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glänzenden Ovationen anläßlich seiner Jubelfeier entzogen, doch empfing er in Ratzeburg eine Deputation des dortigen Kriegervereins und nahm die Gratulationen ehema iger Kampfgenossen entgegen.
Am 13. März wird in Frankreich daS Ministerium Waddington oder vielmehr die conservotive Republik eine Feuerprobe zu bestehen gehabt haben. Die Radikalen berennen das Ministerium Waddington mit einer Anklageschrift der Regierung vom 16. Mai 1877, welche Anklage in einer Commission der Deputirtenkammer beschlossen worden ist, aber von dem Ministerium, den gemäßigten Republikanern und den monarchischen Parteien nicht gebilligt wird. Das gegenwärtige französische Ministerium hat sogar dieserhalb die Cabinetsfrage gestellt und die Commission muß mit ihrem Anträge unterliegen, wenn nicht das Ministerium stürzen soll. Alle gemäßigt republikanischen Zeitungen P^aidiren auch für eine Verwerfung des Commissionsantrages, da eine strafrechtliche Verfolgung der Minister v:m 16. Mai 1877 keinen Zwei'ei haben könne, und es ist auch höchst wahrscheinlich, daß die Mehrheit der De- putirtenkammer sich gegen den Commissionsantrag erhärt Bus dieser Affaire ist aber immerhin der Beweis erbracht, daß die Einigkeit innerhalb der französischen Republikaner zerrissen ist und die französische Republik auf einem schwankenden Boden umhertappt. — Vom neuen französischen Handelsminister Tirard meldet man, daß derselbe ein Anhänger des allgemeinen Freihandels sei und demnäch t eine entsprechende Handelsvor^age den französischen Kammern unterbreiten werde.
Oesterreich Ungarn hat für die viele Sorge und Arbeit wegen der Occupation Bosniens dieser Tage eine k eine Freude eingeheimst. Am 9. März, als am Tage nach der Geburtsfeier des Propheten Mohamed, erschien beim österreichi chen Obercommandirenden in der bosnischen Hauptstadt Serajewo, dem Feldmarschalllieutenant Javanovich, eine Deputation türkischer Geist ichen, dan'te dem General für den den Moha medanern gewährten Glaubensschutz und versicherte, daß die Glaubenstoleranz die Anhänglichkeit der bosnischen Mohamedaner an den österreichischen Kaiserthron befestigen werde.
Trotz der gut von Stätten gehenden Räumung der türkischen Provinzen durch die Russen Besorgt man für die nächste Zeit doch wieder Unruhen im Orient, denn während es eine Thatsache ist, daß die russischen Generale in Ostrumelien eine strenge Zucht und Ordnung aufrecht erhalten haben, hält man das Gegentheil für wahrscheinlich, sobald türkische Heere und türkische Beamte wieder in diese Provinzen kommen, da die selbstständige Regierung Ostrumeliens bis jetzt noch nicht konstituirt wurde. Die Großmächte werden daher wohl gut thun, auf die Herstellung der selbstständigen Regierung Ostrumeliens einen starken Druck auszuüben, damit die.e wunde Stelle im Orient beseitigt wird.
