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Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner ProoinzialCorrespondenz.
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Preis:
Die ispaltige V«rmondzeilc ob.
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10 Psg-
Die rspalt. Bette
20 Psg.
DieSspaltigeZctl« 80 Psg.
Nr. 165. Freitag den 18. Juli 1879.
Amtliches.
Donnerstag den24, Freitag den 25. undSonnabend den 2 6. Juli c. findet bei Langendievach auf den Wiesen zwischen diesem Ort und den Schießständen von dem hier garnisonirenden Bataillon eine Gefechtsübung mit scharfen Patronen statt. Die Absperrung des Terrains wird erfolgen. Den Anordnungen der hierzu ausgestellten Posten ist Folge zu geben.
Hanau am 16. Juli 1879.
Der Landrath.
Gefunden: Ein Knabenstiefel.
Zugelaufen: Ein kleiner schwarzer Hund, m. Geschlechts, mit 4 weißen Pfoten, geschnittenen Ohren, Halsband mit Schloß und Kordel daran.
Verloren: Ein eiserner Schöpfer mit langem Stiel.
Hanau am 18. Juli 1879.
Aus Königlichem Landrathsamt.
Die zweite diesjährige Schwurgerichtssitzung wird am 8. September d. I., Vormittags 9^2 Uhr eröffnet werden.
Hanau, am 14. Juli 1879.
Königliches Kreisgericht.
Müller.
Rundschau.
R. F. Nachdem die langwierige Reichstagssession, welche in wirthschaftlicher und finanzieller Hinsicht eine Cardinalfrage zur Entscheidung brächte, am Schlüsse der vergangenen Woche beendigt worden ist, hat sich der Gang unserer inneren Politik wieder auf die gewöhnlichen Aufgaben beschränkt, denn die Erregung im Lande über den Streit der Parteien im Reichstage und die dort ausgesprochenen Befürchtungen über eine Erschütterung der Reichseinheit durch die Paragraphen 7 und 8 des nun vollendeten Tarifgesetzes werden von der großen Masse unseres Volkes ganz abgesehen von irgend welchen Parteibeeinflussungen nicht getheilt. Es wäre auch mindestens übereilt zu nennen, über ein Gesetz, welches nach dem Verfassungsrecht zu Stande gekommen ist, schon im Anfänge seines Daseins den Stab zu brechen, da wir die Wirkung dieses allmählich in Kraft tretenden Gesetzes überhaupt erst im nächsten Jahre beurtheilen können.
Wie schon früher wiederholt bemerkt wurde, standen unmittelbar nach Schluß des Reichstags verschiedene Ernennungen erster Beamten in Deutschland und Preußen bevor, welche Ernennungen nunmehr auch durch den Kaiser und König Wilhelm vollzogen worden sind. Im Reichsanzeiger wird jetzt eine schon am 27. Mai erlassene Verordnung publicirt, laut welcher der Kaiser den Antrag des Reichskanzlers, betreffend die Errichtung eines Reichseisenbahnamtes, genehmigt und ist gleichzeitig der preußische Minister der öffentlichen Arbeiten, Staatsminister Maybach, zum Chef dieses neuen Reichsamtes ernannt worden. Auf diese Weise ist die Verwaltung der preußischen Eisenbahnen mit der Idee der Reichseifenbahnen eng verknüpft worden. — Auch hat der Präsident des Reichskanzleramts, Hofmann, wie schon früher proponirt wurde, die Leitung des preußischen Handelsministeriums mitübernommen. — Das preußische Ministerium ist am Beginn der Woche auch vollständig retablirt worden, denn die seitherigen Minister des Cultus und der Landwirthschaft Dr. Falk und Dr. Friedenthal sind unter Belassung ihres Titels und Ranges von ihren Aemtern ihrer nachgesuchten Dienstentlassung gemäß entbunden und der Oberpräfident der Provinz Schlesien, Herr v. Puttkammer, ist zum Cultusminister und der Rittergutsbesitzer und Vicepräsident des Reichstags, Dr. Lucius, zum Minister der Landwirthschaft ernannt worden. Vor seiner Abreise nach Kissingen hatte der Reichskanzler noch eine vertrauliche Besprechung mit den Ministern, bei welcher Gelegenheit auch die Einführung der neuen Minister stattfand. Die scheidenden Minister Dr. Falk und Dr. Friedenthal sind noch ganz besonders von ihrem Souveräne ausgezeichnet worden, indem ihnen der Adel verliehen wurde. Dr. Falk hat indessen für seine Per
son auf den Adel Verzicht geleistet und ist dafür der Sohn Falk's, welcher als Offizier im Gardefüselierregiment dient, in den Adelstand erhoben.
