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Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage,) und Samstags mit der Berliner Provinzial- Torrespondenz.

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Nr. 156

Dienstag den 8. Juli

1879

Amtliches.

Bekanntmachung.

Der Königliche Steuerempfänger Küch zu Hanau hat unter seiner vollen persönlichen Verantwortlichkeit mit unserer Genehmigung seinen Privatgehülfen I. Diederich zur Ertheilung von Quittungen über Zahlungen an die Steuer- und Forstkasse II. dortselbst bevollmächtigt.

5202

Cassel, den 28. Juni 1879.

Königliche Regierung, Abtheilung für direkte Steuern, Domainen und Forsten, v. E i ch w e g e.

Bekanntmachung.

Der Königliche Steuerempfänger S a u l zu Hanau hat unter seiner vollen persönlichen Verantwortlichkeit mit unserer Genehmigung seinen Privatgehülfen Johann Heinrich Dietrich zur Ertheilung von Quit­tungen über Zahlungen an die Steuer- und Forstkasse I. dortselbst bevollmächtigt.

Cassel, den 28. Juni 1879.

Königliche Regierung,

Abtheilung für direkte Steuern, Domainen und Forsten.

5203__v. Eschwege.___________________________

Nachdem die Desinfektion des Stalles des Gärtners Karl Seitz hier, in welchem die Lungenseuche unter dem Rindvieh ausgebrochen war, vollendet ist, werden die Schutzmaßregeln hierdurch aufgehoben.

Hanau am 7. Juli 1879.

Der Landrath-.

Rundschau.

R. F. Die deutsche Nation hat sich daran gewöhnt, von dem Befinden ihres Hcchbetagten Kaisers in kurzen Zwischenräumen Nachricht zu empfangen und wir unterlassen deshalb auch nicht, diesem Bedürfniß Rechnung zu tragen. Der Kaiser Wilhelm befindet sich in dem Kurorte Ems recht wohl, er macht Ausflüge, besucht Theater und Conzerte, em­pfängt Besuche von Fürstlichkeiten, darunter die seiner erlauchten in dem nahe gelegenen Coblenz weilenden Gemahlin, und bei dieser gottbegna- deten Lebensfrische ist es dem gewissenhaften Monarchen auch möglich, sich den laufenden Regierungsgeschäften zu widmen und fast Tag für Tag die vortragenden Räthe zu empfangen.

Das politische Leben in Deutschland treibt rasch vorwärts, doch täntt man nicht sagen, daß ein Ahschlußpunkt bereits erreicht sei, wir sehen nur hochwichtige politische Begebenheiten in rascher Aufeinander­folge sich vollziehen. Es gilt als ausgemachte Sache, daß die aus dem preußischen Cabinet ausscheidenden Minister Hobrecht, Falk und Frieden­thal durch den Unterstaatssecretär Bitter, den Oberpräsidenten v. Pütt- lammet und den Bicepräsidenten des Reichstages Dr. Lucius ersetzt werden. Die Ernennung Bitters zum Finanzminister wird unmittelbar erwartet, während v. Puttkammer und Dr. Lucius erst nach Schluß des Reichstags installirt werden sollen. Ueber die Persönlichkeiten der neuen Minister bemerken wir, daß der Unterstaatssecretär Bitter im preußischen Ministerium des Innern als ein sehr begabter und erprobter Beamter gilt, der schon manches schwierige Problem während seiner langjährigen Regierungspraxis löste. Bemerkenswerth für das große Talent Bttter's ist, daß er zu den bedentendsten klassischen Musikschrift­stellern gehört. Der zum Cultusminister designirte Oberpräsident v. Puttkammer in Schlesien gilt auch als ein sehr tüchtiger Beamter, der indessen in den kirchlichen Fragen mehr konservativ als sein Vorgänger sein soll. Der zum landwirthschaftlichen Minister bestimmte Dr. Lucius ist von Hause aus Arzt, besitzt indessen eine vielseitige Begabung, ver­waltet seit Jahren seine drei großen bei Erfurt gelegenen Rittergüter und hat sich schon seit langer Zeit als Reichstagsabgeordneter um die Förderung der StaatSgeschäfte verdient gemacht.

Der Reichstag hat mit seinen Berathungen in letzter Woche einen gewaltigen Fortschritt gemacht und der Reichskanzler hat deshalb sich mit der Mehrheit des Reichstags auch bereits über den Schluß des Reichstags, der am 12. Juli erfolgen soll, verständigt. Die noch auS- stehenden Zollpositionen, zumal diejenigen über Baumwolle, Garne, 1 Zeuge, andere Wolle u. s. w, gelangten unter mehrfachen lebhaften, aber trotzdem resultatlosen Debatten meistentheils nach den zwischen der Regierung und der Tarifcommission vereinbarten Zollsätzen zur Annahme

und am letzten Sonnabend gelangten auch noch die Finanzzölle zur raschen Erledigung, wobei es allerdings nicht ohne parlamentarische Kämpfe abging. Die Finanzzölle sind nach der Regierungsvorlage auf Position 25 (Material- und Spezereiwaaren) sowie auf Petroleum zu legen. Die Mehrheit des Reichstags war schon vorher entschlossen, keine Concessionen zu machen, deshalb wurden alle einzelnen betreffenden Positionen nach der Fassung der Commission genehmigt, darunter der bedeutend erhöhte Kaffeezoll mit 174 gegen 97 Stimmen. Eine stür­mische Discussion rief hieraus der Petroleumzoll hervor, wnrde aber schließlich mit 171 gegen 92 Stimmen angenommen.

