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hanauer Ammer.

Zuzleich Amtlichss Organ für Kreis «»d Stadt Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, Md Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenj.

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Nr. 74.

Freitag den 28. März

187 9.

Rundscha«.

R. F. In einem Schreiben an den Reichskanzler, welches sofert im Reichsanzeiger veröffentlicht wurde, spricht der Kaiser Wi Helm sei­nen Dank für die zahlreichen Beweise der Liebe und Anhänglichkeit, die ihm an seinem Geburtskeste aus allen Kreisen der Nation zu Theil wurden, aus. — Das Unwohlsein des Kaisers ist erfreulicher Weise fast gänzlich gehoben Der greise Monarch nahm nicht nur die laufenden Vorträge entgegen, sondern er war auch im Stande, in den letzten Tagen die zu seiner Geburtsleier nach Berlin gekommenen fremden Fürstlichkeiten zur A'schiedsaudienz zu empfangen. Erwähnt sei nur, daß der Kaiser zur Schonung seiner Kräfte auf keinem zu seiner Ge- burtsfeier Veranstaltern Feste erschienen war, und lag es in diesem Falle außer der Kaiserin hauptsächlich dem Kronprinzen und der Kron­prinzessin ob, den Kaiser bei den H^ hen Gästen zu vertreten. Am Ge­burtstage des Kaisers sind auch von allen regierenden Fürsten und Re­genten Europas Gratulationstelegramme in Berlin eingelaufen und waren diejenigen der Kaiser von Rußland und Oesterreich und der Kö nigin von England in beienders zärtlichen Ausdrücken abgefaßt. Auch erfahren wir, daß die Deutschen im Auslande, zumal in Betersburg, Paris, London und R m, den Geburtstag des Kaisers Wilhelm durch entsprechende Feier ich'eiten begangen haben.

Im Reichstage nahmen die Etatsberathungen in dieser Woche einen sehr raschen Fortgang Einige Schwierigkeiten verursachte die Position von l,800,(00 W. für neue unterirdische Telegraphenbauten, dreh wurde auch diese Summe nach den eindringlichen Vorstellungen des Generalp istmeisters Stephan in Bezug auf die Wichtigkeit der unter­irdischen Te egraphen schließlich genehmigt. Bei der darauffolgenden Berathung des Reichsjusti etats fairen auch die Gehälter derD-itgieder des in Leipug zu errichtenden Reichsgericht zur Sprache, wrbei den Reichsgerichtsräthen im abseitigen Einverständniß noch eine Gehaltszu­lage bewilligt wurde. Bei die er Berathung zog man auch die Wi h- nungsverhöltnisse Leipzigs in Hinblick aus die nach dieser Stadt über­siedelnden Reichsgerichtsräche in die Debatte und wollte der Abg Bär gesunden haben, daß Leipzig für die Reichsgerichtsräthe seine genügen­den Wohnungen habe, dem gegenüber aber konstatirt werden kann, daß man in Leipzip stets recht viel hübsche und große Wohnungen empfangen kann, wenn man eine Jahresmiethe vcn 1500— 3(00 M. zahlt. Die zweite Berathung des Etats wurde im Reichstage überhaupt am Mitt­woch Atend erledigt und für d e folgende Sitzung die Fortsetzung der Debatte über die Veränderung der Verwaltungsorganisation in Ellaß- Lothringen angesetzt, wobei wir bemerken, daß der Eeneralseldmarschall V Manteuffel zum künstigen Statthalter von Elsaß-Lothringen in Aus­sicht genommen ist.

Die Protokolle der Enqueten über Eisen- und über die Textil­industrie werden nunmehr an die Reichstagsabgeordneten vertheilt wer­den. Es wird damit einem öfter und dringend seit Wichen im Reichs­tag erhobenen Wunsche entsprechen. Gegenüber den vielfach verbreiteten Behauptungen üoer den Schluß der Arbeiten der Tarifen mmissirn be­richtet man, daß die zweite Berathung und die Feststellung des Berichts erst diese Woche beendigt werden wird. Auch soll die Absicht bestehen, die Tabalspemrvorlage gleich eilig mit der Zollvorlage, beide natürlich erst nach Ostern in den Reichstag zu bringen.

Die engere Jreundscha't Deutschlands scheint zur Zeit vcn dem Königreiche Griechen!and gesucht zu werden, denn der griechische Gene- ralconsul in Verein hat den wichtigen 81mtrag von seiner Regierung erhalten, einen direkten Handelsverkehr zwi chen Deutsch'and und Grie­chenland anzubahnen. Bis jetzt ging nämlich der deutsche Handel mit Griechenland hauptsächlich über England, dich soll es nunmehr dahin gebracht werden, daß deutsche Schiffe direkt mit den griechischen Han­delsplätzen Athen und Patras in Verkehr treten.

