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Sydney zu befördernden Ausstellungsgüter erfolgt mittelst des am 16. Juni von London abgehenden Dampfer der Orientlinie. Die Frachtstücke sind bis spätestens zum 5. Juni nach Hamburg an das mit der Vermittelung des Transports betraute Speditionshans Rosenberg, Löwe und Comp, Kaiserquai, abzuliefern.
— Wie den Hamb. Nachr. von Berlin telegraphirt wird, hat der Reichskanzler Hamburg und Bremen aufgefordert, zu erwägen, ob jetzt nicht der Zeitpunkt für den Zollanschluß gekommen fei.
— Für das neue Kriegsgericht in Sachen des Großen Kurfürsten ist der Auditeur der Admiralität, wirklicher Admiralitäts- und Vortragender Rath bereis mit dem Referat beauftragt; als Referent bei dem ersten Gericht fungirte der Justizrath LooS. Auditeur der Marinestation der Ostsee. Im Uebrigen ist das neue Kriegsgericht zusammengesetzt aus dem Generallieut. und Direktor des allgem. Kriegsdepartements im k. preuß Kriegsministerium v Voigts-Rhetz, dem Generalmajor und Kommandanten von Berlin, Graf v. Wartenslesen, den Kapitänen zur See Zirww und Graf V. Hacke Der Zusammentritt des Kriegsgerichts soll beschleunigt werden und wird vermuthlich Anfang Juni statt finben. Der Spruch des ersten Kriegsgerichts war, wie die Kreuzz. hört, srei- sprechend oder doch so milde ausgefallen, daß höheren Orts deßhalb ein neues Kriegsgericht befohlen worden ist. Der Präses desselben bedarf zu seiner Information in den sehr umfangreichen Akten einer längeren Zeit, und deßhalb kann das Kriegsgericht erst Anfang Juni gehalten werden. (Schw. Merk)
— Die Dtsch. A. Z, das Organ der sächsischen Nationalliberalen, klagt die Führung der Partei an, daß sie die heutige üble Lage der Partei verschuldet habe. „Ohne jene Fiktion von dem unpolitischen oder neutralen Charakter der wirthschastlichen Fragen hätte die nationalliberale Partei, sich diese wirthschastlichen fragen wohl nicht so über den Kopf wachsen lassen, wie leider geschehen ist, sondern hätte, statt ihrer Erörterung mit einer gewissen Scheu auszuweichen (weil nun nur ungern die dabei anftauchenden Spaltungen in der Partei sich selbst gestehen mochte), rechtzeitig dieselben im engen Zusammenhänge mit der politischen Gesammtlage scharf ins Auge gefaßt und sich ernstlich die Frage gestellt: wie die Partei als solche ihrer politischen und nationalen Gesammtstellung nach diese wirthschaftlichm Fragen zu behandeln habe. Vielleicht hätte man doch einen Weg gefunden, um ohne zu große Konzessionen in wirthschaftlicher Hinsicht den politischen Einfluß der Partei aufrecht zu erhalten, während jetzt die politische Stellung der Partei erschüttert ist und man gleichzeitig auf wirthschaftlichem Gebiete nur immer stärkere Verluste erlitten hat."
