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Preis: «Shrlich 9 Mark, -albj. 4 M. 50 P. PierteljLhrlich :»Mari 25 Pf» ,'Wür auswärtige
Äbonnenten Mit dem betreffenden Psstaujschlag. ®ie einzelne Nummer 10 Pfg.
Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage,' und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.
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PreiS:
Die ifpaitige «annondreiie ob. deren Raum
10 Pf-.
Die Ljpaü. Zeti» 20 P,,.
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Nr. 108.
Freitag den 9. Mai
1879.
NmtlicheS.
Die trigonometrischen Vermessungen unter Leitung des mit Führung der Geschäfte beauftragten Major a la suite des Generalstabes der Armee Schreiber werden im Anschluß an die früheren Arbeiten im Laufe dieses Sommers, etwa vom 1. Mai ab, in dem Regierungsbezirk Cassel zur Ausführung gelangen.
Hanau am 7. Mai 1879.
Der Landrath.
Verloren: Ein Päckchen, worin sich ein Bild befand.
Gefunden: Ein Knabenhemd.
Zugelaufen: Ein kleiner schwarzer Spitz.
Zugeflogen: Ein Papagei.
Hanau am 9. Mai 1879
Aus Königlichem Landrathsamt.
Rundschau.
R. F. Der weitere Aufenthalt des Kaisers in Wiesbaden, welcher noch am Tage der in voriger Woche in Aussicht genommenen Abreise verschoben wurde, richtet sich ganz nach den Rathschlägen der kaiserlichen Leibärzte, den-m der erlauchte Greis jetzt leider doch mehr Gehör schenken muß als früher. In Bezug auf die goldene H chzeitsfeier unseres Kaiserpaares erfährt man auch, daß der Kaiser gewillt ist, einen Gnadenakt zu vollzieh n, und diejenigen Strafgefangene am Tage der goldenen Hochzeit (elften Juni) begnadigen will, weichen das Zeugniß einer vorzüglichen Führung von den Behörden der Strafanstalten ausgestellt werden kann.
Noch nicht in die höchste, aber immerhin in eine sehr spannende Krisis sind wir nun in unserer inneren Politik getreten. Die Reichs tagsverhandlungen beweisen dies für jeden Kenner politischer Zustände auf das Sch agendste. Die Redner der Regierung und der verschiedenen Parteigruppen wenden im Kampfe für und wider die neuen Zoll- und Steuer Vorlagen alle ihre Kräfte an, sie sprechen bis zum Erschöpfen oft zwei Stunden lang und immer ist die öffentliche Meinung über die neuen Zölle und Steuern noch nicht vollständig geklärt. Der frühere Staatsminister Delbrück trat für den gemäßigten Freihandel ein und sprach entschieden gegen einzelne Zölle, glänzend vertheidigte auch der nationalliberale Abg. Dr. Bamberger den Freihandel, aber dieser vielseitig gebildete Mann kennt nur als Triebfeder alles wirthschaftlichen Lebens die allgemeine Concurrenz und beurtheilt Alles von diesem Standpunkte. Die große Frage der Zeit ist jedoch die: Soll durch Eingriffe des Staats und der Gesetzgebung nicht ein Versuch gemacht werden, anerkannte Nothstände zu beseitigen. Der Abg. Bamberger wird daher auch nur diejenigen auf seiner Seite haben, die durch außergewöhnliche Stellung aus der allgemeinen Freihandelsconcurrenz Nutzen ziehen oder die dem Freihandelsideal nachjagen. Der Führer der Fortschrittspartei Abg. Richter Hagen hielt auch eine sehr gewandte Rede, aber selbstverständlich nur vom Standpunkt der principiellen Opposition und daher ohne j den praktischen Werth in dieser kritischen Zeit. Von conservativer Seite wurde, zumal unter Hinweis auf andere schutzzöll- mrische Länder, zumal durch den Abg. v. Kardorff für die Zollvorlage eingetreten und die Redner des Centrums sprachen ebenfalls unter Ablehnung der allgemeinen Nothlage für den Gesetzentwurf. Von Seiten des Bundesrathes trat man sehr geschickt für die Zollvorlage ein, indem man mit Zahlen und Thatsachen manches Neue über unsere Handelsiage an's Licht brächte. Dann folgten noch eine Reihe Redner, wie Löwe- Bochum, Freiherr v. Maltzahn und Freiherr v. Varnbüler, die mehr oder weniger für die Zölle sprachen. Dann hielt auch Herr v. Bennig- fen, der Führer der Nationalliberalen, eine bedeutsame Rede, in welcher er vieles in der Zollvorlage bedenklich fand, doch erklärte er auch, daß man sich bei der wirthschastlichen Gesetzgebung nach den praktischen Bedürfnissen und nicht nach Theorien richten müsse. In keinem Falle dürfe sich jedoch der Reichstag sein Budgetrecht durch dieses Gesetz verkümmern lassen. Ein Resultat dieser großen Generaldebatte ist sehr schwer abzusehen und erst nachdem man sich auf allen Seiten gründlich
ausgesprochen hat, wird man den Versuch machen müssen, einige Anträge zu formuliern.
