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Dienstag den 5. August
1879.
Amtliches.
Gefunden: Ein Kinder-Siröhhut. Ein Köcher. Ein weißes Sonnenschirmchen. Ein rothes Taschentuch. Ein Kinder-Ohrring.
Hanau am 5. August 1879.
Aus Königlichem Landrathsamt.
R n n d s ch a n.
R. F. Ueber die Zusammenkunft des Kaisers Wilhelm mit dem Kaiser Franz Josef erführt man, daß diese nicht, wie bereits festgesetzt war, cm 8., sondern am 6. August in Gastein nunm-hr stattfindm wird. Der Kaiser Franz Josef wird mit einem kleinen Gefolge und wahrscheinlich auch in Begleitung des Grafen Andraffy daselbst eintrefstn und drei Tage dort verweilen. Den getroffenen Bestimmungen zufolge wird der Kaiser Wilhelm bis zum 13. d. M. in Gastein verweilen, dann nach Schloß Nabelsberg bei Berlin zurückkehren und dort bis zur Reise nach der Provinz Preußen residiren. Ueber eine Reise nach Jschl, um den Besuch des Kaisers Franz Josef zu erwidern, sind noch keine Bestimmungen getroffen, doch wird diese Reise wahrscheinlich stattffnden. — Fürst Gismarck wird sich, wie es heißt, nach Beendigung der Cur in Kissingen nach Wildbad Gastein begeben.
Im Leben des Prinzen Wilhelm von Preußen, des ältesten Sohnes des Kronprinzen Friedrich Wilhelm, ist ein bedeutsamer Abschnitt eingetreten. Der Prinz, welcher bekanntlich mit seinem Bruder Heinrich das Gymnasium in Cassel vor einigen Jahren absolvirte, studirte später in Berlin und Bonn und hat vor wenigen Tagen das sogenannte Triennium seiner Universitätsstudien und somit wahrscheinlich auch das Ende derselben erreicht. Die Corpsstudenten in Bonn feierten den Abschied des allgemein beliebten Prinzen durch einen großen Commers und den althergebrachten Umzug dürch die Stadt. Prinz Wilhelm unterließ nicht bei seinem Abschiede in einer kurzen Anspracke zu bemerken, daß er sich in seinem ferneren Leben stets gern an seine Universitätszeit und an die dort betriebene Pflege des deutschen Geistes erinnern werde.
Der Contreadmiral Batsch, welcher in Sachen des „Großen Kur- stuft" zu sechs Monaten Festungshaft, und der Capitänlieutenant Klousa, welcher aus gleichem Gründe zu einmonatlicher Festungshaft verurtheilt wurde, haben ihre Strafe beretrs angetreten.
Der in den Kreisen aller Parteien mit großer Sensation aufge« urmmene Rücktritt des nationalliberalen Parteiführers Herr v. Bennigsen scheint sich nur auf dessen Stellung im preußischen Abgeordnetenhaus«, desstn Präsident Herr v. Bennigsen bisher war, zu beziehen, denn über eine Niederlegung des Reichstagsmandats verlautete bisher von Herrn v. Bennigsen noch nichts.
Bet der am 30. Juli im 4. Erfurter Wahlkreise stattgehabten Reichstagswahl wurden nach den nunmehr vorliegenden Ermittelungen 9422 Stimmen abgegeben. Der bisherige Abgeordnete des Wahlkreises, jetzt preußischer Minister der landwirthschaftlichen Angelegenheiten, Dr. Lucius, erhielt 5050, der Rechtsanwalt Träger (Fortschritt) 2267, Kapell (Socialdemokrat) 1648 Stimmen. Der Minister Dr. Lucius ist somit wiedergewählt.
Der „Reichs-Anzeiger" veröffentlicht eine Kaiserliche Verordnung, wonach der General-Feldmarschall Freiherr v. Manteuffel zum Statthalter von Elsaß-Lothringen ernannt und ihm auf Grund des §. 1 des Gesetzes vom 4. Juli 1879, betreffend die Verwaltung und Verfassung Elsaß-Lothringens, die diesbezüglichen Befugnisse übertragen worden sind.
In der zweiten bayerischen Kammer gab es in letzter Woche beim Militärbudget verschiedene lebhafte Debatten, zumal verlangte» der Abg. Echels und der Abg. Pfahler genügende Zusicherungen in Bezug auf die Behandlungen der Soldaten von ihnn unteren Vorgesetzten und bezüglich der freien Religionsüdung der verschiedenen Confefsionen an- gehörigen Soldaten. Nachdem hierauf vom Kriegsminister genügende Zusicherungen gegeben waren, wurde das Militärgesetz von der Abge- ordnetenkammer genehmigt.
