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Seit dem Betreff eit­len Postausschlag. Die einzelne Stum­mel 10 %>

Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial Correspondenz.

Nr. 114

Freitag den 16. Mai

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1879

Den Herrn Bürgermeistern und Ortspolizeiverwaltern hiermit zur Kenntniß, daß nach den bestehenden Vorschriften die Klassensteuer-Ver­anlagungskosten mit 3% der Jsteinnahme bei den betreffenden Steuer- kassen in Empfang genommen werden können.

Hanau am 12. Mai 1879.

Der Landrath.

Bekanntmachung.

Vrm 15. Mai ab erhalten nachstehende Posten folgenden verän­derten Gang:

I. Post aus Langendiebach 645 Vorm., in Hanau 8 Vorm.

I. Post aus Heldenbergen 6^° Vorm, in Hanau 8" Vorm.

Die übrigen Popen bleiben unverändert.

Hanau am 14. Mai 1879.

Kaiserliches Postamt.

Lins.

Zur ander weiten Vermiethung des dcmainenfikcalischen Fruchtge- bäudes auf dem Frrhnhvfe Hierselbst auf 6 Jahre, vom 1. Juli d. J. ab bis dahin 1885, ist Termin auf

Dienstag den 20. d. M., Morgens 10 Uhr, an Ort und Stelle anberaumt worden.

Hanau am 15. Mai 1879

3830

Königliches, Doznainen- Rentamt.

Bell,

Rundschau.

K. F. Mit Freuden krustatiren wir, daß der Kaiser Wilhelm in diesem Frühjahr eine ganz besondere Stärkung an seinen Kräftkn erfah­ren hat und, was ihm nun seit' Jahresfrist nHt vergönnt war, in alt­gewohnter Kraft den Truppenübungen der Garderegimenter fast tagtäg­lich beizuwvhnen im Stande ist, unbeschadet der sonstigen laufenden Regierungsarbeiten des Kaisers. Der Kaiser Wilhelm ist nun auch Urgroßvater geworden, denn seine Enkelin, die Frau Erk Prinzessin von Sachsen-Meinungen, wurde am Montage von einer Techter entbunden.

Offenbar im weiteren Verfolg seiner wirthfchaltlichen Reformpläne hat der Reichskanzler Fürst Vismarck dem Vundesrathe einen Gesetz­entwurf vorgelegt, welcher die Statistik deS auswärtigen Waarenver- kehrs betrifft und nach welchem für die schriftlich anzumeldenden Waaren bei den für die Verkehrsstotistt? eingerichteten Amtsstellen eine in die Reichskasse fließende statistische Gebühr zu entrichten ist. Die Gebühr ist naturgemäß sehr gering und rechnet nur mit fünf und zehn Pfennigen pro Colli und pro 1000 Kilogramm unverpackter Waare. Ferner soll für größere Thiere eine Gebühr von zehn und für kleinere Thiere eine Gebühr von fünf Pfennigen pro Stück erholen werden. Tie zu­stehenden Ausschüsse des Bundesrathcs beschäftigten sich in den letzten ' Tagen sehr lebhaft mit dem Entwürfe eines Sperrgesetzes, welches be­zwecken soll, daß die beantragten höheren Zollsätze für den importivten , Tabak noch vor der Jnkrafttretung des betreffenden Gesetzes an den Landesgrenzen erhoben werden können, damit die Einfuhr bis dahin nicht noch in ganz schädlich wirkender Weise ausgebeutet werden kann. Dieses Gesetz dürfte noch in dieser Woche vom Bundesrathe und Reichs­tage fertig gestellt werden und alsbald in Kraft treten.

Der Reichstag hat gleich im Beginn dieser Woche auch die Gene­raldiskussion der Labalssteuervorlage beendigt und war das Resultat zunächst formell dasselbe wie bei der Zollvorlage, indem auf Antrag des Abg. Löwe-Bochum der Gesetzentwurf zur Borberathung an eine Com­mission von 28 Mitgliedern verwiesen wurde. Während der Tabak­steuerdebatte machte sich indessen gegenüber der Zolldebatte doch ein Cardinalunterschied bemerkbar, denn während die Zollsrage durch jene große sechstögige Debatte nicht entwirrt wurde und ein Durcheinander der Meinungen fortbesteht, zeigte sich bei der Tabakssteuerdebatte, daß man fast auf allen Seiten deS Reichstages eine Abänderung der Regie­rungsvorlage im Sinne einer Ermäßigung der Tabakssteuer verlangt. Verworfen wurde die sogenannte Lizenzsteuer und eine vorsichtig anzu-

wendende Gewichtssteuer befürwortet. Die Commissionen für die Spe- zialberathung der Tabakssteuer und auch für diejenige der am Schlüsse voriger Woche durchberathenen 8-rauft euer tret« n noch in dieser Woche zusammen, um ihre schwierigen und verantwortlichen Arbeiten in Angriff zu nehmen. Um den C? wmissionen genügende Zeit zur Orientirung in ihren Arbeiten zu geben, dürste der Reichstag, der im Laufe der Woche nech verschiedene kleinere Verlagen erledigte und die Berathung des elsaß lothringischen Organisationsgesetzes und der Novelle zur Gewerbe­ordnung in Aussicht nahm, einige Tage pausiren.