Sehr bedeutsam für unsere politische Lage ist offenbar auch der Umstand, daß der Führer des Centrums Abg. Windthorst-Meppen auf der letzten Soiree des Reichskanzlers Fürsten Bismarck erschien und beide langjährige Gegner ein längeres Zwiegespräch mit einander hatten. Dieses interessante Faktum nach der Seite der spitzen Bemerkungen aus- zubeuten, haben wir indessen keine Lust, denn Fürst Bismarck und der Abg. Windthorst haben es in der Hand, die kirchliche Frage, die Deutschland schon seit fast zehn Jahren belästigt, auf eine gute Art zu schlichten. Oder sollen wir es vielleicht als ein Glück betrachten, daß die Centrumspartei ewig im Kampfe mit der Regierung liegt?
Einen Beweis 'ür ben ausgedehnten Kampf in der öffentlichen Meinung in Sachen der Zollreform geben die in dieser Beziehung an den Reichstag gerichteten Petitionen ab, welche die Petitionscommission ! bereits übersichtlich zusammengestellt hat. Bus dieser Zusammenstellung s ergibt sich, daß für das System der Reformpläne, insbesondere für landwirthschaftliche Zölle, 308 Petitionen, gegen die Reform 108 Petitionen eingelaufen sind. Fern-r beziehen sich viele Petitionen auf einzelne Artikel, wobei 57 Petitionen für die neuen Tarifsätze sprechen und 65 noch eine weitere Erhöhung der bez. Positionen fordern, während 218 Petitionen, darunter allein 138 von Tabaksinteressenten, für Zollermäßigung petitioniren.
In Sachen desjenigen Theils der WelfensrLge, welcher die Entschädigung der Königin von Hannover aus dem von Preußen confis- cirten Vermögen des verstorbenen Königs von Hannover betrifft, erfährt mau, daß die Verhandlungen wegen der Königin Marie von Hannover schon im Gange waren, als Herr Windthorst-Meppen um eine Audienz beim Reichskanzler nachsuchte. Der Herzog von Altenburg hat einen förmlichen Antrag bei der preußischen Regierung gestellt, der Königin Marie ihr Witthum auszuzahlen. Die Regierung ging um so eher darauf ein, als der Herzog von Cumberland gegen seine Mutter und seine Schwestern nicht freigebig ist und vielleicht nicht sein kann. Die Königin Marie erhält 180,000 und die Töchter je 30,000 Mark jährlich.
Ter jüngste souveräne Fürst Europas, der zum Fürsten von Bulgarien erwählte Prinz Alexander von Battenberg, ist naturgemäß der Gegenstand mannigfacher Diskussionen. Außer allem Zweifel steht es, daß der Prinz die Wahl angenommen hat und in diesen Tagen die bulgarischen Abgesandten empfangen wird. Außerdem berathschlagt der Prinz mit seinem aus Paris zurückgekehrten Vater, Prinz Alexander von Hessen, und mit dem Eroßherzoge von Hessen-Darmstadt, welcher das Familienoberhaupt der hessischen Fürstenfamilie ist, die weiter zu thuenden Schritte. Empfangen wurde der Prinz von Battenberg auch in dieser Woche vom Kaiser Wilhelm in Wiesbaden.
In Frankreich dreht sich die politische Tagesfrage gegenwärtig um die Unterrichtsgesetze des Cultusministers Ferry und zeigt die öffentliche Meinung in Frankreich darüber schon jetzt eine vollständige Spaltung. Während viele Generalräthe sich gegen diese auf Veränderung des geistlichen Einflusses auf die Schule gerichtete Gesetzvorlage ausge- sprcchen haben, finden eine Anzahl anderer Generalräthe, daß diese Ge- sitze nickt entschieden genug sind, ja der Generalrath des Seine-Departement hat sogar die Auflösung sämmtlicher geistlichen Vereinigungen verlangt, die nicht Dem Slaate concessionirt sind.
Das österreichische Abgeordnetenhaus hat nach langem Streite nunmehr das Finanzgesetz für das Jahr 1879 endgültig angenommen. Außerdem wurde im österreichischen Abgeordnetenhaus« der Deutschland betreffende Antrag auf Aufhebung der Ein- und Durchfuhr frischen Fleisches nach Deutschland gestellt.
Die seit langer Zeit schwebende ostrumelischr (Frage hat in den letzten Tagen eine neue Förderung erfahren, indem auch Rußland den Vorschlag Englands angenommen hat, wonach die Mehrheit der europäischen Occupationscommission in Ostrumelien den für Ostrumelien ernannten Gemralgcuverneur Aleko Pascha ermächtigen kann, türkische Truppen nach Ostrumelien zu bringen. Auch hat der Kaiser von Ruß-