Einzelbild herunterladen
 

439

bis dahin daß die Vertrags-Ratifikationen von Chili nnd Peru einge­gangen sein werden, demselben Tarife, welcher allgemein für den Ver­kehr mit den noch nicht zum Weltpostverein gehörigen Ländern festgesetzt ist (60 Pf. für srankirte Briefe u. s. w). Die Sendungen sind stets vom Absender ru frontinn. Einschreibbriefe sind vorläufig nicht zulässig.

Berlin W., 30. März 1879.

Der General-Postmeister. Stephan.

Tagesscha«.

— Bekanntmachung auf Grund der ReichsgesetzeS vom 21. Oktbr. 1878. Nach dem „R. u. St.-A." Nr. 78 wurde unterm 31. März verfügt: daß die durch Bekanntmachung des Reichskanzleramts vom 17. Januar d. I. vom kommunistischen Arbeiterbildungsverein in London herausgegebene periodische Druckschrift: „Freiheit" sich auch auf die­jenigen Nummern dieses Blattes erstreckt, welche unter der Aufschrift „Forckenbeck" zur Ausgabe gelangen.

— Berlin, 1. April Se. Majestät der Kaiser und König nah­men heute militärische Meldungen sowie die Rapporte der Leibregimen« 1er entgegen und empfingen demnächst den Ches der Admiralität, Staats« Minister v. Stosch, und den General-Major von Albedyll zum Bor- trage. Mittags machten Se. Majestät im offenen Wagen eine Spazier­fahrt. (R. u. St-A.)

— Berlin, 1. April. (Reichstag.) Im weiteren Verlaufe der gestrigen Sitzung trat der Reichstag in die erste Berathung des vom Abg Reichensperger (Olpe) vorgelegten Gesetzentwurfs, betreffend den Zinsfuß und die Wechselfähigkeit, und des von den Abgg. von Kleist» Retzow, Freiherrn von Marschall und Gen. vorgelegten Gesetzentwurfs, den Wucher betreffend, ein.

Die Anträge wurden fast einstimmig einer Kommission von 21 Mit gliedern über wiesen, worauf sich das Haus um 51/« Uhr vertagte.

In der heutigen Sitzung theilte der Präsident mit, daß die Kom­mission zur Vorberathung des Gesetzentwurfs, das Faustpfands cht betr., gewählt sei und sich wie folgt koustituirt habe: Abgg. von Fvicade de Biaix (Vors.), von Levetzow (Stelln.), Büsing, von Lenthe (Schnftf.).

Darauf motioirte der Abg. Witte (Rostock) seine Interpellation, welche lautet:

„Beabsichtigt die Reichsregierung in entsprechender Weise, wie dies Seitens der österreichischen, französischen, englischen und anderen Re­gierungen geschieht die zur Sicherung des auswärtigen Marktes wün- schenswe-the Betheiligung deutscher Industrie an den für dieses Jahr in Sydney und für künftiges Jahr in Melbourne in Australien pro- jektirten Ausstellungen durch Abordnung eines deutschen Kommissars oder auf sonst geeignete Weise zu unterstützen?"

Der Inte pellont wies auf die große kommerzielle und kulturge­schichtliche Bed-utung der genannten Ausstellungen hin, auf die rege Be­theiligung anderer Kulturstaaten an denselben und demzufolge auf die Nothwendigkeit einer würdigen Repräsentation der deutschen Industrie daselbst

Der Präsident des Reichskanzler-Amts hob in der Beantwortung der Interpellation h-ivor, daß bei allem Interesse der Reichsregierung für die deutsche Exportindustrie dieselbe doch vorsichtig sein müsse, daß sie nicht voreilig dem Reiche und den Privaten Kosten aufbürde, die in keinem Verhältniß zu dem dadurch erzielten Nutzen sühen. Sei eine würdige Beschickung der Ausstellung vorauszusehen, so werde dieReichs- regietung eine entfp-echende Vorlage machen. Diese Ermittelungen seien aber noch nicht zum Abschluß gelangt.

Damit war dieser Gegenstand erledigt. Es folgte die zweite Be­rathung des Gesetzentwurfs, betr. den Verkehr mit Nahrungsmitteln, Genußmitteln uns Gebrauchsgegenständen. (R. u. St.-A.)

— Berlin, 1. April. Das Etatsgesetz fürs Reich vom 30. März und das für Elsaß-Lothringen vom 31. März sind im „R- u. Staats-Anz." Nr. 78 erschienen und sofort wirksam.

— Berlin, 1. April. Seit einigen Tagen werden auf dem hie­sigen Haupt-Telegraphenamt nach Verabredung mit der französischen und belgischen Telrgraphcnverwaltung Versuche gemacht, zur direkten Korre­spondenz mit Paris und Brüssel auch die unterirdischen Leitungen zu verwenden. In Straßburg und in Köln, wo die unterirdischen, von Berlin ausgehenden Leitung-n, vorläufig endigen, sind dieselben mit den oberirdischen Leitungen Straßburg>Paris und Köln-Brüssel in direkte Verbindung gesetzt. Die Ergebnisse der bisherigen Versuche berechtigen zu der bestimmten Erwartung, daß auch hierbei die Vorzüge der unter­irdischen Linien rücksichtlich einer stets gesicherten Verbindung unzweifel­haft sich geltend machen werden.

— Der Borgtzende der Tarifcommifsion, Frhr. von Varnbüler, wird sich nach erfolgtem Abschluß der Arbeiten zur Kur nach Eartsbad begeben, um sich von den „Strapa.en" der letzten Monate zu erholen.