Die Reichsregierung sieht sich wieder einmal in die Lage gesetzt, dem deutschen Handel im Auslande einen außergewöhnlichen Schutz an- gedeihen zu lassen Der zwischen den füdamerikanischm Republiken Peru, Volivia und G hili ausgebrrchene Krieg bedroht sowohl die Interessen von Kaufleuten und Industriellen in Sachsen, Westphalen, der Rhein- provinz rc., von wo aus viel Handel mit Südamerika getrieben wird, a s auch die Interessen der in jenen Republiken ansässigen Deutschen. Tie Rcichsregiernng macht nun bekannt, daß das KriegsschiffHansa" bereits sich an der südamerikanischen Küste zum Schutze der deutschen Interessen befindet und daß in aller Kürze noch ein Kanonenboot sich an die Westküste Südamerikas begeben wird. Auch stehe zu erwarten, daß die eng ische Regierung, welche ebenfalls in jenen Gegenden Inte­ressen zu schützen habe, sich zu diesem Zwecke mit der deutschen Regie­rung ins Einvernehmen setzen werde.

Am letzten Mrtlwoch trat die französische Deputirtenkammer nach mehrwöchentlichen Ferien wieder zusammen. Die Berathungen, die be- vorstehen, dürften einen so erregenden Verlauf nehmen, wie nicht viele vor ihnen. Denn die Zeit der Ferien hat drei Fragen in den Vorder­grund gedrängt: denFall Blanqui" mit seinen vielfachen Consequen« zen. die Ferry'schen Gesetzentwürfe und endlich die Frage einer evem hießen Minister lrisis. Das die Erregung und Mannigfaltigkeit liebende Franzosenvölklein wird daher wieder genug von diesen Annehmlichkeiten haben. Die Wahl des nech hinter Schloß und Riegel sitzenden Um stürz! ers Blanqui wird man in der Deputirtenkammer jedenfalls durch Ungi!tig''eitserkiärung kurzer Hand a'thun, aber die Radikalen werden darüber ihne Zweifel einen furchtbaren Spekta'el machen. Auch die französische Dinisterkrisis scheint nicht allzuviel auf sich zu haben, da der Präsident Grivy ziemlich deutlich erklärt hat, daß er sich von keinem Ehrgeize und keinen Leidenicha'ten von seinem Platze treiben lassen werde, wodurch die gemäßigte Republik und mit ihr das gegenwärtige französische Ministerium eine bedeutende Stütze erhält, denn Gr^vy ist zur Zeit immerhin der Bertraucnsmann Frankreichs. Bedenklich sieht es dagegen mit den Ferry'schen Unterrichtsgesetzen aus, welche, wie schon erwähnt, auch Frankreich in einen Culturkampf drängen werden.

Tie Angelegenheiten Oesterreichs zeigten in den letzten Tagen eine ruhige Entwickelung. Das österreichische Abgeordnetenhaus erledigte die Generaldebatte über das Gesetz, betreff,nd die Maßregeln gegen die Thiersenchen, und trat mit allen Stimmen gegen zwei in die Spezial- debatte ein. Gemäß den Stipulationen des Berliner Vertrages hat Oesterreich am letzten Sonntag auch von Spizza, welches bisher von den Wortenegrinern besetzt gehalten war, Besitz genommen. Die öster­reichischen Behörden wurden von den Bewohnern gut ausgenommen.

Der Krieg zwischen England und Afghanistan ist den neuesten Nachrichten zufolge als beendet anzusehen. Jakub Khan, durch die be­drohlichen inneren Verhältnisse seines Landes gedrängt, hat sich den Engländern in die Arme geworfen und alle Bedingungen angenommen, welche die britische Regierung ihm gestellt hat. Danach wurde die Grenze gegen Kandahar bis Kojakamoam vorgeschoben, so daß der Kojak- Paß und das Pschinthal noch britisches Territorium würden. Ferner tritt Afghanistan das Kurumthal bis Shaturgardan und den Khyberpaß iis Loargi ab. Der Major Cavagnari wird als britischer Gesandter )en Emir bei seiner Rückkehr nach Kabul begleiten; außerdem ist die britische Regierung berechtigt, noch einen Agenten in Kandahar anzu- tellen. Die Engländer haben dafür dem Jakub Khan ein Schönheits- 'flästerchen aufgeklebt, indem sie ihn feierlichst zum Emir von Afghani- tan anerkannten- Die zur Zeit noch immer im englischen Parlamente