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Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage/ und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.

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Nr. 193.

Mittwoch den 20. August

1879.

Amtliches.

Bekanntmachung.

Bei dem Postamte in SchenklengSfeld ist am 14. d. Mts. eine Telegraphen-Anstalt mit Fernsprechern in Wirksamkeit getreten.

Dassel, 16. August 1879.

Der Kaiserliche Ober-Postdirektor __Bahl.________________________

Steckbrief gegen den wegen Diebstahls zu einer Gefängnißstrafe von sechs Wochen rechtskräftig verurtheilten Ziegler Eonrad Schilling lOr von Som- born mit Ersuchen um Festnahme und Nachricht anher.

Hanau, 18. August 1879.

Der Staats-Anwalt Sporleder.

T a g e S s ch a u.

Se. Majestät der König haben Allergnädigst geruht: dem Ober- Berwaltungsgerichts-Rath Gustav von Goßler zum Unterstaatssekretär und Direktor im Ministerium der geistlichen, Unterrichts- und Medizi­nal. Angelegenheiten zu ermnnen.

Nach der eben erschienenen Rednerliste der letzten Session des Reichstages haben, einschließlich der persönlichen Bemerkungen und der Reden zur Geschäftsordnung das Wort ergriffen: Von den Bevollm. zum Bundesrathe 19 Mitglieder, darunter der Präs. des ReichSkanzler- amts, Hosmann, 58, Eexerelpostmeister Stephan 29, Staatssekretär Herzog 24, Fürst Bismarck 22, Staatssekretär Friedberg 21, Ober­steuerrath Moser 18 Mal; dann folgen Stosch mit 9, Bülow mit 8 u. s. w. Von den Kommissaren des Bundesraths betheiligten sich 31 an den Debatten; davon nahmen das Wort die Geh. Räthe Mayr 38, Kurchard 35, Tiedemann 21, Geh. Justizrath Meyer 14, Michaelis und Hub er je 7, Finkelnburg 6, Rothe 11 Mal. Von den 397 Abg. des Reichstags griffen nicht weniger als 216 Mitglieder in die Diskussion ein. Den Löwenantheil nimmt der Abg. Richter (Hagen) mit 154 Re­den und Bemerkungen in Anspruch; es nahmen das Wort ferner Windt- Horst 129, Rickert 93, Laster 90, Kardorff 70, Hammacher 67, Graf Stolberg (Rostenburg) 49, Sonnemann 48, Delbrück 47, Kleist-Ketzvw 40, Reichensperger (Crefeld) 39, Stumm 35, Bamberger 32, Benda 30, Zinn 28, Schmid (Württemberg) 26, Dr. Zimmermann 25, Frhr. v. Schorlemer 24, Bötticher (Flensburg), Hänel und Lucius je 23, Schauß 21, Ackermann und Graf Frankenberg je 20, Berger, Buhl und Richter (Meißen) je 18, Löwe (Berlin) 17, Frhr. v. Maltzahn und Dr. Mendel je 16, Stephani 15, Knapp und Wolffjon je 14, Graf Ballestrem, Braun, Fürst Hohenlohe-Langenburg, Karsten, Löwe (Bochum), Barn- Hüler und Winterer je 13, Bär (Offenburg), Geseler, v. Helldorf (Bedra), Etaudy und Melbeck je 12, Ruppert, Laporte, Ludwig, Mosle, Witte (Mecklenburg) je 11, Bähr (Casiel), Grad, Lingens, Meier (Bremen), Mirbach, Schneegans je 10 Mal. Von den anderen Rednern nahmen u. A. das Wort v. Heeremar.n, Liebknecht, v. Stauffenberg und Rei- chensperger (Oipe) je 9, v. Bkhr, Frhr. zu Frankenstein, Härle, Koyser, v. Putikamer (Löwenberg), v. Wedell je 8, Bebel, Beunigsen, Bernuth, Graf Bethusy, Büchner, Völk je 7, Treitschke 4, Forckendeck, Dr. Frie­de nlhal, Schulze-Delitzsch 3, Graf Moltke, Fritzsche und Hölder ein Mal.

Bei der Loslösung der Finanzabtheilung von dem Reichskanz­leramte behufs Constümrung des Reichsschatzamts sind auch die Bausachen dem letzteren überwiesen worden, so daß die beiden vortragenden Räthe, welchen die Bearbeitung dieser Angelegenheiten obliegt, die Geh. Regie- rungrräthe v. Mörner (alias Neumann) und Busse, dem Schatzamte zugetherlt wo. den sind. Von den übrigen Räthen sind, soweit bis jetzt bekannt, die Herren Aschenborn, Schnitz und Lieber dem Echatzamte überwiesen, während Geh. OberregierungSrath Huber im ReichSkanzler- amte verbleibt. Die Verhandlungen des Reichsschatzamts mit den übri­gen Ressorts bezüglich des Etats für 1880/81 werden voraussichtlich erst im Oktober beginnen. (Trib.)

