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ten. Dem deutschen Kaiser traten die Thränen in die Augen beim Ab- schiede und er meinte kopfschüttelnd: „Wer weiß, ob wir uns noch einmal wieder sehen, ich bin zwar sehr gestärkt, aber ich fühle doch auch, daß ich anfange alt zu werden."
Kaiser Franz Josef meinte, wer so rüstig ausschaue, wie Kaiser Wilhelm, brauchte vor diesem Abschieds keine Sorge zu haben, er hoffe, ihn noch oft als fröhlichen Kurgast auf österreichischem Boden begrüßen zu können.
Als Kaiser Franz Josef das Badeschloß verließ, brach die zahlreiche auf dem Straubingerplatz versammelte Menge, zu welcher am heutigen Sonntage die Landbevölkerung der Umgegend ein zahlreiches Kontingent gestellt hatte, in brausende Hochs und Etjm aus. Um 11 Uhr ist die Abfahrt von Villa Meran angesetzt. Kaiser Franz Josef begibt sich nach Jschl zurück
10. August, 11 Uhr 20 Min. Kaiser Wilhelm fuhr etwa eine Viertelstunde nachher vor der Villa Meran vor (er war in österreichischer Uniform). Kaiser Franz Josef ging ihm bis an die Treppe entgegen und geleitete ihn Hüter den Hochrufen der Menge ins Haus. Nach kurzer Zeit erschienen die beiden Monarchen wieder, küßten sich zum Abschied auf das Herzlichste, dann fuhr Kaiser Wilhelm nach seinem Hotel zurück und Kaiser Franz Josef nahm von der Gemeinde-Repräsentanz Abschied, er dankte he-zlich für den bereiteten Empfang und werde gewiß wiederkommen. Volkshymne, Hochrufe und Böllerschüsse. Der Kaiser fuhr in der Richtung nach Lend davon.
— Bekanntmachung auf Grund des Reichsgesetzes vom 21. Oktbr. 1878. Nach dem „K. u Gt.-A." Nr. 184 wurden unterm 4. und 6. August verboten: die nicht periodische Druckschrift: „Offener Brief an den deutschen R ichskanzler Bismarck. — Braeunlich u. Co., Photo- Lithographers. 39241 West-Broadway, New-Aork; sowie die im Verlage von W. Bracke zu Braunschweig im Jahre 1875 erschienene nicht periodische Druckschrist: „Geschichte der revolutionären Pariser Commune in den Jahren 1789 bis 1794 von Bernhard Becker".
— Der Herr Justizminister veröffentlicht im „R. u. St.-A." Nr. 185 die Allgemeine Verfügung vom 26. Juli 1879, betreffend die Errichtung der Kammern für Handelssachen; ebenso erläßt der Herr Minister für Landwirthschaft, Domänen und Forsten unterm 22 Juli eine Bekanntmachung, betreffend die für den Geschäftsverkehr und das Verfahren b i den Au?einandersetzungsbehörden maßgebenden Vorschriften der AuLführungsgffetz • zu den Deutschen Justizgesetzen.
— Berlin, 9 August. Der Kaiser hat genehmigt, daß Beurlaubungen von Militärs zur Vorbildung für den Gerichtsdienst auch über drei Monate hinaus mit allen Geöührnissrn Statt finden. — Die Kaiserin von Rußland trifft morgen Abend hier ein und reist alsbald nach Jugenheim weiter. — Der rumänische Minister Boerescu ist heute Mittag hier eingetroffen. — Heute Abend wird der englisch; Admiral Hamilton mit mehreren Officieren erwartet, welcher den Krupp'schen Schießübungen bei Meppen beizuwohnen beabsichtigt. (K. Z.)
— Berlin, 9. August. In Mähren ist auf der unweit der preußischen Grenze belegenen Eisenbahnstation Mährisch - Ostrau bei einem Rindviehtransporte ein Rinderpestfall konstatirt worden. Wegen Ausführung der vorgeschriebenen Schutzmaßregeln ist das Erforderliche veranlaßt.
