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Preis:

«Phrlich 9 Mark. Gpbj. 4 M. 50 P.

vierteljährlich t Mark 25 Pfz. güc auswärtige

Lbmmenteu Mit dem betreffen, den Pvstausjchlag. Die einzelne Num- mcr 10 Psg.

HSMW UmM

Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage/ und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.

Jnserti««».

Preis:

Die ispaltige Garmondzeile ob. deren Raum

10 Psg.

Die Lspalt. Zeile 20 Psg.

DieSspaltigegeile 80 Psg

M. 189.

Freitag den 15. August

1879.

Amtliches

Verloren: Am 14. d. M. auf dem Wege von Wilhelmsbad über Hanau nach Kesselstadt ein schwarzer Entoutcas; dem Wiederbringer eine Belohnung bei der Expedition d. Bl.

Hanau am 15 August 1879.

Aus Königlichem LandrathSamt.

Rundschau.

R. F. Unser Kaiser ist am Dienstag unter der herzlichsten Theil­nahme der Bevölkerung und des Fremdenbesuchs von Gastein abgereist, zunächst nach Salzburg und von dort durch Süddeutschland nach dem Norden, nach Bakelsberg bei Berlin. Der Kaiser ist durch die Badecur und die milde Bergeslust in Gastein sehr gekräftigt und ist das Aus­sehen des Monarchen den Umständen nach ein befriedigendes. Ueber die Zusammenkunft des Kaisers Wilhelm und des Kaisers Franz Josef in Gastein bemerken wir nachträglich noch, daß die einheimische Bevöl­kerung und die Badegäste mit einander in der Begrüßung der beiden Monarchen wetteiferten. Das Diner nahm der Kaiser Franz Joses und eine Anzahl ausgezeichneter Personen beim Kaiser Wilhelm im Bade- schlosse ein. Beim Abschied waren beide Kaiser tief bewegt und schieden mit herzlicher Umarmung von einander. Der Kaiser Franz Josef reiste von Gastein nach München, woselbst er bereits am Sonntag Abend zu mehrtägigem Aufenthalte eintraf.

Das Befinden des Kronprinzen des deutschen Reichs und von Preußen, welcher nur an einer wunden Stelle am Fuße leidet, die das Gehen erschwert, ist in keiner Weise besorgnißerregend.

Die stille Zeit dauert in unserer inneren Politik fort und wird wahrscheinlich auch den ganzen Monat hindurch ihre Ruhe bewahren, wenn die Agitation für die preußischen Landtagswahlen nicht vorzeitige und neue Stürme bringt.

Wie sich aus der kaiserlichen Verordnung ersehen läßt, ist der Statthalter von Elsaß-Lochringen, Generalseldmarschall v. Manteuffel, mit den weitgehendsten Machtvollkommenheiten eines Landesoberhaupies ausgestattet und hat sich der Kaiser nur die Ernennung der höchsten Beamten, die Einberufung und Schließung des elsaß-lothringischen Landrsavsschusses, die Einbringung von Gesetzentwürfen und das Be­gnadigungsrecht vorbehalten.

Der preußische Minister der öffentlichen Arbeiten hat dem Ge- sammtministerium einen Reformplan über die Eisenbahnverwaltungen vorgelegt, der wahrscheinlich die Billigung des Ministeriums erfahren und in der nächsten preußischen Landtagssession als Gesetzentwurf er­scheinen wird. Diese Reformen betreffen indessen keineswegs den Eisen­bahnbetrieb an und für sich, sondern sie beziehen sich nur auf eine ein­fachere und einheitlichere Einrichtung des Eisenbahnverwaltungswesens.

Hin und wieder läßt es sich die Polizei angelegen sein, in den Hauptsitzen der Socialdemokratie einmal eine sorgfältige Untersuchung der Wohnungen der Socialdemokraten nach verbotenen Schriften vorzu- nehmen Ueber den Werth derartiger Haussuchungen kann nun gestrit­ten werden, meistentheils sind dieselben aber recht erfolgreich gewesen, wie neulich in Dresden, wo bei 26 hervorragenden Socialdemokraten Haussuchung gehalten wurde. Man fand da eine große Menge sccial- demokratischer Schriften und den vollständigen Plan einer Reorganisa­tion der Socialdemokratie in Deutschland. Auch wurden vier Social­demokraten in Dresden verhaftet.

