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Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Anlage, und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.
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30 Psg
Nr. 174, Dienstag den 29. Juli
1879.
Amtliches.
Donnerstag den 31. d. M., von Morgens 8 Uhr ab, findet von dem hier garnisonirenden Bataillon auf den Wiesen bei Rückingen in der Richtung auf Langenselbold eine Schießübung mit scharfen Patronen statt.
Die nöthigen SicherheitSposten werden ausgestellt werden. Den Anordnungen derselben ist Folge zu geben.
Die betreffenden Herren OrtSvorstände haben dies ungesäumt bekannt machen zu lassen.
Hanau am 29. Juli 1879.
___________________________Der Landrath.___________________________
Vor längerer Zeit (vielleicht schon in 1877) wurde Abends an dem Seilerhäuschen, welches in der Anlage vor dem Nürnbergerthor steht, bei dem Mißbrauch eines KindeS ein wegen gleichen Verbrechens hier Verhafteter von einem in Begleitung eines Frauenzimmers dort vorübergehenden Manne überrascht und mitgeführt.
Da es bisher nicht gelungen, die letztgenannten Personen zu ermitteln, ergeht an dieselben die Aufforderung, sich baldigst anzumelden.
Hanau, den 29. Juli 1879.
Der Untersuchungsrichter
____________________________R e u l.________________________5741
Gegen den flüchtigen, am 15. Januar 1837 geborenen Kaufmann Christian Göbel zu Bockenheim, welcher in den letzten Jahren in Hanau gewohnt hat, ist wegen Veruntreuung vormundschaftlicher Gelder gerichtliche Haft erkannt worden.
Es wird gebeten, den G ö b e l im BetretungSfall zu verhaften und mit allen bei ihm sich vorfindenden Geldern und sonstigen Werthgegenständen in hiesiges Kreisgerichtsgesängniß einzuliefern.
Hanau, 25. Juli 1879.
Der Staatsanwalt _______________ Sporleder.
Rundschau.
R. F. Eine Zweikaiserzusammenkunft, die auch Deutschland an- geht, ist gegenwärtig eine im Vordergründe der öffentlichen Interessen stehende Nachricht. Der Kaiser Franz Josef von Oesterreich wird an einem der nächsten Tage mit dem Kaiser Wilhelm in Gastein eine Zusammenkunft haben, bei welcher politische Motive zwar keine Hauptrolle spielen dürften, aber immerhin werden beide Monarchen neben dem Austausche der Freundschaft auch dem Gange der öffentlichen Angelegenheiten einen Gedankenaustausch widmen, denn man erfährt auch, daß der österreichische Kanzler Graf Andraffy den Kaiser Franz Josef nach Gastein begleiten wird.
In dem Dränge der letzten Reichstagssesston in Folge des neuen Zolltarifs ist eine Vorlage, welche der Reichskanzler mit in sein Programm ausgenommen hat, fast ganz vergessen worden, es ist diese der Entwurf betreffend die Revision des Eisenbahngütertarifs. Man erfährt jetzt, daß der Reichskanzler an seinem diesbezüglichen Projekte noch unbedingt festhält und sogar den neuen Zolltarif für ziemlich wirkungslos oder nur einseitig wirkend bezeichnet, wenn nicht auch der Eisenbahn- gütertarif entsprechend revidirt wird. Während es nun keinem Zweifel unterliegt, daß die gegenwärtige Mehrheit des Reichstags ähnlich wie dem Zolltarife auch dem Eisenbahngütertarife ihre Zustimmung gewähren wird, so scheint es dagegen diesmal als nicht unwahrscheinlich, daß der BundeSrath dem Plane des Reichskanzlers hinsichtlich der Erhöhung deS Eisenbahngütertarifs seine volle Zustimmung nicht gewähren will. Die Opposition im Bundesrathe wird hauptsächlich. durch die Vertreter Bayerns, Sachsens und Württembergs gemacht, welche nicht gesonnen sind, die Angelegenheiten ihrer Eisenbahnen vom BundeSrathe und Reichstage regeln zu lassen, sondern welche in dieser Beziehung sich auf ihre Reservatrechte stützen. Man darf begierig sein, wie der Reichs« kanzler diese Bedenken und Hindernisse in Bezug auf seine Eisenbahn« tarisvorlage beseitigen wird. — Die Ansicht, daß sich durch den Wechsel im preußischen Cultusministerium die Handhabung der Kirchengesetze ändern werde, scheint ganz irrig zu sein, denn in der oberschlesischen
Stadt Beuchen sind in voriger Woche eine Anzahl Schulschwestern ausgewiesen worden, welche Verfügung wohl bereits von dem neuen Cultusminister von Puitkamer erlassen sein muß.
