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zu erhalten und zu befestigen. Die im Berliner Vertrag getroffenen Vereinbarungen seien treulich ausgekührt, die Feststellung der neuen Grenzen sei nahezu vollendet. Die durch den letzten Krieg herbeige­führten Bedrängnisse hätten die türkische Regierung bisher gehindert, die Reformen einzuführen, deren Nothwendigkeit dieselbe erkannt habe; die Regierung werde fortfahren, der Türkei die Wichtigkeit an's Herz zu legen, daß sie die von ihr eingegangenen Verpflichtungen in vollem Um­fange erfülle. Die Bot'chaft hebt endlich das Einverständniß Englands und Frankreichs bei der Einsetzung einer neuen Regierung in Aegypten hervor.

Wenn auch die Beziehungen der deutschen und französischen Re­gierung als gute gelten müssen, so macht sich innerhalb gewisser Kreise der französischen Nation doch leider häufig das Bestreben geltend, den Revanchegedanken immer wieder aufzumuntern und gegen Deutschland zu demonstriren und zwar ergreift man in Frankreich jetzt unter dem Deckmantel der Wohlthätigkeit die Gelegenheit hierfür. Im Elsaß ist das Dorf Kestenholz (bie Franzosen nannten es CHLtenois) fast voll­ständig abgebrannt. Fast alle angesehenen französischen Zeitungen, zu­mal in Pans, verunstalteten nun Sammlungen für die Abgebrannten in Kestenholz, was recht schön und gut wäre, wenn man nur die Politik dabei aus dem Spiele ließe. . In der Zeitung „France" steht aber wörtlich zu lesen: Mehr als irgend ein anderes Unglück muß uns das interessiren, von dem ehemalige Franzosen betroffen sind. Man hat Frankreich verstümmelt, aber man hat ihm nicht das Recht nehmen können, seine verlorenen Kinder zu lieben und zu unterstützen. — Frankreich hat in der Person des M. Czaki einen neuen päpstlichen Nuntms erhalten, von dessen Gesch'cklichkeit man eine Beilegung des wegen der Ferry'schen Unterrichtsgesetze drohenden Religionsstreites er­wartet.

Bezüglich der Wiederverheirathung des Königs von Spanien über­stürzen sich die Nachrichten. Am Sonnabend kam die Nachricht aus Madrid, daß der König Alfons den Gesandten Manuel Sriveta nach Wien gesandt habe, der um die Hand der Erzherzogin Marie Ch: istine für den König werben solle, und am Sonntage kam schon die telegra­phische Kunde aus Madrid, dsß die Hochzeit des Königs am 28. No­vember stattfinden werde, die Verlobung muß also bereits früher statt» gefunden haben.

Rumänien wird wahrscheinlich die Stimulation des Berliner Ver­trages, die Regelung der „Rubensrage" betreffend, nicht auSführen. Nach allen in Bukarest eingelangten Berichten kann an einem Erfolge der vorn rumänischen Minister des Aeußern, Boerescu, an die Höfe der Großmächte unternommenen Rundreise nicht gezweifeit werden, und zwar in dem Sinne, daß die Mächte allerdings auf der Durchführung des Berliner Vertrages formell bestehen, es aber der rumänischen Regierung überlassen, dieselbe mit den inneren Verhältnissen Rumäniens in Ein­klang zu bringen.

Die Regierung der Vereinigten Staaten von Nordamerika hat den ernsten Willen kundgegeben, zwischen den kriegführenden südamerikani- schen Republiken einen Frieden zu vermitteln, man darf daher demnächst einen Waffenstillstand auf dem südamerikanischen Kriegsschauplatze er» warten. ____________________________________________

Tages scha«.

— Berlin, 18. Aug. Se. Königliche Hoheit der Prinz Friedrich Karl ist gestern aus Norwegen zurückgekehrt.

