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M. 185.
fiirnanet Inniger.
Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial Correspondenz.
Montag den 11. August
Snfertie»e- Preisr
Die ifpaltige Garmondzeile ob. deren Raum io Pfg.
Sie Sspalt. geile 20 Pfg.
Die SspaltigiZeile 30 Pfg
1879.
Amtliches.
Polizei-Verordnung.
Auf Grund des §. 11 der Verordnung vom 20. September 1867 über die Polizeiverwaltung in den neuen Landestheilen wird in Betreff der Wanderlager für den Umfang unseres Verwaltungsbezirks nachstehende Polizei-Verordnung erlassen.
§. 1. Die Inhaber von Wanderlagern — zu welchen der Regel nach diejenigen Unternehmungen zu rechnen sind, in welchen außerhalb des Wohnortes des Unternehmers und außer dem Metz- und Marktverkehre von einer festen Verkaussstätte (Laden, Magazin, Zimmer, Schiff und dergl.) aus vorübergehend Waaren feilgehalten werden, — dürfen öffentliche Ankündigungen ihrer Waaren nur unter dem in ihrem Legitimationsscheine aufgeführten Namen mit Hinzufügung des Wohnortes erlassen.
§. 2. Dieselben sind verpflichtet, einen ihren Namen und Wohnort in deutlicher Schrift enthaltenden Aushang vor ihrem Geschästslo« kale an einer für Jedermann sichtbaren Stelle anzubringen.
§. 3. Zuwiderhandlungen gegen diese Borschriften, welche alsbald in Kraft treten, unterliegen einer Geldstrafe von 10 bis 30 Mark.
Cassel am 21. Juli 1879.
Königliche Regierung.
Wird veröffentlicht.
Hanau am 9. August 1879.
Der Landrath.
Es wird hiermit zur Kenntniß gebracht, daß mit Rücksicht auf den nachtheiligen Einfluß des vorigen Winters auf die im §. 1 unter Nr. 11 und 12 des Gesetzes über die Schonzeiten des Wildes vom 26sten Februar 1870 genannten Wildarten und im Hinblick auf die voraussichtlich späte Ernte dieses Jahres, der Schluß der Schonzeit jener Wildarten in Gemäßheit des §. 2 1. c. mit dem Beginne des 15. September d. J. eintreten soll.
Eaffel den 28. Juli 1879.
' Königliche Regierung, Bbth. des Innern.
Wird veröffentlicht.
Hanau am 9. August 1879.
Der Landrath.
Es ist mehrfach bemerkt worden, daß durch die häufigen Regengüsse der letzten Zeit die Jauchenbehälter in den Dörfern mehr oder weniger überlaufen. Die HerinDrtSpolizeibeamten wollen dafür sorgen, daß da, wo dies der Fall ist, möglichste alsbaldige Abhülfe des Uebelstandes geschieht.
Hanau am 9. August 1879.
Gefunden: Eine Peitsche. In Kaiser's Wirthschaft stehen geblieben: 2 Regenschirme und 2 Spazierstöcke.
Zugeflogen: Ein Distelfink.
Zugelaufen: Ein Neufundländer mit gelben und weißen Platten.
Verloren: Ein Kinder Regenschirm. In der Nürnbergerstraße ein Buch aus der Leihbibliothek, „Schlägels Stereoskrpen"; dem Wieder- bringer eine Belohnung. Von den Emmrichshöfen bis Alzenau am 10. ds. Mis. eine silberne Ankerrhr mit schwerer silbernen Kette; dem Wiederbringer eine gute Belohnung. Vor Ankauf wird gewarnt.
Entflogen: Ein Kanarienvogel.
Hanau am 11. August 1879.
_ ________ Aus Königlichem LandrathSamt.
Tagesscha«.
Die Kaiserzusammenkunft in Gastein.
(Spezialielegremm drs Deutschen Mortogs-Blatis.)
Gastein, 10. August, 10 Uhr 30 Minuten Morgens. Gestern
war das Wetterglück dem Kaiser Franz Josef nicht ganz hold. Obwohl der Empfang bei schönem Wetter stattfand, verfinsterte sich doch Nachmittags der Himmel und während die GaladinerS, bei welchem kein Toast gehalten wurde, regnete eS bis in die Abendstunden in Strömen.
Erst gegen */»8 Uhr, als wndcr bei Kaiser Wilhelm sein kaiserlicher Freund zum Thee a la russe im Badeschlosse eingetroffen war, hörte bei bewölktem Himmel der Regen auf, und gestattete der glänzenden Illumination des ganzen Badeorts zu voller Wirkung zu gelangen.
