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Wiener Kabinets wegen der Beleidigung des österreichischen Konsuls in Widdiu antwortete die Petersburger Regierung in der entgegenkommendsten Weise, indem sie ihr „vorläufiges lebhaftes Bedauern" über den „unangenehmen Vorfall" ausdrückt; und um freundliche Bekanntgabe der österreichischen detaillirten Satisfaktions - Forderungen ersuchte. Das Wiener Kabinet wird demnächst seine Forderungen formuliken. Her russische Gouverneur in Widdin, der sich so brutal gegen den österreichischen Konsul benalm, ist übrigens oar kein Russe, sondern ein Bulgare. Das Wiener auswärtige Amt hält sich um so mehr überzeugt, daß Rußland volle Genugthuung leisten werde, als ein ähnlicher Fall erst in der letzten Zeit sich ereignete, bei welchem man in Petersburg ebenfalls die größte Coulance bekundete. Es hatten nämlich russische Offiziere in Rustschuk das Haus des Herrn Kanetti, Dragomans d s österreichischen Konsulats dortselbst, gegen dessen Willen und ungeachtet seines Pro- tstes mit Beschlag genommen, um ein russisches Amt darin zu installi- ren. Das Wiener Kabinet reklamirte hlerg.-gm in Petersburg und die russische Regierung gewährte sofort die gewünschte Satisfaktion. So wurde die Affaire geschlichtet, ohne daß man von derselben bisher Kenntniß erhalten hätte.
— London, 13. April, 12 Uhr 86 Min. Gestern wurde weder hier noch in Paris etwas Definitives bezüglich des Khedive beschlossen. — Der „Observer" meldet aus Kairo, daß der Khedive seinen Sekretär Talaat mit zehn Kisten Gold nach Konstartinopel sandte.
Lokales.
Hanau, 15 April 1879.
— (SchulanMeldungen.) Das neue Schuljahr beginnt in den hiesigen höheren Lehranstalten, in der höheren Töchterschule und in den städtischen Schulen Montag den 21. April. Anmeldungen werden ent# gegengenemmen: für das Kgl. Gymrasium bis zum 18 d. M. einschl. Vorm. von 11 bis 12 Uhr im Geschäftszimmer des Herrn Direktors; Anmeldungen für die Realschule im Laufe der Woche täglich von Vorm. 11 bis 12 Uhr im Geschäftszimmer des Herrn Direktors; für die höhere Töchterschule und die stätti chen Schulen Samstag den 19. April, Vormittags von 9 Uhr ab, im Geschäftszimmer des Herrn Schulinspek- tors resp. in dem der betreffenden Herren Oberlehrer. In allen Fällen sind Gebmts- und Impfscheine bei der Anmeldung vorzulegen, für solche Kinder, welche das 12. Lebensjahr überschritten haben, ein Schein über erfolgreiche Wiederimpfung.
— Von der Ei lande iß während der Osterseiertage die p-achtvolle Ausstellung in den Gewächshäusern des Philippsruher Schlosses besuchen zu dürfen, wurde der ausgiebigste Gebrauch gemacht. Wie wir hören, fand das Verbot von weiteren Bes- ch-n im Garten und Schlosse Seitens des Publikums die größte Berücksichtigung, so daß den Gartenbeamten Zurechtweisungen nach duser Richttwg hm erfreulicher Weise erspart bleib n konnten. — Wir glauben im Sinne der Besucher zu handeln, wenn wir für den gebotenen großen Genuß bestens Dank aussprechen.
^. Gestern ist Empfangsbescheinigung ein^ troffen über die am 31. März von Hi r aus abgesandte erste Unterstützung für Sz?gedin, sie lautet:
„Für die von Ihnen als Ergecn'ß der von Ihnen verunstalteten Sammlung zu Gunsten der durch die Ueberschwemmung in Szegedin Verunaiückten anhergesm dien im hiesigen Amtsblatts zur allg meinen Kenntniß gebrachte und dadurch galt tute Liebesgabe im Betrag von 7OO Mark beehre ich mich Ihnen sowie den übrigen edlen Spendern dieser hochherzigen Gaben im Namen der Nothleidenden meinm innigsten Dank auszusprechen. Budapest, am 9. April 1879, Für den Minister: Victor Graf Richyferraris, Staatss kretair."
