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Zugleich Amtliches OrWM für Kreis und Stadt Harm«.

Erscheint täglich mit AuSnshMk der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samkags mit der Berliner Provinzial- Correspondenz.

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Preis-

Die ispaltige Dmmiondzetle od, leren Raum

10 Pfg.

Die Lspalt. Zeile

20 P sg.

DieSipaitigeAeils 80 Pfg

Nr. 206.

Freitag den 5. September

1879.

Amtliches.

Gefunden: Ein farbiges Perlentäschchen. Ein vierrädrigerer Handkaftenwagen. Ein kleines Päckchen graues Wollengarn.

Zugelaufen: Bier Stück Gänse.

Hauau am 5. September 1879.

Aus Königlichem Landrathsamt.

Rundschau.

R. F. Urplötzlich ist in dieser Woche die Nachricht von einem Ereigniß gekommen, an welches, abgesehen von den eingeweihten Kreisen, wohl Niemand mehr gedacht hat. Der Kaiser Wilhelm reiste am 3. September nach der russischen Grenze ab, woselbst in dem Städtchen Alexandrowo eine Begegnung des Kaisers Wilhelm mit dem Kaiser Alexander von Rußland stattfand. Am Donnerstag reiste dann der Deutsche Kaiser von Alexandrowo weiter, um sich zu den Manövern nach Königsberg zu begeben. Durch diese Begegnung der Monarchen von Deutschland und Rußland wird offenbar Vieles in der in letzter Zeit scheinbar recht zweifelhaft gewordenen politischen Situation richtig gestellt, denn diese Kaiserzusammenkunst gibt offenbar den Beweis, daß die Beziehungen zwischen Deutschland und Rußland, was die ersten und maßgebenden Kreise beider Staaten onbetrifit, die alten freundschaftlichen geblieben find und daß all' die deutsch-russischen Aergernisse, von denen wir in letzter Zeit so viel hören mußten, nur der Ausfluß der Uuzm friedenheit gewisser, russischen Kreise waren. Von einer politischen Mis- sion des Feldmarschallsv. Manteuffel zum Kaiser von Rußland nach Warschau kann man daher auch nicht mehr sprechen, denn bei der be­kannten langjährigen Freundschaft der Kaiser Wilhelm und Alexander bedurfte es wahrhaftig der Sendung des Feldmarsckalls nicht, um eine Begegnung beider Kaiser herbeizuführen. Die Wission des Freiherr» st Manteuffel nach Warschau war nur ein Höflichkeitsact, den Fürsten einander erweisen, wenn der eine sich nahe an den Grenzgebieten des anderen befindet.

Die Feier des Sedantages ist, wie Berichte aus allen Gauen Deutschlands besagen, in hergebrachter Weise begangen worden. Mit bestem Beispiele ging die Reichshauptstadt Berlin voran. Der Flaggen- schmuck der Gebäude, die große Herbstparade vor dem Kaiser auf dem Tempelhöfer Felde und eine große Anzahl Festlichkeiten für die ver- schieden sten Klaffen der Berliner Einwohnerschaft gab dem Feste seinen alten Glanz. In ganz ähnlicher Weise wurde der Sedautag auch in allen größeren Städten begangen und auch die kleineren Ortschaften ermangelten nicht, in ihrer Weise das Fest zu begehen.

Die Manöver in Elsaß-Lothringen werden augenscheinlich dazu d-enen, der Welt und zumal der französischen zu zeigen, daß das deutsche Nerch seit an seinen vor acht Jahren ausgenommenen Traditionen hält. Alles deutet darauf hin, daß die diesjährigen Kaiserlüge im Elsaß die des LahrrS 1877 an Glanz noch weit übertreffen werden. Die Könige von Sachsen und Württemberg, die Kronprinzen des deutschen Reiches u«d von Schweden, der Großherzog von Baden und noch viele andere Fürstlichkeiten werden mit dem Kaiser zugleich in Straßburg eintreffen. Außerdem nehmen an den Manövern eine sehr bedeutende Anzahl von Offizieren fast aller Staaten Theil, selbst China und Japan sind ver­trete«. Die Ankunft ches Kaisers ist nunmehr bestimmt auf den 18. September festgesetzt, der Hofstaat wird jedoch schon vier Tage früher mntreffen. Ueber die stattfindenden Festlichkeiten ist bisher noch nichts Bestimmtes bekannt geworden; das jedoch dürfte bereits als sicher anzu- nehmen sein, daß die elsaß-lothringische Landbevölkerung diesmal dem Raffer noch glänzendere Huldigungen darbringen wird, als vor zwei Jahren.

Am 1. September wurde der zum außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Minister des Kaisers von China in Berlin ernannte Li-Fong.Pao vüm Kaiser Wilhelm in Berlin tu Audienz empfangen unö hat aus dessen Händen das Schreiben seines Souveräns entgegen- genommen, wodurch er in der gedachten Eigenschaft am Berliner Hofe beglaubigt wird.

