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finnauer Anzeiger.

Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial-Eorrespondenz.

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10 M.

Nr Lspalt. 8«te 20 Pfg.

«teSfpaltigeSette 80 Pt-.

Nr. 70.

Montag den 24. März

1879.

Amtliches.

Gefunden: Eine Pelzkappe. Eine Kaputze von Regenmantel­stoff.

Zugelaufen: Ein gelb scheckiger Seidenpinschen, m. Geschl.

Hanau am 24. März 1879.

__________________Aus Königlichem Landrathsamt.

Tagesschau.

Berlin, 22. März. Se. Majestät der Kaiser und König nahmen heute Vormittag um H'/a Uhr die Glückwünsche des nächsten Gefolges und um 12 Uhr die der Königlichen Familie, sowie der fremden Hohen Fürstlichen Personen entgegen. Mittags um 1 Uhr empfingen Se. Majestät den Feldmarschall Grafen von Moltke, der Allerhöchstdem- selben die Glück- und Segenswünsche der Armee zu Füßen legen durste, und um 1V2 Uhr den Reichskanzler Fürsten von Bismarck.

Zum gestrigen Geburtstage sind unserem Kaiser von fast allen gekrönten und sonstigen regierenden Häuptern telegraphisch die herzlich- sten Gratulationen angegangen, -u deren sofortiger Beantwortung nicht geringe Zeit erforderlich war. Die Glückwünsche des Czaren, des Kai­sers Franz Joseph, des Kronprimen Rudolf und der Königin Victoria sollen ganz besonders innig gewesen sein. (D. Mont. Ll.)

Berlin, 22. März. (Reichstag.) Im weiteren Verlaufe der gestrigen (24.) Sitzung setzte der Reichstag die Berathung des Antrages der Abgeordneten von Seydewitz, von Helldorff-Bebra und Ackermann, be­treffend die Abänderung der Gewerbeordnung, fort.

Nach Beendigung der längeren Diskussion wurde der Antrag darauf an eine Kommission von 21 Mitgliedern verwiesen.

Es folgte die Berathung des folgenden Antrages der Abg.s Schnee­gans, North, Dr. Rack und Lorette:

den Reichskanzler zu ersuchen, darauf hinzuwirken, daß Elsaß-Lothrin­gen eine selbstständige, im Lande befindliche Regierung erhalte."

Berlin, 22. D ärz. Nach der Boss. Zeitung hat der Reichs­kanzler vor wenigen Tagen Veranlastung genommen, einigen Abgeord­neten gegenüber sich dahin aus »sprechen, daß er an keine Änderung der deutschen Büwpolitik denke und mit dem neulich von der Nordd. Allg. Ztg. veröffentlichten Artikel wegen der Münzrest rm nichts gemein habe. Der Reichskanzler hat bei Besprechung seiner Zollpolitik den Abgeord­neten zu verstehen gegeben, wie tr mit Hüffe der liberalen Abgeordneten, vornehmlich des Herrn v Bennigsen, ein Compromiß bei seinem Stener- und Zollprogramm durchrusttzen hoffe Fürst Bismarck bemerkte wieder­holt, daß er, wenn auch grundsätzlich am seinem Programm bestehend, in einzelnen Theilen mit sich handeln lassen werde.

Se. Majestät der König haben Allergnädigst geruht: dem Ge­neral-Feldmarschall Grafen von Moltke, Chef des Generalstabes der Ar­mee, das Großkreuz des Ordens pour le mörite zu verleihen; sowie den seitherigen General-Konsul in Bukarest, Legationsrath und Kammerherrn von Alvensleben zu Allerhöchstihrem außerordentlichen Gesandten und be­vollmächtigten Minister am Großherzoglich hessischen Hofe zu ernennen.

Der Herr Eeneralpostmeister Stephan steht mit der großen | Hamburger Rhederei, welche den deutschen Postdienst von Hamburg nach New-Aork und Westindien vermittelt, in Verhandlung wegen Ausdeh­nung der Fahrten nach dem Golf von Mexiko. Da der Export nach diesen Gegenden allerdings recht erheblich, der Import von dort dage­gen noch in seiner Kindheit ist, so hat die betreffende Gesellschaft für ein Eingehen auf diesen Vor chlag des Herrn Stephan eine Anzahl Be­dingungen gestellt, die jedoch bereitwilliges Entgegenkommen bei dem Herrn Eeneralpostmeister gebunden haben. Es handelt sich dabei um eine der Gesellschaft zu gewährende Remuneration. Die diesbezüglichen Verhandlungen sind nahezu perfekt, fo daß es nur nrch einer Rück- äußerung der mexikanischen Regierung, mit welcher der GeneralpostMei­ster sich deswegen schon in Vertindui g gefetzt hat, bedarf, um die Sache zum Abschluß zu bringen In diesem Falle wird die neue Ausdehnung der Linie bereits im Anschluß an das am 7. Mai abgehende Dampf­schiff von Sr. 3h mas aus ins Leben treten. (Berl. Tagebl.)