In Trieft, wo bekanntlich lange Jahre hindurch die italienischen Gesinnungen die österreichischen Überwegen, hat die österreichische Sache uun doch einen Sieg errungen, denn lei den letzten Siade vert rdneten- Wahlen in Triest erhielten nicht die Italiener, sondern die Oesterreicher die Mehrheit. — In Ungarn beschäftigt man sich zur Zeit lebhaft mit

dem Plane einer Wiederaufbauung der durch die Wasserfluthen der Theiß zerstörten Stadt Sregedin und werden viele Stimmen laut, daß man die Stadt nicht wieder in der Flußniederung, sondern an einer höher gelegenen Stelle aufbauen möge. Da der Awbau der Stadt in erster Linie aus Staatsmitteln zu geschehen hat, so wird jedenfalls der ungarische Reichstag die Wiederaufbauungskrage Szegedin's demnächst entscheiden. — Der ungarische Finan minister hat auch den unglücklichen Einwohnern Szegedin's die Staotshülfe bereits sicher zugesagt.

Die Franzosen wollen Paris, welches seit dem Communeaufskande regierungseitig etwas in Ungnade gefallen war, wieder zur v llnändigen Haupstadt ihres Landes machen. Die konstituirende französische Natio­nalversammlung hatte im Jahre 1871 bestimmt, daß der Sitz der Exe­kutivgewalt und der beiden Kammern in Versailles ist. In der fran­zösischen Teputirtenkammer ist nun mit 330 gegen 131 Stimmen ein Antrag auf Revefirn des betreffenden Verfassungsparagrophen angenom­men worden, was nichts anders bedeutet, als daß die Kammern wieder nach Paris zurückverlegt werden sollen. Da für diesen Antrag jeden­falls auch der französische Senat stimmen wird, so kann es keinem Zwei­fel unterliegen, daß die nächste Herbstsaison der französi chen Kammern in Paris stattfinden wird.

Aus Rußland ist in dieser Woche wieder die betrübende Nach­richt eingelaufen, daß in dem Torfe Wetljanka im Gouvernement Astrachan ein neuer Pestfall vorgekommen ist. Der dort bestndliche deutsche Professor Hirsch hat diese Me-dung selbst nach Berlin gelangen lassen Es tritt darauf auf'S Neue an die russische Regierung die Mahnung heran, die heimtückische Epidemie mit ihren Wurmen auszu- rvttcn. — Der neulich gemeldete Rihilistenfang in Rußland ist, wie man nunmehr aus Petersburger Nachrichten erfährt, n cht so günstig für die russische Regierung gewesen, als es anfangs schien. . Der In­haber einer Geheimdruckerei Namens Eichstedt und noch einige seiner Genessen hat man Allerdings dingfest gemacht, doch wenn man glaubte, das ganze Nest der Nihilisten bei dieser Gelegenheit aufheben zu können, so hätte man sich doch getäuscht, denn man fand bei Eichstedt nicht ein einziges Schriftstück, welches auch andere Nihilisten kvmpromittirte, und die Nihilisten schleudern zur Zeit mehr denn früher ihre Drohungen gegen die russische Regierung. Ja, sie haben ihre Drohungen bereits zur That gemacht, denn am 25. März wurde in Petersburg von einem unbekannten Reiter auf den Polizeichef General Drentelen geschossen. Glücklicherweise ging der Schuß fehl, d^r Mörder wurde aber nicht erwischt.

In der bulgarischen Frage hat die Türkei jetzt auch einen Protest erhoben. TieMe will näm ich die Artikel 16 bis 22 der bulgarischen Verfassung nicht an erkennen, dcch wird dieser türkische Protest gar keine Wirkung haben, weil er kein Recht hat, da die Verfassung Bulgariens nicht der Billigung der Türkei, sondern derjenigen der Großmächte unterliegt, welche dieselbe gewährt haben. Schlimmer sieht es da schon in der türkisch-griechischen Frage aus, da thatsächlich die beiderseitigen Bevollmächtigten zurückberufen wurden.

England hat in Südafrika zu seinem Kampfe gegen die Zulukaf- fern ncch einen Krieg gegen einen anderen fehr kriegerischen Völker­stamm erhalten. D>e Bajutos, welche längere Zeit mit den Engländern in Freundschaft lebten und deren Gebiet sogar als ein englisches Terri­torium betrachtet wurde, haben sich mit ihrem Häuptlinge Warosi eben­falls gegen die Engländer erhoben. Bei dem Mangel an irgend welchen Siegen über die tapferen Zulus und der Aussicht, auch noch von den kriegen chen Basutcs angegriffen zu werden, dürften die Engländer um ihre Colonien wohl nun einige Angst empfinden.

In Spanien, wo neulich die Ccrtes aufgelöst wurden, hat sich ein ziemlich heftiger Wahlkampf entsponnen. Der alte Republikaner Eastelar hat ein Manifest veröffentlicht, das den 103 Deputirten, welche im Lahre 1869 den Cortes angehörten, mitunterzeichnet ist. Dasselbe wendet sich an die demokratischen Wähler und fordert dieselben auf, sich rege tei den Wahlen zu betheiligen und auf die Wiedereinführung der Eonsutution vrm Jahre 1869 mit allen Freiheiten derselben hinznwirken.