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Nr. 159.
Wütt Liyeiger.
Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage,^ und Samstags mit der berliner Provinzial- Correspondenz.
SafertiettS» Preis: Die IspaMge •ermonbäeile ob. deren Raum 10 Pfg.
Die Lfpalt. Seite
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Freitag den 11. Juli
1879.
Amtliches.
Diejenigen Eltern der Stadt Hanau, welche ihre im Jahre 1878 oder früher geborenen Kinder noch nicht haben impfen resp. revacciniren lassen, werden aufgefordert, dies in den noch anstehenden Terminen nachzuholen. Nach Schluß des öffentlichen Jmpfgeschäftes wird «uf Grund des §. 15 des Reichsgesetzes vom 8. April 1874 und §. 19 der Ausführungsbestimmungen vom 4. März 1875 gegen die Säumigen mit Straft vorgegangen werden.
Hanau am 11. Juli 1879.
Die Herrn Bürgermeister der Gemeinden des Bücherthals werden aufgefordert, nach vorherigem Benehmen mit den Herrn Geistlichen alsbald diejenigen armen Personen hier namhaft zu machen, welchen eine Unterstützung aus der Schling losf'schen Stiftung zugewendet werden kann.
Hanau am 11. Juli 1879.
___________________________Der Landrath.___________________________ Bekanntmachung.
In der Nacht vom 4. auf den 5. Juli l. I. sind der Wittwe Job st zu Klesberg von deren Fruchtboden in der Scheune mittels Einbruchs zwei Säcke Korn im Gewichte von ungefähr 400 Pfund entwendet worden; die Säcke sind mit dem Namen „Bernhard Job st zu Klesberg Haus Nr. 2" bezeichnet.
Es wird um Mittheilung von Spuren der Thäterschaft ersucht. Hanau, 8. Juli 1879 ---------- r
Der Staatsanwalt Schumann. vt. Lucas.
Rundschau.
R. F. Nach beendigter Badekur hat der Kaiser Wilhelm für den Spätsommer größere Manöoerreisen mit Bestimmtheit in Aussicht genommen und zwar gedenkt der Monarch sich in Begleitung der Kaiserin am 7. September nach Königsberg, der preußischen Krönungsstadt, zu den Manövern des ersten Armeecorps zu begeben. Am 10. September wird das Kaiserpaar dann Danzig besuchen und am 11. September sich nach Stettin zu den Manövern des zweiten Armeecorps begeben. In der letzten Hälfte des Monats September ist dann noch der Besuch Elsaß-Lothringens durch den Kaiser in Aussicht genommen.
Ziemlich glatt, man möchte sogar sagen „präcis" ist der Wechsel im preußischen Cabinet vor sich gegangen. Der Reichsanzeiger bestätigte bereits vor einigen Tagen die Ernennung des Unterstaatssecretärs Bitter zum Finanzminister und werden die neuen Minister des Cultus und der Landwirthschaft, Herr v. Puttkammer und Dr. Lucius, wohl unmittelbar nach Schluß des Reichstages ernannt werden. Der ehemalige Finanz- minister Hobrecht soll mit dem Titel eines wirklichen Geh. Regierungs- rath und dem Prädikate „Excellenz" pensionirt werden. Ueber die Art der Ausscheidungen der Herren Dr. Falk und Dr. Friedenthal aus dem preußischen Ministerium verlautet noch nichts.
In den Regierungskreisen wird zur Zeit mit regem Eifer für die Beendigung der gesetzgeberischen Berathungen gearbeitet, Dies bewies zumal eine der letzten Plenarsitzungen des Bundesrathes, die letzten Sonntag Nachmittag unter dem Borsitze des Fürsten Äismarck stattfand. Der Bundesrath berieth seine Stellung zu den Beschlüssen der Tarifcommission des Reichstags und entspannen sich hierüber mehrere lebhafte Debatten, an denen auch bereits der neue Finanzminister Bitter als preußischer Bundesbevollmächtigter theilnahm. Die Beschlüsse, welche hierauf der Bundesrath faßte, bezogen sich, hauptsächlich auf die Paragraphen 1, 6 und 7 des Zolltarifs. Bezüglich des Inkrafttretens der neuen Zollsätze (§. 1) verlangt der Bundesrath, daß dieser für Eisen, Hopfen, Instrumente und die Finanzartikel sofort, für .betreibe und Holz mit dem 1. Oktober d. I., für die übrigen Artikel mit dem 1. Januar 1880 ftattfir.be. — In §. 6 Nr. 1 soll es nach dem Bundesrathsbeschlusse Transitlager für Getreide „können bewilligt werden", statt „werden bewilligt" heißen. Zu §. 7, dem Frankenstein'schen Amende- ment, ist folgender Zusatz beschlossen: Insoweit der Ertrag der Zölle und der Tabaksteuer für die Zeit vom 1. Oktober 1879 bis 31. März 1880 die Summe von 52,651,815 Mark übersteigt, kommt der Ueber*
schuß an den Matrikularbeiträgen der einzelnen Bundesstaaten nach dem Maßstabe ihrer Bevölkerung in Abzug. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß die Reichstagsmehrheit sich ohne Schwierigkeiten mit der Regierung über diese Anträge einigen wird.
