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Nr» 98
Montag seu 28. April
1879.
»MlicheZ.
Die Herrn Ortsvorstände werden ersucht, nach dem Tusenthalts- orte des Tag'öhners Wilhelm Auner, gebürtig aus Weißensee, 37 Jahre alt, ?u recherchiren und im Ermittelungssalle das Resultat hierher mitzutheilen.
Hanau am 25. April 1879.
Die Herrn Ort? Vorstände werden ersucht, nach dem Aufenthalts orte des Schreirers Justus Kurth, gebürtig aus Neuenbrunsiar, 33 Jahre alt, zu recherchiren und im Ermittelungssalle das Resultat hierher mitzutheilen.
Hanau am 25. April 1879.
Für den Musiker Valentin Christian Gleim von hier, 29 Jahre alt, ist um Entlassung aus dem Pr ußischen Unterthanen Verband be- huss Auswanderung nach England nachgesucht.
Hanau am 22. April 1879.
Der Landrath.
Verloren: Am 19. d M m Frankfurt a. M. ein schwarzes Onix-Medaillon in ovaler Form, reich mit Diamanten besetzt. hinten eine Photographie; Werth 5(0 Mark Auf dem Wege von Rückingen bis Hanau eine Wagenkapsel.
Gefunden: Eine seine gestickte Manschette. Ein Portemonnaie mit Geld.
Hanau am 28. April 1879.
*us König ichem Landrathsamt.
Tagesschau.
Der Festzug in Wien.
(A. d. Deutschen Montags-Blatt.)
Wien, 27. April, 2 Uhr 30 Mm. Nachm. Der zweimal verschobene Festzug hat, vom herrlichsten Wetter begünstigt, soeben statt- gefunden. Die Straßen boten seit den Frühstunden d-s bunteste Bild, die für den Festzug in Aussicht genommenen Straßen wurden an einzelnen Stellen von 2 Uhr Morgens an belagert. Mindestens eine halbe Million Menschen besitzt?» und bela erten die Tribünen, die einen hölzernen Gürtel um die Rin strafe schlössen, und drängten sich in den Straßen, auf den Dächern und selbst auf Bäumen Der Abmarsch des zehntausend Theilnehmer zählenden Festzuges fand um neun Uhr, vom WeltaussteUungSPlatz im Prater aus, statt. Die Studenten, weiche den Zug eröffneten, lang'en auf dem Festplatz vor der Hofburg um l1Uhr an. In dem luxuriös erbauten Hosielt erschien der Kaiser mit ollen Mitgliedern des Kaiserhauses Franz Josef in großer Uniform, Elisa. beth im mattgrauem Faillekleid. Der Bürgermeister hielt eine feierliche Ansprache und bat um die Erlaubniß, den Festzug passiren lasten zu dürfen. Tiefgerührt dankte der Kaiser. Hierauf begann nach Absingung ber Festhymne der Zug. In allen Sprachen entst ten die Hochrufe. Unter ununterbrochenem Hurrah, Eljen, &i o, Evvira, Slava, entfaltete sich der F'stzug der von Makart mit außerordentlicher Sennin 6 der Kunstgeschichte ersonnen und von den Theilmhmern mit ungeheurem Aufwand ausgeführt ward. Kunst und Kunstgewerbe von Wien feierten einen Triumph. Alles was im Tiensie nu betner Kulturvölker steht, Landwirthschaft, Gewerbe, Handel, Eisenbahnen und Schifffahrt waren in symbolischen Tarst llungm präch 'g vertreten. Auf reichge chmückten alterthüml chen Festwagen bewegten sich die herrlichen Allegorien. Schöne Frauen streuten von den Wagen herunter den Majestäten Blvwin Wo der Zug sich zeigte, ertönte brausender, unendlicher Jubel Es war ein sensationeller, nie noch gesehen, r Ge ammtelndruck. Makart, der in der Künstle,gruppe mit ritt, war Gegenstand zahlloser Ovationen, an deren sich auch das Kaiserpaar betheiligte, das seine Rührung über de großartige Manifestation nicht verbergen konnte. Als der Zug ge^en ein Uhr, also erst nach zwei Stunden sein Ende erreicht hatte, sangen alle Gesangvereine unter begeisterten Zurufen des Publikums die österreichische Voltshymne. Die OldiUng wurde in keiner Weise gestört.
