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M. 168
Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.
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Dienstag den 22. Juli
Die Lspalt. geile 20 Pfg.
DieNspaltiarZeile 30 M :
1879.
Amtliches.
Gefunden: Ein Täschchen, enthaltend Visitenkarten nebst Impfschein, auf den Namen Margaretha Westrupp lautend. Ein Notizbuch für Schlosser Anton Laskowsky. Ein weißer Strumpf mit E 8. gez. Ein Bienenschwarm (eingefangen). Ein gelbes Taschentuch. Ein karrirtes Taschentuch. Ein defekter lederner Kinderschuh.
Verloren: Ein Portemonnaie mit ca. 9 Mark; dem Wieder- bringer eine Belohnung. Ein Gürtel. Zwei Brillen in schwarzem Futteral.
Hanau am 22. Juli 1879.
Aus Königlichem Landrathsamt.
R «R dsch a n.
R. F. Auf feiner Reise von Ems nach Gastein hat der Kaiser, begleitet von der groß herzoglichen Familie von Baden, die sich ihm in Karlsruhe anschloß, einen Abstecher nach der reizenden Bodenfeeinsel Mainau am 17. Juli unternomw en. Dort bet weilte der Kaiser drei Tage und reiste dann über Rosenheim nach Bad Gastein, wo er voraussichtlich mehrere Wochen Aufenthalt nehmen wird.
In den Leitorganen der Presse macht sich in Folge der letzten Beschlüsse des Reichstag s noch eine lebhafte Agitation für und wider das neue Darifgesetz geltend, im Uebrigen ist,indessen unsere innere Politik in ein ruhigeres Fahrwasser gebracht worden, zumal sich die Mehrheit unserer Nation auch nicht von den beabsichtigten Aenderungen einiger Verfassungsparaxrophen, belreffend die verlängerte Einberufung des Bundesrathes und des ReichstakeL und die Einführung zweijähriger Budgetperioden, in neue Erregung versetzen läßt, denn der unbefangene Beobachter kann hierin weiter nichts als eine prafti che Maßregel, welche nicht nur den verbündeten Regierungen, sondern auch dem Reichstage und den Landtagen große Erleichterungen gewähren soll, erblickn.
Durch die Einrichtung eines Reichsschatzamtes, dessen Chef der Geh. Oberfinanzrath Schal z geworden ist, als eines unmittelbar dem Reichskanzler unterstellten Reichsamis treten Veränderungen von tiefgehender Bedeutung ein. Mit dem bevorstehenden Jnslebentreten desselben wird der Geschäftskreis des Reuhrkanzleramtes, von welchem in den letzten vier Jahren bereits die Post- und Tekegraphen-Verwaltung, das Reichsjustizamt, das Reichskanzleramt für Elsaß Lothringen abgetrennt worden sind, eine weitere Einschränkung erfahren. Der Präsident des Reichskanzleramtes verliert damit die hervorragende Stellung, welche er den ihrigen Reichsverwaltungen und dem Reichstage gegenüber äls Reichsstnanzminister inne hatte. Der Keichskanzleramtspräsident Hofmann hat daher nur unter der Bedingung in die Abtrennung der Fi- nanzabtheilung gewilligt, daß er durch Uebertragung des preußischen Handelsministeriums an das Reich auf dem Gebiete des Handels eine Erweiterung seiner Thätigkeit und eine feste Basis erhalte.
Aus Hinterasien und zwar aus dem Königreiche Siam ist wieder eine neue Gesandtschaft in Deutschland eingetroffen, welche am 16. Juli vom Kaiser in Codlenz empfangen wurde und nach ihrer Ankunft in Berlin auch die Ehre hatte, am 19. Juli von dem Kronprinzen, dem Prinzen Friedrich Karl und dem Prinzen Karl, welch' letzterer der Gesandtschaft zu Ehren auch auf Schloß Glünrcke ein Festmahl heran» staktet hatte, empfangen zu werden.
Der Reichskanzler Fürst Bismarck, welcher in Begleitung seiner Gemahlin seit dem 16, Juki Abends in dem ihm liebgewordenen bayerischen Badeorte Kissingen weilt, wurde, wie wir nachträglich ersehen, bei seiner Ankunft in Kissingen von einem zahlreichen Publikum herzlich begrüßt, worauf der Fürst sichtlich erfreut nach allen Seiten dankte, Wie in den Vorjahren hat der König Ludwig von Bayern auch in diesem Jähre dem Reichskanzler während leims Aufenthaltes in Kissingen wieder Psinde und Wagen aus dem königlichen Marstalle zur Verfügung gestellt. Det Reichskanzler wohnt wieder in der Saline.
Ein eben so friedlicher als edeler Weitkowpf hat in der Hauptstadt Bayerns begrünen, denn am 19. Juli wurde im Münchener Glas-
Ke die internationale Kunstausstellung durch den Prinzen Luitpold ustrage des Königs Ludwig eröffnet. Bei der Eröffnungsfeier
waren die Prinzen und Prinzessinnen des bayerischen KönisshauseS, das diplomatische Corps, die Spitzen der Militär- und Civilbehörden und auserwählte Vertreter der Kunst und ein ComitS der Stadt München anwesend. Die Eröffnungsrede hielt Professor Lindenschmidt.
