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Staatsrath Dr. Neidhardt und den Herzoglich braunschweig-lüneburgi- scheu Wirklichen Geheimen Rath von Liebe und zur Verstärkung der Reichsschuldenkommission den Kaiserlichen Staatssekretär, Wirklichen Geheimen Raih Dr. Friedberg und den Großherzoglich mecklenburgi­schen Geheimen Legations-Rath von Prollius für die Dauer der ge­genwärtigen Session des Bundesraths wiedergewählt. Außerdem ist als Vorsitzender des Ausschusses für Rechnungswesen der Königlich preußische Wirkliche Geheime Ober-Finanzrath und Ministerial Direk­tor Meinecke, Mitglied der Reichsschuldenkommission, gewählt wor­den."

Bei der Wahl des zweiten Vize Präsidenten wurden 210 Stimm­zettel abgegeben, von denen 11 unbeschrieben waen Abg. Dr. Lucius (Erfurt) erh'elt 122, Abg. von Seydewitz 75 Stimmen; 2 Stimmen waren zersplittert. Der Abg. Dr. Lucius ist somit zum zweiten Vize- Präsidenten gewählt und nahm die Wahl dankend an.

Hierauf ging das Haus zur ersten Berathung des Handelsvertrages zwischen Deutschland und Oesterreich-Ungarn über. (R. u. St.-A.)

— Berlin, 20. Februar. (Abgeordnetenhaus) In der heutigen (57 ) Sitzung trat das Haus nach einer Erklärung des Abg. Hundt v. Hassten, worin er bezüglich seiner neulich en Angriffe gegen die namhaft gemachten Landräche des Weiteren zu begründen suchte, daß er, von der persö blichen Integrität jener Herren durchaus überzeugt, lediglich das von diesm Herren befolgte Verwaltungssyst m zum Gegenstände seines Angriffes habe machen wollen, in die dritte Berathung des Gesetzent­wurfs, betr. die Rechtsverhältnisse der Studirenden und die Disziplin auf den Landesunivecsitäten, der Akademie zu Münster und dem Lyceum Hosianum in Braunsberg. Es erhob sich zunächst eine D-batte über die Frage, ob der vom Herrenhause zu §. 6 beschlossene Zusatz, wonach die von den Gerichten gegen Studi ende erkannte Freiheitsstrafe bis zu zwei Wochen auf Antrag der gerich-lichen Behörden auf dem akademi­schen Karc-r verbüßt werden kann, ein Verstoß gegen die Reichsjustiz­gesetze sei, welche die akademische Gerichtsbarkeit aufgehoben haben, oder ob es aus Zweckmäßigkeitsgründen zulässig und angezeigt sei, diese Be­stimmung aufrecht zu erhalten. Während die Abgg. Dirichlet, Zelle, Dr. Köhler (Göttingen), Dr. Mommsen und Dr. Lasker sich zur erste­ren Ansicht bekannten und demgemäß die Streichung der Bestimmung wünschten, waren die Abgg. von Meyer (Arnswalve), Fiebiger, Windt- horst (Meppen) und Dr. Gneist der entgegengesetzten Ansicht. Der Re­gierungskommissar Geheime Regierungs-Rath Dr. Göppert er lärte, daß der Justiz Minister in der Kommission des Herrenhauses durch seinen Kommissar die Erklärung habe aigeben lassen, daß er die von dem Herrenhause ang nommene Bestimmung für rechtlich unzulässig und ge­gen die Reichrgesetze verstoßend halte. Diese Ansicht theile auch der Kultus-Minister. Der Abg. Dr. Lasker konstatirte, daß nach dieser Er­klärung im Falle der Annahme dieser Bestimmung durch das Haus die Regierung nicht das Gesetz publiziren dürfe Die Bestimmung wurde mit 135 gegen 115 Stimmen aufrecht erhalten. Zu §. 15 wurde der Antrag des Abg. Dr. Burg und Genossen angenommen, welcher lautet:

„Das Haus der Abgeordneten wolle beschließen: Dem §. 15 als Absatz 1 hinzuzusügen: Ein Studirender kann von den ihm in dieser Eigenschaft zustehenden Rechten dmch Entscheidung des Senats aus­geschlossen werden, so lange gegen ihn ein gerichtliches Strafverfahren wegen eines Verbrechens oder Vergehens schwebt, wegen dessen auf den Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte erkannt werden kann."