Ueber das Inkrafttreten des neuen Zolltarifs hat die Tarifcommis­sion folgenden Beschluß gefaßt: Das Gesetz tritt sofort in Kraft be­züglich der Tarifnummern 6 (Eisen rc), 14 (Hopfen), 15 (Instrumente rc.), 23 (Lichte), 25 (Material- rc. Waaren rc.), mit Ausschluß jedoch der Unterabtheilung 25q, 26 (Oel rc.), 29 (Petroleum), 37 (Thiere rc.) und 39 (Vieh). Der Zoll für Getreide tritt am 1. Oktober in Kraft. Bezüglich der übrigen Artikel tritt das neue Zollgesetz erst am 1. Ja­nuar 1880 in Kraft.

Es werden lebhafte Bemühungen gemacht, um das Gesetz über Organisation der Verfassung rc. Elsaß-Lothringens möglichst vor dem 1. September in Kraft treten zu lassen. Hierbei wird bekannt, daß alle Angaben unzutreffend waren, welche davon wissen wollten, daß mit Elsaß-Lothringen wegen Eintritts in die Verwaltung verhandelt worden ist. Damit zerfällt auch das Gerücht, daß einige betreffende Personen die Berufung abgelehnt, hätten. Abgesehen von der Ernennung des Statthalters, zu welchem der Generalfeldmarschall v. Manteuffel desig- nirt wurde, ist die ganze Personellstage noch offen.

Der bayerische Landtag ist vom König Ludwig auf den 16. Juli einberufen worden.

Obwohl das Gesammtergebniß der österreichischen Wahlen noch nicht zu übersehen ist, da noch einige Bezirke zu wählen haben, ergeht man sich doch in dem Nachbarstaate schon in Muthmaßungen über den Einfluß, welchen die Reichsraths wählen auf die inneren Verhältnisse Oesterreichs auSüben dürften. Während von der einen Seite befürchtet wird, daß die clerical-cvnservative Partei, welche die Majorität bilden dürfte, die Regierung weiter drängt, wie sie zu gehen beabsichtigt, führt man auf der anderen Seite aus, daß gerade der Regierungs-Einfluß der im nächsten Abgeordnetenhause der allein herrschende und ausschlag­gebende sein wird. Einschließlich des Wahlergebnisses vom Freitag waren von 352 zu wählenden Abgeordneten 266 gewählt. Im Ganzen hat die liberale Partei 33 Sitze verloren. Bezeichnend für die Lage ist, daß drei Minister des liberalen Cabinets, welche als Wahlcandidaten aufgestellt waren, unterlegen sind, das gleiche scheint dem Cultusminister Stremayr bevorzustehen, welcher eine Stichwahl zu bestehen hat sein, Gegencandidat Dr. Maag dürste aber siegreich aus der Wahl hervor­gehen. Es ist daher viel die Rede davon, das Ministerium wolle seine Demission einreichen, der Rücktritt dürfte jedoch erst bei Zusam­mentritt des neuen Abgeordnetenhauses erfolgen.

In der französischen Deputirtenkammer wird die Berathung der- Ferry'schen Unterrichtsgesetze fortgesetzt und sind bis jetzt Artikel 1 bis 6 angenommen. Die französische Republik hat durch Einbringen der Unterrichtsgesetze einen heftigen Kampf mit den Klerikern Frankreichs zu bestehen, fast alle Bischöfe Protestiren schon jetzt gegen jene Gesetze, welche den kirchlichen Einfluß auf die Schulen beseitigen, und erwartet man große Schwierigkeiten bei Inkrafttreten der Unterrichtsgesetze. Die bonapartistische Partei ist in zwei Lager getheilt, das eine erkennt als Oberhaupt Prinz Jerome Napoleon an, das andere dessen Sohn Prinz Victor Napoleon. Dieser Riß, der durch die kaiserliche Partei geht, schadet der bonapartistischen Sache ungemein, wird aber von den Repu­blikanern mit Befriedigung ausgenommen, weil sie in der ausgebrochenen Zwietracht in jener Partei den besten Bundesgenossen gegen kaiserliche Restaurationsgelüste erkennen.

Aus Rußland kommen wieder Nachrichten über die Thätigkeit der nihilistischen Partei, welche nunmehr auf dem platten Lande ihre Schreckensscenen zur Ausführung bringt. Der geheime Nihilisten-Aus­schuß hatte dem Städtchen Uziany im Gouvernement Kowno unter Drohungen eine Steuer von 200,000 Rubel auferlegt; die Gemeinde