— Marburg, 9. April. As ein charakteristisches Zeichen der Zeit theilen wir K achstehendrs aus unserer Nachbarstadt Friedberg mit. Dlesir Tage fand daselbst der Submissionstermin für bb Arbeiten am dasigen Amtsgerichtegebäude statt. Bei den Maurerarbeiten blieb Min- dkstblet-nder ein Me st r von dort, welcher 19 pEt. abbot. Bei den Zimmerarbeiten wurden durch ein Mainzer Geschä t 21 pCt. abgeboten. Bei den Schlosserarbeiten legte ein Friedberger Schlossermeistec ein Gebot ein, welches 45 pCt. unter dem Voranschlag blieb, während zwei andere Me st r 25 pSt und vier Gießener Meister 15 resp. 21, 27 und 34 a -boten. Wenn man die Höhe der Äbgebote betrachtet und berücksichtigt d-ß die Behörden in ihren Voranschlägen gewiß nicht allzu hohe Presse aus §en, muß man unwillkürlich zu der Ueberzeugung gelangen, daß vi.le ältester, in dem Bestreben, einem Concurrenten den Siang abzulaufen, es absolut nicht mehr der Mühe werth halten, eine Calculatwn aufzustellen und sind die massenhaften Concurse sicher mit eine Folge dieses traurigen Treibenr.'"^ (Q. Z)
«?WA We Umgegmd.
— Der Frankfurter „General-Anzeiger" schreibt unterm 12. April aus Frankfurt am Main: En junger Mann von hier hatte von einer benachbarten Gotswaann Fabrik eme Partie Waaren kommissionsweise zum Verkauf erhalten. Abgesetzt sind die Steten und Ringe, der Auf
traggeber hat jedoch nicht einen Pfennig vom Erlös zu sehen bekommen. — Die Eingabe hiesiger Bewohner, das Schlachthaus mit Biehhof in das Fischerfeld statt nach Sachsenhausen, zu verlegen, wurde mit circa 5000 Unterschriften versehen dem Magistrat eingereicht. — Ledermesse. Die Zufuhren in SohlUder zu unserer diesmaligen Ostermesse warm cnischieden geringer als im vergangenen Jrhre und waren besonders effektiv prima starke Sohlleder, Kühe und Ochsen schwach vertreten. Diesem Umstände war es zuzuschreiben, daß die Preise sich für diese Gattungen gegen die seit Anfang dieses Jahres marktgängigen Notirun- giN ziemlich gut behauptet!«, während Mittel und leichtere Gewichte, sowie untergeordnete Qualitäten eine Abschwächung von ca. 5—8 Pro- c nt aufzuweilen haben. Das Geschäft hat sich bei dieser Preisstellung lebhaft entwickelt und ist wohl anzunehmen, daß sich die an den Markt gebrachten Quantitäten nunmehr coulant räumen werden. In Zahm- svhüeder war bis heute noch wenig Geschäft, da Eigener auf Forderungen festhalten, Käufer jedoch eine abwartende Stellung einnehAen. Im großen Ganzen ist leider immer noch von keiner animirten Stimmung zu berichten, die Fabrikation leidet sehr durch die gehabten höheren Preise der Rohstoffe (Häute und Loh;), während Händler und Consu- menten über verminderten Absatz uns äußerst schlechten Inkasso zu klagen haben.
— Darmstadt, 12. April. In süddeutschen Blättern begegnet man fortgesetzt der Nachricht von einem bevorstehenden Uebergang der Hessischen Ludwigsbahn in den Besitz des hessischen oder preußischen Staates. Der „Rhein. Kur." kann dem gegenüber nur aus's Neue konstatiren, daß ein Verkauf her Bahn durchaus nicht beabsichtigt ist und daß weder von der preußischen, noch von der hessischen Regierung Verhandlungen in dieser Beziehung geführt werden.
