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Z«Zlmch Amtliches Org«m für Kreis und Stadt Hauan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Esun- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Gamkags mit der Berliner Provinzial-Torrespoudenz.

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Freitag dea 4. April

1879.

Amtliches.'

Durch Beschluß des Kreistages vom 29. März 1879 sind zu Bezirks-JmpfärUen pro 1879 bestellt:

1) Kreisphyfikus Dr. von Möller zu Hanau für Hanau, Bruchköbel, Oberissigheim, Niederissigheim, Roßdorf, Kinzig-- Heimerhof und Butterstödterhöfe.

2) Dr. Wolfram zu Hanau für Großauheim, Großkrotzenburg, Ntederrodenbach, Oberrodenbach, Rückingen, Kesselstadt, Windecken, Philippsruhe, Wilhelmsbad, Wil­helmsbaderhof, Fasanerie, Wolfgang und Pulverfabrik.

3) Dr. Calammus zu Langendiebach für Langendiebach, Ravolzhausen, Rüdigheim, Rüdigheimerhof, Marköbel, Beiersröderhof, Hirzbacherhof, Ostheim, Eichen und Erbstadt.

4 Dr. Ramdohr zu Langenselbold für Langenselbold, Hüttengesäß, Neuwiedermuß, Baumwieserhof und Bruderdiebacherhot.

5) Phyfikus Dr. Hartwig zu Fechenheim für Wachenbuchen, Mittelbuchen, Hochstadt, Bergen und Enkheim.

6) Dr. Weber zu Fechenheim für Fechenheim, Dörnigheim, Bisch fsheim und Mainkur.

7) Dr. Frankenberg zu Bergen für Seckbach, Heiligenstock, Gronau, Gronauerhof, Dottenfelderhof, Ober- und Nieder^ Dorfelden und Kilianstödten. __________

8) Dr. Rittershausen zu Bockenheim für Praunheim, Ginnheim und Eschersheim.

9) Dr. Daube zu Bockenheim für Eckenheim, Breungesheim und Berkersheim.

10) Phyfikus Dr. Jacobi I. zu Bockenheim für die Stadt Bockenheim.

Hanau am 1. April 1879.

Unter Hinweisung auf §. 8 Absatz 3 des Reglements zur Aus­führung des Reichs'Jmpsgesetzes (Amtsblatt de 1875 S. 118; veran­lasse ich die Herrn Ortsvorstände, über diejenigen im Kalenderjahre 1878 in andern Orten geborenen Kinder, welche mit ihren Eltern oder Pflegern nach dort übergegangen sind, ein Verzeichniß nach den Rubriken 1 bis 5 der Seite 294 des Amtsblattes von 1874 abgedruckten Jmpf- liste aufzustellen und spätestens zum 6. April er. einzusenden.

Hanau am 1. April 1879.

__________ Der Landrath. _______

Rundschau.

R. F. Auf unserem verehrten Kaiserhause lastet seit dem Ableben des Prinzen Waldemar ein düsterer Schatten, hervorgebracht durch den Schmerz und die Trauer um den theueren Entschlafenen. Der von sei­ner Hüstverletzung vollständig wiedergenesene Kaiser, welcher das Staats­ministerium, das Reichstagspräsidium, den Präsidenten des Oberkirchen- raths und andere hochstehende Personen anläßlich des Trauerfalls im Laufe der Woche empfing, ist sichtlich von dem plötzlichen Ableben seines Lieblingsenkels angegriffen, aber trotzdem vermochte es der trauernde Monarch, sich über die Regierungsgeschäfte und den Gang der Ange­legenheiten im Reichstage zu erkundigen, welcher Umstand einen rühren­den Beweis von der unausgesetzten Theilnahme an der Förderung des Volkswohles von Seiten des Kaisers gibt. Das Staatsministerium und der Reichstag sprachen ihr Beileid auch dem Kronprinzen aus. Die tiestrauernde kronprinzliche Familie hat am Dienstag Berlin ver­lassen und sich zu mehrwöchentlichem Aufenthalte nach Wiesbaden bege- ben, da dies nach dem Rathe der Aerzte nothwendig war, um der An­steckungsgefahr der Diphteritis, an welcher Prinz Waldemar starb, zu entgehen.

Der Bundesrath' hat noch in dieser Woche hinsichtlich der reichs- gesetzlichen Regelung des Eifinbahntarifwesers seinen Beschluß dahin gefaßt, daß die Mehrzahl der Mitglieder der Commission, welche das Eisenoahmarifwesen eingehend berathen soll, aus Mitgliedern des Bun- deSrathes zu bestehen hat. Weitere außerordentliche Verhandlungen be­reiten sich im Bundesrathe vor, denn die hochwichtigen Zoll- und Steuer­

vorlagen müssen nunmehr im Bundesratbe festeestellt werden. Mit welcher Vorsorge die einzelnen Bundesregierungen an die Lösung dieser Frage herantreten, geht daraus hervor, daß fast sämmtliche deutsche Finanzminister zur Beschlußfassung in der Frage in Berlin eintrafen. Es heißt, daß die Zoll- und Steuerfrage in drei Entwürfe: Die Ta­baksteuer, die Brausteuer und den Zolltarif eingetheilt und dem ent­sprechend berathen werden wird.