Im Uebrigen wurde das Gesetz unverändert angenommen.

Der Gesetzentwurf, betr. die Hessische Brandversicherungs-Anstalt in Cassel, wurde in der Fassung des Herrenhauses angenommen. Das Haus erledigte hierauf eine Reihe von Petitionen. (R. u. St.-A.)

— Berlin, 19. Febr. Das Staatsministerium beschäftigte sich in seiner gestrigen Sitzung mit der Frage des Schlusses des Landtages. Allgemein machte sich der Wunsch geltend, den Landtag schon morgen, Donnerstag, wenn angänglich zu sch ießen. Nach einer heute zwischen dem Präsidenten v. Bennigsen und dem Minister Friedenthal Statt gehabten Besprechung dürfte es sich ermöglichen lassen, den Schluß des Landtages am Freitag herbeizuführen.

— Berlin, 20. Febr. (Köln. Ztg.) Wie versichert wird, ha­ben die Commissionen der rumänischen Kammern, die erstere einstimmig, die andere mit großer Mehrheit, die Revision des 7. Artikels der Ver­fassung im Sinne der Emancipation der Jsraeliten angenommen.

— Die Hafenbehörde in Nizza hat für die Provenienzen aus dem Schwarzen und Asowschen Meere eine im Lazareth zu Billafranca abzuhaltende, mit einer Desinfektion verbundene zweitägige Quarantäne angeordnet und ferner bestimmt, daß daselbst alle aus den östlichen Mittelmeerhäfen ankommenden Schiffe einer ärztlichen Untersuchung unterzogen, und im Falle der Konsiatirung _ von Krankheitsfällen in Quarantäne genommen, sonst aber für den Hafen von Nizza in freie Praktik gesetzt werden.

— Der internationale Gesundheitsrath in Alexandrien hat für alle direkt von den Ufern des Schwarzen und Asowschen Meeres

mit reinem Gesundheitspaß ankommenden Schiffe eine dreitägige, an Bord erfolgende Observation verfügt. Dagegen sollen solche Schiffe, welche der Pest verdächtig sind, zurückgewiesen werden, weil sich an der Mittelmeerlüste Egyptens kein zur Abhaltung der strengen Quarantäne geeignetes Lazareth befindet.

Im Uebrigen werden mit Rücksicht auf den in Rumelien rc. Herr­schenden Typhus alle von der türkischen Küste zwischen der Halbinsel Gallipolis und der griechischen Grenze (einschließlich der benachbarten türkischen Inseln) herkommenden Schiffe einer är tlichen Untersuchung und einer Desinfektion der Gift fangenden Gegenstände unterzogen.

— S M. gedeckte Korvette „Bismarck", 16 Geschütze, Kommdt. Korv.-Kapt. Deinhard, ist am 8. Dezember 1878 von Funchal (Ma­deira) in See gegangen, anke te am 12. Januar 1879 auf der Rhede von Montevideo und beabsichtigte am 20 d.ss. Mts. die Reise nach Valparaiso fortzusetzen. — S. M Panzerkorvette „Hansa", 8 Geschütze, Kommdt. Korv -Kapt. Heusner, und S. M. Glattdeckskorvette „Nymphe", 9 Geschütze, Kommdt. Korv.-Kapt Sättig, sind am 14. Januar 1879 in La Guayra eingetroffen.

— Teplitz, 20. Febr. Der Bericht des Bergraths Wolf an die geologische Reichsanstalt kommt zu dem Resultate, daß von einem gänz­lichen Versiegen der Heilquellen keine Rede sei, und daß schon für die nächste Saison kein Verlust drohe.