Selten eignet sich ein Ort, wie dieser, so vortrefflich zu Jllumi- nations Wirkungen — amphiiheatralisch zieht sich der Ort am Fuße des Badbergers hinauf, hinter dem sich das mächtige Haupt des Graukogels erhebt, vom Wafferfall an bis in die höchsten Spitzen des Badberges, wo Villen und Wohnt äuser verstreut liegen, zog sich wie feenhaft vom dunklen Grün sich abhebend die Lichterkette hin, die Gegend rings in magischen Glanz tauchend, während auf den Höhen des Rathhausberges, des Annkogels und Graukogels mächtige Höhenfeuer emporloderten, die in der ungeheuren Entfernung sich doch kaum größer, wie etwa Riesen« Leucht äfer ausnahmen.
Unten beim Wasserfall strahlte das Quellenhaus mit bunten Lampions wunderbar in feurigen Linien, während Leuchtkugeln, Raketen und bengalische Flammen das zauberisch schöne Thal auf Augenblicke mit ihren farbigen Lichtern übergossen.
Als Kaiser Franz Josef den Deutschen Kaiser verließ, nahm er mit unverhohlenem Entzücken die getroffenen Anordnungen in Augenschein.
Selten sah ich so h rrliche Effekte mit vergleichsweise so geringen Mitteln erzielt, denn die Gesvmmtauscabe der Gemeinde belief sich für diese Feier auf etwa 800 Gulden. Freilich hatte eS auch kein Privathaus unterlassen, alle Fensterreihen mit Lichterglänz zu schmücken.
Beim DiNer soll Kaiser Wilhelm die Idee ausgesprochen haben, in diesem Jahre noch einmal Gastein zu besuchen, und zwar im Herbst aus etwa 14 Tage, da ihn der Badeaufenthalt jetzt so sichtbarlich gestärkt.
Der Gedanke scheint vom Generalarzt Dr. Lauer ausgegangen zu sein, welcher den Wunsch hegt, den Kaiser vor der Ueber anstrengung zu schützen, welche seine allzu sehr ausgedehnte Theilnahme an den Herbst- manövern stets im Gefolge hat.
Kaiser Wilhelm sagte ferner, daß, wenn Gott ihm Leben und Gesundheit schenke, er dann jedenfalls im nächsten Jahre Gastein zwei Mal zu besuchen gedenke. Im Weiteren soll Kaiser Wilhelm den Kaiser Franz Josef auch beglückwünscht haben zu den tapferen Leistungen sei- ner braven Truppen in Bosnien und der Herzegowina und zu den dort davongetragenen Erfolgen.
Heute Morgen bei freundlichem Sonnenschein begab sich Kaiser Franz Josef zu Fuß in Begleitung seines Adjutanten und des Statthalters Grafen Thun zur Messe nach der katholischen Kirche, darauf empfing er in Villa Meran das Kur- und Empfangskomitä. Hier überwies er dem Bürgermeister Euber 1000 Gulden für wohlthätige Zwecke. Er fragte nach der Prosperität des Bades.
Als der Bürgermeister erwiederte, Gastein befinde sich in der glücklichen Loge, trotz der schlechten Zeiten stets überfüllt zu sein, meinte Kaiser Franz Josef, „es gäbe leider so viele Kranke und Leidende", daß ein Kurort wie Gastein fast unabhängig dastehe von der Gunst der Ver- Hältuisje — wenn er die vortrefflich stärkende Wirkung in Betracht ziehe, welche die Easteiner Bäder auf seinen kaiserlichen Freund, den Kaiser Wilhelm, seit einer Reihe von Jahren und auch Heuer wieder hervor- gebracht, den er jetzt so rüstig wiedergkfur.den wie kaum je zuvor, so könne über das fernere Gedeihen dieses schönsten Punktes des Salzkammergutes ein Zweifel nicht obwalten." , ,r
Nach beendigtem Empfang begab sich der österreichische Karzer gegen ^slO Uhr in preußischer EeneralSunisorm (auf dem Kirchgänge hatte er österreichische Uniform angelegt,' die er auch während des gedachten Empfanges trug) abermals und zwar zu Wagen mit fernem Gefolge nach dem Badeschlosse, um sich von Kaiser Wilhelm zu verabschieden.
Beide Monarchen blieben nahezu eine volle Stunde in eifrigem Gespräche beieinander, worauf sie sich unter herzlichen Umarmungen trenn-