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hanau er Artiger.

Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage,' K

und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.

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Nr. 102

Freitag den 2. Mai

1879.

Amtliches.

MksNutW achMtgen auf Grund des Meichsgesetzes vom 21. Oktober 1878.

Auf Grund des §. 12 des Reichsgesetzes gegen die gemeingefähr­lichen Bestrebungen der Sozial demokratie vom 21. Oktober 1878 wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß die im Verlage der Volksbuchhandlung Zellweg Hoitingen im Jahre 1879 zu Zürich er­schienene nicht periodische Druckschrift:®t% alliier Getreide Hand el oder: Wie kommt das Volk zu billigem Brod. Von Robort Seidel" nach § 11 des gedachten Gesetzes durch die unterzeichnete Landespolizeibehörde verboten ist.

Berlin den 22. April 1879.

__König iches Polizei Präsidium. von Madai.__________

Die Herrn Bürgermeister ersuche ich, die Besitzer der Gärten und Obstbäume anweisen zu lassen, daß sie ihre Obstbäume von den Rau- pennestern saubern.

Nicht blos die leicht erkennbaren weißen Gespinnste der Nefiraupe sind mit den Spitzen der Aeste, woran sie Heien, zu entfernen, iondern auch so viel als möglich die steinharten Ringelraupen-Eier und die Wulste der Schwammraupe auszusuchen. Letztere finden sich am unteren Theil der Stämme, die Ringe der Ringelraupe aber an jungen Schößen, wo nur ein geübtes Auge sie erkennt.

Unterlassungsfälle wollen mir an gezeigt werden, um Bestrafung herbeizusühren.

Hanau am 30. April 1879.

Der Landrath.

Rundschau.

R. F. Die cnsänxlich auf den 30. April beschlossene Abreise unseres Kaisers von Wiesbaden, woselbst sich Se. Mofistät des besten Wohlsiins erfreut, ist bis auf Weiteres verschoben wurde. Vor wenigen Tagen hat der Kaiser auch das Programm für die Feier der goldenen Hochzeit genehmigt, nach welchem die Festlichkeiten sich auf zwei Zage unter Theilnahme sämmtlicher Verwandten des deutschen Kaiserhauses und einer großen Anzahl fremder Fürsten ausdehnen.

Seit dem Wiederzusammeutritte des Reichstags rücken wir in un­serer inneren Politik mit raschen Schritten der großen Entscheidung auf ihm wirthschaftlichen Gebiete näher. Wie dieselbe auSfallen wird, da rüber saun schon seit Wochen kein Zweifel mehr sein, denn die Wehr heit des Reichstages gab schon längst ihre Zustimmung zum Zoll- und Steuerprogramm des Fürsten Bismarck zu erkennen, da ein großer 3 heil der Volksvertreter dir.ekte Ab hülfe in wirthschaftlichen Calamitäten erwartet und ein anderer Theil in den handelspolitischen D aßnahmen des Kanzlers den Anfangspunkt zu einer nach und nach zu erreichenden besseren Handelslage Deut chlands erblicken. Langathmige Auslassungen sind jetzt, wo der Reichstag sich in gewaltigen Setatten über die be­treffenden Fragen hören lassen wird, hier nicht mehr am Platze, nur sei erwähnt, daß die Mitglieder aller Parteien schon am Beginne dieser Woche zahlreich in Berlin eintrafen und mit großem Eifer in ihren Parteifitzungen nochmals Stellung zur Zoll- und Steuerfrage fasten. Der Reichstag wird jedenfalls seine erste Aufgabe darin suchen müssen, die vielen Fragen, die sich in der angestrebten Zoll- und (Steuerreform berühren und kreuzen, zu entwirren, was wahrscheinlich durch die Bil­dung von zwei oder drei Commissionen für die Tarif-, Steuer- und Finanzzolivorlagen geschehen dürste.

In seiner ersten Sitzung nach den Ferien am letzten Montag er­ledigte der Reichstag in dritter Lesung das Nahlungsmittelgefetz, wobei sich abermals erhebliche Debatten über den Begriff der Nahrungsmittel­fälschung erhoben. Die Vorlage wurde darauf, nachdem noch die vom Abg. Zimmermann bezweifelte Beschlußfähigkeit des Reichstages festge­stellt worden war, im Wesentlichen nach den Bestimmungen der zweiten Lesung angenommen. Am Dienstag war keine Sitzung und am Mitt­woch beschäftigte sich der Reichstag mit kleinen Vorlagen, betreffend die Wechselstempelsteuer, das Pfandrecht der Eisenbahnen und die Gebühren

der Rechtsanwälte. Der Reichstag erledigte auch eine Anzahl von Wahlprü-ungen. Eingegangen war beim Reichstage auch ein Antrag des Reichskanzlers auf strafrechtliche Verfolgung des Abg. Hasselmann wegen Zuwiderhandlungen gegen das Socialistengesetz.