— In Düsseldorf ist am Samstag ein Schuhmacher Namens Hartmann 100 Jahre alt geworden, der sich noch durch seiner Hände Arbeit selbst ernährt. mü 'r-LtSE
— Breiten, 25. Mai. Ein äußerst frech:r Diebstahl hat in der Nacht von gestern aus heute bei einem hiesigen Juwelier stattge- funden. Nachdem der Rollladen in die Höhe gebracht und das Schau fenster eingedrückt worden war, wurden goldene Uhren, Ketten, Ringe u. s. w., wie man sagt für etwa 1500 R., entwende^A «Lwü
— Würzb urg, 23. Mai. Heute begann vor dem Militärbezirksgerichte dahier die Verhandlung gegen den Lieutenant des 14. bay w. Jnf.-Reg., Freiherrn Schenk von Geyern wegen Mißbrauchs der Dienstgewalt und gleich zeitig erschienen als Mitangeklagte 2 Sergeanten und 2 Unteroffiziere, welche sich auf Kommando des Lieutenants eines gleichen Vergehms schuldig gemacht haben. Lieutenant v. Schenk hatte ein ganz eigenes Strafsystem, das dem früher gebräuchlichen Spieß- ruthenlaufen ziemlich nahe kam. Er ließ nämlich seine ganze Truppe in zwei Reihen antreten und der zu Bestrafende mußte, durch die Reihen gehend, vor jedem einzelnen Mann Halt machen und empfing von diesem eine Ohrfeige, so daß ein so Bestrafter nach der Exekution oft tagelang mit geschwollenem Gesichte herumging. Wenn die Ohrfeige nicht bat gewünschte Schmerzgefühl hervorrief, dann durfte der Bestrafte die gleiche Ohrfeige zurückgeben. Außer diesem raffinirten Verfahren kamen noch die Bestrafungen mittelst Säbelhiebe u dgl. in Menge vor, so daß die Anklage nicht weniger als 50 Vergehen des Mißbrauchs der Dienstgewalt umfaßt. Als Zeugen sind 50 Soldaten vorgeladen, welche alle mehr oder weniger unter der neuen Bestrasungsart zu leiden hatten. Den Vorsitz führt Generallieutenant v. Horn und die Leitung der Verhandlung der k. Militärbezirksgerichtsdirektor Dr. Englert. Die Geschworenenbank ist überwiegend aus Artillerieoffizieren zusammengesetzt. Lieutenant v. Schenk gibt in seinem Verhör als Grund seiner Bestrafungshärte das Interesse des Dienstes an, stellte jede Absicht einer Körperverletzung in Abrede, während die Mitangeklagten Unteroffiziere sich auf den Befehl des Lieutenants berufen. Der Fall erregt in Folge der über ein Jahr fortgesetzten Ausübung dieser Verfahrensart in weiteren Kreisen gerechtes Aufsehen, um so mehr, als Schenk der Reserve angehörte und erst auf längeres Petitioniren dann in die aktive Armee übertreten durfte. — 25. Mai. Die Verhandlung gegen Lieutenant Schenk von Geyern wurde gestern Nachts 1 Uhr beendigt und führte zu dessen Verurtheilung zu 2 Jahren Festungsstrafe, Entlassung aus dem Heere und Vornahme sämmtlicher Kosten. Von den mitangeschul-
digten Unteroffizieren erhielt der eine 3 Monate, der andere 2 Monate Gefängniß und der dritte 25 Tag Mittelarrest. (Schw. Merk.)
— München, 23. Mai. Die „Allg. Ztg " meldet: Der Redakteur des „Bayerischen Vaterland" Dr. Sigl ist am vergangenen Mittwoch zu einer Audienz bei dem hiesigen Erzbischof eingeladen worden, wobei ihm ein neues Schreiben des Kardinal Staatssekretärs Nina vorgelesen wurde, in welchem d e Freude des Papstes über seine Unterwerfung ausgedrückt und die sichere Erwartung ausgesprochen wird, daß vr. Sigl fortfahren werde, die Sache der katholischen Kirche und deS päpstlichen Stuhles, jedoch bei Vermeidung aller Angriffe auf Personen, tapfer zu vertheidigen. Dieser Erlaß wird auch den anderen Bischöfen Bayrns mitgetheilt werden.
— London, 24. Mai. In den Kohlengruben von Durham ist die Arbeit j tzt fast überall wieder ausgenommen worden.
L a l r
HüNLL, 28. Mai -87k
— Eine von K. Weckwerth in Berlin geprägte, auf die Feier des goldenen Hochzeitsfestes unseres erlauchten Kaiserpaares bezügliche Medaille, deren Vorderseite die Widmung und die Rückseite die Porträts des hohen Jubelpaares enthält, ist seit einigen Tagen erschienen. Die Gravirung, eine vorzügliche Arbeit, soll ein Hanauer geliefert hüben.
— Nach einer gestern dahier eingetroffenen Privatdepesche beschloß die Reichstags-Kommission mit großer Majorität, den Zoll für ausländischen Tabak auf Mk. 30 und für inländischen auf Mk. 12,50 festzusetzen.