Ueber die Menschenpest in Rußland kommen jetzt die allergünst'g- sten Nachrichten. Ein renommirter Berliner Arzt, Professor Lewin, hat an dem fast wieder genesenen Hausknecht Prov.sfzeff in Petersburg keine Spur von Pest entdecken können und die Commission deutscher, österreichischer und russischer Aerzte hat in einer zu Wetljanka im Gouvernement Astrachan abgehaltenen Sitzung die Erklärung abgegeben, daß die als orientalische Pest erkannte Seuche rls erloschen zu betrachten sei, eine längere ärztliche Aufsicht über die verseucht gewesenen Ortschaften aber als geboten erscheine. Die strengen Absperrungsmaßregeln sind daher im Gouvernement Astrachan wieder aufgehoben worden und man ist nur noch eifrig bemüht, die verseucht gewesenen Orte zu desinficiren. Wenn so Rußland die orientalische Pest glücklich überwunden zu haben scheint, so sieht es hinsichtlich der politischen Pest — des Nihilismus — in Rußland bedenklicher denn je aus, denn dieser Nihiismus, die Auflehnung gegen die Regierung grassirt in den höchsten russischen Gesellschaftskreisen, denn nicht nur ein Bruder des von den Nihilisten in Charkow ermordeten Fürsten Krapotkin ist Nihilistensührer, s ändern beim jüngsten Straßenkampse in Kiew betheiligten sich auch eine russische Generalstochter, Frl. Gersefeld, eine Gräfin Parim und ein Fräulein v. Rassowska Genannte Damen schissen wacker mit auf die russischen Gensdarmen.
Der bulgarischen Notabelnversammlung in Tirnowa ist von den Großmächten die ernste Ermahnung zugegangen, ihre Zeit nicht in Parteigezänk zu verlieren, sondern eine definitive Regierung zu gründen und eine erbliche Fürstenwahl zu vollziehen, da die Großmächte sich in diesen Anforderungen für Bulgarien schon längst geeinigt hätten.
Für England sind einige günstige Nachrichten aus Afghanistan und Südafrika gekommen. Jakub Khan, der Nachfolger des verstorbenen Emirs von Afghanistan, soll den ernstlichen Wunsch hegen, mit den Engländern Frieden zu schließen und der Oberst Pearson soll in Südafrika den Zu!u affern eine Schlappe bereitet haben.
Der König Humbert von Italien hat sich die Acten des vom Geschworenengerichte in Neapel zum T:de verurtheilten Meuchelmörders Pasfanante vorlegen lassen und schließt man daraus, daß König Humbert den Meuchelmörder begnadigen werde.
Die Herstellung eines neuen Ministeriums in Spanien unter Martinez Campos hat die Auflösung der Cortez zu Folge gehabt, da
daS Land aufs Neue in wichtigen, die Insel Cula betreffende« Angelegenheiten, um seine Meinung befragt werden soll.
TAgeHschs«»
— Berlin, 13. März. Se. Majestät der Kaiser und König em-- Pfingen heute, nach dem „R u. St.-A.-, den aus St. Petersburg hier eingetroffenen General-Adjutanten, General-Lieutenant von Werder, und nahmen demnächst die Vorträge des Kriegs-Ministers und des General« von Albedyll entgegen.
— Berlin, 13. März. (Reichstag.) In der heutigen Sitzung theilte der Präsident mit, daß eingegangen seien: ein Gesetzentwurf, betreffend das Faustpfandrecht für Pfandbriefe und ähnliche Schuldverschreibungen; der am 13. Juni 1878 zu Berlin zwischen Deutschland, Oesterreich-Ungarn, Frankreich, Großbritannien, Italien, Rußland und der Türkei abgeschlossene Vertrag zur Kenntnißnahme; und die Uebersicht der seit 1873 im Extraordinarium der Marineverwaltung verwendeten md der zur Durchführung des Flottengründungsplones noch erforderlichen Summen unter Vergleichung der Gesammtkosten mit dem Anschläge nach dem Flottengründungsplan von 1873.
Darauf trat das Haus in die eFt; Berathung der internationalen Konvention, Maßregeln gegen die Reblaus betr. Der Abg Dr. Buhl machte darauf aufmerksam, daß diese Vorlage nur die Konstatirung der Reblauskrankheit bezwecke, daß eine nothwendige Ergänzung zu derselben wirksame Maßregeln der Einzelregierungen zur Zerstörung der konsta- tirten Infektionsherde seien. Der Abg. Dr. Reichensperger (Crefeld) empfahl als bestes Mittel zur Bekämpfung dieser Kalamität die möglichste Betheiligung der gesummten Weinbauenden Be ölkerung an den Verhütungsmaßregeln der Infektion und warnte davor, zu diesem Zwecke einen unnöthigen großen Beamtenapparat zu schaffen. Der Präsident des Reichskanzleramts erkannte den ersten Rath als beachtenswerth an, hielt aber die letzte Warnung für »richt begründet in den thatsächlichen Verhältnissen. Nach einigen kurzen Bemerkungen der Abgg. v. Schmid (Württemberg), Dr. Reichensperger (Crefeld) und Dr. Buhl, lehnte das Haus eine Verweisung der Vorlage an eine Kommission ab und genehmigte dieselbe unverändert in zweiter Berathung.
