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Hannutr Inniger.

Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage/ und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.

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Die ispaltige Parmondzetle ob. deren Raum ie Pfg.

Die Lshalt. Zeile 20 Pfg.

DieSspaltigeZeile 30 Pfg

W. 186.

Dienstag den 12. August

1879.

Amtliches.

Für Christian Eugen Kreiß und Jean Wilhelm Otto Kreiß von hier ist um Entlassung aus dem Preußischen Unterthanen-Verband behufs Niederlassung in Mailand nachgesucht worden.

Hanau am 6. August 1879.

Es ist mehrfach bemerkt worden, daß durch die häufigen Regen­güsse der letzten Zeit die Jauchenbehälter in den Dörfern mehr oder weniger überlaufen. Die Herrn Ortspolizeibeamten wollen dafür sorgen, daß da, wo dies der Fall ist, möglichste alsbaldige Abhülfe deS Uebel- standes geschieht.

Hanau am 9. August 1879.

Der Landrath.

Rundschau.

R. F. Zwei durch langjährige Freundschaft verbundene Monarchen, der Kaiser von Teutschlaud und der Kaiser von Oesterreich, hatten am 9. und 10. August eine Zusammenkunft in Gastein, wo bekanntlich unser Kaiser seit Wochen zur Cur anwesend ist. Die Begegnung der beiden Kaiser fällt in eine Zeit der politischen Ruhe, welche sowohl durch die Jahreszeit als auch durch den Mangel aller beunruhigenden Symptome am politischen Horizonte verursacht wird. Wer n also dem­nach die Zusammenkunft beider befreundeten Monarchen in erster Linie ein Act der Courtoisie ist, so fehlt derselben der politische Hintergrund aber doch nicht, wie das eben nicht anders sein kann, wenn die Monar­chen zweier großen Reiche eine Bigegnung mit einander haben. Der Kaiser Franz Josef hat im Laufe der letzten zehn Monate feinem Reiche eine neue Provinz, Bosnien mit der Herzegowina, hinzügefügt, und außerdem ist man zur Zeit in Oesterreich dabei, durch die Occupation des SandschakS Novibazar der neuen Provinz noch einige Eicherheirs- etappen zuzugeben. Es kann kein Zweifel darüber herrschen, daß Deutsch­land diese Orientpolitik Oesterreichs vollständig billigt, da dieselbe der Beruhigung der Balkanhalbinsel entspricht. Deshalb begrüßen wir auch in der Begegnung berder Kaiser einen weiteren Schritt des wachsenden | Einver ständnisses Deutschlands und Oesterreichs, welches nur zum Nutzen und Frommen beider Staaten sein kann.

Der Kaiser Franz Josef verließ bereits am Sonntag Mittag wieder Gastein und der Kaiser Wilhelm gedenkt am 13. August seine erfolgreiche Cur in Gastein zu beenden und nach Schloß Babelsberg bei Berlin zurückzukehren.

In vergangener Woche erfuhr man aus Berlin, daß der Kronprinz deS deutschen Reichs unwohl sei und wurde, weil man über die Ursache des Unwohlseins nichts Näheres erfuhr, gemuthmaßt, daß der Kron­prinz wahrscheinlich von einem Rückfall seines alten Magenübels geplagt werde. Dies ist nun glücklicher Weise nicht der Fall, indessen ist dem Kronprinzen das Unglück pafstrt, sich durch einen Fehltritt den Fuß zu verstauchen, wodurch derselbe an verschiedenen kleineren Reisen verhindert wurde.

In vergangener Woche kam die Nachricht aus Darmstadt, daß der Kaiser von Rußland zu Anfang dieser Woche daselbst eintreffen und später einen längeren Aufenthalt in dem Curorte Jugenheim nehmen werde. Statt des Kaisers ist nun die Kaiserin von Rußland über Berlin und Darmstadt in Jugenheim zum Anfang dieser Woche einge- treffen und es fragt sich nun, ob die vorerwähnte Nachricht aus Darm- stadt die Kaiserin und nicht den Kaiser von Rußland betraf, oder ob letzterer noch Nachkommen wird.

In Deutschlands innerer Politik ist etwas wesentlich Neues seit Schluß deS Reichstages nicht passirt und die Diskussion muß sich die. ferhalb auf die Charalterisirung unserer inneren Zustände und auf die gewöhnliche politischen und halbpolitischen Tagesereignisse beschränken. Was die Lage der Parteien in Deutschland anbetrifft, so machte sich bei den beiden Frakstonen, die bei der ferneren Gestaltung unserer in­neren Verhältnisse in erster Linie engogirt sind, eine fast gleiche Gegen­strömung geltend. Nicht nur bei den Liberalen, sondern auch bei den klerikalen ist ernste Neigung zum Zwiespalt vorhanden. Die Ermah­

nungen zur Eintracht, die der Abg. Windthorst neulich in einer Co- blenzer Wählerversammlung an seine Parteigenossen richtete, waren sehr am Platze. Es ist eine nicht zu leugnende Thatsache, daß sich innerhalb der klerikalen Partei eine starke Opposition gegen die neueste Politik des Centrums kund gibt, die nur mühsam niedergehalten wird. In Bayern ist der Gegensatz zwischen gemäßigten und extremen Katholiken längst zu offener und heftiger Gefehdung vorgeschritten, und es scheint, daß dieser Gegensatz sich immer mehr auch nach dem übrigen Deutschland verbreitet.

