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mit dem betreffe», den Postausschlag. »ie einzelne Nummer 10 Pfg.
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Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial-Lorresponden-.
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30 Pfg.
Nr. 56. Freitag den 7. März
1879.
Rundschau.
R. F. Die männlichen D itglieder der kaiserlichen und königlichen Familie begingen vor wenigen Tagen ein Fest, über we'ches in der Oeffentlichkeit zwar nicht viel erwähnt wurde, das aber immerhin als eine außergewöhnliche Begebenheit zu betrachten ist. Ein Bruder unseres Kaisers, der Prinz Kar', beging am letzten Sonntag fein lün'nud- zwanzigjährigeS Subi'öum q^s^Fe dzeugmeister der Artillerie, bei welcher der Kaiser Wilhelm einen schönen Trin'spruch auf seinen Bruder und die Erfolge der deutschen Artil erie ausbrachte. Der tiefbewegte Prinz Karl wurde da^ei so von Rührung übermannt, daß er seinen kaiserlichen Bruder umarmte und küßte.
Die deutsche Politik hat neben der großen Angelegenheit der Zoll- und Wirthscha'tsfragen, die sie bis jetzt beinahe ausschliesslich be chäk- tigte, eine reine Zugabe erhalten in der beabsichtigten Neuordnung der elsaß-lothringischen Verwaltung. Der Reichs'anzler ist der Angelegenheit augen chemlich nicht fremd; über die Lösung, die er beabsichtigt, hat er sch aber mch nicht ausgesprrchen. Mit Interesse sieht man den Borschlägen entgegen, die in konkreter Weise die Cache fassen werden. Eine kai erliche Staltha'terschast, die einem Prinzen zu übertragen wäre, der ein Ministerium zur Leite giftest würde, scheint in erster Reihe die Frage zu sein. Was die Haltung Elsaß-Lrthringens in dieser Frage anbetrifft, so wird der jetzt in Straßburg versammelte Landesausschuß wahrscheinlich aus's neue den Beschluß fassen, die Reichsregierung zu bitten, daß Elsaß-Lothringen als selbst staubiger deutscher Bundesstaat mit dem Sitz der Regierung in Straßburg konstituirt werde.
Der Reichstag setzte in dieser Wcche die Etatsberathungen fort, berieth aber auch am Dienstag über das vie^bespn chene Strafgewalts- gesetz für den Reichstag. Ueber das Schicksal dieses Gesetzentwurfes konnte von vornherein fein Zweifel sein, da die Oppositionsparteien unter allen Umständen gegen das Gesetz zu stimmen entschlossen waren, und überhaupt nur ein Theil der Nationalliberalen und die Conservativen eine Revision des Gesetzen'wurses befürworteten. Ob daher ein revi- dirter Entwurf des Gesetzes über die Stra'gewalt des Reichstages schließlich noch Aussicht darauf hat vom Reichstage angenommen zu werden, bleibt vorläufig dahin gestellt, denn die heftige und zum Theil allgemeine Opposition, welche das Gesetz in seiner ersten Berathung im Reichstage fand, läßt eher auf das Gegertheil schließen, obwohl der Reichskanzler, we eher zu dem Disciplinargeletze eine längere Rede hielt, aus ührte, daß das Gesetz nur eine Ergänzung des Socialistengesetzes sein solle, dem die, Regierung andauernd ihre Aufmerksamkeit schenken müsse.
Die Commissionen des Reichstages haben theilweise mit ihrer Thätigkeit schon begonnen und lassen die Berathungen der Specialcom- mission in Betreff der Gebührenordnung der Rechtsanwälte hoffen, daß die Commission nur geringe Abänderungen hinsichtlich der Regierungsvorlage beantragen wird.
Die Berathungen der Zoütarissclmmissirn behandeln außer dem Eisen auch andere Metalle und ist mit geringer Majorität ein Zoll von l1/* Mark für den Centner importirtes Rohkupfer beschlossen worden, während Zinn und Zink zollfrei gelassen wurden.
Die Bekanntmachung des Urtheilsspruches in Sachen des untergegangenen Panzerschiffes „Großer Kurfürst" soll in den nächsten Tagen erfolgen. Der Ehef der taiferlichen Admiralität, General v. Stofch, wird nach der Verkündigung des Urtheils alle auf die Untersuchung bezüglichen Urkunden dem Reichstage vorlegen.
Aus Odessa kam vor einigen Tagen eine für Deutschland betrübende Nachricht. Ter dortige deutsche Generalkonsul Dr. Blau, einer der tüchiigsten Beamten des deutschen Consulatsdienstes, hat sich in einem Anfälle momentaner Geistesverwirrung durch einen Revolverschuß entleibt.
