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Nr. 77.
Dienstag den 1. April
1879.
Amtlicher.
Die Ortsvorstände in
Oberrodenbach, Dörnigheim, Hochstadt, Keffelstadt, Ober- issigheim, Roßdorf, Rüdigheim, Wachenbuchen, Bergen, Bischofsheim, Gronau, Seckbach, Eckenheim, Ginnheim, Hüttengefäß, Langendiebach, Rückingen, Marköbel, Ostheim und Windecken
werden an Erledigung meiner Verfügung vom 1. d. M. im Hanauer Anzeiger Nr. 54 — betreffend die Aufnahme von Personen zu Orts- bürgern, welche noch nicht in den Preußischen Unterthanen-Verband getreten sind — erinnert.
Hanau am 26. März 1879.
Der Landrath.
Rundschau.
R. F. Obwohl der Kaiser von dem plötzlichen Hinscheiden seines elfjährigen Enkels Prinz Waldemar, der am Morgen des 27. März von der tückischen Diphteritiskrankheit dahingerafft wurde, tief ergriffen ist, so hat der Trauerfall das Befinden des Monarchen doch nicht beeinträchtigt und die Besserung der Gesundheit des Kaisers hat erneute Fortschritte gemacht. Derselbe empfing wiederholt das wegen des Verlustes ihres drittgeborenen Sohnes tiestrauernde krcnprinziiche Paar, sowie auch mehrere wegen des Todesfalls in Berlin angekommene Prinzen, Am Sonnabend hatte auch der Feldmarschall Freiherr v. Manteuffel eine längere Audienz beim Kaiser und glaubt man aus diesem Umstände schließen zu müssen, daß der Freiherr v Wanteuffel nicht nur zum Statthalter von E.saß-Lothringen auseriehen sei, sondern den Vertrauensposten auch annehmen werde, wiewohl er in Hinblick auf sein hohes Alter anfänglich denselben ablehnen zu müssen glaubte. Ferner empfing auch d.r Kaiser in den letzten Tagen einige Male den Reichskanzler zum Vortrage.
Die feierliche Beisetzung der Leiche des Prinzen Waldemar fand am Sonnabend gegen Mittag in der Friedenskirche zu Potsdam statt, wie es der Kronprinz ausdrücklich bestimmt hatte. Vor der Feierlichkeit hatten sich in der Kirche eingefunden die Prinzen Albrecht, Georg, Alexander und Wi Helm von Preußen, Prinz August von Württemberg, Prinz Friedrich von Hohenzollern, zwei Prinzen von Anhalt, der Kriegsminister v. Kameke, die General^eldmarschälle v. Moltke und v. Man- teuffel und eine Anzahl Deputationen der Hofchargen und des Officier- korps. Beim Beginn der Feierlichkeit erschienen dann in tiefster Trauer die Kaiserin, der Kronprinz, der Großherzog und die Großherzogin von Baden, der Prinz und die Prinzessin Friedrich Karl und die übrigen nächsten Anverwandten des verstorbenen Prinzen Waldemar. Nach dem Tauergottesdienste erschien auch die Kronprinzessin, die schwerbetrübte Mutter des dahingeschi. denen Prinzen, geleitet von ihrem Gemahl, um am Sarge des theueren Todten noch ein Gebet zu verrichten. Kein Auge der in der Kirche Anwesenden blieb bei diesem Anblick thränenleer. Nach Beendigung des Trauergottesdienstes wurde der Sarg von zwölf GardeuNterosficieren nach der Sigismundkapelle getragen, wo er neben dem Prinzen Sigismund beigesetzt wurde.
Der Bundesrath hielt am Sonnabend eine Plenarsitzung ab, in welcher der Reichs anz er Fürst Bismarck den Vorsitz führte. Den wichtigsten Gegenstand der Tagesordnung bildete die Vesch uß-assung des wenige Tage vorher vom Reichskancker gestellten Antrages üaer die einheitliche Regelung des Gütertarifwesens auf den deutschen Eisenbahnen. Fürst Bismarck hielt eine längere eingehende Rede über den Gegenstand und erläuterte vor allen Dingen seine durch die Reichsgesetzgeung. für das Eisenbahnwesen angestrebten Ziele, nach welchen dasselbe mehr als bisher den dentichen Handelsinteressen dienstbar gemacht werden solle. Schließlich beantragte der Reichskanzler eine Specialverathung des Gegenstandes durch technische -Lachoer^ändige, doch sprachen sich dagegen zumal die Bundesstaaten Bayern, Sachsen und Württemberg aus und ist es wahrscheinlich, daß man eine Commission zur Berathung des Eisenbahntari,wesens wählen wird, die zur Hälfte aus Bundesraths
mitgliedern und^zuEHälkteEaus Technikern bestehen wird. — In Betreff der Tabokssteuer haben die Bundesrathsausschüsse für Zölle und Steuern das von Preußen gewünschte System der Licenzsteuer verworfen und eine Art Gewerbesteuer für das Tabaksgeschäft beschlossen.
