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Lokales.
Hanau, 16. Mai 1879.
— Unsere freiwillige Feuerwehr legte gestern wiederum "eine Probe ihrer Tüchtigkeit im schnellen Eingreifen ab. Gegen 7 Uhr wurde die Mannschaft zu einer nassen Probe allarmirt; zwischen dem ersten Zeichen und dem Augenblick, wo das erste Wasser auf das Dach der fin- girten Brandstätte (früher Dörr'sche Cigarrenfabrik) abgegeben wurde, lag ein Zeitraum von 22 Minuten. Mit solchen Leistungen kann man in hoh m Grade zufrieden sein und darf sich bei Schadenfeuer jederzeit des schnellsten Eingreifens unserer freiw. Feuerwehr versichert halten. — In manchen Landgemeinden ist die Schlagfertigkeit noch nicht so sehr weit her : So wurde uns aus bester Quelle als Kuriosum mitgetheilt, daß bei ein m kürzlich in Rückingen ausgebrochenen Brande die ganz vorzügliche Feuerwehr der Gemeinde Niederrodenbach eher Wasser abgeben konnte als die Feuerwehr des Ortes. — Constatiren müssen wir jedoch, daß zur Zeit in den Landgemeinden viel zur Bildung tüchtiger Feuerwehren gethan wird, und fügen hier noch den Wunsch bei, daß die Mannschaften jederzeit den richtigen Eifer, der zu diesem ge- meinnützigen Werke nöthig, zeigen, aber ebenso auch jederzeit das nöthige Entgegenkommen Seitens der Gemeindeverwaltung finden möchten.
— Die Mannschaft des seit dem 5. d. Mts. dahier im Dienste stehenden LandwehrbataillonS wird morgen wieder entlassen.
— Von heute ab bis einschl. 20. d. M. ist das Schülerhonorar für den Unterricht in hiesiger Königl. Zeichen-Akademie für April bis riirschl. Juni an die Zeichen-Akademiekasse (Frohnhof 4) zu entrichten. Säumige haben nach diesem Termine exekutivische Beitreibung zu gewärtigen.
Versteigerungs- und Verpachtungs- rc. Kalender für Samstag den 17. Mai.
Mittags 12 Uhr werden zu der Gant des Gastwirths Peter Behl zu Kahl a. M. gehörige Wein- und Biergläser mit und ohne Deckel, kleinere Trinkgläser und Flaschen, Lampen, Handpression rc., in der Wohnung des Genannten gegen Baarzahlung versteigert.
— (Ber ichtigung ) In gestriger Nummer unseres Blattes hat sich in der Notiz bezüglich der neuen Eisenbahnverbindung zwischer Berlin und Frankfurt a. M. ein Fehler eingeschlichen, welcher hiermit berichtigt wird. Der um 11 Uhr 20 Min. Berlin verlassende Courierzug trifft in Hanau 10 Uhr 4 Min. ein, nicht wie irrthümlich angegeben 4 Uhr 10 Min.
Eingesandt.
[f] Enkheim, 14. Mai. Verflossenen Sonntag hatten wir uns eines seltenen Genusses zu erfreuen. Es beehrte uns der Philharmonische Verein von Hanau, welcher in den geräumigen Lokokalitäten des Gasthauses „zur Sonne" dahier verschiedene Musikoorträge vorzüglich ausführte und hierdurch den Anwesenden einen genußreichen Nachmittag verschaffte, der insbesondere noch durch den guten Humor der Hanauer Gesellschaft die animirteste Stimmung hervorrief.
Möchte uns Landbewohnern der so seltene Genuß recht bald wieder zu Theil werden.
— Aus Hessen schreibt man: In einer Gemeinde war eine Wittwe, welche ein Häuschen mit Garten im ungefähren Schätzungs- werthe von 950 Mk. besitzt, in Geldnoth gerathen und mußte plötzlich 90 Mk. beschaffen. Sie geht zu einem Wucherer, welcher auch sofort bereit ist, der Frau zu „helfen". Da jedoch „in's Geschäft" keine „Gefälligkeit" unbelohnt bleiben kann, so sollte die arme Wittwe auch die-
AAr^ch ^"acht, sonst wären in einem viertel Jahre auS 90 Mark 900 äRar? geworben, und der Wucherer hätte das Eigenthum der Wittwe für 75 Mk. in seiner Hand. Denn daß dieser „anständige" Halsab« schnetder m ganz kurzen Zwischenräumen das Geld gekündigt, alsdann aber für ferne weitere „Gefälligkeit" eine nur „mäßige" Provision von mindestens 50 Mark auf dem „Wechselchen" zugeschrieben hätte — ist mit Sicherheit anzunehmen, so daß also in wenigen Monaten mit Hülfe dieses „mäßigen Aufschlags" das Häuschen versilbert war.
Bad Wildungen, 12. Mai. Die diesjährige Kurzeit ist nunmehr eröffnet, als offizielles Zeichen gilt die vor einigen Tagen auS- gegebene erste Kurliste. (H. M.)