Die französischen Kammern haben sich mit dem Abläufe der vergangenen Woche vertagt. In den letzten Sitzungen derselben sind noch verschiedene wichtige Beschlüsse, zumal von Seiten des Senats, gefällt worden. Die mit der Prüfung der Ferry'schen Unterrichlsgesetze beauftragte Senotscommisston hat unter dem Vorsitze Jules Simon's den
§. 7 tiefer Vorlage, durch welchen auch die vom Staate anerkannten geistlichen Congregationen von der Unterrichtsertheilung ausgeschlossen werden, abgelehnt, und dürste durüber ein heißer Conflikt zwischen dem Senate und der Deputirtenksmmer ausbrechen, welcher indessen erst in der Herbstsession zum Austrage kommen wird. — Trotz der bekannten Anstrengungen, das französische Heer in Ausbildung und Ausrüstung zu verbessern, nimmt die Regierung bei diesen Bestrebungen doch große Rücksicht auf die wüthschaftliche Lage Frankreichs. So sind in Ansehung des schlechten Standes der Erntearbeiten 40,000 Mann des französischen Heeres für den Monat August beurlaubt worden und die Einziehung der Reservisten wurde aus demselben Grunde verschoben. — Die am letzten Sonntage staitgefundeue Enthüllungsfeier der Thiers'-Statue dürfte ein politisches Ereigniß gewesen sein. Fünf Minister wohnten der Feier bei und Jules Simon wollte in einer großen Rede dem jetzigen Kabinete zu Leibe gehen. Näheres darüber wird man bald erfahren.
Trotz aller Ableugnungen ist es doch eine Thatsache, daß die österreichische Regierung sich zu einer neuen Action im Orient vorbereitet und zwar soll das türkische Sandschack Novibazar noch von österreichischen Truppen besetzt und später Bosnien einverleibt werden, um die Sicherheck dieser Provinz zu erhöhen. Freilich muß diese Aclion wegen der Eifersucht Rußlands und Italiens und auch wegen der französischen Bevölkerung in Novibazar mit großer Vorsicht ausgenommen werden und daher die andauernde Verzögerung der Occupation. — Aus Trieft wird g-meldet, daß der Staatssccretär im Ministerium des Innern, Graf Zichy-Ferraris, auf Ansuchen von jenem Posten enthoben ist. An bte;e Entlassung knüpft sich eine Affaire, die in den weitesten Kreisen Aufsehen erregt. Ein der ungarischen Oppositionspartei angehörender Journalist Johann Asboth, ein noch junger Mann von fleckenlosem Charakter und Sohn eines sehr namhaften ungarischen Parlamentariers, hat den Staatssekretär Graf Zichy öffentlich beschuldigt, daß er Orden für schweres Geld vermittelt, ferner Bauprojekten gegen entsprechende „Geschenke" die staatliche Genehmigung verschafft habe u. s. w. Graf Zichy hat nun, um sich rein zu waschen, die Einsetzung eines Ehrengerichts und während der darüber schwebenden Verhandlungen seine Entlassung aus dem Staatsdienste erbeten. Man darf auf den Ausgang der Affaire begierig sein.
Im englischen Unterhause beantragte Lord Hamilton, Chef des Unterrichtswesens, die Bewilligung eines Credits von 2,481,168 Pfund Sterling für Unterrichtszwecke und knüpfte daran eine eingehende Darstellung des Fortschritts der Volksbildung im abgelaufenen Jahre. Der Schulbesuch hat sich in England um 11 Procent gebessert, indem jetzt im Durchschnitt 2,400,000 Kinder täglich die Schule besuchen, während 3,400,000 Kinder in den Büchern als schulpflichtig eingeschrieben sind.
Unter den englischen aus Afghanistan nach Indien zurückkehrenden Truppen ist die Cholera ausgebrochen und richtet schreckliche Verheerungen an.
Im türkischen Reiche hat die verflossene Woche gezeigt, daß dieser Staat nicht zu retten ist. Der auf energische Reformen bedachte Groß- rezier Khereddin Pascha wurde nicht nur abgejetzt, nein, der Sultan setzte sogar die alle Willküi Herrschaft wieder ein, wonach er über die Köpfe der Minister hinweg nach eigenem Gutdünken, resp, nach den Eingebungen seiner Schmeichler regieren wird. Neue Minister, an deren Spitze Änfi Pascha steht, sind in Konstantinopel zwar ernannt, aber es lohnt sich gar nicht der Mühe deren Namen zu nennen, denn ehe ein Monat vergeht, «erden sie doch wieder abgedankt.
Die Ludenfrage in Rumänien ist noch nicht im Geringsten einer Lösung näher gerückt, weshalb der rumänische Minister der auswärtigen Angelegenheiten eine Rundreise an die Höfe der Großmächte an getreten hat, um eine Verständigung in der Judenfraae herbeizuführen.
Tages schau.
— Se. Majestät der Kaiser haben Allergnädigst geruht, im Namen des Reichs zu ernennen: Allerhöchstihren General. Feldmarschall und General-Adjutanten Edwin Freiherr« von Manteuffel zum Kaiserlichen Statthalter in Elsaß-Lothringen; — den Unter-Staatssekretär im Reichskanzler-Amt für Elsaß-Lothrrngen Carl Herzog zum Staatssekretär des Ministeriums für Elsaß-Lothringen mit dem Range eines Staats-