— Wie wir hören wurde Herr Staatsanwalt Spor l eder dahier zum Staatsanwalt bei hiesigem Landgericht ernannt.
B. Die vergangenen Sonntag stattgehabte Einweihung des neuen Turnplatzes hiesigen Turnvereins, welcher Feier 10 Vereine mit etwa 400 Mitgliedern anwohnten, nahm recht günstigen Verlauf. Um 4 Uhr marschirten die Vereine mit Musik und Fahnen zum Turnplatz, gefolgt von einer zahlreichen Menschenmenge. Dort angekommen, wurde sich zum Turnen fertig gemacht, woraus Jean Bender eine Ansprache an die Turner hielt. Nach Beendigung derselben schritt man zu den Freiübungen und zum Riegenturnen, dem schließlich Kurturnen folgte. Vom Turnplatz aus begab man sich auf Beck's Felsenkellec, um hier einige Stunden gemüthlichen Zusammenseins mit den Gästen verleben.
Bezüglich des Berichtes über die Einweihungsfeier in Nr. 122 der Hanauer Zeitung sind wir in einzelnen Punkten mit dem Einsender, nicht ganz einverstanden. Er bezeichnet das Kürturnen als sehr mangelhaft, scheint somit die Verhältnisse der anwesenden Vereine weniger' zu kennen. Als praktischer Turner, d. h. wenn Einsender ein solcher ist, muß er wissen, daß es den Landvereinen, denen Turnhalle und oft auch ein tüchtiger Vorturner fehlen, nicht möglich ist den W nter über die Turnerei zu pflegen.
Wir gehen von der Ansicht aus, daß es das Richtige ist, in den Turnvereinen in erster Linie das Schulturnen zu betreiben; ist dieses durchgeführt, dann bilden sich, was wir fest überzeugt sind, auch immer mehr Turner heraus, die im Kurturnen Tüchtiges leisten werden; Leute für den Circus auszubilden, dafür ist der Turnplatz unserer Ansicht nach nicht da.
Betreffs des hiesigen Turnvereins sei bemerkt, daß die Mitglieder bereits seit 10 Wochen ihre Uebungen aussetzten, um an der Fertigstellung ihres neuen Turnplatzes mitzuarbeiten; sie waren deshalb diesmal nicht im Stande zu leisten, was Einsender von ihnen verlangt.— Wir glauben hiermit nachgewiesen zu haben, daß die Kritik in diesen Punkten nicht gerechtfertigt war. Hoffen wir, daß dem hiesigen Turnverein bei unserer Einwohnerschaft die ihm gebührende Unterstützung zu Theil werde, damit seine Zahl von Jahr zu Jahr größer wird, an ehrlichem Streben nach Tüchtigkeit soll es den Mitgliedern auch für die Folge nicht fehlen. nm Jvsznü märsE
.A.^Xm ersten Pfingstfeiertag, Abends 8 Uhr beginnend, wird dar aus anerkannt guten Kräften bestehende Christ'sche Männerquartett in den unteren Räumen der „Centralhalle" concertiren. In dem uns vorliegenden Programm ersehen wir verschiedenes Neue, ein Zeichen, daß das Quartett seither wacker an seinem Vorwärtsstreben und an aner« kennenswerther Bereicherung seines Repertoire gearbeitet hat. Wünschen wir demselben für den bezeichneten Abend auch in pekunärer Beziehung besten Erfolg.
— Zu der gestrigen Notiz in Betreff der in diesem Jahr hier con» firmirten Kinder haben wir berichtigend hinzuzufügen, daß auch die Kinder der freireligiösen ® emeinbe erst den 2. Pfingstfeiertag Vormittag confirmirt werden. .
r “ Für heute. Abends 9 Uhr: M.-R.: Turnen; Steiger-CorpS Hei Beck ; Spritze Nr. 1 in den a ,
— Bockenheim, 27. Mai. Die neunzehnjährige Tochter emes hier wohnenden in Frankfurt beschäftigten Kaufmanns, welche seit einigen Tagen schon vergebens gesucht wurde, ist heute Vormittag als Leiche