Aus der Umgegend.
— Der Frankfurter „General-Anzeiger" schreibt unterm 15. Mai aus Frankfurt am Main: Ein An- und Rückkausshändler wurde wegen der Art und Weise seines Geschäftsbetriebs in Untersuchung gezogen. — Gestern verunglückte ein Maurer aus Vilbel dadurch, daß ihm eine herabstürzende Diele auf den Kopf fiel und ihn tödtete. — Heute Nacht verließ eine Wirthsfrau in Folge Ehestreitigkeiten ihren vom tiefen Schlaf umfangenen Mann, lud zwei Fiaker hoch voll und verschwand.
— Offenbach, 15 Mai. Gestern Nachmittag wurde in der Nähe von Bürzel, in den Weiden liegend, die Leiche eines neugeborenen Kindes gefunden. Es wird nach der unnatürlichen Mutter gefahndet.
. — Sprendlingen i. R, 14. Mai. Der hiesige 86jährige Wemcommissionär Carl Marum I. und seine 85jährige Ehefrau Hm- riette feierten im besten Wohlsein das seltene Fest ihrer diamantnen Hochzeit. Von allen Seiten wurden dem Jubelpaar Glückwünsche dar- gebracht.
fern ihrem biederen „Freund" eine „kleine" Vergütung handschriftlich zusprechen. Diese „Vergütung" bestand darin, daß der „edle Menschenfreund" sogleich 15 Mk. vorweg nahm, sodann darin, daß die Wittwe ihm den „höchst mäßigen" Zins von 12 pCt. zahlen sollte. Als Zugabe für die große „Uneigennützigkeit" dieses „anständigen" Herrn Halsabschneiders sollte sich die Wittwe auch auf einem „Wechselchen" verpflichten, die erborgte Summe auf Forderung zurückzuzahlen. (!I) Glück- licherweise hat die Wittwe von diesem „freundlichen" Anerbieten keinen____
I u s e r a 1 e.
Mit der Mobiliar-Versteigerug des verlebten' Hirsch Stein von Klein-Krotzenburg wird Montag den 19. und Dienstag den 20. d. M. fortgefahren und wird Montag Hausge- räthe und Dienstag Gold, Silber, Möbel und dergl. versteigert. 3836
Großherzogl. Orts-Gericht Klein-Krotzenburg
Simon.
Thermometer st and,
15. Mai. Höchster Stand + 15°, Abends 7 Uhr 4- lOW: 16. Mai. Morgens 7 Uhr + 61 /»«, Vormittags 10 Uhr 4- 11V»°.
Auszüge aus dem Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Cassel.
H o ch st ad t. Auf Antrag eines Pfandgläubigers ist der Zwangs- verkauf des auf den Namen des Konrad Ohl (Ludwigs Sohn) zu Hoch« stadt, z. Z. in Kiffingen, in Hochstädter Gemarkung belegenen Grund« Vermögens erkannt und werden zu dem Vollzug desselben erster Termin auf den 23. Juni d. I., event, zweiter auf den 21, Juli b. I., event, dritter auf den 18. August d. J. und zwar die beiden ersten Vormit« tags 11 bis 12 Uhr, an Königliches Amtsgericht, Abth. II zu Hanau, der dritte an Ort und Stelle (in Hochstadt), Nachmittags 3 bis 4 Uhr, anberaumt.
Ho henzell. Wegen einer ausgeklagten Schuld sollen die auf den Namen des Heinrich Uffelmann und dessen Ehefrau, Dorothea, geb. Kehm, zu Hohenzell katastrirten, in Hohenzeller Gemarkung gelegenen Immobilien zwangsweise verkauft werden, wozu Verkaufstermine und zwar: erster auf den 26 Juni d. I, event, zweiter auf den 24. Juli d. I., event, dritter auf den 21. August d. I, jedesmal Vormittags von 11 bis 12 Uhr, an Königl. Amtsgericht Steinau anberaumt worden sind.
Fechenheim. Auf Antrag eines PfandgläubigerS sollen die dem Heinrich Karl Ruppel (Wilhelm's Sohn) zu Mainkur nach dem Grundbuch von Fechenheim zustehrnden, in dasiger Gemarkung belegenen Immobilien öffentlich zwangsweise versteigert werden, Hierzu sind Berkaufs- termine, erster auf den 23. Juni, event. zweiter auf den 21. Juli l. I., Vormittags 11 Uhr, an Königl. Amtsgericht Bergen und dritter auf den 18. August d. I., Nachmittags 3 Uhr sContumacirzeitj, in die Silz'sche Wirthschaft auf der Mainkur anberaumt.
Die Lieferung von 150 ebm Pflastersteinen (ungerichtet) und dir Uebernahme der in der Stadt auszuführenden Pflasterarbeiten soll im Submissionswege vergeben werden. Die Bedingungen sind auf dem Rathhause ausgelegt und werden verschlossene Offerten bis zum 24. laufenden Mts., Mittags 12 Uhr, angenommen.
Hanau am 13. Mai 1879.
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