— Man wird sich der Enquete über die Arbeiterverhältnisse noch erinnern, welche vor Jahren vom Bundesrathe angeordnet worden und deren Resultate später veröffentlicht wurden. Das preußische Handelsministerium entfaltete damals eine ganz besonders rege Thätigkeit, und sein derzeitiger Chef Dr. Achenbach erwarb sich theils durch die Unterstützung bei den Erhebungen, theils durch eine Reihe sehr bedeutender Vorschläge Verdienste, welche — wie so Manches aus der Amtsthätigkeit dieses Ministers — weitaus nicht genügende Würdigung gefunden haben. Allem Anschein nach wird die Reichsregierung in nicht zu ferner Zeit zu einer legislatorischen Verwerthung des ihr zur Disposition stehenden Materials schreiten, dessen Erweiterung bereits in Angriff genommen ist. Es hängt damit die Entsendung des Geh. Reg -Raths Jacobi (Liegnitz), des bekannten Landtagsabgeordneten, nach Elsaß- Lothringen zum Studium der dortigen Arbeiter-Verhältnisse zusammen.
(Trib.)
— Eine vom Gläubiger an seinen Schuldner vermittels einer Postkarte genutete Mahnung ist nach einem Erkenntniß des Ober-TribunalS, vom 17. April 1879, nicht stets als beleidigend zu erachten, vielmehr ist die Frage, ob eine derartige Kundgebung mittels einer offenen Post- karte eine Beleidigung in sich schließe, thatsächlicher Natur und von der richterlichen Beurtheilung der Umstände des gegebenen Falles abhänria.
- S. M. Glattdecks-Korvette „Luise", 8 Geschütze, Kommandant Korv.-Kapt. Schering, ist am 28. Mai er. in Amoy eingetroffen, ging am 2. Juni cr. wieder in See, ankerte am 13. d-ss. Mir. in Nagasaki und beabsichtigte am 19. dess. MtS. nach Kobe zu gehen. — S. M. Aviso „Loreley", 2 Geschütze, Kommandant Kapitän-Lt. von WilterS- heim, hat am 7. d. Mts. Gibraltar angelaufen, um Kohlen aufzu- st füllen. di
— Zwei bonapartistische Organe, der Ami de l'Ordre von ClerA mont-Ferrand, das Organ Rouher's, und die Abeille des PyrenäeS, sind eingegangen.
— Paris, 8 August. Das Brandunglück, welches den elsässi- schm Flecken Kestenholz bei Schlettstadt heimgesucht hat, wird vom Evenement, der France und einigen anderen Blättern dazu benutzt, das patriotische Mitgefühl Frankreichs für jene „braven Leute, die gestern noch unsere Brüder waren", zu entflammen.
— Serajewo, 9. August. (K. Z.) Gestern Nachmittag brach in dem hiesigen lateinischen Viertel eine heftige Feuersörunst aus, die das ganze Viertel ergriffen hat und die ganze Nacht wüthete. Sie verheerte die innere Stadt, namentlich das ganze vom Handelsstande bewohnte Viertel. Gegen 1000 Häuser, darunter die katholische Kirche, mehrere Moscheen, der Bazar, zahlreiche Handels Magazine so wie das Aerarmagazin sind niedergebrannt. Die Verluste an Menschenleben scheinen sich auf drei Soldaten zu beschränken, welche beim Lösch m verunglückten. 20,000 Menschen sind durch die Feuersbrunst obdachlos geworden; der Hrndelsstand Sarajewos ist vernichtet. Dank den unermüdlichen, die ganze Nacht hiniurch fortgesetzten Anstrengungen des Herzogs von Württemberg, den die Garnison und die Beamten mit Aufopferung unterstützten, war der Brand heute früh um 8 Uhr be- gränzt. Außerordentliche und schnelle Hülfe in jeder Beziehung ist von außen dringend nothwendig.
Lokales.
H au au, 11. August 1879.
