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M. 99.
Dienstag den 29. April
1879.
MI^
Gefunden: Eine weiße Manschette mit Knopf. Auf der Chaussee zwischen der Lamboibrücke und dem Neuhof einen Regenschirm; Empfang- uahme bei Herrn Oberförster M enger zu Neuhof.
Entlaufen: Ein brauner Hund, Leonberger Raye.
Hanau am 29. April 1879.
__________________Aus Königlichem Landrathsamt.___________
Bekanntmachung.
Herstellung einer Post-Dampsschiffverbindung zwischen Deutschland und ‘ Mexiko.
Zwischen Deutschland und Mexiko tritt mit dem Anfänge des nächsten Monats eine direkte regelmäßige Po st-Dampf- schiffverbindung ins Leben. Die Postdawpfer gehen am 7. jedes Monats aus Hamburg ab. zum ersten Mal also am 7. Mai. Dauer der Fahrt bis Veracruz 29 Tage; Ankunft in Tampico 2 Tage später. Rückfahrt von Tampico am 10. j-den Monats, von Veracruz 2 Tage später. Regelmäßige Anlaufstellen bilden auf der Hin- und Rückreise: Havre und St. Thomas. Unter Umständen werden die Schiffe auch in Havana und Progreso anl/gen. Die mit diesen Schiffen beförderten Briefsendungen nach Mexiko unterlügen der Taxe des Weltpostvereins, mithin für statt litte Briese 20 Pfennig, für Postkarten 10 Pfennig, Drucksachen 5 Pfennig u s. w.
Berlin W., 26. April 1879;
Der General Postmeister.
Stephan.
Bekanntmachung.
Bei der Postagentur in Gewänden a. d. Wohra wird am 29. d. M. eine Telegraphenanstalt in Wirksamkeit treten.
Cassel, den 25 Sprit 1879.
Der Kaiserliche Ober-Postdirektor ______________________Bahl.___________________
Der unterm 17. Januar 1878 g gen den Goldarbeiter Martin Riehl von Hanau wegen Unterschlagung erlassene Steckbrief wird hiermit als erledigt zurückgezogen.
Hanau, am 26. April 1879
Der Polizei-Anwalt Scholling.
Rundschau.
B. F. Der Kaiser, welcher, wie verlautet, in den letzten Tagen dieser Woche Wiesbaden zu verlassen gedenkt, erfreut sich stetig des besten Wohlseins. Der greise Monarch widmet auch in Wiesbaden, wo er sich zur Cur aushält, einen großen Theil der Zeit den wichtigsten Regierungsgeschästen und nimmt die regelmäßigen Vorträge entgegen. Die Spazierfahrten, welche der Kaiser täglich unternimmt, geben den Einheimischen, wie Fremden, im Bade sich aushalteuden, stets die erwünschte Gelegenheit, dem geliebten Fürsten ihre wärmsten Sympathien zu beweisen. Der Monarch beehrt die Vorstellungen des Kgl. Hoftheaters wöchentlich mehrere Male mit feinem Besuche. Die Frau Groß- Herzogin von Baden, die erlauchte Tochter des Kaisers, welche sich in Wiesbaden längere Zeit zum Besuche ihres Vaters aushielt, ist nach Karlsruhe zurückgekehrt. Auch sonst erhält Se. Majestät oft hohen fürstlichen Besuch. So war am 26. d. M. der Großherzog von Hessen zum Besuche des Movachen in Wiesbaden eiygetroffen.
In der Plenarsitzung, welche der Lundesrath am 26. April unter Vorsitz des Staatsministers Hosmann abhielt, stand als wichtigster Gegenstand auf der Tagesordnung : die Einbringung der Vorlage eines Gesetzentwurfs betreffend die Abänderungen der M. 25 und 35 des Gesetzes über die Rechtserhältnisse der Reichsbeamten vom 31. März 1873. — In dem betreffend-n Entwürfe handelt es sich lediglich darum, daß die Besteuerungen derjenige» Paragraphen, welche auf die Dispo- sitionSstellung und Verabschiedung des Reichskanzers, Präsidenten des Reichskanzleramts und sämmtliche Chefs der Reichsämter Bezug hat, auch auf die Vorstände und Direktoren aller dem Reichskanzler unmit
telbar unterstellten obersten Reichsämter ausgedehnt werden. Der Entwurf ist dem Justizausschuß überwiesen worden. Neben diesem Gegenstände, welcher den wichtigsten Punkt der Sitzung abgab, fanden noch die schon früher eingebrachten Borlagen für Elsaß-Lothringen und mehrere laufende Geschäfte ihre Erledigung.