Die durch eine Reihe von Zeitungen verbreitete Nachricht, Welche wissen will, daß dem Abg. v. Bennigsen der Posten eines Ea-

binelsministers des Herzogs von Coburg Gotha angeboten worden,? ist völlig grundlos und jedenfalls aus dem Umstände, daß der Herzog bei seiner kürzlichen Anwesenheit in Berlin Herrn v. Bennigsen empfangen und ihm das Großkreuz seines Hausordens verliehen hat, entstanden. Es ist von weiteren Angeboten und dergleichen auch nicht entfernt die Rede gewesen. g

Ueber die bereits gemeldete Hastentlassung des Sozialisten- führers Tölcke aus dem Gefängniß in Dortmund schreibt die Dortm. Z.: Am vergangenen Mittwoch wurde der Volksanwalt Tölcke, der Ende Sanitär behufs Verküßung einer längeren Geföngnißstrale verhaftet wurde, aus dem hiesigen Kreisgefängnisse weg-n Krankheit wieder ent» lassen. Tölcke ist schon seit längerer Zeit leidend und es war ihm da­her verstattet worden, daß er das Essen von seiner Familie ungeschickt erhielt. In den letzten Tagen feiner Hast war er jedoch schon so krank, daß er selbst dies extra für ihn zubereitete Essen nicht mehr zu sich nehmen konnte, und die Gefangenenverwaltung zögerte daher nicht län­ger, ihn vorläufig zu entlassen. Seine Familie soll für ihn das Schlimmste befürchten.

München, 20. März. Heute gegen Morgen starb hier Professor Johannes Huber, Führer der Altkatholiken, im 49. Lebens­jahr am Herzschlag Der verewigte verdienstvolle Gelehrte hinterläßt eine Frau und drei Kinder, zwei Töchter und einen Sohn. Seine kirchliche und philosophische Stellung ist bekannt, in den wirthschafts- und gesellschaftspolitischen Fragen der Gegenwart war er ausgesprochener Staatssozilliin und hat diese Ansicht schon 1864 in einer Schrift Der Prrletariar, wie im verwichenen Winter in einer Reihe sehr interessanter historisch s-z'a'er Studien in der Allg. Ztg. dargelegt.

Bern, 20. März. Die f- rmelle Verhandlung über Wieder- Zulassung der Todesstrafe endigte schon gestern im Bundesrathe damit, daß wider alle Erwartung mit 25 gegen 16 Stimmen der Antrag der Krmmission, die Berathung zu verschieben und die Frage behufs wei­terer Untersuchungen an den Bundesrath zurückzustellen, avgelehnt wurde. Dieser Besch beweist, daß die Freunde der Todesstrafe im Bundes­rathe die Mehrheit haben und daß die heute beginnende Berathungen über das Materielle der Freuler'schen Motion mit der Annahme der­selben in irgend einer geänderten Form schließen wird. Der Nationäl- rath wird wicht oder übel einem Beschlusse des Ständeraths in diesem Sinne zustimmen müssen, um zu verhindern, daß nicht noch mehr neue Revisionsfragen gestellt werden und so die neue schweiz. Verfassung nach kurzer Zeit wieder rückwärts residirt werde, wie man hier zu sagen pflegt. Derartige weitergehende Revisionsgelüste zeigten sich gestern schon im Nationalrathe, indem anläßlich der Re urse zweier St. Galler Banten wegen Banknotenbesteuerung durch die heimische Regierung An­träge fielen anf Erlaß eines neuen eidgen. Banknotengefetzes und auf gänzliche Streichung des Art. 39 der Verfassung und aussch ießliche Uebertragung der Banknotenausgabe an den Bund. Der Rath verhielt sich aber allen diesen Anträgen gegenüber ablehnend und begründete diese Haltung mit den Schwierigkeiten der politischen Lage. (Schw. Merk.)

Zürich, 21. März. Das hiesige Schwurgericht verurtheilte den aus Bayern ausgewiesenen Sozialdemokraten Memminger wegen Bereumdung mehrerer Jrrenhausärzte durch die Presse zu 6 Monaten Gefängniß, 10(0 Frcs Geldbuße, 5 Jahre Landesverweisung, Zahlung einer Entschädigungssumme von 17C0 Frcs. an die Kläger und in die Kosten.

London, 22. März. (Köln. Ztg.) Dre meisten Morgen­blätter feiern den Geburtstag des Deutschen Kaisers mit sympathischen Artikeln. Die Times sagt, Kaiser Wilhelm sei auf dem hohen Platze, wohin ihn das Geschick gestellt, den nationalen Bestrebungen kühn ge­folgt und habe gehandelt, wie es einem Kaiser gezieme. Das Urtheil des deutschen Volkes könne nur lauten, der Kaiser Wilhelm habe ein eben so großes Werk wie der berühmteste seiner Anherren vollbracht. Aus den heute veröffentlichten Schriftstücken über den Zulukrieg geht hervor, daß die Regierung Sir Bartle Frere's Kriegsgründe als unzu­reichend befunden hat, so wie daß Sir Bartle Frere sowohl wie Lord Chelms'ord um ihre Entlastung eingek-mmen sind. Du Erklärungen der Regierung ihren beiden höchsten Beamten am Cop gegenüber sind höflich, aber entschieden; doch werd sie Snr Bartle Frere in Anerkennung