Der Reichstag erhob sich in seinen letzten Sitzungen noch mehrere Male auf die Höhe seiner parlamentarischen Bedeutung, denn die Fi- nanzzölle und der Frankenstein'sche Antrag bezüglich der Verteilung der Zolleinnahmen hatten die opponirenden Abgeordneten veranlaßt, am Schlüsse der Session noch einmal ihr „Veto" laut werden zu lassen und es fielen in Folge dessen viele spitze Worte zwischen den Vertretern der einzelnen Parteigruppen. Im Vcrdergrnnde der Opposition standen die Abgg. Richter-Hagen und Lasker, welche mit bekannter Redegewandtheit die Zollerhöhungen als einen politischen und wirthschastlichen Fehler hinstellen, welche Behauptungen jedoch an den Beschlüssen der Reichstagsmehrheit nichts änderten. Der Mg. Reichensperger-Olpe unternahm es dann bei der Spezialberathung des Zolltarifs die Cen- trumt Partei von dem Vorwmfe der Abtrünnigkeit an ihren Prinzipien zu reinigen, denn der Reichskanzler habe sich in wirtschaftlicher Beziehung zu den Ansichten des Centrums bekehrt und nicht das Umgekehrte hätte stattgefunden. §. 1 d?s Zolltarifs wurde danach mit der Aenderung angenommen, daß die Haupttheile des Zolltarifs erst am 1. Januar 1880 statt am 1. Oktober a. c eingeführt werden sollten. Das Tabaksteuergesetz erweckte keine größere Debatte, da man sich schon früher über diesen Gegenstand ausführlich ausgesprochen hatte. Der Entwurf der Tabaknachsteuer wurde ganz debattenlos beseitigt, da Niemand im Hause Lust zeigte, zu Gunsten des Gesetzes seine Stimme zu erhe eu, oder vom Tische des Bundesrathes aus ein Rettungsversuch gemacht worden wäre. Bei Berathung über die Erleichterung der Transitleger sah man der Debatte hierüber mit einiger Spannung entgegen, da bekannt geworden war, daß Fürst Bismarck selber die Stellung der Regierungen zu der Frage darlegen werde und in der That erschien auch ber Reichskanzler. Es galt dem Anträge Barnbühler: Fakultative Gewährung von Erleichterungen durch den Bundesrath, in welchen den Intentionen der Reichsregierung Ausdruck gegeben war, welcher von dem Antragsteller auf das lebhafteste vertheidigt wurde. Hierauf ergriff der Reichskanzler das Wort und führte aus, daß es nicht möglich wäre, die Transitlager ohne steuerliche Aussicht zu lassen, das würde eine mißliche Situation schaffen. Die Regierungen seien durchaus gewillt, dem Transithandel jede thunliche Berücksichtigung zu gewähren und empfahl schließlich die Annahme des Antrages Barnbühler, welcher mit 167 gegen 154 Stimmen angenommen wurde. Ende dieser Woche sieht man der großen Schlußabstimmung über den neuen Zolltarif entgegen.
Aus der nationalliberalen Partei werden wahrscheinlich nicht 30, sondern nur 15 bis 20 Mitglieder, die für die Finanzzölle nach dem Frankenstein'schen Anträge stimmten, austreten. Die große Mehrheit der Partei wird sich unter v. Bennigsen und v. Forckenbeck wahrscheinlich zu einer geschlossenen Opposition organisiren.
Das Königreich Bayern hat einen präsumtiven Thronerben empfangen. König Ludwig ist bekanntlich nicht vermählt, weshalb der Prinz Ludwig und dessen Nachkommenschaft erbberechtigt ist. Dem Prinzen Ludwig ist nun ein Sohn geboren, welcher in der Taufe die Namen Wolfgang Maria Leopold erhielt. — Der bayerische Landtag ist vom König Ludwig auf den 16. Juli einberufen worden. — Am gleichen Tage treten die Württembergischen Kammern in Folge einer königlchen i Berordnung zusammen.
Hinsichtlich der politischen Lage Oesterreichs bestätigte sich das in letzter Weche nrch mehr, was bereits früher darüber gesagt wurde. Die österreichischen Wahlen endeten mit einem Siege der Conservativen und die Folgen dieses Wahlergebnisses werden sich im österreichischen Ministerium bald zeigen, wenigstens steht soviel fest, daß sich in Folge der Wahlresultate mehrere österreichische Minister nicht mehr sicher in ihren Stellen fühlen. — Der ungarische Finanzminister v. Wenkheim ist am 7. Juli nach längerer Krankheit gestorben.
In Frankreich ist keine nennenswerthe politische Schwankung zu bemerken. Die Bonapartisten haben sich über die Frage der Nachfolgerschaft noch nicht geeinigt und ist dies wohl jetzt auch noch nicht zu erwarten, zumal am 12. Juli in Paris von der bonaparüstischen Partei