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Jährlich 9 Mari Halbj.4M.S0P.

Vierteljährlich

2 Mark 25 Pfg. Für auswärtige Abonnenten mit dem betreffen, den Postanjjchlag. Die einzelne Num­mer 10 Pfg.

Nr. 212,

Hamnn Adriger.

Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage» und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correipondenz.

Freitag den 12. September

JnfcrtionS-

PrciS:

Die Ifpalti^e Earmondzeile ob

deren Raum

10 Pfg.

Die arbeit. Zeil.

20 Pfg.

DieSfPaltigeZcile

SO Pfg

1878.

Amtliches.

Es ist in letzter Zeit bei Pulvertransporten von der Pulverfabrik nach dem Central-Bahnhof mehrfach vorgekommen, daß Privatfuhrwerke, welche den mit Pulver beladenen Wagen begegneten, diesen nicht aus- gewichen und auch den dekhalbigen Aufforderungen der begleitenden Soldaten, dies zu thun, nicht nachgekommen sind.

Indem hiermit die Bestimmungen der Polizeiverordnung vom 15. Januar 1840 und vom 2. Juli 1849, wonach alle sich begegnenden Fuhrwerke rechts auszuweichen haben, in Erinnerung gebracht werden, wird weiter darauf aufmerksam gemacht, daß die, die Pulvertransporte escortirenden Mannschaften dahin instruirt sind, Contraventionen behufs nachdrücklichster Bestrafung dahier zm Anzeige zu bringen.

Hanau am 9. September 1879.

__________________________Der Landrath.__________________________ Bekanntmachung.

Die soeben erstiegenen Post- und Telegrap hen« Nach­richten für das Publikum können bei der hiesigen Post.Annahme­stelle sowie durch die Briefträger zum Preise von 10 Pf. das Stück bezogen werden.

Hanau, 11. September 1879.

Kaiserliches Postamt.

Lins.

Rundschau.

E. F. Mit freudiger Genugthuung blickt unser Volk auf seinen greisen Heldenkaiser, der säst noch wie in rüstiger Mannes kraft den diesjährigen großen Truppenübungen beiwohnt und dabei auch nicht ver­säumt, seinen übrigen Herrscherpflichten gerecht zu werden. In ganz hervorragender Weise trat dies während des Aufenthalts des Kaisers in Königsberg hervor, der alten preußischen Krönungsstadt, an welche sich für das preußische Königs- und nunmehrige deutsche Kaiserhaus so be­deutsame Erinnerungen knüpfen. Noch einmal stellen wir daher die Kaiserfeierlichkeiten in Königsberg zusammen. Die große glanzvolle Parade vor dem Kaiser, in Gegenwart der Kaiserin, des Kronprinzen, des Prinzen Friedrich Karl, des Prinzen Wilhelm, des Feldmarschalls Grafen MoUke, des Kriegsministers v. Kameke und zahlreicher fremder Osficiere fand am Freitag statt. Bei dem am Nachmittage stattgehabten Parad^diner trank der Kaiser auf das Wohl des I. ArmeecorpS, welches unter allen seinen Königen ruhmvolle Tapserkeit bewiesen habe. Darauf folgte am Sonnabend ein interessantes ohne jeden Unfall abgelaufenes Corpsmanöver, dem der Kaiser zu Pferde mit größter Aufmerksamkeit verwohnte und am Schlüsse des Manövers dem commandirenden General v. Baruekow für die gute Durchbildung des I. Armeekorps dankte. Am Nachmittage dieses Tages empfing die Kaiserin im Königsberger Schlosse Damen des osipreußischen Adels, die höheren Beamten und Stabs- osstciere. Bei dem darauffolgenden Diner, zu welchem vorzugsweise die Spitzen der Civilbehörden geladen waren, brächte der Kaiser einen Trink- spruch auf das Wohl der Provinz Ostpreußen und der Stadt Königs- berg aus. Darauf dankte der Oberpräsident v. Horn mit einer längeren Ansprache und mit einem Toast auf den Kaiser. Am Sonntage wohnte i Kaiserpaar mit seinem Gefolge dem Gottesdienste in der Echloß- k-rche bei und am Abend beehrten der Kaiser und die Kaiserin ein Fest­mahl des ostp-eußischen Previnzialverbands mit ihrer Gegenwart, wöh- rend der Kronprinz und Prinz Wi he'm leutselig genug waren, um kinem Festcomwers der Studirend-n der Universität Königsberg beizu- wohnen. Am P oniag und Dienstag wohnten der Kaiser und die Prin» zen noch den Cmpsn anövern und einem EchiffL Manöver im Hafen von Kontgsberg bei m d verließen am Mittwoch früh Königsberg, um sich über ranzig nach Stettin zu den Manövern des II. Armeekorps zu stieben. Die Kaiserin hätte sich schon am Montag nach Berlin zurück, begeben und beabsichtigt sich von dort noch auf einige Zeit nach Baden- Baden zu begeben.