— Wertheim. Immer rüstiger und reger entfalten sich die Arbeiten an dem Eisenbahnbau zwischen hier und Lohr. Es wird nun bereits an 5-6 Stellen, an der einen und andern m t einigen hundert Mann und einer Anzahl Rollwägen, gearbeitet. In der allernächsten Z it dürften auch die Mineur-Arbeiten für d:n Richtstollen des Rem- bergs- und Wtttwesbach Tunnels beginnen. Darauf wird wahrscheinlich auch mit den Fundamenten der Effenbahnbrücke über den Main dahier begonnen werden.
Thermometer stand.
15 April. Morgens 7 Uhr + 5®, Vormittags 10 Uhr 4 ßVs0.
Empfang des Capitaln F H Schwensen in NeMotk.
(A. d. Hamb. BLrsen-Halle.)
In der Sitzung des Stadtrathes der Stadt Newhork vom 25. März a c. legte Alderman Houghion den folgenden Antrag vor, der nach kurzer Debatte unverändert angenommen wurde.
„In der Erwägung, daß der Dampfer „Pommerania" bei seiner Fahrt von dem hiesigen Hafen am 25. November mit der britischen Bark „Moe! Eilian" zusammenstieß und in dem britischen Canal unterging, und da durch mehrere Tage angenommen wurde, daß der brave Commandant des Dampfers, Capital» Hans F. Schwensen, das letzte HW-e Wesen auf dem Dampfer, umgekommm und mit dem letzteren versunken fei, und
in der Erwägung, daß die Rettung des Capitalns, durch welche er der Welt zu ferneren werthvollen Diensten erhalten blieb, gewiß ein Werk der Vorsehung war und für seine vielen Freunde einen Gegenstand herzlicher Beglückwünschungen bildete, und
in der Erwägung des »»bezähmten Muthes und der heroischen Tapferkeit, welche Capitain Schwensen bei dieser, den Muth auf die Probe stellenden G legenheit an bin lag legte, indem er ohne Rücksicht auf persönliche Sicherheit mit dem ihn von allen Seiten bedrohenden Tode für die Sicherheit seiner Passagiere und Mannschaft kämpfte, was ihm die Achtung und das Vertrauen aller Menschen sicherte, und
in der Erwägung, daß nach den erlangten Auskünften Ca- pitain Schwensen zu Anfang des Monats April als Commandant des Dampfers „Silesia" hier eintreffen wird, deshalb sei
Beschlossen, daß ein Special-Comitä von fünf Mitgliedern dieses Stadtrathes, dessen eines der Präsident sein soll, ernannt werde, um Capitain Schweren bei seiner Ankunft in dieser Stadt zu empfangen und ihm die Glückwünsche des Volkes und der Regierung der Stadt Newyork darzubringen, und daß die Benützung des Gonverneurs-Z'.m- mers in City Hall an irgend einem passenden Tage gestattet werde, damit er persönlich die Glückwünsche ferner Freunde und der Bürger im Allgemeinen entgegennehmen kann.
Beschlossen, daß eine Abschrift dieser Beschlüsse in angemessener Reinschrift, in gehöriger Weise durch die Unterschriften Sr. Ehren des Mayors und des Präsidrnten des Stadtrathes, das Siegel der Corporation und das Attest des Clerks des Stadtrathes beglaubigt, dem Capitain Hans F. Schwensen als Anerkennung seines Rathes und seiner Treue und als ein schwaches Zeichen der Achtung des Volkes der Stadt Newyork überreicht werden".
Nachdem dieser Antrag, wie erwähnt, Annahme gesund-n,^ setzüe der Präsident des Stadtrathes, Mott, die Aldermen Houghton, Strack,