Der König Ludwig von Bayern hat seinem ehemaligen Lehrer und jetzigen ReichSrath und Professor Dr. v. Töllinger, dem Führer der Alttatholnen, bei dessen achtzigstem Geburtstage ein sehr herrliches und den Iubi ar sehr ehrendes Handschreiben überreicht. Der Professor v. Töllinger sollte auch von Deputationen der königlichen Akademie in
München geehrt werden, doch lehnte Herr v. Töllinger dies banfeub ab. — Der bayeri che Reichsrath hat das Reichskostengesetz zu den Reichsjustizgesetzen einstimmig angenommen, jedoch dabei die Anträge der Abgeordnetenkammer wegen Errichtung von weiteren Amtsgerichten abge'ehnt. Dem Beschlusse der Abgeordnetenkammer hinsichtlich der Besteuerung der Wanderlager ist der Reichsrath jedrch be'getreten.
Die in Buda Pest seit dem Ende voriger Woche versammelten österreichi'ch-ungarischen Parlamentsausschüsse beschäftigen sich zunächst mit den neuen staatsrechtlichen Verhältnissen der unabhängig gewordenen österreichischen Nachbarstaaten Rumänien und Serbien Hinsichtlich Rumäniens erst arte der Kanzler Andrassy, daß die rumänische Regierung bindende Zusicherungen für die strikte Ausführung des Berliner Vertrages gegeben habe, und be-üglich Serbiens bemerkte Andrassy, daß Oesterreich Ungarn sich das Recht gewahrt habe, entweder eine Zolleinigung oder einen Handelsvertrag mit Serbien abzusch ießen.
Frankreich rückt in seiner inneren Politik der „Sera der Schwierigkeiten" immer näher. Ein großer Theil der monarchischen und radikalen Pariser Blätter sprechen die Ansicht aus, daß das Cabinet Wad- dington regierungsun'ähig geworden sei und die „France" verlangt sogar die schleunige Bildung eines Cabinets Gambetta. Was eine solche Umwandlung für eine Bedeutung gewinnen würde, ist nicht zu unter- schätzen, da Gambetta's Politik wohl kein anderes Ziel verfolgen dürfte, als das Bestehen!offen der gegenwärtigen Zustände. Der am meisten angegriffene Minister des Ministeriums Waddington, der Minister der Innern Marcöre, hat auch bereits feine Entlassung eingereicht, aus des er unter allen Umständen verharren will.
In Spanien, dem Lande der Kastanien, ist eine eklatante Ministerkrisis ausgelrochen. Das Ministerium Eanovas hat sammt und sonders seine Entlassung gegeben, doch hat der König Alfons den bisherigen Ministerpräsidenten Eanovas mit der Bildung eines neuen Ministeriums beauftragt. Die Ursache der Ministerkrisis ist noch ziemlich in's Dunkel gehüllt und scheint von den finanziellen Verhältnissen des Landes herzurühren.
Rußland bereitet dem Erdtheil eine Ueberraschung nach der anderen. Auf den erwähnten Pestfall in Petersburg ist eine Revolte in Kiew gefolgt; bei der Aufhebung einer den Nihilisten gehörigen geheimen Druckerei entstand ein förmlicher Straßenkampf und nur mit Mühe konnte man der Aufrührer Herr werden. Der angebliche Pestfall in Rußlands Hauptstadt fährt fort, die Spalten der medicinischen Fach- zeitungen zu füllen. Während die Mitglieder des Wedicinalrathes Dr. Kade, Ziekauer, Hermann, Kaprowki, Lenz u. A. die Behauptung, die Krankheit sei syphilitischer Natur, aufrecht erhalten, bleibt der Arzt, welcher dieselbe als „der Pest ähnlich" bezeichnete, Dr. Botkin, bei seiner Aussage stehen, sodaß eine besondere Commission gewählt werden wird, um zu lonstatiten, wessen Ansicht die richtige ist. — Aus Astrachan meldet der mit der Ausführung der gegen die Pest ergriffenen Maßregeln beauftragte General Loris-Melikoff, daß die Verbrennung der inficirien Gebäude und Gegenstände in Slarizkoje gut von Stätten gegangen ist. Die Commission sei bereitwilligst von der Bevölkerung des Ortes unterstützt worden und sei das ganze Verhalten derselben derartig, daß für erfolgreiche Ausführung der ferneren Maßregeln ga- rantirt werden könne.
Während die Lage der Türkei sich eineslheils durch Abzug der russischen Truppen und den Eintriit geordneter Verhältnisse gebessert hatte, bereitet sich die Pforte andererseits durch unbefriedigendes Entgegenkommen bei den Arbeiten der grüchischen Grenzregulirungscommis- sion wieder neue Verlegenheiten. Die Folge davon ist, daß die Angelegenheit in der Schwede bleibt, und die griechischen Kommissare ihren Aufenthalt in Prevefa verlängern müssen, bis vielleicht eine erneute Mahnung Frankreichs die Türkei zurjfschleunigen^Erjüllung ihrer Verpflichtungen zwingen wird.
Die für den Zulukrieg bestimmten englischen Truppen sind nun sämmtlich verschifft und werden demnach in ungefähr 4 Wochen in die Action treten können. Nach dem Urtheile von Fachmännern wird England seine Siege in Süd-Afrika nicht allzuschwer erkämpfen müssen, da