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Nr. 221,

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Bälage, und Samstaas mit der Berliner Provinzial-Correspondenz. w « M ........- .....- H. .i

: Dienstag den 23. September '

Ansertions- Preis: .

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Amtliches, kandwirthschastlicher Lreis-Verern Hanau.

Sonntag den 28. September, Nachmittags 4 Uhr, im Gasthaus zum goldenen Löwen zu Hanau: Vortrag des Herrn Vr. Hesse aus Marburg über die GrundZüge des Molkereiwesens. (Richtige Be­handlung der Milch behufs Bereitung von Butter und Käse.)

Der Vorstand.

Die Herrerr Bürgermeister werden um -Veröffentlichung des Bor- stehenden ersucht.

Hanau am 22. September 1879.

Der Landrath.

R u u d s ch a «.

R. F. Ter Empfang und Aufenthalt des Kaisers Wilhelm in Elsaß-Lothringen entspricht ganz den Erwartungen, die man mit beson­derer Vorliebe von der Anwesenheit des Kaisers in den Reichslanden gehegt hat. Schon der Empfang des Kaisers am Donnerstag in Straß­burg war ein außerordentlich herzlicher und nicht nur die Spitzen der

bürg war ein außerordentlich herzlicher und nicht nur die Spitzen der Behörden waren es, die dem greisen Herrscher ihre Huldigung darbrach- ten, nein, auch ein großer Theil der Bevölkerung von Straßburg und Umgebung betheiligte sich mit aufrichtigen Sympathien an dem Empfange des Kaisers. Bei dem prachtvollsten Wetter begaben sich am Freitag Vormittag der Kaiser und die Kaiserin auf das Paradefeld bei Königs­höfen, wo der Kaiser zu Pferde stieg und begleitet von dem Eroßherzog von Badrn als Generalinspekteur des 15. Armeekorps und dem kom» Mandirenden General V. Fransecky in augenscheinlicher Körper- und GeisteSfrische die Parade über das 15. Armeecorps ahnahm. Dem Kai­ser folgten die Kronprinzen des deutschen Reiches und von Schweden und der Prinz Friedrich Karl, dann die Kaiserin in offenem Wagen und hierauf die Mrigen Fürstlichkeiten und Generale. Nach Beendigung der Truppenparade ritt der Kaiser an die circa 70 Kriegervereine, die eben­falls auf dem Paradeplatze Aufstellung genommen hatten, heran und begrüßte auch diese herzlich. Mit einer wahren Begeisterung wurden die Grüße des Kaisers von den Kriegervereinen und ebenfalls von der anwesenden Volksmenge entgegengenommen. Bei dem darauffolgenden Paradediner in Straßburg trank der Kaiser auf das Wohl des 15. Armee- corps. Der Fremdenzudrang in Straßburg und auf dem Paradeplatze war ein ganz kolossaler. Auch die Galavorstellung im Theater am Abend des 19. September war stark besucht und wurde der Kaiser daselbst enthusiastisch begrüßt. Am 20. September betheiligte sich der Kaiser an den Manövern des 15. Armeecorps bei WolfSheim.

Die Hoffnungen, welche matt sowohl in Kreisen der Regierung als auch in denen der Mehrheit der elsaß-lothringischen Bevölkerung an die neue Verwaltung Elsaß-Lothringens knüpft, sind gute. Der General- feldmarsAall Freiherr v. Manteuffel wird es verstehen, im NaMen des Kaisers rücksichtsvoll, aber fest in Staaßburg zu regieren und ist die Art und Weise dieser Regierung mehrfach Gegenstand von Audienzen gewesen, die der Generalfelbmarschall v. Mauteuffel beim Kaiser hatte. Gegen Ende kes Monats wird sich der Generalfeldmarschall auch bereits auf seinen Statthalterposten begeben.

Von wohlunterrichteter Seite wird bestätigt, daß in Sachen der Kirchen frage zwischen dem Reichskanzler und dem päpstlichen Nuntiüs Jakt bini in Wien Verhandlungen, die zum Theil auch in Gestein ge- psivgen wurden, stattgefunden haben. Irgend ein Resultat dieser Ver- hanUungen ist int essen bis jetzt noch nicht bekannt geworden.

Im Brudesrathe ist man bis jetzt noch an keine der wichtigen Vorlagen Herangetreten, welche in der letzten Reichstagssession denselben beschäftigt hatten, aber noch nicht so weit gefördert waren, um an den Reichstag zu gelangen. Es wird angenommen, daß sowohl der Ent­wurf über die Gütertarife als auch über das Eisenlahngesetz noch eine gänzliche Umarbeitung erfahren wird.

