanischen Armee." Amädee le gante schließt in derFrance" einen Artikel über die Ca- Vallerremanöver, die unter Leitung des Generals Galliffet stattgefunden haben, mit folgenden Worten:

Jede selbstständige Initiative fehlte vollständig, absolut, von oben bis unten. Einige Capitäne und Lieutenants schienen allerdings guten Willen zu haben und würden vielleicht gute Führer werden, wenn sie ihre Anlagen entwickeln könnten. Die reitende Artillerie hat sehr mittel­mäßige Bespannung; diese Thatsache hat alle fremden Officiere lebhaft frappirt. D e Generäle und Obersten sind zu alt für die Cavallerie, eS fehlt ihnen jede Lebhaftigkeit, es ist ihnen Alles apathisch. Die fremden Officiere es wann 24 folgten den Uebungen mit großem Interesse; der Oberst von Alten (?), Adjutant des deutschen Kaisers und Chef der von Deutschland zu unseren Manövern gesandten Depu­tation, hat nicht einen Augenblick den General Galliffet verlassen. Alles in Allem genommen find die Fehler in unserer Armee hervorstechend genug. Um sie verschwinden zu lassen, um unserer Cavallerie die Macht zu geben, die sie haben muß, um ihr die Mission zuzuweisen, die sie erfüllen muß, gibt es nur ein Mittel: man muß bei allen Officiere» den Geist der Initiative wecken, der zur Zeit vollständig fehlt."

An solchen Stimmen aber hat es auch im Frühjahr 1870 nicht gefehlt.

Berlin, 7. Okt. Der Minister des Innern hat sämmtlichen Regierungen und Landdrosteie« eine Circularverfügung zugehen lassen, wonach es zur Sprache gekommen, daß viele Bezir.sregierungen die Führungszeugnisse für stempelst ei erachten, auf Grund deren die An­stellung und Vereidigung im Eisenbahndienste erfolgt. Andere Bezirks­regierungen halten diese Atteste für st'mpelpflichtig und es wird demge­mäß nicht überall gleichmäßig verfahren. Seitens der Steuerverwaltung wird die Stempelfreiheit hierbei nicht anerkannt. Es handelt sich hier­bei umamtliche Atteste in Privatsachen", welche dem Stempel von 1 M. 50 Ps. unterliegen, weil in der hieher gehörigen Tarifposition des Stempelgefetzes ihnen eine für gewisse andere Atteste ausdrücklich bewilligte Befreiung nicht zugestanden worden ist und auch für die An- stellrngs'Angelegenheiten, zu welchen sie eingereicht worden, eine beson­dere gesetzstche Befreiung nicht besteht. Somit unterliegen Führungs­Atteste der bezüglichen Art dem tarifmäßigen Stempel für Atteste. (K. Z.)

Berlin, 8. Okt. Der Ausschuß des Lundesraths für Zoll- und Steuerwesen trat heute zu einer Sitzung zusammen.

Berlin, 8. Okt. Aus Veranlassung der Wahlen zum Abge­ordnetenhaus« hat das hiesige Haupt-Telegraphenamt gestern die unge­wöhnlich große Zahl von 25,0C0 Telegrammen zu bearbeiten gehabt, darunter etwa 300 amtliche Wohlmeldungen mit gegen 12,000 Worten und äußert em olngefätzr 1(00 Stück zum Theil lange Wahltelegrümme für die hiesigen Zeitungen. Auch sind mittels der Rohrpost gestern 1000 Sendungen mehr als gewöhnlich befördert worden.

Berlin, 8. Okt. (K. Z.) Alle Morgenblätter stellen Be­rechnungen über die Wahlen an, deren Ergebniß bis auf einen kleinen Rest bis gestern Abend bereits bekannt war. Körnten die liberalen Parteien auch auf erhebliche Verluste vorbereitet sein, so übersteigen dieselben in Wahrheit doch auch die ungünstigsten Erwartungen. Mit einziger Ausnahme LaSker's sind sämmtliche Parteiführer wieder gewählt. | Mit großer Spannung sieht man der Entschließung Bennigsen's entge­gen, der trotz seiner Erklärung, kein Mandat annehmen zu wollen, doch gewählt ist. Man will nicht glauben, daß er angesichts der schweren Niederlage seiner Partei sich der Pflicht entziehen werde, sie zu vertreten.

Das GesammL-Mahlresultat stellt sich mit ziemlicher Gewißheit wie folgt:

1879

1876

Mehr

Weniger.

Konservative

115

36

79

Freiconservative

45

32

13

Ceni.um

95

87

8

National-Liberal

92

174

82

Fortschritt

35

66

31

Dekmokrat

1

1

Außerdem sind noch ca. 10 Wahlen zu verzeichnen, welche keinem bestimmten Parteistand angehören, sowie ca. 10 Polen und 2 Dänen.

Von der Bestimmung des Termins für die Landtagserössnurg