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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit beZktMWU B-ÄaHe, und Samstags mit der Berliner ProviuM-Correspondenz.

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Nr. 233«

Dienstag den 7. Oktober

1878,

Amtliches.

Nachdem der Herr Minister des Innern durch Erlaß vom 25. Februar c. (in Nr. 42 des Amtsblatts enthalten) die Rückerhebung der Kosten für Arbeitsbücher und Arbeitskarten als unstatthaft erklärt, hat die Königliche Regierung zu Casfel dahin Bescheid gegeben, daß diese Formulare von den Ortspolizeibehörden auf Kosten der Gemeindekassen zu beschaffen sind.

Indem dies zur allseitigen Kenntniß und Nachachtung gebracht wird, bemerke ich, daß die hiesige Waisenhaus-Buchdruckerei die Arbeits­bücher pro Stück 9 Pk., die Arbeitskarten pro Stück 2 Pf. liesset.

Hanau am 30. September 1879.

Der Landrath.

Gefunden: Zwei Sonnenschirme, an der Butkerwaage am Markt stehen geblieben. Ein goldmes Armband.

Zugelaufen: Ein schwarzer Pinscher, m. Geschlechts.

Harran am 7. Oktober 1879.

Tus Königlichem Landrathsamt

Wundscha«.

R. F. Die Rückkehr des Kaisers von Baden-Baden nach Berlin wird wahrscheinlich im Laufe der nächsten Woche erfolgen, da die Aerzte diesen Zeitpunkt für besonders geeignet halten, um in Rücksicht auf die Ge sundheit des Kaisers die Ueber siedelung von dem südlichen milderen Klima nach dem nördlichen rauheren zu bewerkstelligen. Der Aufenthalt des Kaisers in Badm-Badm ist übrigens durchaus nicht nur der Er­holung gewidmet, der Kaiser arbeitet fast täglich einige Stunden mit seinen Räthen und empfing auch am 2. Oktober den Bicepräfidenten des preußischen StaatsministeriuMs, Grafen Stolberg, zum Vortrage.

Der BundeSrath Best? bet sich in voller Thätigkeit, zumal sind die Ausschüsse der Zölle und Steuern uud der Justiz vollauf mit vorberei­tenden Arbeiten beschäftigt.

Zu unserer allgemeinen parlamentarischen Lage sei bemerkt, daß die Vorbereitungen der verschiedenen Gefetzesvorlogeu für den im Februar zu eröffnenden Reichstag in einem langsamen Tempo geführt werden, weil Fürst Bismarck außer den umfangreichen Angelegenheiten der äuße­ren Politik vielfach durch die dem preußischen Landtag vorzulegenden Gesetzentwürfe in Anspruch genommen ist. Daß zu letzteren vor Allem die Borlagen über den Ankauf von Privatbahnen gehören, unterliegt wohl keinem Zweifel. Erst nach Erledigung derselben im Landtage können die Tarifvorlagen und das Reichscisenbahngesetz im Plenum des Lundesrathes zur Berathung gelangen.

In der Kirchenfrage scheinen nun endlich doch einige positive Re­sultate erzielt zu sein. Die Anzeigen dafür, daß die Unterhandlungen zwischen dem Fürsten Bismarck und dem päpstlichen Nuntius am Wiener Hofe, Nsgr. Jacobwi, behufs Anbahnung eines modus vivendi zwischen dem deutschen Reiche und der Curie zu einem weiteren Einverständniß geführt haben, mehren sich. Insbesondere kann es kaum noch einem Zweifel unieriiegen, daß in der vor wenigen Tagen abgehaltenen ver­traulichen Berathung des StaatLministeriums die zwischen dem Reichs­kanzler und dem Vertreter der Curie getroffenen Verabredungen den Hauptgegenfiand der Besprechungen gebildet haveu.

Die Resultate der Uiwahlen sür das preußische Abgeordnetenhaus sind nunmehr vollständig bekannt und läßt sich daraus der Schluß ziehen, daß die Liberalen Nicht mehr in der alten Stärke in das AdgkLldneten- Haus eintreieu werden und daß wahrscheinlich eine Koalition zwischen den Coniervaüden ui b Clenkadn die Situation beherrschen wird. Ganz sichere Schüsse kann man indessen in dieser Beziehung mch nicht ziehen, da die eigentlichen Abgeordneter,Wahlen für den preußischen' Landtag erst am 7. Oktober durch die Wahlmänver fcttfh ben, wobei noch manches Wahlremliat anders werden dürfte als man es sich jetzt vorstebt. Für das liberale Lager sind die Urwahlm in Frankfurt a. Main und Hagen (Westphaikn) recht empfindlich ausgefallen und geben entschiedene Beweise dafür, daß der Liberalismus nicht überall mehr das alte Ansehen genießt. In Hagen, weiches seit vielen Jahren als eine Domäne der Fortschritts­partei galt, unterlag der bekannte Eugcn Richter gegenüber der Ver- rmiWng der Cvnjervativcn und Clerikalen und in Frankfurt a. M.

wurde Dr. Lasker aus dem Sattel sehoben, Dr. Lasker scheint den Frankfurtern noch nicht genug Opposition zu machen.

