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Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage,' und Samstagr mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.

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80 Ptz.

Nr. 111. Dienstag den 13, Mai 1879.

Amtlicher.

Grundsteuer-Entschädigung.

Die Auszahlung der festgestellten Grundsteuer-Entschädigungsbeträge an die Berechtigten ist in allen Fällen davon abhängig, daß die letzteren sich vor dem Kreislandrath als gegenwärtige Eigenthümer legitimiren. Die Legitiwation kann entweder durch eine von dem zuständigen Grund- Luchamte ausgestellte öffentliche Urkunde oder durch eine Bescheinigung der betreffenden Gemeindebehörde darüber, daß die Berechtigten das Gut oder Grundstück, um welches es sich handelt, eigenthümlich besitzen, ge- führt werden.

Wir bringen dies zur Kenntniß der Betheiligten.

Cassel den 1. Mai 1879.

Königlich? Regierung,

Abtheilung für direkte Steuern, Domainen und Forsten.

Wird hiermit veröffentlicht.

Hanau am 9. Mai 1879.

Der Landrath.

Unt-r dem Rindvieh des Gärtners Carl S e i tz, Leimengasse Nr. 23 dahier, ist die Lungenseuche ausgebrochen. Die Thiere sind getödtet.

Hanau am 13. Mai 1879.

Der Landrath.

Das Schüierhonorar für den Unterricht in der hiesigen König­lichen Zeichenakademie für die Monate April, Mai und Juni d. Js. ist innerhalb des Zeitraums vrm 16. bis incl. 20. d. Mts., jedesmal von Vormittags 10 Uhr bis Mittags Vgl Uhr, an die unterzeichnete Kasse — Frohnhof Nr. 4 — zu intrichten. Nach Ablauf dieser Zeit ver­bleibende Rückstände werden executivisch beigetrieben.

Hanau, am 10. Mai 1879.

Königliche Zeichenakademiekasse.

3711 Bell.

Rundschau.

Pi. F. Der Kaiser ist am 9. Mai von Wiesbaden wohlbehalten in Berlin wieder angelangt und vom Prinzen Friedrich Karl am Pots­damer Bahnhose empfangen worden. Der greife Monarch, welcher sich seit langer Zeit nicht so wohl und kräftig gefühlt haben soll, als wie gerade jetzt, hat softrt an demselben Tage seiner Ankunft in Berlin sich den Regierungsgeschästen mit der altbewährten Energie und Rührigkeit zugewandt.

Der Bundesrath hat am Sonnabend den 10. Mai eine Plenar­sitzung abgehalten und in derselben den vom Reichstage beschlossenen Gesetzentwurf, betreffend den Verkehr mit Nahrungsmitteln, sowie einen Antrag, betreffend das Pensionsverhältniß mehrerer Beamten der Post- verwaltung, und schließlich den Antrag des Justizausschnsfts, betreffend die Evidenthaltung der Personenstands-Register, angenommen. Außer- dem gelangten die Vorlagen, betr. den Entwurf eines Nachtrags zur Geschäftsordnung für das Oberseeamt, ferner der Entwurf von Bestim­mungen für das Oberste amt und der Entwurf von Bestimmungen über die Beschäftigung jugendlicher Arbeiter in Spinnereien zur Annahme, womit man die bezüglichen Petitionen für erledigt erklärte. Die Be­schlüsse des Landes-Ausschusses von Elsaß-Lothringen zu den Entwürfen von Gesetzen über das niedere Unterrichtswesen und wegen Beschränkung der Baufreiheit in den neuen Stadttheilen zu Straßburg fanden die Zustimmung des Bundesrathes und die Ernennung von Commissaren für Berathung von Vorlagen im Reichstage bildeten den Schluß der Plenarsitzung, welche, da alle Vorlagen ziemlich schnelle Erledigung fan­den, von ziemlich kurzer Dauer war. Am vergangenen Mittwoch, den 7. Mai, fand im Bundesrathe eine Besprechung statt, in welcher, wie man hört, der Bundesrath berieth, welche Stellung er zu den Reichs- ragsanträgen über Wiedereinführung der Zinsbeschränkung und Auf­hebung der Wechselfreiheit einnehmen werde. Das Resultat ergab ein entschiedenes Auftreten gegen die Wechselfreiheit, während man die Mei- nung aussprach, daß die Uebelstände, die Wucherfrage betreffend, nur auf dem gesetzlichen Wege des Strafrechts beseitigt werden könnten.

