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Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hana«.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.
M. 93.
Dienstag s« 22. April.
1879.
Amtliches.
Der Herr KreiSthierarzt Collmann hat die Verwaltung der KreiSthierarzt-Stelle übernommen.
Dessen Wohnung befindet sich Vorstadt 4 (Gasthaus zum goldenen Fäßchm).
Hanau am 21. April 1879.
___________________________Der Landrath.__________________________
Vom 15. d. M. ab ist die seither um 8 Uhr früh abgegangene 2te Privatpersonenpost nach dem Bahnhof aufgehoben, dagegen von gleicher Zeit ab eine weitere Fahrt der Privatpersonenpost, hier abgehend um 3" Nachmittags, zum Anschluß an den die Station Langen- selbold um 3 53 Nachm. berührenden Zug aus Frankfurt a. M., eingerichtet werden.
Langenselbold am 20. April 1879.
Kaiserliches Postamt.
_________Orth._______________________
Rundschau.
R. F. Die Reisedispositionen des deutschen Kaiserpaares haben durch die am 17. April Abends erfolgte Abreise von Berlin den Anfang zu ihrer Verwirklichung genommen. Der Kaiser wurde am 18. April Vormittags 9 Uhr in Wiesbaden am Bahnhöfe von dem Kronprinzen, der Prinzessin Louise, Landgräfin von Hessen und dem Herzog Wilhelm von Mecklenburg empfangen. Zur Begrüßung hatten sich auch die Spitzen der Bchördm eingefunden. Die zahlreich am Bahnhöfe versammelte Bevölkerung empfing den Kaiser mit enthusiastischen Zurufen. Der Kaiser, welcher am anderen Tage den Besuch feiner erl. Tochter der Frau Großherzogin von Baden empfing, die längere Zeit bei ihrem kaiserlichen Vater zu verweilen gedenkt, wird seinen Aufenthalt in Wirs- baden bis Anfang nächsten Monats ausdehnen, um dann nach Berlin zurückzukehren. Buch die Kaiserin, welche in Baden-Baden weilt, wird um diese Zeit in Berlin zurückerwartet und werden die Majestäten dann jedenfalls in Schloß Babelsberg bei Berlin ihre Residenz ausschlagen.
Das kronprinzliche Paar hat sich am 18. April von Wiesbaden nach Potsdam begeben, um dort den größten Theil des Sommers über zuzubringen. Der Umstand, daß fortwährend Drohbriefe an den Kronprinzen gerichtet, eingingen, ist die Veranlasfung gewesen, daß man über einen Theil von Potsdam den sog. kleinen Belagerungszustand verhängte. Die Sicherheit der kronprinzlichen Familie hat diese Maßregel nöthig gemacht.
Der Bundesrath hat am 19 April eine Plenarsitzung abgehalten, in welcher hauptsächlich laufende Geschäfte erledigt wurden. Als besonders wichtig heben wir aus den Verhandlungen dieser Sitzung hervor den Bericht des Justizrusschuffes über die Besetzung des Reichsgerichts und eine Reihe elfaß-lothringifcher Angelegenheiten, wie Besetzung von Stellen bei der Disciplinarkammer. Die Ausschußanträge, den erstgenannten Punkt betreffend, gelangten zur Annahme und werden nunmehr dem Kaiser zur Bestätigung unterbreitet. Auch über die anderen Vorlagen wurde Beschluß gefaßt. Mehrere wichtigen Vorlagen wurden bis zur nächsten Plenarsitzung, welche Ende dieser Woche stattfindet, vertagt.
Dem Reichstage sind außer den Motiven für den Zolltarif nunmehr die Entwürfe von Gesetzen wegen Erhebung und Erhöhung der Brausteuer izugegangen. Der erste Gesetzentwurf foll die künftige Höhe und Form der Bierbesteuerung ordnen, während der zweite Entwurf, welcher den gleichen Gegenstand betrifft, für die Zwischenzeit bis zur Einführung der neuen Steuerreform, die bestehenden Sätze verdoppeln soll. Es wird durch das Inkrafttreten des zweiten Entwurfs die im ersten Entwürfe ins Auge gesüßte Erhöhung der Bierbesteuerung sofort ins Leben treten. Der neue Steuersatz entspricht bei einer Verdoppelung der bisherigen Steuer der Höhe des bayerischen Malzaufschlages und erreicht nach den Motiven das von der Verfassung gestellte Ziel Bayern gegenüber vollständig, den anderen Staaten gegenüber nahezu.
