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Nr. 131.

lWueMnjtiger.

Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau. Ä^Ä

Erscheint täglich mit Ausnahme der Gönn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage und Samstags mit der Berliner Provinzial-Lorrespondenz.

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Samstag den 7. Juni

1879.

Amtliches.

Bon heute ab bis zur Beendigung der Messe ist das Befahren der Fahrgasse und Hammergüsse zwischen der Langstraße und dem Pa- rodeplatz. der Sterngasse zwischen der Steinheimelstraße und dem Pa­radeplatz, ferner der Straßen auf der Süd- und Westseite des Parade­platzes bei 1 Mark Strafe untersagt.

Hanau am 5. Juni 1879.

Gefunden: Ein dunkler Regenschirm. Ein BLcherhalter.

Zugeflogen: Eine f. g. Lachtaube.

Verloren: Eine Haarspange von Horn. Ein Stück baumwoll. Zeug. Ein weißer Manschettenknepf, worauf die verschlungenen Buch­staben I. P. sich befinden. Eine Broche.

Hanau am 7. Juni 1879.

Aus Königlichem Landrathsamt.

TageSscha«.

— Berlin, 5. Juni. Nachdem der Kaiser schon vor einigen Wochen, wie damals gemeldet wurde, die Absicht zu erkennen gegeben hat, zur Feier der goldenen Hochzeit Begnadigung n oder Strasmilde- rungen auf vorgängige Gesuche nach Prüfung des einzelnen Falles in größerem Umfange eintreten zu lassen, als zu gewöhnlicher Zeit nach bestehenden Grundsätzen geschieht, hat Se. Majestät in vergangener Woche eine Bestimmung erlassen, in welcher er zu erkennen gibt, daß er geneigt sei, unter gewissen Voraussetzungen auch den in Folge der vorjährigen Attentate wegen Majestätsbeleidigung zu Gesängnißstrafe verurtheilten Personen Begnadigung zu ertheilen. Auch in Bezug auf Militärdienst­pflichtige, die wegen unerlaubter Auswanderung ober wegen Eontrol- Entzrehung straffällig geworden sind, soll Begnadigung eintreten. — Bezüglich der in Aussicht genommenen Revision des Gesetzes über den Unterstützungswohnsitz werden vielfach irrige Mittheilungen in die Presse gebracht. So ist behauptet worden, die Gemeinden sollten in Zukunft auch bezüglich heimathloser Personen regreßpflichtig werden. Im Ge­gentheil aber ist eine Bestimmung in Aussicht genommen, den Gemeinden bezüglich heimathloser Personen die Durchführung des Regresses gegen die Land-Armenverbände zu erleichtern. Was die andere Mittheilung betrifft — es werde beabsichtigt, Gemeinden, die einen Hülfsbedürftigen einer andern Gemeinde rechtswidrig zuschieben, zur Erstattung der Cur- und Verpflegungskost n anzuhalren —, so wäre eine solche Bestimmung überflüssig, da die Erstattungspflicht in den genannten Fällen durch die konstante Jndicatur des BundeSheimathsamtes schon jetzt alS bestehend angesehen werden muß. (Köln. 3’9 )

— Berlin, 6. Juni. (Köln. Zig.) Zur Feier der goldenen Hochzeit unseres Kaiserpaares werben der König und die Königin von Sachsen mit ihrem Gefolge, bestehend aus dem General Lieutenant und General-Adjutanten Krug v. Ridda, dem Oberhosmeister v Lüttichau, den Hofdamen Gräfin Emsiedel und Frl. v Lützerode und dem Orson- nanz-Officier Major v. Kirchdach am 10. Juni Abends aus Dresden hier eint!effen und im königl. Schlosse Wohnung nehmen. Die groß- herzoglich badischen Herrschasten treffen morgen früh in PotSdam ein, werden daselbst auf Schloß Babelsberg bezw. im königlichen Stadt- schlöffe logiren und erst in der nächsten Woche nach Berlin übersiedeln. Der Prinz Friedrich der Niederlande trifft am 8. Juni früh auS dem Haag hier ein und steigt im Niederländischen Palais ab. Der Groß- Herzog und die Großherzogin v-n Meälenburg-Schwerin haben ihre Ankunft auf den 9. Juni Abends angeweidet. Der Großherzog und die Großherzogin von Sachsen nel st Lichter Prinzessin Elisabeth wer- den am 10. Juni Abends aus Weimar hier eintreffen und im könig­lichen Schlöffe adsteigen. Der Prinz und die Prinzessin Wilhelm von Württemberg werden dem Vornehmen nach am 10. Juni nach Betlin kommen und beim commandirenden General des Gardecorps Prinzen August von Württemberg Wohnung nehmen. Der Landgraf und die Landgräfin von Heffen, welche ebenfalls erwartet Werten, steigen im Palais des Prinzen Karl ab. t uch der Graf und die Gräfin von Flandern haben ihren Besuch angemeldet. Dagegen haben der Prinz

Luitpold v. Bayern und die Herzogin von Edinburg sich wieder ent- schuldigen lassen. Ueber die Ankunftszeit des Großfürsten Alexis von Rußland und des Herzogs von Edinburg sind bis zur Stunde nähere Nachrichten noch nicht eingegangen.