,. . Die Fragen unserer inneren Politik liegen zur Zeit noch ruhig ms der Bundesrath und die Ministerien mit nächster Woche ihre volle Thairgkeit entfalten oder sie drehen sich in Bezug auf die Lage und Be­

strebungen der Parteien im Kreise, bis der Ausfall der preußischen Landtagswahlen auch in letzter Beziehung eine Klärung der vielfach verworrenen Verhältnisse herbeikühren wird.

In Bezug auf den preußischen Justizminister Leonhardt taucht jetzt wieder das Gerücht acff, daß derselbe ton seinem Posten zurückträte und durch den Unterstaatssecretär Friedberg ersetzt werden solle. Wir legen dem Gerüchte jedoch keine ernste Bedeutung bei, da selbige ohne Grund schon früher mehrere Wale austauchten.

Die Besetzung der Stelle eines Unterstaatsstcretärs für Handel und Gewerbe in der am 1. Oktober in Funktion tretenden Regierung für Elsaß-Lothringen wird nun wahrscheinlich doch durch den Apstbeker Klein in Straßburg, einen mit staatsmännischm Talenten begabten Mann, er­folgen Die Elsässer würden daher schon ein gut Stück Selbstverwal­tung haben, denn in Herrn Klein säße einer der Ihren mit im Mini­sterium

Die deutsch-russischen Zwistigkeiten werden nach der Zusammenkunft beider Kaiser als ein überwundener Standpunkt betrachtet. In Deutsch­land zumal freut man sich von Herzen über die Beilegung des deutsch- russischen Zeitungsttkegs und in Rußland ist man jetzt auch maßvoll und vernünftig genug, ein Zerwürfniß zwischen Rußland und Deutsch­land als eine ganz zwecklose, abenteuerliche Affaire zu betrachten, da keiner der beiden Staaten durch einen Krieg gegen den anderen etKaS gewinnen kann. Einige Organe gibt es in Rußland allerdings auch noch, die im Stillen weiter hetzen, aber dergleichen Manöver haben keine Bedeutung.

In den auswärtigen Angelegenheiten ist es ein England betref­fendes Ereigniß, welches die ganze Welt in Erregung gebracht hat und die englische Coloniakpoliti? in einem schlimmen Lichte erscheinen läßt, so daß möglicher Weise aus der Affaire auch noch eine englische Mini­sterkrisis entstehen kann. Die englische Gesandtschaft in Kabul, der Hauptstadt Afghanistans, ist ermordet werden. Die in Edinburg wei­lende Gemahlin des unglücklichen Gesandten am Hofe Zacub Khans, Sir Louis Cavsgnari, erhielt ein Telegramm des Bicekönigs von In­dien, welches meldet, daß ihr Gatte, gonig Cavagnari, der Sekretär Jenkins, Dr. Kelly und Lieutenant Hamikton mit der ganzen aus 67 Mann bestehenden Escorte der englischen Gesandtschaft in Kabul nach verzweifelter Gegenwehr getödtet worden sind. In der Nacht vom Freitag zum Sonnabend erhielt Major Conolly Briefe des Emir, in denen die Unglücksbotschaft bestätigt und hinzugefügt wurde, daß die aufständischen Regimenter, welche von der Bevölkerung unterstützt wor­den sind, des Emirs Arsenale und Magazine geplündert und zerstört hätten. Darauf sei die Gesandtschaft von erdrückender Uebermacht an­gegriffen worden. Der Emir erklärt, von dem Aufstand vollständig überrascht worden zu sein und alles gethan zu haben, ihn zu unter drücken. Er habe den General Darud Schah dem Major Cavagna-e zu Hilfe gesandt, doch sei der General vom Pferie gerissen und tödtliu- verwundet worden. Darauf habe der Emir seinen Sohn mit dem Gou­verneur von Kabul und anderen einflußreichen Personen entsandt, aber der Mob war vollständig unlenkbar, während des ganzen Mittwoch habe der Angriff auf die Gesandtschaft fortgedauert und wäre in denGebäu- den Feuer ausgebrochen. Der Emir erklärt in größter Noth und selbst belagert zu sein und bittet um Hilfe durch englische Truppen, welche bereits auf dem Vormärsche begriffen sind. Wahrscheinlich wird Eng­land nur auf eine einscche Bestrafung der vebclthäter bestehen, um kei­nen neuen Krieg in Afghanistan zu provoziren, wenn man auch vielfach der Meinung ist, daß der Emir selbst die Angelegenheit angezettelt habe.

An Stelle des von Konstantinopel nach London versetzten russischen Botschafters Fürst Lobanoff ist der bisherige russische Gesandte in Athen Saburow getreten, doch verlautet noch nichts, welche Verwendung der bisherige russi'che Botschafter in London, Piter Schuwaloff, in russischen Staatsdiensten erhalten soll.

Wenn in Frankreich auch noch manche Crnfiictsragen in der Schwebe hängen, so kann doch nicht geleugnet werden, daß die repu­blikanische Regierung klug und weift ist und die republikanische Staats- resorm in Frankreich jetzt fest begründet erscheint. Die Pariser Blätter