— Vorgestern Abend ließ sich ein junger Mann gerade in dem Augenblicke in einer Barbierstube der Schnurgasse rasiren, wo ein Hand- werksbursche eintrat, auf ihn zukam und bettelte, sich aber dann wieder entfernte. Als der junge Mann bezahlen wollte, vermißte er sein Portemonnaie mit 9 Mk. Inhalt. Verdacht fiel auf den fechtenden Handwerk zburfchen, den man sehr bald in einer hiesigen Herberge beim Kartenspiel antraf und verhaftete. Bis jetzt leugnet derselbe den Taschen- diebstahl, die Untersuchung wird jedoch Licht in die Sache bringen.
— (Hunds tage-Temperatur.) Vergangene Nacht sank das Thermometer unter + 6° herab, gegen 5 Uhr heute Morgen zeigte dasselbe genau + 6° R.
Versteigerungs- und Verpachtung s- rr. Kalender für Dienstag den 12. August.
Vormittags 11 Uhr werden im Bureau des Herrn Bauassistenten Limpert zu Bedingen die zur Einrichtung eines Amtsgerichtslokals daselbst erforderlichen Arbeiten und Lieferungen im Betrage von über 26,000 M'. suümissionswnse vergeben (s Nr. 178 „Hau. Anz."). — Nachmittags 2 Uhr Fortsetzung der Versteigerung des Joseph Fest'schen Nachlasses durch Herrn Taxator W. Seiffert im Hause Nr. 21 der Stern- gasse dahiec.
— Für heute. Abends 8Va Uhr: Generalversammlung für die Mitglieder der 100-Mk-Sterbekassr, in der „Neuen Anlage". — Neue Sparkasse in den „3 Gänsen": Mitglieder-Aufnahme. — Spritze Nr. 4 in den „3 Schwanen"; Nr. 5 im „goldenen Herz."
Eingesandt.
In Nr. 30 der Gartenlaube finden wir eine sehr lehrreiche und beachtenswerthe Abhandlung über die Bewohner der Mundes (thierische und pflanzliche Gebilde). Es wäre zu wünschen, daß dieselbe durch erlaubten Nachdruck weitere Verbreitung finden könnte. Dort wird unter Anderem auf die Gefahren hingewiesen, welche für die Gesundheit und das Leben des Menschen entstehen, wenn der Mund und die Zähne nicht sorgfältig und, was besonders heroorzuheben ist, nicht zweckmäßig gereinigt werden. In der Abhandlung sind gleichzeitig die Eigenschaften eines guten Mundwassers angegeben. Dasselbe muß, um jene Grfahren wirksam zu bekämpfen, eine entsäuernde und fäulnißwidrige Wirkung haben. Diesen Anforderungen entspricht das von Herrn Apotheker Trompetter nach der Verordnung des Herrn Zahnarztes von Ko- ziczkowski bereitete Mund- und Zahnwasser. Diese Flüssigkeit, über deren wohlthätige Wirkung vielseitige anerkennende Zeugnisie vorliegen, empfiehlt sich außerdem durch ihren angenehmen Geruch und Geschmack, insbesondere aber dadurch, daß sie zur Verhütung von Zahnschmerzen beiträgt. Nur ein Umstand ist dabei zu beklagen. Das erwähnte Wasser müßte, um auch Minderbemittelten zugänglich zu sein, einen geringeren Preis haben. Vielleicht genügt bieder Hinweis für Herrn Trompetter, im Interesse der leidenden Menschheit ein kleines Opfer zu bringen. t?t
— HerSfeld, 8. August. Heute Morgen verschied auf Hof Engelbach der Staatsrath Minister a. D. Scheffer nach achttägigem Krankenlager an einem Unterleibsleiden. (C. Tpst.)
Aus der Umgegend.
— Frankfurt a. M, 9. August Ein Niederräder Metzger, welcher seinen Kunden Pferdefleisch statt Ochsenlenden verkauft haben soll, wurde wegen Betrugs zur Anzeige gebracht. — Nächsten Di enstag den 12. ds. wird der Zoologische Garten sein 21. Stiftungsfest mit