— Berlin, 4. Juni. Um bezüglich der Festsetzung der Ge­bühren für die bei dem Ausbruche der Rinderpest zur Abschätzung des gelödteten und gefallenen Viehes, der vernichteten Sacken und der ent­eigneten Plätze herangezogenen Sachverständwen ein gleichmäßiges Ver­fahren herbeizuführen, hat der Minister der Landwirthschaft im Einver­ständnisse mit dem Reichskanzler jetzt bestimmt, daß in Zukunft den Taxatoren in Rinderpest Angelegenheiten dieselben Vergütungen zu ge­währen sind, welche die auf Grund des §. 63 des VrehseuchengesetzeS vom 25. Juni 1875 bei der Schätzung der auf polizeiliche Anordnung getödteten Thiere mitwirkenden Schiedsmänner in Anspruch zu nehmen haben.

— Berlin, 5. Juni. Der Reichlcomwifsar für die australische Weltausstellung, Professor Dr. Reuleaux, wird am 15. d. mit dem Lloyddampfer Rhein von Bremen über Rew-Iork und San Francisco nach Sydney abgehen. Er hat ungefähr 6C0 Aussteller zugelassen.

— Unter den Deputationen, welche der Kaiser und die Kaiserin am 11. Juni empfangen werden, wird sich auch eine Vertretung der Stadt Weimar befinden. Oberbürgermeister Pavst und der Vorsitzende des Gemeinderaths, v. Schwendler Mitglied des Reichstages, werden Ihren Majestäten eine künstlerisch ausgeschmückte Adresse, die in einem von weimarischen Kunstgewerbetreibenden statilich hergerichteten Kästchen ruht, überreichen. — Auch in Weimar selbst wird der Gedenktag an das Ehebündniß einer Tochter unseres Fürstenhauses mit dem damaligen Prinzen von Preußen festlich begangen werden. Im Hofiheater kommt ein von I. Wolf gedichtetes Festspiel zur Aufführung; in den städti­schen Schulen werden heitere Festlichkeiten veranstaltet. (Post.)

— S. M. Tampfkanonenboot .Cyc'op", 4 Geschütze, Komman­dant Kapitän-Lieutenant von Schuckmann I, hat am 9. April er. Chefoo verlassen, traf am 12. in Shanghai ein, ging am 15. wieder in See und ankerte am 22. April im Hafen von Hongkong.

— In Bezug auf die Strafbestimmungen des §. 147, 3 der Reichs- Gewerbe-Ordnung gegen denjenigen, welcher sich als Arzt bezeichnet, ohne hierzu approbirt zu sein, hat das Ober-Tribunal durch Erkenntniß vom 30. April d J. ausgesprochen, daß diese Bestimmung zwischen der rechtmäßigen und unrechtmäßigen Führung eines Titels nicht unter­scheide, sondern schlechthin dessen Gebrauch verbiete, wenn dadurch, dem wirklichen Gachverhalt entgegen, objektiv der Glaube erweckt we be, die­ser Titel beruhe auf der vorauSgegangenen Prüfung des Betreffenden in demjenigen Zweige der medizinischen Wissenschaft, worauf sich der­selbe bezieht, daß also auch an sich wahrheitsgemäße und berechtigte Be­zeichnungen, welche der Vorschrift zuwiderlausin, indem sie jenen Irr­thum hervorrufen, vermieden oder durch einen Zusatz ergänzt werden müssen, welcher dazu angethan ist, ein Mißverständniß auszuschließen.

— Schw er in, 4. Juni. (Leipz Ztg.) Auf Befehl Sr. König­lichen Hoheit des GroßherzogS sind durch den Ober Kuchenrath hier- selbst alle Prediger angewiesen worden, am nächst-n Sonntage, den 8. b. M., in allen vormit ägig«n HauptgotteSdrensten in das allgemeine Kirchengebet an der Stelle, wo um den Segen für Se. Maj stät den Kaiser gebetet wird, eine auf die bevorstehende goldene Hochzeit deS Kaiserpaares bezügliches Dankgebet und Fürbitte aufzunehmen.

— M ün ch e n, 3. Juni. Das Comit^ für die Feier der Gol- demn Hochzeit des Deutschen Kars» paareS hat heute Abend u. A. be­schlossen, daß das beabsichtigte Kellersest (.Volksfest) am Ab nd des 10., eventuell des 11. b. M, in den festlich geschmückten Räumen des „Zocherkellers" abgehatten werden soll, sonach in einem Etabnssement, dessen ausgedehnte Räume eine allgemeine eethe>ligung an dem Feste ermöglichen. — 5 Juni. Die Einberufung des Landtags ist für den 14 Juli in Aussicht genommen.

— München, 5 Juni. (R- u. St.-A.) Die Delegirten Kon­ferenz der deutschen Gewerbe kümmern erklärte sich in ihrer heutigen Schlußsitzung mit allen gegen zwei Stimmen für die Einführung der