— Berlin, 18. August. (K. Z) Aus Anlaß des Geburts- tages des Kaisers Franz Joseph findet heute Nachmittag 5 Uhr bei den Majestäten auf Badeisberg ein Diner von einigen 20 Gedecken Statt, zu welchem Graf Szechenyi und Gemahlin, der Botschaftsrath Graf Weserscheemb, die Botschasts-Secietäre Eperjefy und Freiherr v. Scholl, der Militär-Bevollmächtigte Oberstlieutenant Prinz Liechtenstein, Vice- Präsident Graf Stolberg-Wernigerode, v. Radowitz als Vertreter des auswärtigen Amtes, Feldmarschall Frhr. v. Manteuffel u. A. mehr ge­laden sind. Die Gräfin Szechenyi wird heute Nachmittag vor dem Diner der Kaiserin vorgestellt werden.

— Se. Majestät der Kaiser haben nach Maßgabe des Gesetzes vom 17. März 1878 (R. G. Bl. S. 7) mit der Stellvertretung des Reichs­kanzlers in den Finanzangelegenheiten des Reichs, insoweit sie sich in der ausschließlichen Verwaltung desselben befinden, an Stelle des Staats- Ministers Hofmann den Unter-Staatssekretär im Reichs-Schatzamt Scholz zu beauftragen geruht.

, — Der „R. u. St.-A." enthält: Allgemeine Verfügung des Justiz- vlinlfterlums vom 14. August 1879, betreffend Strafvollstreckungen, Strafaussetzungen, Begnadigungen und vorläufige Entlassungen von Strafgefangenen.

— Bekanntmachung auf Grund des ReichsaesetzeS vom 21. Oktbr. 1878. Nach dem „R. u. St.-A." Nr. 192 wurde unterm 15. August verboten: der Gesangverein „Glocke" in Schedewitz.

Das durch Bekanntmachung vom 17. Januar b. I. (ReichS-An- zeiger Nr. 15) erlassene Verbot der vom kommunistischen Arbeiterbil- d^ngsverein in London herausgegebenen periodischen Druckschrift: „Frei­heit" erstreckt sich auch au diejenigen Nummern dieses Blattes, welche unter der Aufschrift „Prooinzial Correspondmz" zur Ausgabe gelangen.

— Die fortjchriltnche „Kieler Zeitung" hatte vor einiger Zeit sich

gegen die Parole „Fort mit BiSmarck" ausgesprochen. In Folge dessen wurde sie von der Berliner „Volks-Zeitung" daran erinnert, daß diese Parole in dem offiziellen Parteiorgan, der Parlamentarischen Korrespon­denz der Fortschritts - Partei, ausgegeben sei. Dagegen bemerkt nun wiederum die „Kieler Zeitung":

„Fort mit Bismarck." Die „Volks-Zeitung" läßt es sich nicht nehmen, festzustellen, daß diese Phrase in einem Artikel der Parlamen­tarischen Korrespondenz enthalten war. Das ist vollkommen richtig, aber vollkommen falsch ist, daß die Parlamentarische Korrespondenz, heraus- gegeben von den Abgeordneten Ludolf Parisius und Eugen Richter, ein offizielles Organ der deutschen Fortschrittspartei sei....... Was uns betrifft, so gehen wir vollkommen unseren eigenen Weg, aber wir befinden uns dabei in der Gesellschaft unserer schleswig holsteinischen Freunde. Die „Kieler Zeitung" ist nicht abhängig von irgend einer Partei und sie denkt nicht daran, jedem beliebigen Stichworte aus Ber­lin zu folgen. Sie ist bemüht, in ihrem Kreise für die liberale Idee zu wirken nach dem Maße ihrer Kräfte und nach ihrer eigenen Ueber­zeugung. Die Freiheit der Meinungsäußerung bewahrt sie sich gegen Freund und Feind und sie ist sihr weit davon entfernt, zu dulden, daß wir und unsere Freunde in Schleswig-Holstein für Fehler oder Ansich­ten verantwortlich gemacht werden, die wir weder begangen noch billi­gen. Und so hatten wir ein Recht, uns gegen die Zuschiebung des „Fort mit Bismarck" zu verwahren, wie wir uns das Recht nicht neh­men lassen, rundweg zu erklären, daß, wenn die deutsche Fort;chrittS- Partei sich in dem Lager der heutigen „Volks-Zeitung" befände, wir mit unseren Freunden nicht dabei sein würden."