— 34. Pl narsitzung des Deutschen Reichstages, Montag, den 28. April 1879, Mittag« 12 Uhr. Tag sordnung: Mündlicher Bericht ter WahlprüfungS-Kommission über die Wahl des Abg. Grafen von «wi-
IfcH im 2. Wahlkreise des Regierungsbezirks Posen. — Mündlicher Bericht der I. Ab Heilung, betr. die Wahl des Abg. Dr. Wendel im 6. Mahltte se des Regierungsbezirks Pottdam — Bericht der Wahlprü- fvvgs Kommission über die Wahl im 5. Wahlkreise des Großherzog thnms Hessen. — Mündlicher Bericht der IV. Abtheilung über die Erledigung des Reichstagsbeschlusses vom 7. Oktober 1878, betr. Sie Wahl des Abg. von Below im 1. Wahlkreise des Regierungsbezirks Coslin. — Bericht der Wahlprüfungs - Kommission über die Wahl im 2. Kö- nigsterger Wahlkreise — Kreise Lebiau und Weblau. — Bericht der WahlprüwngS Kommission über die Wahl im 10. schleswig holsteinischen Wahlkreise — Erste Berathung des Gesetzentwurfs, betr. die Anfechtung von R-ch sbandlungen eines Schuldners außerhalb des Konkursverfahrens. — Dritte Berathung des Gesetzentwurfs, betr. den Verkehr mit Nahrungsmitteln, Genußmitteln und GebrauchLgegenständen, auf Grund der Zu,an m nstellung der in zweiter Berathung gefaßten Beschlüsse. — Dritte Berathung des Gesetzentwurfs wegen Abänderung des Gesetzes vom 10 Juni 1869, betreffend die Wechselstempelstemr, aus Grund der in zweiter Berathung unvei ändert angenommenen Vorlage — und De- sch uß'asiung über die bereits vorgetragenen Petitionen, betreffend die Abänderung des Gesetzes vom 10. Juni 1869 über die Wechselstempel- steuer. — Zweiter Bericht der Kommission für die Petitionen über Petitionen.
— Berlin, 25. April. Bei dem bevorstehenden Wiederbeginn der Reichstagsarbeiten laden bereits die einzelnen Fractionen zum zahlreichen Erscheinen ihrer Mitgieder ein. Die Fraction der deutschen Reichspar-ei hat schon auf Montag Abend eine Besprechung über die Z-'sitari Vorlage angesetzt. Vornehmlich wird es sich bei den Vorbesprechungen um die geschäftliche Behandlung aller Zoll- und Steuer- vor agen handem. Man soll in conservativen Kreisen die Einsetzung Einer E-mmission für sämmliche Vorlagen, ausgenommen natürlich die einer besondern Commission zu überantwortende Tabaksteuer-Vortage, be-ürworten.
— Berlin, 26. April. (Köln. Ztg.) Die Nachrichten über die l ulgarische Fürstenwahl stimmen darin ülerein, daß aller Wahrscheinlichkeit nach Prinz Bottenberg mit großer Mehrheit gewählt werden wird Rußland setzt seine Bemühungen fort, die Bestimmungen des Berliner Friedens über Ostrumelien nicht zur Ausführung kommen zu lassen. Wenn neuerdings von Erfolgen der russischen Diplomatie in dieser r insicht gesprochen wird so haben wir es wohl nur mit russischen B ünschen zu thun. An ein Nachgeben der englischen Regierung kann man chweriich glauben, wenn man sich auch nur an Layard's jüngste Rede erinnert, in welcher es unter Anderm heißt: „Die Balkanlinie ist 'ine der bedeutendsten Fragen, welche der Congreß behandelte. Die Festigkeit L<rd Beaconssield's nöthigte die Russen zum Nachgeden. Ob dies eine gute militärische Linie ist vermag ich nicht zu sagen; sicher aber ist sie eine große moralische und politische Linie." Die englische Regierung hat sich auf das bestimmteste für pünktliche Ausführung des eriiner F. iedens ausge prochen. Die Russen scheinen selbst wenig Hoffnung m haben auf dipiommischen Wegen etwas auszurichien, da sie damit drohen, die Bulgaren würden sich selbst der Ausführung des Berliner Friedens widersetzen. Wir wissen aber recht gut, daß die Bu garen bis jetzt nichts sind als die Puppen Rußlands.
— München, 24 April. Gestern wurde von einem hier eingetroffenen päpst tchen Schreiben gesprochen, durch welches das über- terr ate Vm erland in Acht und Bann gethan wird. Das neueste Pa- storalblatt der Erzdiözese veröffentlicht nun jenes Schreiten und zugleich eine dadurch veranlaßte Kundgebung des hiesigen erzbischöflichen Ordinariats Aus dem Schreiben des Ordinariats geht hervor, daß die Angriffe des br. ®igl auf die Person des hiesigen Nuntius Msgr. s afel a die unmittelbare Veranlassung zu diesem Schritte warm; in dem Er aß des Staatssekretärs Nina wird bezeichnender Weise außer von diesen r ngriffen auch noch von ungeziemenden von Dr. Sigl gewagten Ausfäsien gegen den verstorbenen Kardinal Franchi, dessin zu frühzeitigen Verlust der Papst betrauere rc, gesprochen. Das heutige Vaterl nd brudt beide Briefe ab und bemerkt dazu, „für unsere Feinde f nd beide * ktenstücke und insbesondere das des Staatssekretärs Nina^ w. mit so manche Sehnsucht gestillt, so mancher Wunsch endlich erfüll