In der Sitzung des Reichstages vrm 9. Mai wurde mehreren Gesetzentwürfen die Genehmigung zu Theil. So zuerst demjenigen, be­

treffend die Matrikularbeiträge pro 1879/80, dann dem anderen, betref­fend die Erwerbung der preußischen Staatsdruckerei für das Reich. Daran schloß sich eine längere Berathung, die Feststellung der Kosten betreffend, welche von Seiten der Regierung vorgeschlagen und zur Be­theiligung an der Weltausstellung in Sidney vom Reichstage bewilligt werden sollen. Nach einer längeren und interessanten Debatte, während welcher der Abg. Reichensperger (Crefeld) aussprach, daß er die Unter­stützung der Ausstellung aus Reichsmitteln für überflüssig halte, andere Redner dagegen energisch für die Vorlage stimmten, wurde die letztere mit großer Majorität angenommen. In der Sitzung des Reichstages am 10. Mai gelangten die beiden Brausteuergesetze zur Verhandlung, welche vrm Präsidenten Hosmann warm vertheidigt wurden. Beide Vorlagen wurden einem Anträge gemäß an eine besondere Commission verwiesen. Die sich daran schließenden Tabaksteuergesetze riefen anfangs ein größeres Interesse wach, welchem aber die Abspannung bald auf dem Fuße folgte, was nach den vorhergegangenen wochenlangen Debatten nun erklärlich erscheint. Der Finanzminister Hobrecht, welcher diese Gesetzentwürfe einführte, sagte aus, daß die Regierung den muthmaß- lichen Ertrag aus der Tabaksteuer auf 46 Millionen Mark beziffere. Nachdem die Abgg. Marschall und Kiefer die Vorlage in ihrer jetzigen Gestalt als unannehmbar trklärten, namentlich in Rücksicht auf die In­teressen der badischen und pfälzischen Tabakbamr, wurde die weitere Berathung dieser Vorlage vertagt.

Ein Sturm gegen das Civilstandsgesetz vom 6. Februar 1875 ist durchaus nicht erst seit gestern und heute geführt worden, sondern wurde bald nach dem Inkrafttreten des betreffenden Gesetzes in Scene gesetzt. Der Abg. Dr. Baumgarten hat letzthin in der Petitionscommission über die Petitionen gegen das Civilstandsgesetz Bericht erstattet und diesem entnehmen wir, daß die bezüglichen Petitionen mit ungefähr 30,000 Unterschriften aus den preußischen Provinzen Sachsen, Brandenburg, Pommern, Schlesien und Westphalen eingegangen sind. Ferner erfahren wir daraus, daß ungefähr 500 Gutsbesitzer sich verbündet hätten, um gegen das Civilstaudsgefetz als dem feindlichsten Bollwerke der ganzen liberalen Gesetzgebung Front zu machen. Als erste Wirkung dieses Bündnisses kann diese in Rede stehende Petition mit 30,000 Unter­schriften gelten.

In Wiener Abgeordnetenkreifen verlautet auf das Bestimmteste, daß die Session des Reichsrathes am 17. Mai durch eine kaiserliche Thronrede feierlich wird geschlossen werden. Uebrigens rüsten sich die verschiedenen Parteien bereits auf das Eifrigste für die bevorstehenden Neuwah'en. Es handelt sich jetzt vor Allem um die endliche Anbahnung einer Verständigung zwischen Deutschen und Czechen und dürfte dieselbe nicht mehr in allzuweitem Felde stehen. Deutfchersei s hat man es offen ausgesprochen, daß den gerechten Forderungen der Czechen sicher Genüge gethan werde, doch könne es nur ^uf dem Boden und im Rahmen der Verfassung geschehen. Kürzlich sind in dieser Angelegenheit zwischen dem Führer der Czechen Dr. Ringer und dem Leiter der Verfassungstreuen Dr. Herist Verhandlungen gepflogen worden und soll die größte Anzahl der czechischen Führer mit der deutschen Ansicht vollständig übereinstim- men. Wenn die Böhmen insgemein sich auch zu dieser Ansicht bekehren, so dürste der zukünftige Reichsrath ein ganz anderes Aussehen erhalten und die Gegner der Nudrassy'schen Politik sich in demselben bedeutend vermehren.

In Frankreich rüstet sich Alles für den neuen parlamentarischen Feldzug. Die zweite Kammer tritt am 15. d. M zusammen und rufen die Radikalen fortwährend nach der Befreiung und Mandatsanerkennung des bekanntlich am 20. April in die Kammer gewählten, aber immer noch in Gefangenschaft gehaltenen Blanqui. Gambetta weilt während dieser parlamentarischen Vorbereitungen ruhig am Genfer See und das wird ihm von seinen Freunden und Anhänger sehr übel genommen — Der französische Senat, welcher am 8. d. M. seine Arbeiten wieder aus­genommen hat, wird sich schon in nächster Zeit mit der Frage bezüglich der Rückverlegung der Kammern nach Paris beschäftigen.

Der englifch- afghanische Krieg darf nunmehr als beendet betrachtet werden, da Jakub Khan nach den neuesten Mittheilungen aus Lahore die für den Friedensabschluß von der britischen Regierung gestellten Bedingungen sämmtlich angenommen hat. Danach wurde die Grenze