— Werden. Unsere größeren Luch Etablissements — schreibt man der „Ess. Volks-Ztg." — arbeiten wieder volle Lage bei fast

vollständiger Benutzung der vorhandenen Werke. Wie wir hören, beab« sichtigt die Forstmann und Huffmann'sche Firma im Laufe des Som­mers zur Unterbringung neuer Maschinen urch Um- und Neubauten auszu'ühren, die i heilweise durch die dort in den letzten Jahren vor­herrschend gewordene Fabrikation von Mvdewaaren (gegenüber der früher beliebten glatten Waare) bedingt worden sein mag. Hoffentlich wird der Aufschwung ein anhaltender sein.

— Wien, 31. März. Die „Polit. Korresp." meldet aus Kon« stantinrpel vom 30. d.: Die internationale Kommission in Philippopel hat die Berathung des Statuts für das Fürstenthum Bulgarien been­digt und wird sich behufs Revision desselben nach Konstantinopel bege­ben. — Der griech sche Gesandte Condouriotis ist von seiner Regierung noch Athen berufen worden.

— Paris, 31. März. Wie verlautet, hat der Kriegsminister an die Corpscommandanten ein Rundschreiben gesandt, worin er sie auf» sordert, die in contumaciam verurtheilien Aufständischen, die gezwungener Weise ihre Militärpflichten nicht erfüllten, nach ihrer Rück ehr nach Franlnich nicht zu verfolgen, sondern sie nach ihrem Alter in die Armeerollen einzuschreiben.

— London, 1. April. (Köln. Ztg) Die Staatseinnahmen betrugen 83,115,972 ß.; veranschlagt waren 83,230,000 ß. — Layard kehrt der Levant Times zufolge am 18. April nach Konstantinopel zu­rück — Daily News meldet aus P ters-urg, daß gen ern nach dem Kaukasus Befehl ergangen sei, sämmtliche Vorbereitungen zur Expedition gegen Merv einstweilen einzustellen.

— Trieft, 1. April Der Lloyddawpfer „Achilles" ist gestern mit der ostindrscben Ueberlandpost aus Älexandien hier eingetroffen.

— New-Aork, 31. März. Der Dampfer des Norddeutschen Llehd „Donau" ist hier angekommen.

Lokales.

Hauuzr, 2. April 18W.

Geflügel-Ausstellung in Hanau.

Eifrige Hände sind zur Zeit beschäftigt durch Ausnehmen der Stände und Aufbauen eines Podiums den Marstall (nicht die Reitbahn, wie anfänglich beabsichtigt war) den Zwecken unserer Geflügelausstellung entsprechend herzurichten. Das hierzu nöthige Material in Holz hat Herr Zimmermeister Franz in dankenswerther Weise unentgeltlich leihweise überlassen. — Wenn die Beschickung unserer Bus-stellung schon in quantitativer Beziehung manchen älteren derartigen Unternehmungen sich gleichstellen kann, so darf sie dasselbe qualitativ ganz gewiß. — Bis jetzt sind nur von auswärts angemeldet außer Pfauen, Trut­hühnern, Gänsen, Enten, Sing- und Schmuckoögeln 57 Stämme Hühner und 149 Paar Tauben; Käfige hat der Verein angeschafft 84 für Hühner und 168 für Tauben. — Ein erwähltes Lekarationskomitä wird dafür sorgen, daß der Marstall, welcher schon zu so verschiedenen Gelegenheiten gute Dienste geleistet hat, sowohl in seinen inneren Räu­men als von außen entsprechende Verzierungen erhält, und von den Bewihnern der Schloßstratze, die sich auch stets hierzu bereit zeigten, dürfen wir sicher erwarten, daß sie durch Beflaggen ihrer Häuser den Eindruck der bevorstehenden Festlichkeit erhöhen.

— iControlversammlung) Donnerstag den 3. April: 4. Bezirks - Compagnie Vormittags 10 Uhr in Langenselbold; 5. Bezirks« Compagnie Vormittags 11 Uhr in Windecken.

— Auf ihren Wunsch sind seit gestern zwei Beamten in Ruhe­stand getreten, welche lange Zeit in unserer Stadt gewirkt: Herr Gym- nasial-Oberlehrer Dr. Reinhard Suchier, seit 33 Jahren Lehrer des hiesigen Gymnasiums und Herr Oberbürgermeister Cassian, welcher seit 25 Jahren diese Stelle bekleidete.

— Die Stimm- bezw. Einlaßkarten zu der Samstag den 5. April, Abends 7 Uhr in den unteren Lokalitäten des Bürgervereins stattha- benden ordentlichen Generalversammlung der Actien-Gesellschaft Bürger­verein kommen morgen Abend von 5 bis 8 Uhr int rothen Saale des Vereiuslokals gegen Vorzeigung der Actien zur Ausgabe.

— Gestern erstattete die hierzu erwählte Commission dem Gesammt« Ausschusse Bericht in der Oberbürgermeisterfrage; die Wahl des Ober­hauptes unserer Stadt wird nächsten Montag statthaben.

— Gestern traten vier Einjährig-Freiwillige in unser Bataillon ein.

— Morgen Vormittag von 9'/- Uhr ab findet vor dem Regiments« Commandeur Compagnie-Vorstellung statt.

— Bevor Herr Berthold, der seit mehreren Jahren unserer Bühne augehört, vonHarau scheidet, hat er noch und zwar für nächsten Freitag Abend im Saale zur „großen Krone" eine Unterhaltung ver« anstaltet, zu welcher ein ganz ausgezeichnetes Programm ausgestellt t)t; ein voller Saal wird Herrn Berthold zeigen, wie er hrer eine be­liebte 4 er önlichkeit gewesen und allgemeine Achtung genoß, was letzte­res auch schon daraus zu ersehen, daß zu der beredten Abendunte:Haltung verschiedene hiesige Dilletanten mit größter Bereitwilligkeit ihre Mit­wirkung zugefagt haben.