Fürst Bitwarck ist in Wien eingetroffen und in sehr schmeichel­hafter Weise am Wiener Hofe ausgenommen worden. Um höchst be­deutsame Zwecke handelt es sich bei dem Besuche des deutschen Reichs­

kanzlers in Wien offenbar, dies beweist schon der Lärm, den alle Zeitun­gen darüber erheben. Jetzt, wo der erste Staatsmann Deutschlands mit den ersten Staatsmännern Oesterreich-Ungarns unterhandelt, ist es in­dessen wsbl gut, die Resultate dieser Unterhandlungen abzuwarten und nicht die Muthmaßungen fortzusetzeWtzi^MUHMK^^^MM^^Hi

In England bemüht sich die Regierung durch ruhmrednerische Kundgebungen die Aufmerksamkeit der Politiker von den immer bedenk­licher werdenden Verwickelungen in Afghanistan abzulenken. Die Gegner des Tory-Cabinets lassen sich jedoch durch solche Manöver in ihrer Opposition nicht beirren, vielmehr nehmen sie aus der mißlichen Lage Englands in Centralasien Anlaß zu einem energischen Vorgehen gegen die jetzige Regierungspolitik. Bei der am Donnerstag in Newcastle stattgefundemn Einweihung eines neuen liberalen Clubs hob einer der hervorragendsten Führer der Opposition, Marquis von Hartington, in längerer Rede hervor, daß nach Ansicht der bestunterrichteten Parteien im Parlament die Auflösung dieses letzteren noch in Weiter Ferne stehe. Die Regierung werde die gegenwärtigen Schwierigkeiten erst vor­übergehen und im Lande in Vergessenheit kommen lasse«. Hartington verglich die gegenwärtige unruhige Politik der Regierung mit derjenigen des zweiten französischen Kaiserreichs unter Napoleon II, welche auch nur den Zweck gehabt habe, die Aufmerksamkeit des Landes von den Fragen der inneren Politik abzulenken. Bezüglich der jüngsten Vör- gänge in Kabul bemerkte der Redner, daß er am wenigsten die Er­füllung seiner früheren Prophezeiungen über die Folgen des Friedens mit Afghanistan gewünscht hätte, jetzt müsse man für das Blutbad Sühne fordern und dann diejenigen zur Verantwortung ziehen, welche die Ent­sendung der Gesandtschaft ohne hinlängliche Escorte verschuldet hätten. Die afghanische Affaire selbst bewegt sich inzwischen noch in den größten Widersprüchen, denn während einestheils ziemlich gravirende Umstände vorliegen, daß der Emir Jakub Khan den Aufstand in Kabul, Herat und Taikh begünstigt oder sich doch dessen nicht gewehrt hat, liegt anderutheils ein Brief Jakob Khans an den Bicekönig von Indien, Lord Lytton, vor, worin der Emir schreibt, daß er mit Freuden den Vor­marsch der englischen Truppen erwarte, um den Aufstand bewältigen und die Missethäter bestrafen könne». Der Emir hoffe zu Gott, bald Gelegenheit zu haben, den Engländern seine aufrichtige Freundschaft be­weisen zu können. Zu der Frage: was mit dem gefangenen Kaf- fernhäuptling Cetewayo werden soll, wird aus London berichtet, daß man den Unhold, der England so sehr gedemüthigt, mit jener Rück­sicht begegnen werde, die man einem tapfern Feinde schuldig ist. Man glaubt, daß ihm auf einer nahe an Südafrika gelegenen Insel eittbleibender Aufenthalt und auch die Mittel zugewiestn werden, daß er ein schwarzer Napoleon auf St. Helena anständig leben und sterben könne.

In Frankreich beschäftigt man sich bei dem Mangel an bedeuten­den Ereignissen um so gewissenloster mit allen sozialistischen Bewegun­gen, welche der republikanischen Regierung Sorge bereiten. Das Neueste in dieser Beziehung ist die bevorstehende Eröffnung eines sozialisti­schen A r d e i t e r c o n g r e s s e s in Marseille, sowie eine Agitationsreise Louis Blavc's nach dem Süden von Frankreich.

Bisher war es sicher, daß Graf Schuwaloff der Nachfolger des russischen Reichskanzlers Fürsten Gortschakoff sein werde. Aus einer Reise des Fürsten Lobanoff noch Livodia zum Kaiser Alexander folgert man indessen, daß der Fürst Lobanoff zum Nachfolger Gortschakoff's ausersehen sei. Die Kuldscha- Frage zwischen Rußland und China ist endgültig entschieden. Für die Zurückgabe Kuldscha's an China werden den russischen Unternehmern und Handelsleuten auf allen Märkten im Innern von China freier Zutritt gestattet, Rußland erhält 5 Mill. Rubel Entschädigung und ein Steppengebiet am oberen Jrtisch jenseits des SaissüN'Sees.

Die Feindschaft der nichtmuheinedanischen Bewohner Ostrumeliens gegen die zUiüükehrenden muhemedonischen Flüchtlinge entbrannte zu schreienden Ungerechtigkeiten gegen die letzteren und wurden in den ent­standenen großen Tumulten viele Türken getödtet oder verwundet. Die