Von der am letzten Sonntag Nachmittag stattgehabten Sitzung des Bundesrathes erfährt man, daß in derselben alle die noch restirenden Hauptgeschäfte betreffend die Statistik des auswärtigen Waarenverkehrs, die Feststellung eines dritten Nachtrags zum laufenden Reichshaushaltsetat, über die Tabaksteuer, über den Zolltarif, über einige Abänderungen der Gewerbeordnung u. f. w. erledigt wurden, und der Gundesrath nunmehr auch eine längere Ruhepause haben wird. In dieser Sitzung des Bundesrathes soll auch von zweijährigen Budgetperioden die Rede gewesen sein, doch sei noch kein diesbezüglicher Antrag formulirt worden.
Innerhalb der nationalliberalen Partei findet gegenwärtig in Folge der nicht übereinstimmenden Haltung der Parteimitglieder zum Tarif- gesetz eine Art Läuterungsproceß statt. Aus der nationalliberalen Partei sind bereits ausgeschieden die Abgg. v. Treitschke, Völk, v. Schauß, v. Puttkammer (Fraustadt), v. Ohlen, Bauer, Klein, Kreuz, Jäger (Reuß), Römer (Württemberg), Servaes, Vopel, Rentzsch, Zinn, Bähr (Caffel), Feustel und v. Hölder und glaubt man, daß noch einige andere Mitglieder dieser Partei ihren Austritt vollziehen werden. Dadurch dürste sich die Stärke der Nationalliberalen von circa 100 auf 75 bis 80 Köpfe herabmindern.
Nach der Vertagung des Bundesraths wird jene Commission in Thätigkeit treten, welche das neue Waarenverzeichniß für die Verzollung nach dem definitiv beschlossenen Zolltarif aufstellen und weitere Vor- schlüge über die künftige zollamtliche Behandlung der Zollwaaren machen soll. Die Commission wird voraussichtlich aus drei technischen, den Steuerbehörden angehörigen Mitgliedern bestehen. Dieselben werden vom Reichskanzler ernannt. Außerdem hat der BundeSrath die zustän- digen Ausschüsse beauftragt, sich in der Zwischenzeit mit der Ausführung des ZollgesetzeS zu befassen.
Die österreichischen Reichsrathswahlen sind zu Ende und man kann jetzt vollständig deren Ergebniß übersehen. Im Ganzen sind 173 Can- didaten der liberalen Fractionen und 175 Candidaten der conservativen Fractionen gewählt worden. Drei Gewählte haben die Mandate nicht angenommen und zwei Candidaten sind doppelt gewählt worden; es sind daher fünf Neuwahlen nothwendig. Die „Wiener Presse» nimmt unter Berücksichtigung der jetzigen Parteiverhältnisse an, daß in allen wichtigen Fragen, falls Rechte und Linke geschloffen gegeneinander stimmen, in ähnlicher Weise wie bisher im österreichischen Reichsrathe die Polen und der Großgrundbesitz den Ausschlag geben würden. Keinesfalls werde die liberale VerfassungSpartei, auch wenn alle Elemente derselben sich vereinigen sollten, eine compacte Majorität wie früher bilden können. ■ Unter solchen Verhältnissen sind natürlich die Tage des jetzigen österreichischen Ministeriums, das sich auf die VerfassungSpartei stützte, gezählt, es fragt sich nur, wann das Cabinet um seine Entlassung bitten wird. Es bestätigt sich, daß in diesem Falle Graf Taafe die Bildung des neuen Cabinets übernehmen würde, und halten die Conservativen ihre Candidaten für die einzelnen Ministerposten schon bereit.
Das öffentliche Interesse in England war in den letzten Tagen auf einen Traueract gerichtet, den auch die übrigen Nationen mit Theilnahme betrachten. Am 11. Juli wurde die Leiche des Prinzen Louis Napoleon, vielleicht der letzte Bonapartist, welcher berufen war, eine politische Rolle zu spielen, in Chiselhurst, dem englischen Zufluchtsorte der verbannten Kaiserfamilie, bestattet. Das Leichenbegängniß zerfiel in zwei Theile, von denen der erste aus der Landung und deren Jdentist« cirung in Woolwich und der zweite in der feierlichen Beisetzung der Leiche in Chiselhurst bestand. Matrosen brachten auf ihren Schultern die Leiche aus Land und trugen sie in das Leichenhaus. Artilleriemusik spielte Beethoven's Trauermarsch. Englische Offiziere in voller Uniform bildeten Spalier und gegen vierhundert der berühmtesten Bonapartisten schritten hinter der Leiche her. Die formelle Todtenschau fand durch Joachim Murat, Charles Bonaparte, Rouher, den Kammerdiener Uhl- mann und den Zahnarzt Evans statt. Der graubärtige Diener fiel ohnmächtig zu Boden und mußte hinausgetragen werden. Rouher weinte