Die Ferry'schen Unterrichtsgesetze und der über dieselben ausgebrochene Conflikt zwischen der Deputirtenkammer und dem Senate sind das Tagesgespräch in Frankreich und ist man gespannt, welchen Verlauf diese Angelegenheit nehmen wird. Die Deputirtenkammer hat die Gesetze bekanntlich angenommen, im Senate ist jedoch die Majorität gegen die Vorlage, besonders gegen Artikel 7, welcher den Jesuiten das Unter» richtsfekd entzieht; es wurde in letzterem ein Ausschuß gewählt, von welchem vier Mitglieder die Vorlage annehmen wollen, drei Mitglieder verwerfen sie ganz und gar und zwar vom rein klerikalen Standpunkte, während zwei Mitglieder, Jules Simon und Voisins'Laverniöre, dieselbe aus liberal-doktrinären Rücksichten bekämpfen. Der gewählte Ausschuß scheint überhaupt die Vorlage erst in der Hauptsession behandelt zu wünschen, was jedoch in dem republikanischen Lager der Deputirten- kommer böses Blut macht, indem die Deputirten sich mit aller Entschiedenheit gegen die Verschleppung dieser wichtigen Angelegenheit aussprechen und wurde daher von der Regierung die Dringlichkeit der Vorlage beantragt. Besonders nimmt man es Jules Simon sehr übel, daß er aus purer Prinzipienreiterei gegen die Borlage agitire, und so den Herren Büffet und Genossen, welche die schlimmsten Feinde der R-pu- blik sind, in die Hände arbeitet. Die französische Regierung schreckt indessen vor einem Zerwürfniß mit dem Senate keinesfalls zurück und ist entschlossen, falls Artikel 7 der Vorlage oder auch die Dringlichkeit derselben abgelehnt wird, sich auf die Deputirtenkammer zu stützen, um gegen die Jesuiten und ihren Anhang die bestehenden Gesetze (von Wes« sidor des Jahres XII., welche bis jetzt noch nicht abgeschafft und von der sofortigen Austreibung der Jesuiten handeln) in Anwendung zu bringen. Gambeita ist für ein entschiedenes Vorgehen.
Das öffentliche Interesse in England concentrirte sich in den letzten Tagen fast ausschließlich auf die Frage, ob im englischen Heere und der Marine die Prügelstrafe beibehalten oder abgeschafft werden soll. Es fand in London eine Massenversammlung statt, in welcher ein Protest gegen die Beibehaltung der Prügelstrafe an die Regierung beschlossen wurde, welcher Protest dann auch im Unterhause durch den Antrag Hartingtons Unterstützung fand. Die Regierung bekämpfte jedoch den Antrag und führte aus, daß die Prügelstrafe zur Aufrechterhaltung der Disciplin erforderlich sei. Der Antrag Hartingtons, betreffend die Beseitigung der Prügelstrafe für militärische Vergehen, wurde schließlich mit 289 gegen 183 Stimmen abgelehnt. — Nach Berichten des Oberbefehlshabers der englischen Truppen in Süd-Afrika dürfte der gegen- wär'.ige Feldzug gegen die Zulus bald sein Ende erreichen, indem der Zulukönig Cetewayo nicht im Stande ist, mehr als 10,060 Mann Streiter zusammenzubringen. Cetewayo soll die Position im Norden von Ulude besetzt halten, nach neueren Berichten aus Capetown vom 1. Juli haben sich die Engländer bis auf 12 Meilen dem Zuluheere genähert und dürsten die nächsten Nachrichten melden, daß eine große Schlacht statt gesunden hat, welche vielleicht die entscheidende in diesem Feldzuge ist. .
Die Frage der Mahlsteuer in Italien, welche hauptsächlich den Anlaß gab, daß das vorige Ministerium demissionirte, ist am letzten Freitag in der italienischen Deputirtenkammer berathen worden. Es wurden zwei Artikel des vom neuen Ministerium Angebrachten Zusatz- Entwurfs angenommen; ferner wurde der Gesetzentwurf, betreffend die Aushebung der Steuer auf die niederen Getreidesorten, vom 1. August 1879 ab genehmigt. ... , .
Die klerikale Agitation gegen das liberale Unternchtsgesetz tn Belgien beginnt sich nunmehr gegen den König zu richten, welcher dieses Ge etz bestätigt hat. Ein Beweis, wie weit der Fanatismus der Ultra- montanen in Belgien geht, zeigen Placate, welche in Brüssel in der Nähe des königlichen Palastes angeheftet waren und bte Aufforderung enthielten, den König zu tödten, weil derselbe das liberale UnterrichtS- gesetz sanctionirt hat. Am vergangenen Freitag ist nun in Brüssel ein