Der Reichstag, neu gestärkt durch mehrwöchentliche Ruhe und gehörig vorbereitet für die wichtigen Vorlagen, ist am Montag den 28 April zum ersten Male wieder zusammengetreten. Eine Anzahl von Mitgliedern war schon mehre Tage vorher in Berlin eingetroffen, um über die brennendsten Fragen, welche den Reichstag in dieser Session noch beschädigen sollen, eingehende Berathungen zu pflegen. Die Mi- glieder des Centrums und der Rechten verrathen am meisten Neigung den Zolltarif ganz oder theilweise an eine Commission zu verweisen, während die Freihändler für die Plenarberathung eintreten, weil sie wünschen, daß alle Pun te vor der Oeffentlich^eit so eingehend wie möglich erörtert werden. Man hat in diesen Kreisen übrigens die feste Ueberzeugung, daß nur ein kleiner Theil des Tarifs an eine besondere Commis wn ge angen wird.
Zu den Gesetzgebungs-Angelegenheiten, welche hinter den großen Fragen über Zoll und Steuerreform zunächst zu ücktreten dür ten, gehört d e geplante Novelle zur Gewerbeordnung Diese ganze Frage wird wohl bis zur nächsten Reichstagsse sion vertagt bleiben Es wurde auch der Anträge der bayerischen Regierung bezüglich der Toncessicns- beschränkungen der Pfand eiher und Rückkautshändler gedacht Die Angelegenheit ist Gegenstand der Erörterung zwischen den Regierungen gewesen und bei dieser Gelegenheit hat auch ein Meinungsaustausch ü er die Frage der gesetzlichen Zinsoeschränkungen stattgefunden.
Die Feier der st bernen Hochzeit des österreichischen Kaiserpaares gab mehrere Tage hindurch dem an und für sich schon so prächtigen Wien noch erhöhten FestesZanz. Das Fest war ein Nationalfest geworden in des Wortes wirklicher Bedeutung. Aus allen Ländern des Völkerreichen Karserreiches waren Vertreter und game Deputationen in der Hofburg angelangt, um dem verehrten Kaiserpaare die Huldigungen der einzelnen Städte, Gemeinden und Volksstämme darzubringen Die Feier nahm am 23. April ihren Anfang und fand in dem Festzuge durch die Haupt- und Residenzstadt am Sonntag den 27. April ihren eben so glänzenden als allseitig befriedigenden Abschluß. Während der 5 Tage bildeten Soireen, Zapfenstreich, große Cour und Empfang, Einweihung der Botivkirche, große Galavorstellung im Hoftheater und der großartige Festzug eine eben so feierliche als glänzende Kette der erhebendsten Feierlichkeiten Wenn der Himmel dem Menschen schöne und frohe Tage schenkt, so will er auch Andere froh und heiter sehen und wenn er beglückt ist, wünscht er auch Andere glücklich zu sehen Das bleibt ein ebenso natürlicher als men chlich schöner Zug. Und fürwahr das österreichische Kaiserpaar hatte hd) in der dauernden Liebe des Volkes kein schöneres Denkmal setzen können, als daß es an seinem Jubelfeste Liebe säte und Enade übte. Alle Gnadenakte, welche der Kaiser als Landesvater und Kriegsherr gegen Verbrecher auSgeübt und die umfassenden Stiftungen, welche bei Gelegenheit der Feier vom Kaiserpaare in's Leben gerufen wurden, werden den freudigsten und dankbar sten Widerhall in den Herzen des Volkes finden und das Gedächtniß des Festtages zu einem unvergeßlichen machen. Obgleich der Festjubel fast jede politische Action in Oesterreich in den Hintergrund drängte, hat die Diplomatie doch nicht gefeiert, denn man würde gewiß fehlgreifen, wenn man die Reise des Grafen Schuwaloff nach Wien und die statt- gefundenen Berathungen desselben mit dem Grafen Andraffy nicht als politische Conferenzen ansehen wollte.
In Frankreich ist Blanqui der Revolutionär, gegenwärtig der Held des Tages, denn die bedeutendsten Zeitungen widmen ihm und seiner in Bordeaux erfolgten Wahl spaltentange Artikel, die Deputieren- kammer, ja die Regierung beschäftigt sich gegenwärtig fast ausschließlich mit Blanqui. Es wird hin und her debattirt, ob seine Wahl gesetzlich zulässig und in der Regierung anerkannt werden könnte, oder nicht. Am 26. April hat in der Frage Blanqui sogar ein Ministerrath stattgefunden. — DaS Ferry'sche Unterrichtsgesetz wird von einer großen