Die seit längerer Zen erwarteten Patente für die am Reichsge­richt zu Leipzig zu instaUirenden Reichsgerichtsräthe sind nunm hr vom Kaiser und vom Reichskanzler unterzeichnet und den betreffenden Justiz- beamten zugestellt worden

Der deutsche Bytichaiter in London, Graf Münster, hielt sich in letzter Woche mehrere Tage in Berlin auf und wurde vom Kronprinzen, dem Prinzen Friedrich Karl und dem Reichskanzler Fürsten Bismarck empfangen. Ob den Botschafter eine besondere diplomatische Mission nach Verlin geführt hat, ist nicht bekannt geworden.

Die preußische Regierung hat als weitere Verlyeter für das ftih m'greich Preußen im Bundesrathe ernannt den Geh. Oberregierungsrath Kräft im Reichseisenbahnamte, den Leh. Oberregierungsrath Schulz im Rnchskamleramte und den Geh. Regierungsraih Fleck int Handels­ministerium und i|i dies offenbar in der Absicht geschehen, um die Aus« arbeitung des Eisenbahntarifentwurss, der Preußen sehr am Herzen liegt, zu beschleunigen.

Das Fest der silbernen Hochzeit des österreichischen Kaiserpaares hat erst am letzten Sonntag seinen Gipfelpunkt erreicht, indem an diesem Tage das mehrfach verschobene Umzugssest der Wiener Bürgerschrft bei herrlichem Frühsingswetter in großartigster Weise stattfand. Ganz Wien war na ürl ch auf den Beinen, um den Festzug, der um 9 Uhr Mor­gens v m Weltausstellungsplatze aufbrach, zu sehen. Um elf Uhr langte die Spitze des Zuges an der Hofburg an und der Kaiser und die Kai­serin erschienen in dem von dem berühmten Maler Makart gemalten Prachtzel.e. Darauf hielt der Bürgermeister von Wien eine würdige Ansprache an das Kaiserpaar und dann hielt der Festzug, der aus den Künstlern, Kaufleuten, Gewerbetreibenden u s. w. der Stadt Wien ge­bildet war urd die prächtigsten Cvstüme und Embleme zeigte, seinen Vorbein arsch mit fliegenden Fahnen und unter fortwährenden Hochrufen auf das kaiserliche Paar. Das ganze Fest verlief ohne jeden Unfall und in größter Ordnung. Mag dieses Fest auf lange Zeit hinaus ein Symbol der treuen Anhänglichkeit für die deutschen, "ungarischen, zechi- schen, polni chen, erratischen, bosnischen und italienischen Unterthanen Oesterreichs sein.

Aus dem von revolutionären Parteien unterwühlten russischen Reiche sind, wie zu erwarten war, in den letzten Togen keine günstigen Nachrichten gekommen, denn die Wühlereien der Nihilisten dauern fort und die von der russischen Regierung dagegen getroffenen militärischen Maßregeln sollen sich erst noch als wirksam erweisen. In Petersburg hat es das Nihiliftevcomitö durch fortwährende Drohungen auch richtig soweit gebracht, daß der Stadthauptmann Generalmajor Surow abge- dankt hat und Niemand sein Nachfolger werden will. Das Amt des StadthauptmannS wird daher jetzt von dem Oberpolizeimeister General­major Baron Heinz verwaltet. Angriffe auf das Leben von kaiserlichen Beamten fanden auch in letzter Woche in Rußland statt und sind die- serhalb die Maßregeln des BelagerungsMstandes noch auf einige andere Distrikte ausgedehnt worden. Angesichts dieses düsteren Zustandes ist es erfreulich, daß die kaiserlich russische Familie auf ihrer Reise von Petersburg nach ihrem Sommersitze Livadia in der Krim auf allen Eisenb ahnst aticnen von zahlreichen Volksmengen enthusiastisch begrüßt wurde.

Wie sich die französische Regierung mit der Affa re Blanqui zu- recht finden wird, ist noch ziemlich unklar. Der Präsident und die Minister der französischen Republik scheinen den ernsten Willen zu he­gen, den Uei ergriffen der radikalen und kommunistisch gefärbten Repu­blikaner ein energ, ches Veto entgegen usetzen, aber ein großer Theil der freiheitstrunkenen gemäßigten Republikaner stellt sich auf die Seite Blanquis. So schreibt dieRepublique frantzaise", das Organ Gam- betta's, in der Angelegenheit:wenn die Regierung sich nicht einem unabsehbaren Konflikt mrt dem Volkswillen aus etzen wolle, müsse sie schleunigst thun, was sie schon längst hätte thun sollen, nämlich Blanqui