Mit dem Jnsiebentreten der neuen Verfassungs- und Verwaltungs­einrichtungen der Reichslande scheidet der bisherige Oberpräsident v. Möller aus seiner bisherigen einflußreichen Stellung in den Reichs- landen. Welche Gründe das gänzliche Zurücktreten dieses bewährten Beamten veranlaßt haben, wissen wir nicht, soviel steht aber außer Zweifel, daß derselbe in den Reichslanden selbst sich in weiten Kreisen die lebhafteste Anerkennung erworben hat.

Die Gefahr der Rinderpest macht sich für Deutschland doch immer wieder geltend. Wie wir aus demReichs-Anzeiger" erfahren, ist in Mähren auf der unweit der preußischen Grenze belegenen Eisenbahn­station Mährisch- Optron bei einem Rindviehtroniporte ein Rinderpestfall konstatirt und wegen Ausführung der vorgeschriebenen Schutzmaßregeln ist sofort das Erforderliche veranlaßt worden.

Die bayerischen Kammern haben sich bei ihren Berathungen nicht lange ausgefallen, was man ihnen bei der vorgerückten Jahreszeit nicht verdenken kann, zumal der bayerische Parlamentarier, der zuvor fünf Monate im Reichstage gesessen hat, auch einmal Ruhe haben will. Die nothwendigsten Budgetberathungen, darunter das Militärbudget und das Eisenbahngesetz, wurden daher von den bayerischen Kammern votirt, und dann sind sie vom König bis zum 29. September beurlaubt worden.

Die nationalen Festlichkeiten in Frankreich, welche bei der Ent­hüllungsfeier des Thiers-Denkmals stattgefunden, haben eine Befestigung der freundschaftlichen Beziehungen zwischen Frankreich und dem deutschen Reiche herbeigeführt, indem man in Berlin die Bemühungen der repu­blikanischen Regierung, die deutsche Empfindlichkeit in jeder Weise zu schonen, vollkommen zu würdigen weiß. Das französische Ministerium und die Parteien der Kammern sehen mit einiger Spannung der in we­nigen Tagen beginnenden Session der Gene, all äthe entgegen, da dieselben auch über das Zerry'sche Unterrichtsgesetz ein Gutachten abzugeben haben werden. In den Tepartemenis, wo die Mehrheit der Generalräthe nicht republikanisch gesinnt ist, kann die Session sogar stürmisch werden. Da die Kammern über das Unterrichtsgesetz noch nicht entschieden haben, so werden sich in den Provinzialverhandlungen die Kämpfe zwischen den Anhängern und den Gegnern dieses Gesetzes erneuern.

Oesterreich ist in seiner neuen Provinz Bosnien von einem furcht­baren Unglück betroffen worden. Die bosnische Hauptstadt Serajewo wurde durch eine entsetzliche FeuerSbrunst in der Nacht vom letzten Freitag bis Sonnabend zur Hälfte vernichtet. Ueber tausend Häuser, darunter eine große Anzahl Handelsmagazine, sowie die katholische Kirche sind niedergebrannt und 20,(00 Menschen obdachlos geworden. Auch kamen beim Löschen drei Soldaten um. Außerordentliche Hülfe thut noth, um die Folgen dieses unerhörten Unglücks zu mildern. Ueber die Ursache des Brandes verlautet nichts.

Wie man aus dem Wunde des Lord of Geaconsfield beim letzten Lord Mayors-Bankette in London erfahren hat, blickt das officielle Eng­land mit großer Befiiedigung auf seine im letzten Jahre erzielten Er­folge im Orient, in Afghanistan und in Südafrika. Kleinere Zwischen- fölle, wie die Niederlage der Engländer bei Jsundula und die letzte Flvttcndemonstration in der Besikabai gegen den Sultan geniren natür­lich den ehrgeizigen Lord of Beoconsfield nicht, denn er hat das Glück, lauter untergeordnete Gegner zu haben und die werden zum Kriegsruhme Englands einfach zusammengehauen.

Der in Rußland wegen Verdachtes, den Mord an General Dren- telen verübt zu haben, verhaftete Plelenev hat sich zu diesem Verbrechen bekannt. Sein wahrer Name ist indessen nicht Pletenev, sondern Mirsty.

Der Sultan hat sich in Folge des Drängens der Großmächte