Die politische Lage in Rußland ist eine recht getrübte. Die Aufregung über das Attentat gegen den Kaiser, die gerechte Entrüstung darüber, daß diesen nihilistischen Verbrechern selbst nicht mehr die Per- i son des Monarchen heilig ist, die Thatsache ferner, daß Altentat auf I
Attentat folgt, welche namentlich gegen hohe Beamte gerichtet sind, und trotz aller Anstrengungen der Polizei in den meisten Fällen die Nachforschungen nach den Verbrechern keinen Erfolg haben, dies sind so die Farben, mit denen ein russisches Stimmungsbild gegenwärtig zu zeichnen wäre. Kann man es der russischen Regierung da verdenken, wenn sie in Hinblick auf diese traurige Sachlage zu außerordentlichen Maßregeln ihre Zuflucht nimmt. Es geschieht im Interesse des Staates und zum Besten des gesäumten Volkes. Die russische Regierung hat Ausnahme- maßregeln ergreifen müssen, sowohl um die Schuldigen exemplarisch zu bestrasen als auch den mit der Regierungsgewalt bekleideten Personen Rechte zu verleihen, welche in Anbetracht der Sachlage zur Aufrechthaltung der allgemeinen Ordnung nothwendig sind. In den Städten Petersburg, Charkow und Odessa sind provisorische Generalgouverneure mit den oben charakterisirten Rechten ernannt worden. Mit denselben Vollmachten sind die Gouverneure von Moskau, Kiew und Warschau ausgestattet. Ueber die genannten Städte ist ein sogenannter Belagerungszustand verhängt worden, denn dem Generalgouverneur wird es überlassen, alle Personen des Civilstandes in den ihm unterstellten Ortschaften, so er eS für nöthig hält, dem Kriegsgericht zu übergeben, mit Anwendung der für Kriegszeiten festgesetzten Strafen. Die Vollmachten der Generalgouvernkure gehen soweit, daß sie alle Personen, deren Aufenthalt sie in einem bestimmten Orte für gefährlich oder schädlich hm- ten, entfernen lassen können, ja sie dürfen nach ihrem persönlichen Gutachten alle Personen ohne Unterschied verhaften lassen, wenn ihnen dies nothwendig dünkt, auch können Zeitungen, Zeitschriften, falls deren Richtung verderblich erscheint, von ihm aufgehoben oder unterdrückt werden. — Jedenfalls haben die obwaltenden traurigen Zustände die russische Regierung zu derartigen strengen Maßregeln gezwungen. Was die Person deS Attentäters selbst anbelangt, so hat sich nun zweifelsohne herauSgestellt, daß er Alexander Constantinowitsch Solowjeff heißt, 34 Jahre alt ist, in Petersburg das Gymnasium und die Universität besuchte, sodann Lehrer auf einem Dorfe im Toropez'schen Kreise und schon früher in nihil stische Untersuchungen verwickelt war. Der Verbrecher hatte nach seiner Verhaftung Gift genommen. Eine chemische Analyse hat ergeben, daß es Cyncalium gewesen, und eine geringe Dosis schon hingereicht hätte, um den sofortigen Tod herbeizuführen. Das Gift hat deshalb keine tödtliche Wirkung gehabt, weil es theilwtise verdorben war.
In der inneren Politik Englands hat sich ein bedeutungsvolles Ereigniß vollzogen. Lord Derby, der frühere Minister des Aeußeren, hat seinen Austritt aus dem konservativen Verein angezeigt. DaS bedeutet soviel als vollständige Trennung Derby's von der konservativen Partei überhaupt und erfährt die letztere dadurch einen schweren Schlag, da Derby durch feinen unermeßlichen Reichthum, seinen hohen Rang und feine Talente eine eben so hohe als überaus geachtete Stellung einnahm. Bei den Wahlen wird die konservative Partei diesen Verlust gerade recht schwer fühlen. — Wir das amtliche Blatt „Gazette" mittheilt, ist Thomas Mitchell zum Generalkonsul für Ostrumelien und Capitän Samuel Ander son zum englischen Commissar bei der Regelung der serbischen Grenze ernannt. — Ueber den Zulukrieg liegen erst jetzt die offiziellen Depeschen vor, welche sich des Näheren über die Kämpfe bei Umbelirn auslassen. Daraus geht hervor, daß die Zulus bei Umbelien zuerst gesiegt haben, darauf griffen sie in einer Stärke von 20,000 Mann das Lager Kambula an, wurden aber von den Engländern geschlagen und verfolgt. — Der Krieg in Afghanistan dürfte allem Anscheine nach seinen weiteren Fortgang nehmen.
Die Zustände in der Türkei sind recht beunruhigender Natur. Das Volk hungert, die Minister intrigniren und der Sultan verbirgt sich in feinem Paläste, weil er etwaige Attentate befürchtet. Die starke Erhöhung der Brodpreise, die faktische Werthlosigkeit des Papiergeldes, der vollständige Mangel des Geldes im Volke, die unregelmäßige Bezahlung der Gehalte und das an Offizieren wie Mannschaften gestellte Zwangsansuchen um Abtretung von Staatsgehalten, endlich aber die Hoffnungslosigkeit der Regierung selbst, alle diese Umstände zu-ammm- genommen, könnten wohl Veranlassung zu den ernstesten Unruhen geben. — Nach Berichten, die von Constantinopel aus verbreitet werden, haben die Russen die OccupationStruppen in Ost-Rumelien auf 3 Armee-