— Genf. Die von Herzog Karl von Braunschweig so groß­müthig beschenkte Stadt Genf ist auf dem Punkte, die Erbschaft auf dem Proceßw.'ge wieder zurückgeben zu müssen. Es kommt näm ich zu Tage, daß der Herzog eine mit einem englischen Herzog Civri verehe­lichte Tochter hatte, deren Sohn gegenwärtig in Braunschweig weilt, um die nöthigen Erhebungen zum Beginn des Erbschastspr -cesses zu machen Es ist in einer Bibliothek auch ein Testament des Herzogs Karl au'gefunden worden, ob es aber Bestimmungen zu Gunsten der Gräfin Ciori enthalte, ist noch ungewiß.

— Paris, 20. Febr. (Köln. Ztg.) Gestern fand großer Em­pfang auf der deutschen Botschaft Statt. Herr und F:au Gr^vy, Gambetta und Martel waren zugegen.

— Rom, 19. Febr. Eine Versammlung hervorragender Persön­lichkeiten der verschiedenen Provinzen Italiens hat die Bildung einer neuen „conservativen Partei" besprochen, zu deren Grundlagen die Be­theiligung der Katholiken an den politischen Wahlen gehören würde. Ein Ausschuß wurde mit der Aenderung einiger Punkte des Programms beauftragt.

— London, 20. Febr., Vorm. (Köln. Ztg) Nach einer Reu- ter'schen Meldung aus der Capstadt vom 29. v. M. unternahmen 4000 Zulus am 24. v. M. einen Angriff auf die unter General Wood stehende Colonne. Die englischen Truppen wiesen den Angriff mit un­bedeutenden Verlusten ab, zerstreuten die Feinde und zogen sich sodann auf Utrecht zurück Von den Zulus auf andere englische Colonnen unternommene Angriffe wurden ebenfalls zurückgeschlagen. Die Zulus concentriren sich in der Richtung auf Ekowe, wo sich die Colonne Pesr- son verschanzt hat. Man erwartet täglich einen neuen Angriff. Der Ernst der Lage ist nicht übertrieben worden. Die Operationen der eng­lischen Truppen beschränken sich bis zur Ankunft von Verstärkungen auf die Abwehr. — Das erste zur Verstärkung der Truppen in Südafrika bestimmte Contingent, bestehend aus dem 3. Bataillon des 60. Regiments und aus dem 91. Regimeut, ist heute theils in London, theils in Sout« hamplon nach dem Cap eingeschifft worden.

— Die Zahl der Bankerotte in England ist im Jahre 1878 von 11,022 im Vorjahre auf 15,059 gestiegen

— New-Aork, 19. Febr. Der Dampfer „Helvetm" von der National-Dampfschiffs Compagnie (C. Messingsche Linie) ist hier einge­troffen.

Lokales.

Hanau, 21. Februar 1879.

— (Stadttheater.) Mit der Einverleibung des Volksstückes: „Ihre Familie" hat die Direktion einen sehr glücklichen Griff gethan und das bei den bisherigen Aufführungen zahlreich erschienene Publikum hat durch lebhaften Beifall seine volle Befriedigung kundgegeben.

Um die Darstellung hat sich besonders Frl. Sylla recht verdient gemacht, welche als „Lilli" in Spiel und Gesang gleich vortrefflich war; Herr Salomon „Krüger" war sehr gut und auch Herr Schwarz „Maedicke" verdient unsere vollste Anerkennung. Unter den in dieser Saison gegebenen Novitäten nimmt nächst „Dr. Klaus" dieses Stück jedenfalls den ersten Platz ein.

„Maria Stuart" von Ar. v. Schiller — Herr Hofmann und Frau Hofmann-Baison als Gäste. In Herrn Hofmann lernten wir ei­nen sehr talentvollen und mit natürlichem Feuer spielenden Darsteller kennen, der jedenfalls zu großen Hoffnungen berechtigt. Sein „Mortr- mer" war eine höchst achtbare Leistung. Die „Maria" der Frau Hof­mann-Baison konnte uns nicht ganz befriedigen. Vor allem fehlte der Darstellung jene Ruhe und Hoheit, die die Schiller'sche Maria haben muß, wenn sie Theilnahme und Bewunderung erwecken soll und außer-