In unserem Nachbarstaat« Oesterreich ist es nicht die Politik, sondern wieder ein schreckliches Unglück, welches die öffentliche Meinung beschäftigt, der bereits signalisirte Brand von Serajewo, der Hauptstadt Bosniens, ein Brand, wie man ihn nur mit denjenigen von Moskau oder Hamburg vergleichen kann. Der jüdische, der katholische und der serbische Theil von Serajewo sind abgebrannt und 20,000 Menschen obdachlos. Ler Kaiser Franz Josef sandte sofort 10,000 Gulden zur Linderung der Noth und die öffentliche Mildthätigkeit Oesterreichs wird in Verbindung mit der Staatsregierung noch Vieles zur Steuer der Noth thun. An Menschenleben sind nur drei zu beklagen. Das Un« glück in Serajewo hat auch eine politische Seite, denn da auch die dort

vorhandenen Kriegsmagazine mit abbrannten, so wird der Vormarsch der Oesterreichs nach Novibazar wahrscheinlich bis nächstes Jahr auf­geschoben werden müssen. Aus Ungarn bringt der sonst gut unter­richtetePester Lloyd" die überraschende Mittheilung, daß der öster­reichische Kanzler, Graf Andrassy, wegen einer Differenz mit dem Kriegs­minister abdanken wolle. Es wird allgemein angenommen, daß es ge­lingen wird, den hervorragenden Diplomaten auf seinem Posten zu be­halten.

Die russische Regierung läßt in ihren Organen die Besetzung Ost- rumeliens und Bulgariens durch russische Truppen besprechen und führt aus, daß während der nun beendigten Besetzung von Seiten Rußlands nichts versäumt worden wäre, in diesin Ländern die Ordnung und Humanität walten zu lassen. Interessant wäre es nun allerdings auch, eine Kritik der russischen Occupatisn aus einem anderen als russisch n Munde zu erfahren.

Die französische Regierung hat in den letzten Tagen Gelegenheit und Ursache gehabt, ihre Friedensliebe aufs Neue kundzugeben, denn der Generalsekretär des Ardennen-Departements, Herr Lambert, schwatzte auf einem Schützenfeste in dem Städtchen Charleville recht offen und vertrauensselig von einem demnächstigen RevonchekriM mit Deutschland. Herr Lambert ist für diese Leistung durch ein Dekret der Regierung von seinem Posten entsetzt worden. In Frankreich macht man mit den indirekten Steuern gerade die gegentherligen Beobachtungen wie bei uns. Während die Einnahmen derselben bekanntlich bei uns seit einigen Jahren fort und fort fielen, sind die Einnahmen an indirekten Steuern in Frankreich gestiegen. Es deutet dies offenbar auf einen lebhafteren Geschäftsverkehr in Frankreich hin.

Im englischen Unterhause hat die Frage zur Errichtung eines Monuments des Prinzen Louis Napoleon Anlaß zu einer Debatte ge­geben. Lawson griff in einer Rede, i d m er diese Absicht beklagte, die napoleonische Familie auf das Heftigste an. Der Schatzkanzler Northcote, welchem aufgetragen war, diese Sache im Unterlaufe vorzu- bringen, führte unter gleichzeitigem Bedauern, daß eine derartige Dis­kussion hervvrgerufen Worten, aus, daß nicht die Königin, sondern Pri- vatfreunde des Prinzen den Vorschlcg gemacht hätten, ein Monument zu errichten, auch besitze derselbe keinen politischen Charakter. In einer ferneren Sitzung des englischen Unterhauses kam auch die ögyp tische Angelegenheit zur Sprache, wobei der Schatzkanzler Nothcote das Verhalten der früheren ägyptischen Minister Nub^r Pascha, Wilson und Bligniöres rechtfertigte und ausführte, daß England nur eingeschritten sei, um eine Benachlheiligung der Gläubiger AegyptenS zu verhindern.

Die afghanische Angelegenheit hat nun auch ihren Abschluß ge­funden und dürfte auf längere Zeit aus der Tagesgeschichte schwinden, wenn die afghanischen Bergvölker nicht neue Unruh n provoziren. Eine von dem Minister für Indien an den Vicekönig gerichtete Depesche heißt durchweg die Vertragsbestimmungen des afghanischen Friedensvertrages gut. Nach diesem werden in Kabul und anderen Städten und den Westpässen Afghanistans englische Besatzungen bleiben, d e Gewährung eines mäßig erscheinenden, dabei unerläßlichen Jah^geldes, ferner die Bestimmung betreffs der Anlage von Telegraphen wird in diesem noch ausgeführt. Auch belobt der Minister noch das lryale Verhalten so­wohl Jakub Khan's als auch das der eingeborenen Fürsten. Bis zum 1. September werden auch die englisch indischen Truppen Afghani­stan geräumt haben.

Das neue Ministerium in Konstantinvpel, an dessen Spitze bereits Sasvet Pascha getreten ist, hat ein schwaches Lebenszeiten von sich gegeben. Es berieth ein organisches Statut für sämmtliche Provinzen des Reiches. Ein Abgesandter des Sultans, Pertev Effendi, hat dem Fürsten von Bulgarien endlich die Bestätigungsurkunde nach Sofia überbracht. Die Gren^angelegenheiten zwischen Serbien und Bulga­rien einerseits und Serbien und der Türkei andererseits sind nunmehr definitiv geregelt.

Tagesscha««

Berti n, 14. August. Der Kaiser ist, nach d.rK. Z.", heute