In der letzten Sitzung des preußischen Staatsministeriums hat man sich bezüglich der Neuwahlen für das preußische Abgeordnetenhaus dahin schlüssig gemacht, daß dieselben am 9. Oktober stattfinden sollen. Der Tag der Auflösung des Abgeordnetenhauses ist noch nicht bestimmt und richtet sich derselbe nach den Vorschlägen des Ministeriums des Innern, welches mit den Vorbereitungen für einige Gesetzentwürfe noch nicht zu Ende ist.
Wie aus München gemeldet wird, nimmt der Besuch der dortigen internationalen Kunstausstellung beständig zu. Die französischen Kunstwerke sind in nicht weniger als 8 Waggons in München eingetroffen und dürfte die Ausstellung derselben noch in dieser Woche beendet werden.
Die parlamentarische Session in Frankreich geht ihrem Ende entgegen, ohne daß die Ferrh'schen Gesetze über den höheren Unterricht von dem Plenum deS französischen Senats in dieser Session berathen werden. ES zeigt dies, daß die Gegner dieser Gesetze im Senat die beabsichtigte Verschleppung der Berathung dieser wichtigen Vorlage durchgesetzt haben. Die Regierung, welche im Einverständniß mir der Deputirtenkammer Artikel 7 des Gesetzes mit Gewalt durchzusetzen drohte, hat hiervon vorläufig Abstaud genommen und bleibt die Angelegenheit voraussichtlich bis zur Herbstsession ruhen. Die-sranzösische Regierung ist indessen stets darauf bedacht, das republikanische Element zu stärken, und den Anti- Republikanern das Feld zu entziehen. Dies zeigt die von der Regierung zur Zeit betriebene Reorganisation des Staatsrathes, in welchem die Reaction bisher eine nicht zu unterschätzende Stütze fand. Die reactionären Parteien sind in Folge dessen tief verstimmt.
Der Jubel über den erfochtenen Sieg der Engländer über die Zulus findet in London einen lebhaften Wiederhall. Endlich ist der entscheidende Würfel gefallen und der leidige Feldzug in Südafrika geht seinem Abschluß entgegen. Dieser Krieg war einer der denkbar unpopulärsten bei dem englischen Volke und begrüßt man daher den entscheidenden Sieg um so mehr, zumal der KriegSgott Mars den englischen Truppen seither nicht sonderlich hold gewesen ist. Die Schlacht bei Ulundi, wo 5000 Erglönder über etwa 20,0 00 Zulus den glänzenden Sieg erfochten und den Feind total zersprengten, wird zur Folge haben, daß der Zulukönig die ihm vom englischen Obercommandirenden dietirten FriedenSbedingungen annehmen muß, wodurch sich die englische Herrschaft in Südafrika befestigt. — Im englischen Oberhause wurde die cubanische Sclavenfrage besprochen, da die englische Regierung inter- pellirt wurde, darüber Auskunft zu geben, ob man Spanien nicht zwingen könne, auf Cuba die Sklaverei aufzuheben. Der Marquis von Salisbury erwiederte, daß Spanien ein unabhängiger Staat fei und es ihm überlassen bleiben müßte, die Sklaverei auf Cuba abzuschaffen. Er führte ferner aus, daß die heftigsten Feinde der Sklaverei es nicht wünschen würden, daß die britische Regierung der spanischen mit Krieg drohe, wenn letztere nicht die Neger auf der Insel Cuba emancipire.
Die großen Brände in Rußland, welche von den Nihilisten angelegt werden, mehren sich in erschreckender Weise. Kaum hat man sich in Rußland von der Schreckensnachricht, daß Jrtusk in Flammen stehe, erholt, als auch schon wieder Nachrichten über große Feuersbrünste ein- lausen. In Moskau fanden zwei Brände statt, einer äscherte vier Häuser ein, während der andere, welcher im Kreml der alten russischen Czarenburg ausbrach, mit Aufgebot aller Kräfte unterdrückt wurde. Bei Besichtigung der letzteren Brandstätte stellte es sich heraus, daß vieles Holzwerk mit brennbaren Flüssigkeiten, als Petroleum u. s. w., bestrichen waren. Nach den neuesten Nachrichten hat schon wieder ein großer Brand in Nischni-Nowgorod gewüthet, welcher den Bazar, eine große Anzahl von Häusern und Läden zerstörte. Es zeigen diese schrecklichen Ereignisse, zu welchen verzweifelten Mitteln der äußerlich unterdrückte Nihilismus greift, um Angst und Entsetzen unter der russischen Bevölkerung zu verbreiten.
Das Trauerjahr des jungen verwittweten Königs von Spanien ist am 26. Juni abgelaufen und soll Don Alfonso nach Wiener Berichten