Der Reichstag hat in der Hauptsache seine Arbeiten, die er überhaupt bis zu den am 1. oder 5. April beginnenden Osterserien beendigen sollte, fertig gestellt. Die dritte Lesung des Etats fand schon am Freitag statt, in welcher nur die Generaldiskussion durch Einflechtung einiger Hindeutungen auf die bevorstehende Zoll- und Steuerreform, wie es die Abgg. Bamberger und Richter thaten, einiges Interesse gewann. Der Abg. Hänel versuchte beim Marinee^at nochmals Aufschluß vom Marineminister v. Stosch über die Resultate des Kriegsgerichts in Sachen des „Großen Kurfürst" zu erlangen, doch lehnte Herr v. Stosch die Auskunft ab, da er in kriegsgerichtlichen Angelegenheiten keine Com- petenz besäße. Schließlich wurde der ge'ammte Etat nach den Abstimmungen der zweiten Berathung genehmigt. Bei der fortgesetzten Debatte über den Antrag der Elsäßer, den Reichslanden eine größere Selbst- ständigkeit in der Regierung zu geben, zeigten sowohl alle Parteien des Reichstages, sowie auch der Reichskanzler Fürst Bismarck große Theilnahme für Elsaß Lothringen. Der Antrag wurde mit fast einstimmiger Mehrheit angenommen und noch in der gegenwärtigen Reichstagssession wird die Reichs regierung eine Vorlage im Reichstage über die weitere Gestaltung der Dinge in Elsaß-Lothringen einbringen. Außerdem beschädigte sich der Reichstag noch mit den Vorlogen über Revision des Fausipsandrechts und die Wechselstempelsteuer und berieth am Montage die Anträge über die Wuchersrage.
Der Reichskanzler Fürst Bismarck begeht am 1. April seinen 62. Geburtstag, zu welchem wohl alle Freunde des deutschen Reiches dem großen Staatsmanne ihre aufrichtigen Glückwünsche, wenn auch nicht in Wort und Schrift, so doch im Herzen darbringen werden.
Aus Wien wird gemeldet, daß das Herrenhaus den Gesetzentwurf, betreffend die Ausgabe der 100 Millionen Geldrente, angenommen hat. — Das Abgeordnetenhaus in Pesth nahm in namentlicher Abstimmung den Gesetzentwurf betreffs der Jnarticulirung des Berliner Vertrages mit 208 gegen 154 Stimmen an. Das Unglück Szegedin's beschäftigt noch immer alle Gemüther in Ungarn. Aus der ganzen Monarchie wie dem Auslande laufen reichliche Gaben zur Linderung der Noth ein.
Die italienische Deputirtenkammer beendigte in letzter Woche die Generaldebatte über das Einnahmebudget. Der Finanzminister erklärte, das Budget weise einen Ucberschuß von 41 Millionen auf, von welchem nach Abzug der nicht einzubringenden Summen und der neuen Ausgabe 14,600,000 Livres zur Verfügung bleiben werden.
Das französische Ministerium ist, wie sich aus den Kammerreden der Minister Waddingten, Lion, Say, Leroyer und Freycinet erhob, auch ganz mit dem Wunsche der Kammern einverstanden, die Exekutiv- regierung und die Kammern von Versailles nach Paris zurückzuverlegen. Die französischen Kammern werden in Folge dessen in nächster Zeit zum (Sorgt effe zusammentreten und die Art und Weise, sowie den Zeitpunkt ihrer Rückkehr nach Paris berathen.
Das öffentliche Interesse in Rußland wird ausschließlich in Anspruch genommen durch die Gefahren, welche dem Staate von der Partei der Nihilisten drohen, und durch die Maßregeln, welche die Regierung dagegen zu ergreifen gedenkt. Amtliche Blätter behaupten, daß der Czar vor seiner Abreise zum Sommeraufenthalt aus Petersburg den Belagerungszustand über die Städte Charkow, Kiew, Odessa, Moskau und Petersburg verhängen werde. — Der kürzlich aus dem Pestbezirke Wetljanka gemeldete Pestfall hat sich glücklicherweise als sehr wenig gefährlich erwiesen, da die Krankheit in nur ganz geringem Grade aufgetreten ist; dennoch bleibt die Quarantäne aufrecht erhalten.
Lm Unterhause zu London wurde die durch das der englischen Regierung von Dicke entgegengebrachte Tadelsvovtum, wegen des Zulukrieges, hervorgerufene Devatte fortgesetzt und im Verlaufe beriethen Chelmsford und Bartle-Fröre von Peel stark angegriffen. Die beiden Gouverneure in Afrika fanden jedoch warme Vertheidigung durch Stanley, den Staatssekretär des Kriegs.