Nachdem der Reichstag seine Etatarbeiten beendigt hat, benutzte er die ihm noch bis zu den Osterferien übrig gebliebene Zeit, um einige mehr oder weniger wichtige Angelegenheiten zu erledigen. Sehr inte­ressant und wichtig zugleich war in dieser Beziehung die Berathung zweier Anträge der Abgg. Reichensperger und v. Kleist-Retzow wegen Einführung neuer Wuchergesetze und Beschränkung des W-chselrechts. Im Namen der Centrums Parte i beantragte der Abg. Reichensperger, daß bei Handelsgeschäften der gesetzliche Zinsfuß nicht mehr als 6 Pro­zent und bei allen übrigen Geldforderungen nicht mehr als 5 Prozent betragen soll. Außerdem soll der Wucher bestraft werden. Das Letztere beantragt auch Kleist-Retzow, doch sieht seine Partei von einer Einfüh­rung der Zinsbeschränkung ab. Es unterliegt keinem Zweifel, daß jeder dieser Anträge einen guten Kern enthält, indem sie die ehrlose Ausbeutung der Notb, Unerfohrenbeit und des Leichtsinnes bestraft wis­sen wollen und es ist daher dringend zu wünschen, daß die Commission, welche der Reichstag mit der Berathung der Wucherfrage bebaute, eine passend.?. Gesetzesform finden möge, welche, den Wucher lediglich als sol­chen zu unterdrücken im Stande ist. Von dem Abg. Witte wurde im Reichstage auch die in Melbourne projektirte Weltausstellung zur Sprache gebracht, worauf der Bundesbevollmächtigte Hofmann erwiderte, daß die Regierung aus ihrer referierten Haltung heraustreten werde, wenn eine genügende Anzahl deutscher Industrieller ihre Betheiligungen an der australischen Weltausstellung kundgeben würde. Das Gesetz über die Verfälschung der Lebensmittel wurde nach den Commissionsanträgen vom Reichstage angenommen.

Beim Reichskanzler Fürst Bismarck fand am letzten Sonnabend müder eine parlamentarische Soiräe statt, welche in gesellschaftlicher Be­ziehung sehr viel Anziehendes bot, in politischer Beziehung jedoch gar keine Bedeutung hatte und wir wollen nur bemerken, daß der Reichs­kanzler seinen Gästen mehrmals zu verstehen gab, daß ihm sehr viel daran gelegen sei, wenn die Angelegenheiten im Reichstage mit weniger Parteihader zum Austrage gebracht würden.

Der Reichskanzler war in letzter Woche Gegenstand einer allge­meinen Aufmerksamkeit, denn er beging ja bekanntlich am 1. April sei­nen 64. Geburtstag Der Kaiser, viele deutsche Fürsten, der Bundes­rath und der Reichstag, sowie eine große Anzahl städtischer Corpora- twnen hatten es sich an diesem Tage nicht nehmen lass n, dem Kanzler ihre Glückwünsche darzubriugen, und die Stadt Cöln »hrte den Reichs­kanzler dadurch, daß sie amersten April das Bismarckdenkmal enthüllte, worüber der Kanzler in seiner drastisch humoristischen Weise an den Cölner Stadtrath schrieb, daß er eine Art Beschämung über dieses Denkmal, kor welchem er noch in Fleisch und Bein herumwandele, empfinde. .

Im preußischen Ministerium sind mit dem ersten Aprrl die Ver­änderungen in den Ressorts vorgenommen worden, wie dieselben seiner Zeit im Landtage gebillic t worden sind. Demnach kommen die Forsten und Domänen vom Finauzministkrium an das landwirthschaftliche, das preußische Handelsministerium wird vom Reichskanzleramtspräsidenten geleitet und der bisherige preußische Handelsminister ist Minister der öffentlichen Arbeiten geworden.

In Oesterreich Ungarn vollzieht sich gegenwärtig die Behandlung der öffentlichen Angelegenheiten mit einer großen Ruhe. Das ungari­sche Oberhaus hat, nachdem das Unterhaus in längeren Debatten den Berliner Vertrag berathen und schließlich angenommen hatte, nun auch diesem Vertrage ohne jede weitere Diskussion zugestimmt. Auch in dem ländlichen Theile Triest's siegten bei den Munierpalwahlen in 5 Bezirken die österreichischen Patrioten und nur in einem derselben kam ein Candidat der italienischen Partei durch.