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Nr. 171.

Milkr Inniger.

Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.

Freitag den 25. Juli

gitfertie#S- Preks: Die ispaltige Earmondzeile od. deren Raum 10 Pfg.

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1879.

Rundschau.

_ R. F. Seit dem 22. Juli weilt unser Kaiser in dem österreichi­schen Badeorte Gastein, den der Monarch mit Ausnahme der beiden Kriegsjahre 1866 und 1870 seit nun fast zwanzig Jahren regelmäßig

und neue Stärkung für seine Gesundheit fand. Mag auch die diesjährige Gasteiner Cur bei dem greisen Herrscher die alte Wirkung üben, damit es ihm vergönnt ist, die für die Monate August und Sep­tember in Aussicht genommenen großen Truppeninspektionen in den Pro­vinzen Preußen, Pommern und den Reichslanden Elsaß-Lothringen vor- zunehmen. Auf der Insel Mainau, wo der Kaiser vom 17. bis 20. Suft weilte, hatten sich zahlreiche fürstliche Gäste um den Monarchen versammelt. Außer dem Großherzoge und der Großherzogin von Baden waren auf Schloß Mainau anwesend der Fürst, die Fürstin, der Erb­prinz und die Erbprinzessin von Hohenzollern und der Fürst von Für­stenberg. tzui der Fahrt von der Insel Mainau noch Gastein hatte der Kaiser Wilhelm auch eine Begegnung mit dem König und der Königin von Württemberg, die ihn in Friedrichshafen begrüßten.

Nicht nur auf den Reichstagsbänken, sondern auch an den Regie- rungstischen Deutschlands herrscht mit wenigen Ausnahmen jetzt Ruhe, denn die meisten Minister sind in die Sommerfrische auf Urlaub ge­gangen. Den drei neuernannten preußischen Ministern Bitter, v. Pütt- kammer und Lucius ist dies allerdings noch nicht vergönnt, denn diese sind noch mit ihrer Einrichtung in ihre neuen Aemter beschäftigt und der preußischen Tradition gemäß müssen auch stets drei Minister auf ihrem Posten anwesend sein und dies trifft naturgemäß die neuernannten. Die bayerischen und Württembergischen Minister haben im Verein mit den dortigen Landböten noch verspätete Kammersitzungen abzuhalten, aus denen jedoch weder aus München noch aus Stuttgart Nachrichten von wichtigen Berathungen bis jetzt vorliegen.

Verschiedene Nachrichten bestätigen, daß der Kaiser Wilhelm die Glückwünsche des Papstes Leo zur goldenen Hochzeit mit einem herz­lichen Dankschreiben beantwortet hat, doch ist es wohl ganz irrthümlich, diesen Höflichkeitsact mit den Verhandlungen, die in den kirchlichen An- gelegenheiten zwischen Rom und Berlin schweben, in Verbindung zu dringen. ~ !

Der ehemalige Bischofs Martin von Paderborn, der neben dem verstorbenen ehemaligen Bischof Kettler von Mainz größter Kämpfer der römischen Kirche in Deutschland war, ist im Auslande, wahrscheinlich in Holland, an eiriem Bronchitisanfall gestorben. Diesem hochbegabten und streitbaren Kirchenfürsten wird ein Privatleben ohne jeden Makel nachgerühttit. immgaSJs

Im Reichskanzleramte zu Berlin schließt sich eine Aenderung an VE andere. Die bisherige Abtheilung für Elsaß-Lothringen, die sich bekanntlich vom M September ab selbstständig in Straßburg zu konsti- tmren hat, wandert aus und nimmtanihren Räumen das Reichsschatz- amt Platz. Ferner ist die Abtheilung im Reichskanzleramte, betreffend das Reichseisenbahnwesen, nach dem preußischen Ministerium der öffeut- MU Arveiten^ dessen Chef auch Reichseisenbahnminister geworden ist, Wergestedelt mro dafür ist dqö preußische Handelsministerium in die flergewordenen Räume des Reichskanzleramtes ejngezogen, um fortan von ZeseM Mit geleitet zu werden.

DieAegierung der preußischen Provinz Ostpreußen hat, um den stets von der russischen Grenze drohenden Veischleppungsgefahren bezüg­lich der R-nderpest vorzubeugen, auf Grund des Bunde-gefetzes vom 7. April 1869 neue, siehr strenge Paßregeln über dem Grenzverkehr erlassen, Wonach unter, anderem die Ein- und Durchfuhr der wiederkäuenden ThMß von Rußland ganz verboten ist.