Auf dem industriellen Gebiete ist ein Gerücht aufgeteucht, welches in den Rahmen der deutsch-österreichischen Freundschaft paßt. Danach soll, um die Handelsbeziehungen und die wüthschaftliche Freundschaft Deutschlands und Oesterreichs zu stärken, im Jahre 1880 eine deutsch- österreichische Industrie-Ausstellung in Berlin staitfindrn.

Die cisleithanilche Hälfte Oesterreich. Ungarns befindet sich noch immer in einem parlamentarischen UmwaudlunKsproz-sie, der aus allerlei Anzeichen ersichtlich ist. Fürst Auersperg, der bisherige österreichische Mimsterpräsidevt und langjährige Präsident des österreichischen Herren­hauses, hat nun auch den letzteren Posten niedergelegt und erblickt man darin einen weiteren Schritt des neuen Ministerpräsidenten Grafen Tasse, das parlamentarische Terrain zu Gunsten einer conservatitzen Mehrheit vorzubereiten. In Prag tagt zur Zeit eine Delegirten-Versammlung der österreichischen Handelskammern, die auch die Frage der Handels­verträge berathen und beschlossen hat, dem Ministerium ein Ausgleichs- verfahren vorzuschlogen.

Da die politische Stillung Frankre'chs seit der innioercn Verbin- dnng zwischen Deutschland und Oesterreich und deren Einwirkung auf Rußlands Beziehungen zu den Westmächten eine noch mehr isolirte ge­worden ist, so bleibt der französischen Regierung hinlänglich Zeit, neben der eifrigen Betreibung der Angelegenheiten im Innern des Landes nach auswärts kleine Gefälligkeiten zu erzeigen, um hierfür bei den Empfän­gern gelegentlich auf Dankbarkeit rechnen zu können. Gegenwärtig sind es die Griechen, welche sich der Gunst Frankreichs zu erfreuen haben. Nicht allein,daß die griechische Sache vor dem Berliner Kongresse durch die Bevollmächtigten Frankreichs kräftig unterstützt wurde, sondern auch neuerdings wußte Frankreich den Einfluß Englands und Italiens zu Gunsten Griechenlands zu gewinnen, so daß unter dem Druck dieser Möchte die Pforte wohl oder übel die griechischen ' Forderungen wird gewähren müssen. Das demnächst wieder zur Berathung kommende Feny'schs Unterrichtsgesetz scheint diesmal mehr Aussicht auf Annahme zu haben, nachdem der Unterrichtsminister Ferry selbst eine Rundreise im südlichen Frankreich vollzogen hat, um Propaganda für seinen Eesttz- Entwmf zu machen. Auch der Papst Leo hat der französischen Regie- mg dyrch den in Paris angekommenen neuen Nuntius in einem eigen- händWN Schreiben an den Präsidenten Grevy seinen Wunsch zu erken­nen gegeben, mit Frankreich womöglich gute Beziehungen herzustellen; es dürfte also auch von der Curie dem Unterrichtsgesetz kein entschiedmer Widerstand entgegengesetzt werden.

Der bisher künftig verlaufene Vormarsch der englischen Truppen in Afghanistan ist am Donnerstag auf Widerstand gestoßen. Es wurde das englische Lager am Schutargardan von mehreren unabhängigen Stämmen angegriffen. Obgleich nun diese unter einem Verluste von 20. Todten zmückgewörfen wurden, haben sie dennoch die Verbindung der englischen Truppen mit dem Schutargardan auf beiden Seiten ab­geschnitten, so daß sich die noch im Schutareardan befindlichen englischen Truppen in einer Falle befinden. General Gough ist in Garnural angekommen. Der Gouverneur von Jellaläbäd versprach den Engländern Beistand W leisten.

Während die konstitutionelle Regierung Spaniens selbst im Innern des Landes noch so wenig gefestigt ist, daß sie sich genöthigt sah, zur Unterdrückung eines beabsichtigten republikanischen Aufstandes eine große Anzahl Verhaftungen, namentlich auch unter aktiven Offizieren, vorneh­men zu lassen, denkt sie nichtsdestoweniger an Verbindungen außerhalb des Landes, welche allerdings sehr geeignet sein würden, das Ansehen Spaniens zu heben. Wie nämlich r erteiltet, wird sich der ehemalige spanische Cabinets-Präsident Canovos der Castillo in Kürze nach Deutsch­land begeben, um sich bei dein Reichskanzler Fürsten Biswai ck Aufschluß über die Bedeutung des deutsch- österreichischen Bundes zu etbitten und zugleich dem Wunsche der spanischen Regierung nach Rufnahme in diesin Bund Ausdruck zu geben. Die Hochzeit des Königs Alfons ist oef. Anfang Dezember angesetzt worden.

Aus Rußland wird die frühere Nachricht bestätigt, daß ein Zn- sommentreffen des Fürsten Gorischakofi mit dem deutschen Reichskanzler Fürsten Bismarck in der That beabsichtigt gewesen ist. Diese Begegnung ist aber unterblieben, weil angeblich Fürst Eortschakoff, obwohl dem