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Nr. 205.
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ZNKlsich Amtliches Orgrm für Kreis tmb Stadt Hcruau.
Lrfchemt täglich mit Auruahme der Sonn- und Feiertage, mit beLLtmftischer Beilage/ und Samstags mit der Berliner Provinzial-Eorrespoudenz. ------------------------------------ -------------------------------------------------------------
Donnerstag den 4. September
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Die IfpalHge Sanncn'Oji'ile ob. beten Sicum
10 Pig.
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30 Bis
1878.
Amtliches.
Bekanntmachung. Inbetriebnahme des Deutsch-Norwegischen Kabels.
Zwischen Deutschland und Norwegen ist eine unmittelbare unterseeische Telegraphenverbindung hergestellt worden, welche am 5. September in Betrieb genommen werden wird. Von diesem Zeitpunkte ab kommt für Telegramme nach Norwegen eine Grundtaxe von 40 Pfennig für das Telegramm und eine Wortgebühr von 20 Pfennig für jedes Wort zur Erhebung.
Berlin W,, 2. September 1879.
Der General-Postmeister.
Stephan.
Rundschau.
K F. In gewohnter Weise beging auch dieses Jahr Alldeuisch- land das nationale Gedenkfest des 2. "September, zumal nahm in den Mittelpunkten des deutschen Volkslebens, in den großen Städten, die Feier einen glänzenden Verlauf, aber auch die kleineren Städte und Dörfer schlössen sich mit ihren Festlichkeiten zum Sedanfeste den großen Städten würdig an.
Das noch immer nicht beseitigte Fußleiden des Kronprinzen ist ein ganz seltsames. Nach der Cur, welch/ der Kronprinz in diesem Frühjahr in Kisfingen nahm, bildeten sich an der Sohle des rechten Fußes Blasen, die vrm Kronprinzen nicht weiter beachtet wurden. Diese Blasen gingen jedoch später in Eiter über, wurden nun schmerzhaft und lassen sich sehr langsam vertreiben, doch konnte der Kronprinz in letzter Zeit sich wieder einer engeren Fußbekleidung bedienen fund hoffentlich wird das Uebel bis zum Beginn der großen Manöver gänzlich gehoben sein.
Es bestätigt sich, daß der ritterliche König Albert von Sachsen, welcher in ruhmvollster Weise als Heerführer an dem deutsch-französischen Feldzuge theiinahm, au der Seite des Kaisers den diesjährigen Manövern in Elsaß-Lothringen beiwohnen wird.
Die Zusammenkunft des Fürsten Bismarck mit dem Grafen Andraffy, welche in voriger Weche in Eastein fiattfsnd, war eine ebenso herzliche als vertrauliche. Die beiden Kanzler waren fast den ganzen Tag beieinander und hatten mehrere längere Unterredungen, an denen keine dritte Person theilnahm. Ueber die politische Bedeutung der Zusammenkunft kann man selbstverständlich nichts Positives angeben, aber mau geht wohl nicht zu weit, wenn man behauptet, daß ein engerer Abschluß zwischen Deutschland und Oesterreich im Werke ist, vielleicht zu dem Zwecke, um russischen Uebergriffen einen energischen Dämpfer aufzudrücken. Zur Charakteristik der deutsch-österreichischen Intimität sei auch erwähnt, daß Fürst Bismarck in einer der nächsten Wochen zum Besuche in Wien eintreffen wird.
An dem Projekte der Reichseisenkahuen wird in maßgebenden Kreisen festgehalten, denn nach Berliner Nachrichten wird sich der Run- desrath bald nach seinem Zusammentritte mit der Vorlage betreffend ein Reichseisrnbahngesetz beschäftigen. Denselben Gedanken, den der Reichskanzler in Bezug auf die Re-chSeifenbahnen sefihält, kultivirt auch der preußische Minister der öffentlichen Arbeiten, Herr Wahbach, bezüglich der Erwerbung von EtaatSeisenlahnen.^ So hat der Minister bereits die Bedingungen bekannt geben lassen, unter welchen der preußische Etaat die Rheinische Bahn und die Berlin-Nnhaltische Bahn anzukaufen gedenkt.
Der Wahlkampf bezüglich der preußischen Landtagswahlen läßt sich nunmehr wenigstens in Bezug auf die Wahlprogromme übersehen. Denn diejenigen Parteien, Freiconservative, Nationalliberale, Polen u. s. W., welche bisher mit ihren Wahlprogrammen noch im Rückstände waren, sind nun auch mit denselben Hervorgetreten. SS würde zu weit führen, wenn wir an dieser Stelle die einzelnen Wahlprogramme näher ausführen wollten, wir bemerken nur, daß die Wahlprogramme der maßgebenden Parteien viel gemäßigter sind, als einzelne frühere Auslassungen. Zumal findet man in den Programmen der Neu- und Frei«
conservativen und der Nationalliberalen vielfach dieselben Gesichtspunkte vertreten, so daß die Parteizersplitterung hoffentlich nicht die Dimensionen annehmen wird, die man vielfach fürchtete.