Gegen die Petitionen, welche, als zur Erörterung im Plenum ungeeignet, zur Einsicht im Bureau niedergelegt sind, wurde ein Einwand nicht erhoben.
Das Haus genehmigte sodann den Antrag der VII. Abtheilung, betr. die Wahl des Abg. Grafen Theodor zu Stolberg-Wernigerode im 8. Wahlkreise des Regierungsbezirks Marienwerder, welcher lautet:
„Der Reichstag wolle beschließen:
dem Herrn Reichskanzler unter Mittheilung der Wahlakten Kenntniß zu geben von der bei der Wahl vorgekommenen Ungesetzlichkeit, um den betreffenden Wahlvorsteher oder d.-ss.n Stellvertreter wegen dieser zur Rechenschaft zu ziehen."
Die Petition des Eisenbahn-Sekretärs und Rittmeisters a. D. Rode« hüstr zu Münster wurde auf Antrag der Petitionskommission dem Reichskanzler zur nochmaligen Prüfung und eventuellen Berücksichtigung überwiesen.
Darauf setzte das Haus die zweite Berathung des Etats pro 1879/80 fort. (R. u. St.-A.)
— Berlin, 13. März. Aus London wird dem „R. u. St.-A." unter dem gestrigen Datum gemeldet: Die Königliche Familie und die Hochzeitsgäste sind fast vollzählig in Windsor-Castle versammelt. Für heute Abend wird noch die Ankunft Carl Beaconsfields, forme des Grafen Karolyi, des belgischen Gesandten und ihrer Gemahlinnen erwartet. Se. Königliche Hoheit der Prinz Friedrich Carl hat einen Ausflug nach dem Landsitz Dropmore gemacht. — Die Uebergabe der Geschenke Sr. Majestät des Deutschen Kaisers an die Würdenträger des englischen Hofes hat bereits stattgefunden.
— Berlin, 12 März. Die Zolltarif-Commission beschloß gestern, präparirtes Fleisch mit einem Zoll von l1/* Mark zu belegen. Häute und Felle bleiben bekanntlich von Zoll befreit. Die Beschlußfassung bezüglich der Kleider wurde ausgesetzt, da man erst über Wolle und Garne sich einigen will. — In parlamentarischen Kreisen verlautet, daß die Osterferien des Reichstages längere Zeit dauern würden. DaS Präsidium ist für drei bis vier Wochen, so daß der Reichstag erst Ende April wieder zusammentreten würde, um alsdann an die Steuer- und Zollgesetze zu gehen. (Köln. Ztg.)
— Pesth, 12. März, Abends. (Köln. Ztg) Telegramme aus Szegedin melden, daß sich die Fluth fürchterlich brausend von zwei Seite»: über die Stadt ergossen hat; zwei Drittel der Stadt stehen unter Wasser, die Häuser stürzen der Reihe nach ein. Das Entsetzen ist unbeschreiblich. Außer der Synagoge soll auch das Waisenhaus eingestürzt sein und alle Insassen begraben haben; die Citadelle, das Post- und Telegraphenamt und andere öffentliche Gebäude stehen unter Wasser. Die pesther Stadtvertretung traf Vorkehrungen zur Entsendung von Rettungsmitteln und Rettungsmannschaften nach Szegedin; zwei Züge mit Rettungsmitteln und Rettungsmannschaften sind bereits abgegangent