Wie in voriger Woche der nationalliberate Wahlkandidat Leon- Hardt dem Socialdemokraten^ Hasenclever in der Breslauer Nachwahl Ä Wst im 7. yännövetMey . KaWreistz.dep Nasionalliberale WelWei^-M dem Wölfen Lyngwerth unterlegePollö .ZÄZ rsHislp Der neue deutsche Zolltarif ist, Wievörauszusehen war, vom Aus- lande nicht ßut ausgenommen worden. Am meisten wird er in England lib^delt und diesem Staate schließen sich in ähnlichem Sinne an: Frank­reich, Rußland, Schweden und Dänemark. Weniger übelgelaunt ist

man über unsern neuen Zolltarif in Oesterreich, dort hofft man beim Abschluß des deutsch-österreichischen Handelsvertrages Erleichterungen im Handelsverkehr mit Deutschland zu erlangen. gW^M'^

Die österreichische Ministerkrisis ist offenbar vertagt worden bis Mitte September, wo der neue Reichsrath einberufen werden soll. In einem Ministerrathe, der unter dem Vorsitze des Kaisers Franz Josef am letzten Sonntag in Wien stattfand, wurde die innere Lage Oester­reichs nicht behandelt, sondern man berieth gemeinschaftlich mit den ungarischen Ministern die Eisenbahnangelegenheiten. Der Kaiser Franz Josef begab sich hierauf wieder noch Jschl.

Nach vielen Meetings und Parlawentsreden ist in England das Militär- und Matrosen. Disciplinargesetz doch wieder mit demPrügel- paragraphen" genehmigt worden, die Mehrheit der englischen Parla­mentsmitglieder scheint eben vollkommen von der guten Wirkung einer tüchtigen Tracht Prügel überzeugt zu sein.

Das neue italienische Cabinet Cairoli vertheidigt im Princip mit Bestimmtheit die völlige Aufhebung der Mohlftcuer, will jedoch, um das Gleichgewicht im Staatshaushalte zu wahren, diese Aufhebung von der gleichzeitigen Bewilligung gewisser anderer Steuern abhängig gemacht wissen. In dieser Hinsicht kommen insbesondere die Vorlagen über die Nlkoholtaxen und den Einregistrirungsfiempel in Betracht. Der Kon­seilpräsident hat nun auch die Deputirtenkammer zu bestimmen vermocht, sich seiner Ansicht anzuschließen, sodaß die leidige Mahlsteuerfrage in Italien, wegen welcher schon zweimal Ministerkrisen ausbrachen, ihre Lösung gefunden hat, wenn nicht im Senate neue Schwierigkeiten eut- stehm sollten.

In den zwischen den beiden französischen Kammern drohenden Conflicten hat der Senat bereits in Betreff des sogenannten Garantie- gesetzes nachgegeben und den fraglichen Artikel 5 dieses Gesetzes mit 153 gegen 124 Stimmen angencmmen, es ist demnach wahrscheinlich, daß der französische Senat auch noch in Bezug auf das Ferry'sche Unterrichtsgesetz sich dem Votum der Deputirtenkammer unterwirft. Die Bonapartisten in Frankreich haben nunmehr endgültig die Präten­dentschaft des Prinzen Jerome Napoleon anerkannt und dem unerquick­lichen Parteigezänk ein Ende gemocht. Ueber die Entschließungen der Imperialisten wird mitgetheilt, daß die parlamentarische Gruppe des Appel au peuple den Beschluß faßte, daß nach dem Tode des Prin­zen Louis Napoleon der Prinz Jerome Napoleon als das Haupt der Napoleonischen Familie anzusehen sei und daß das Princip b(§Appel au peuple aufrecht erhalten werden müsse. Der Prinz hat auch die Ernennung angenommen, dabei aber erklärt, daß er nichts gegen die jetzige Regierung Frankreichs unternehmen werde, worauf allerdings nicht viel zu geben ist.

Aus Rußland meldet man wieder von -strengeres Maßregeln der Generalgouverneüre gegen die Nihilisteti, woraus hervotgeht, daß dem Treiben der letzteren noch kein Ende gemacht ist.

Die in Konstantinipel ausgchrochene Cabinetskrisis hat diesmal ein ziemlich schnelles Ende grsundem Kheireddin Pascha hat beim Sul­tan seinen Willen durchgesetzt. Dem Vernehmen nach hat der Sultan das RegierungsprogramM Kheireddin Paschas genehmigt und wird die Cabinetskrisis damit als beendet angesehen.

In der wegen der Aüdenfrage in Rumänien auSgebrechenen Mi­nisterkrisis hat der Fürst Karl den Minister Bratiano mit der Bildung eines neuen Cabinets betraut.

Die Bevölkerung der Vereinigten Staaten von Nordamerika wird seit voriger Woche durch den Ausbruch des gelben Fiebers in Memphis, welches in dortiger Gegend fast eben so schlimm als die Cholera auf- tritt, in Aufregung gehalten. Die Stadt Memphis ist durch eine strenge Quarantäne abgesperrt worden und'hofft man, daß die Epidemie des gelben Fiebers nicht weiter um sich greifen wird.

Der Krieg der Republiken Peru und Bolivia wird ohne Aussicht aus baldige Beendigung weitergeführk und haben es die kriegführenden Parteiey- jetzt, haMsächlich äüst Blokirung der Häfen des Feindes ab­gesehen. . ' l^^.>4^^^*4<i ^^^