Die Frage der Nachfolgerschaft des Grafen Andraffy in Oesterreich hängt noch in der Schwebe, doch ist es höchst wahrscheinlich, daß der tüchtige und dem Grafen Andraffy befreundete Baron Haymerle Kanzler von Oesterreich-Ungarn werden wird. Was den neuen Leiter der österreichischen auswärtigen Politik anbelangt, so bleibt eben nur zu bemerken, daß man auf den Deutsch-Oesterreicher griff, nachdem die magyarischen Diplomaten abgelehnt hatten. Damit Ungarn doch im österreichischen Ministerium des Aeußer» vertreten sei, wird Herr v. Kallay, der ehemalige Resident in Belgrad und ostrumelische Kommiffar, als Unterstaatssecretär des Aeußern bezeichnet, ganz ohne Frage eine glückliche Wahl.
Die todte Saison dürfte in Frankreich die nächsten Wochen sehr lebendig werden. Während die Republikaner und Monarchisten sich in den Generalrächen um das Unterrichtsgesetz herumstreiten, landen dieser Tage in dem Pyrenäenhafen Port Vendres — dem einsamsten Winkel, welchen sich die Regierung an der Mittelmeerküste ausgesucht hat — die ersten Transporte der begnadigten Communards aus Neu Caledonien. Sie sollen zur Nachtzeit ausgeschifft werden, wie das Ministerium in weiterer Vorsorge gegen alle Demonstrationen verordnet hat, und man wird es auch sonst vermuthlich nicht an Maßregeln haben fehlen lasten, um alle unliebsamen Zwischenfälle zu verhindern. Die Befugnisse der Regierung sind in dieser Beziehung hier eben sehr beschränkt, denn die CommunardM betreten nach dem Lmueftiegesetz als freie und vollberechtigte Bürger den französische» Boden und mit ihnen wird sich ein neues Element in der ohnehin so unruhigen Politik dieses Landes zur Geltung bringen.
In England beschäftigen sich gegenwärtig die Parteien mit der Frage der Auflösung des Parlaments. Die Conservativen sind vielfach der Meinung, daß es mit ihrer Herrschaft demnächst ein natürliches Eude nehmen und auch das bisherige Gabinet gestürzt werden würde und da dies nur in Folge einer siegreichen Wahlschlacht der Liberalen geschehen könnte, so wittert man in allen Ecken eine ParlamentSauflö- sung, die indeffen von der Regierung noch gar nicht geplant wird.
Ueber das Ergebniß der Reife des Generalfeldmarschalls v. Man- teuffe! zum Kaiser Alexander nach Warschau fehlen noch jede nähere Angaben, doch stimmen deutsche und russische Zeitungen darin überein, daß durch diese Mission, die schon seit längerer Zeit zwischen deutschen und russischen Kreisen bestehende Spannung eine Gegendemonstration erfahren solle. — Aus Rußland ist es der Abschluß eines großen Nihi- listenprozesses in Odeffa, welcher die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich zieht. Bei dem Verhöre der Verbrecher kamen wieder die schaLderhafl testen Thatsachen an's Tageslicht. Zu den schweren Verbrechern gehört auch ein vierzehnjähriges Mädchen, welches bewaffneten Widerßand gegen die Obrigkeit geleistet hatte und deshalb zur Zwangsarbeit in Sibirien verurtheilt wurde, weil die Richter der Meinung waren, daß das Mädchen mit Ueberlegung und Absicht gehandelt habe. Fünf Personen wurden zu Todesstrafen verurtheilt und drei von ihnen sofort gehängt.
Der König von Spanien ist von seiner Brautreise nach dem fran« zösische» Seebade Arcachon wieder nach Spanien zurückgekehrt und seine Braut, die Erzherzogin Marie Christine von Oesterreich, hat sich in Begleitung ihrer Mutter über Paris nach Wien zurückbegeben. Man erwartet demnächst den König Blsons zu einem Besuche am Wiener Hofe, um die letzten Förmlichkeiten zur Hochzeit festzustellen.
Die portugiesischen Kammern sind am 29. August aufgelöst worden und finden die Neuwahlen voraussichtlich am 19. Oktober statt.
Zur griechisch-türkischen Grenzn gulirungsfroge erfährt man, daß die ottomanischeu Cvwmiffare in der nächsten Sitzung brr Grenzregu- lirurgscrmmisfion die Mittheilung machen wurden, daß die Pforte die durch das Protokoll des Berliner Congreffes angedeutete Grenzlinie acceptire. Sämmtliche Großmächte wären geneigt, das Verfahren ein* zuschlagen, über welckes Frankreich und England sich einigen dürsten. Die Türkei und Griechenland würden wahrscheinlich zu einer Verständi-