— S. M. gedeckte Korvette „Leipzig", 12 Geschütze, Kommandant Kapitän zur See Paschen, ist am 5 Juli er. in Port Louis (Mauri- tius) eingetroffen und beabsichtigt am 7. dess. Mts. die Reise nach Kap­stadt fortzusetzen. — S. M. Glattdecks-Korvette „Nymphe", 9 Geschütze, Kommandant Korvetten Kapitän Sättig, ist am 14. d. Mts. in Dart- mouth eingetroffen.

— In Gladbach ist die große Spinnerei der Gebrüder Croon vollständig ein Raub der Flammen geworden. Hunderte von Arbeitern werden durch dieses Unglück brodlos.

— Düren. Folgendes Wucherstückchen wird von „durchaus glaub­würdiger Seite" der „Dür. Z." berichtet: „Eine hiesige, uns mit Na­men bezeichnete, christliche Firma hat für Kontrahirung eines mit keiner­lei Risiko verknüpften Darlehens eine Provision von 50 pCt. verlangt."

— Paris, 17. August. Die Regierung hat auf Veranlassung des Ministers der Posten und Telegraphen, Cochery, ein Post-Sparkassen- aeseb ausarbeiten lassen.

— London, 18. August. (K. Z.) Das schöne Wetter der vergangenen Woche hat die Arbeiten behufs Hebung des Großen Kur­fürsten bedeutend gefördert.

— Der „Times" wird aus Maritzburg gemeldet: Die Einstigen militärischen Bewegungen in Zululand werden nur eine Demonstration bilden, um jedem falschen Eindruck, den unser plötzlicher Rückzug von Ulundi hervorgerusen haben könnte, entgegenzuwirken und die Unterwer­fung der Häuptlinge zu beschleunigen.

— Konstantinopel, 18. August. (K. Z.) Gutem Verneh­men nach hat die Pforte ihren Vertretern im Auslande die (schin ge­meldete) Ernennung Safvet's, Ali Saib's und Savas' zu Bevollmäch­tigten für die Verhandlungen mit Griechenland angezeigt.

— Trieft, 18. August. Der Lloyddampfer „Urano" ist mit der ostindisch-chinesischen Ueberlandpost heute Morgen aus Alexandrien hier eingetroffen.

— New-Nork, 16. August. Der Dampfer des Norddeutschen Lloyd „Neckar" ist hier eingetroffen.

Lokales.

Hanau, 19. August 1879.

y. Vor der Strafkammer Königl. KreisgerichtS fanden gestern u. A. folgende Fälle ihre Erledigung: Johannes R. von Großauheim wurde wegen Diebstahls zu 14 Tagen Gefängniß und wegen Nachahmung dreier Modelle, nach dem ReichSgesetz in eine Geldstrafe von 24 Mk., event. 3 Tagen Gefängniß verurtheilt. — Die Verhandlung gegen Johannes H. und Michael T. von Altenmittlau, wegen Körperverletzung, fand mit Ausschluß der Oeffentlichkeit statt, endigte jedoch mit Freisprechung der beiden Angeklagten.

— Nach heute Morgen eingetroffenen Nachrichten des Delegirten deS Hanauer ThierschutzvereinS auf dem ersten Deutschen Thierschutz- Congreß zu Gotha, Herrn A, Riegelmann, sind dortselbst 80 Ver­eine durch 68 Abgeordnete vertreten. Die so wichtige VwisectionSfrage ist angebahnt und wird aller Wahrscheinlichkeit nach darin ihre Erle­digung finden, geeignete Schritte zu thun, damit die Vivisection auf das unumgänglich nöthigste Maß beschränkt werde.

Versteigerung-- und Verpachtung«- rc. Kalender für Mittwoch den 20. August.

Holzversteigerung in der Oberförstern Kassel bei Gelnhausen; Ter­min Morgens 9 Uhr im Kleespies'schen Saale zu Kassel. Verkauft werden: 36 Eichen - Abschnitte und 2 do. Stangen, 53 Nadelholz - Ab« schnitte, 27 do. Stangen; außerdem größere und kleinere Partieen Eichen-, Buchen-, Aspen-, Birken- und Nadel - Brennholz (s. Nr. 181 „Han.