Die Wahlangelegenheiten desA preußischen Landtages sind zur Zeit

im vollen Gange. Zu der Wgitatio« der Parteien wird nun auch die Thätigkeit der Minister, welche über die Anordnung der parlamentari­schen Geschäfte zu beschließen haben, hinzutreten. Die Auflösung des preußischen Landtages muß auch demnächst erfolgen, da die Neuwahlen gegen Ende dieses Monats in Aussicht genommen sind. — Nach dem Bekanntwerden des nationalliberalen Wahlaufrufs erfährt man auch, daß ungefähr der vierte Theil der bisherigen nationalliberalen Landtagsav- gemdneten nicht wieder gewählt zu werden wünschen.

Die österreichisch-ungarische Doppelmonsrchie bietet zur Zeit ein buntfarbiges politisches Bild dar. Die Kanzlerkrisis hat ihre Lösung dahin gefunden, daß der Graf Andrasiy noch einige Zeit auf seinem Posten bleibt, um noch mehrere kleinere Fragen, die aus der Orient­politik des Grafen resultiren, zu schlichte«. Es ist dies eine türkisch­montenegrinische Grenzfrage, ferner die Frage der nunmehr in's Werk gesetzten Occupation des Gandschaks Novibazar und der Streit zwischen Rußland und Rumänien wegen der kleinen Donaufestung Arab Tabia, wo Oesterreich oder vielmehr dessen Kanzler Graf Andrasiy den Stand­punkt Rumäniens vertritt. Nach Ordnung dieser Angelegenheiten wird der sich nach Ruhe sehnende Graf Andrasiy von dem Baron Haymerle ersetzt werden. Von seiner Begegnung mit dem Fürsten Bismarck ist der Graf Andrasiy in denkbar bester Stimmung nach Wien zurückgekehrt und wird der intime Austausch der politrschen und persönlichen Freund­schaft der beiden Kanzler eine Fortsetzung durch einen Besuch des Fürsten Bismarck in Wien am 13. oder 14. September erfahren. Merkwürdig ist angesichts der allgemeinen europäischtu Lage und der Verwendung zahlreicher österreichischer Truppen in Bosnien und Nevibazar eine Mit­theilung aus Wien, wonach eine Veränderung des stehenden österreichisch- ungarischen Heeres in bestimmte Aussicht genommen ist. Der Graf Taase, der dieses Projekt vertrete, suche bereits mit dem Kriegsminister zu einem betreffenden Einvernehmen zu gelangen.

Die gemäßigt liberale französische Republik hat den Radikalen gegenüber eine empfindliche Niederlage erlitten. Blanqui, der „Vater der Revolutionen", ist bei der Wahl eines Deputirten im ersten Arrondisse- ment von Bordeaux abermals zur Stichwahl gekommen, er erhielt 3939 Stimmen, während seine beiden republikanischen Gegenkandidaten zusam­men nur 3226 erhielten. Bei der ersten Wahl am 16. April d. J. fielen auf Blanqui 37C0 Stimmen, während der republikasische Gegen­kandidat 4700 erhielt. Auch hier wurde eine Stichwahl nothwendig, die am 20. April stattfand und bei welcher Blanqui, der „Gefangene von Clairvanx", mit einer Mehrheit von 1471 Stimmen siegte. Von diesem Tage an bis zum s. Juni stand nun die „Frage Blanqui" fort-- gesetzt auf der Tagesordnung der politische« Diskussion in Frankreich, denn Blanqui hat nur die Mehrheit der abgegebenen Stimmen, das französische Wahlgesetz schreibt zur Gültigkeit einer Wahl aber vor, daß ein Viertel der Stimmen der Wahlberechtigten auf den Wahl- kandidaten fallen müssen, was bei Blanqui nicht der Fall ist.

In England spielt, wenn man so sagen darf, seit einiger Zeit ein Gespenst eine politische Rolle und zwar ist dirs das Gespenst von der Auflösung des Parlaments, welches sowohl in den Köpfen der Conser- vativen als auch in denen der Liberalen spukt, ohne bis jetzt irgend welche weitere Resultate hervorzubringen. — Nach den Berichten des englischen Kriegsministers nimmt sich die englische Simee recht gut aus. Demzufolge beläust sich die Stärke der englischen Armee für das Jahr 1879/80 auf 396,755 Mann aller Waffengattungen. Davon kommen 1302 Mann auf die Garde-Kavallerie, 15,998 auf die Linien-Cavallerie, 35,215 Mann auf die Artillerie, 5950 Mann auf die Fußgarde, 120,005 Wann auf die Linien-Jnfanterie, 17,622 Wann auf die Ar­tillerie-Miliz, 118,625 Mann auf die Infanterie Miliz und 14,510 Mann auf die Gendarmerie. Die Zahl der Freiwilligen ist auf 244,269 Mann angegeben, so daß die britischen Streit- und Vertheidigungskräfte im Ganzen eine Stärke von 581,018 Mann repräsentiren.

Die Türkei ist unausgesetzt bemüht, ihren Eifer, die ihr durch den Berliner Vertrag auserlegten inneren Reformen zur Durchführung zu bringen, der ungläubigen Welt zu betheuern. Aus Konstantwopel wird gemeldet, daß die in dem Artikel 23 des Berliner Vertrags erwähnten