Da neuerdings mehrfach Fälle vorgekommen, daß deutsche Reisende an der rumänischen Grenze Schwierigkeiten gefunden haben,

weil sie nicht im Besitz von Püffen waren, so hat der Reichskanzler die Landesregierungen ersucht, darauf aufmerksam zu machen, daß zur Reise nach Rumänien ein Reisepaß erforderlich ist.

In einer für die süddeutsche Auffassung sehr bezeichnenden Weise hebt die Süddeutsche Presse hervor, daß es, abgesehen von den alle Interessen umgestaltenden Zollfragen, die preußischen Gegensätze und Bitterkeiten gewesen seien, welche das natürlich gegebene Verhältniß zwischen dem Einiger der Nation und der nationalliberalen Partei der­selben verschoben habe. Gegen den deutschen Reichskanzler, führt sie weiter aus, habe der deutsche Linksliberalismus gründlich und absolut Unrecht. Dann fährt sie fort:

Um so schärfer aber muß eben deswegen dagegen protestirt wer­den, wenn jetzt ein Theil der Berliner Parteipresse in den preußischen Wahlkämpfen einen Kampf um die innere deutsche Polckik erblickt. Ge­wisse nirgends ernsthaft genommene Stimmen meinen bereits, daß die preußische Krone den künftigen Kanzler aus den Reihen der diesmal vermeintlich siegreichen preußischen Opposition zu nehmen haben werde. Dergleichen richtet sich von selbst. Der König von Preußen ist deutscher Kaiser und dieser ernennt den deutschen Reichskanzler. Es liegt aber in der Natur der Dinge und ist von allen Seiten wiederholt anerkannt worden, daß ohne die Zustimmung und das Vertrauen der mächtigeren übrigen deutschen Kronen Niemand in Deutschland Reichskanzler sein kann. Das Gleiche gilt in den Grenzen des deutschen Parlamentaris­mus von den nicht preußischen Bevölkerungen und deren Stellung zu dem leitenden Manne der deutschen Politik. Auch hier läßt sich nur sagen, daß die süddeutschen Bevölkerungen ein Verdikt der preußischen Wahlkämpfe gegen den deutschen Reichskanzler für die Reichspolitik ein­fach nicht genehmigen würden. Nicht daß wir an ein solches glaubten. Die Preußen müssen ihren Wahlkampf allein durchfechten; eine Ein­mischung in denselben wird hier Niemandem in den Sinn kommen. Aber sie mögen nicht meinen, allein in Deutschland zu sein. Wenn sie sich aber der Stellung ihres Landes an der Spitze von Deutschland gern rühmen, so^en sie zugleich eingedenk sein, daß dieser Ehrenposten nicht nur Rechte verleiht, sondern auch Pflichten auferlegt;noblesse oblige." Dieser Spruch dürste den Streitern des preußischen Wahl­kampfes im Hinblicke auf die allgemeinen deutschen Dinge ernstlich nahe zu legen sein, ernstlicher als man ihn dort bisher beachtet hat. Und zwar aus beiden Seiten."

Die Verfolgung im Civil- Jnjurienprozeß )wegen Körperver­letzung mittelst einer Waffe oder einer sonstigen unter die Bestimmung des §. 223a. Str. G. B. fallenden qualifizirten Körperverletzung ist, nach einem Erkenntniß des Ober-Tribunals vom 6. Juni 1879, unzu­lässig. Derartige Mißhandlungen können nur im reinen Strafverfahren vom Staatsanwalt verfolgt werden.

Das bep Arrest über Vermögensbestandtheile eines Schuldners rc. verfügende Gericht kann, nach einem Erkenntniß des Reichs'Ober- HandelSgerichts vom 20. Juni 1879, unmittelbar seine Arrestversügung mit Befolgungsbefehl an außerhalb des betreffenden GerichtsbezirkS woh­nende, dritte Personen, welche die arrestirten Vermögensbestandtheile im Besitz haben, durch die Post insinuiren lassen und der Adressat ist ge­setzlich verpflichtet, diesen Befehl ebenso zu respektiren, wie wenn er ihm auf Requisition des den Arrest verfügenden Gerichts von seinem persön­lichen Richter (des Gerichts seines Wohnorts) zugestellt worden wäre.

Der König von Sachsen hat einer Anzahl jener Gefangenen, die sich in den aufgeregten Tagen nach den Attentaten des Vergehens der Beleidigung des Kaisers Wilhelm schuldig gemacht hatten und zu Gefängnißstrafen verurtheilt waren, den Rest ihrer Strafe erlassen.

Neckargemünd. Unter dem Einflüsse der besten Witterung ist die Ernte in unserer Gegend vollständig eingeheimst. Mit dem Er. gebniß derselben, namentlich der Qualität, ist man im Allgemeinen recht zufrieden und athmen die Landwirthe nun wieder leichter auf und sehen hoffnungsvoll der Zukunft entgegen. Auch die anderen Feldgewächse, insbesondere die Kartoffeln, versprechen ein reiches Erträgniß. Die Fleischpreise sind hier seit mehreren Tagen bedeutend heruntergegangen, indem VaL Pfd. Rindfleisch nun zu 52 Psg. verkauft wird.