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Mauer Anzeiger.
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Nr. 43.
Donnerstag den 20. Februar
1879.
Amtliches.
Gefunden: Ein dunkelbrauner Kindermuff. Ein Notizbuch. Ein Portemonnaie mit etwas Ge d. Ein Messer. Zwei Hundemaulkörbe.
Verloren: Eine schwarz-lederne Tasche.
Hanau am 20. Februar 1879.
Aus Königlichem Landrathsamt.
T K g e K f ch a «. Griechenland und die Pforte. (A. d. Schw. Merl.)
Wenn die Ausführung des Berliner Friedens so viel Mühe und so viel Zeit erfordert, so rührt das zum Theil von den in der Sache selbst liegenden Schwierigkeiten her, wie denn z. B. die Organisation von Bu garien und Lstrumelien selbs verständlich keine einfache Sache ist. Zum guten Theil trifft aber die Schuld den üblen Willen der Pforte, die unter allerlei Borwänden die Abwicklung des Geschäfts hinauszieht, und der man jede einzelne Handlung zur Ausführung des von ihr unterschriebenen Friedens erst mit Mühe abringen und auspressen muß. So machte sie es mit den Gebietsabtretungen an Montenegro, so macht sie es jetzt mit der Gebietsabtretung an Griechenland. Beidemal ist ihr Verfahren das gleiche. Sie stellte den Mächten vor, haß die Albanesen zum Aeußersten entschlossen seien, die Uebergabe von Spucz und Podgoritza an Montenegro zu verhindern, daß vom Fanalismus der Bevölkerung das Schlimmste zu befürchten sei u. s. w. Mit dieser Vorspiegelung ge ang es der Pforte wirklich, sich ein halbes Jahr lang ihrer Verbindlichkeit zu entziehen. Als aber Rußland sich weigerte, den definitiven Frieden mit der Türkei zu unterzeichuen, so lange nicht die Rechnung mit Montenegro beglichen, gab die Pforte schließlich nach. Spucz und Podgoritza wurden übergeben und nun zeigte sich, daß die wüthende und blutdürstige Entschlossenheit der Albanesen eitel Geflunker gewesen war: ohne den mindesten Anstand hat sich die Uebergabe vollzogen. Ganz das gleiche Manöver versucht nun die Pforte in Sachen Griechenlands. Sie läßt die haarsträubendsten Gerüchte ausstreuen, um die angebliche Unmöglichkeit ihrer Nachgiebigkeit darzuthun. Mukhtar Pascha, heißt es, habe in der dem Zusammentritt der Kommission vorausgegangenen Zeit überaus thätig, Zündstoff aus allen Theilen von Epirus in Prevesa angehäuft, so daß der Eintritt von Ereignissen dort stündlich zu gewärtigen sei. Mehr als 1000 Beys aus Epirus und noch jenseits von Zanina seien in Prevesa mit zahlreichem, waffen- strotzendem Gefolge versamme t und ihre Haltung sei eine höchst drohende und herausfordernde. Mehr als 10,000 Gewehre seien in den lebten Tagen unter den Albanesen der Dörfer im Epirus ver'heilt worden. Mit Einem Worte, es sei Alles vorbereitet, um binnen wenigen Tagen, wenn die Frage wegen Janinas zur Verhandlung gelangt, den Mächten durch eine großartige Kundgebung dar uthun, daß eine Abtretung unmöglich sei. Hoffentlich sind die Mächte nicht gutmüthig genug, sich derart Sand in die Augen streuen zu lassen. Griechenland hat seine Hoffnung zunächst aus die Hülse Frankreichs gebaut, dem bekanntlich dir Kongreß die Initiative in der griechischen Angelegenheit überlassen hat. Die Zuversicht Griechenlands, daß Frankreich seine Wünsche unterstützen werde, ist seit Waddingtons Verbleiben im Amte gewachsen, und auch Gambetta telegraphirte, eine Glückwunschdepesche der Athener Epiroten beantwortend, an deren Präsidenten, General Spiro-Milios, ein tröstliches : Ayez confiance! Wirklich ist ein erstes Mahnschreiben des französischen Kadinets an die H. Pforte ergangen, und es heißt, dies habe so gute Wirkung gehabt, daß Mukhtar sofort mit anderen Weisungen versehen worden sei. Ob dies der Fall ist, wird sich in Kürze bei den Verhandlungen in Prevesa zeigen müssen.
— Berlin, 19. Februar. (Reichstag.) Im weiteren Verlaufe der gestrigen (4.) Sitzung wurde eine sehr große Anzahl von Urlaubsgesuchen bewilligt. Bevor das Haus zum zweiten Gegenstand der Tagesordnung überging, zur Berathung des Schreibens des Stellvertreters des Reichskanzlers, betr. die Einholung der Genehmigung des Reichstages zur strafrechtlichen Verfolgung und zur Verhastung des Reichs
tags-Abgeordneten Fritzsche wegen Zuwiderhandelns gegen §. 28 des Gesetzes gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie vom 21. Oktober 1878, machte der Präsident die Mittheilung, daß ein ähnliches Schreiben des Stellvertreters des Reichskanzlers, Grafen zu Stolberg-Wernigerode, beim Bureau eingegangen sei, welches in Folge eirer staatsanwaltlichen Requisition vom 15. d. M. die Ermächtigung zur strafrechtlichen Verfolgung und Verhaftung des ReichstagSabgeord- neten Hasselwann wegen Zuwiderhandelns gegen §. 28 des Gesetzes gegen die gemeingefährlchen Bestrebungen der Sozialdemokratie vom 21. Oktober 1878 verlangt. Nachdem der Präsident dies Schreiben verlesen hatte, beschloß das Haus, mit Rücksicht auf die vorgerückte Zeit — .es war 31/« Uhr geworden — und darauf, daß die Drucklegung dieses zweiten Schreibens noch nicht möglich war, die beiden Schreiben in der nächsten Sitzung gemeinsam zu biskutiren, und trat in die erste Berathung des Entwurfs einer Gebührenordnung für Rechtsanwälte ein. Die Vorlage wurde einer Kommission von 21 Mitgliedern überwiesen.
In der heutigen (5.) Sitzung wurde zunächst dem Hause von dem Präsidenten von Forckenbeck das Resultat der Konstitmrvng irr Abth-i- langen angezeigt und die Mittheilung gemacht, daß der Fürst zu Hohen- lohe-Langenburg die auf ihn gefallene Wahl zum zweiten Vize-Präsidenten des Reichstags aus Gesundheitsrücksichten dankend abgelehnt hab-. Wann die Neuwahl vorgenommen werden soll, darüber werde das Haus sich später schlüssig machen. Aber schon jetzt vor erfolgtet Neuwahl und vor der perfekt gewordenen Konstituirung des Reichstags halte er (bet Präsident) nach der bisherigen Praxis den Eintritt in die Geschäfte für durchaus zulässig. Hiergegen wurde von keiner Seite Em- spruch erhoben.
Der erste Ge eustand der Tagesordnung waren die von dem Stellvertreter des Reichskanzlers Grafen zu Stolberg an den Reichstag gelangten Vorlagen, betr. die Beschlußfassung über die nachgesuchte Genehmigung zur strafrechtlichen Verfolgung und zur Verhaftung btr Reichstags abgeordneten Fritzsche und Hoffelmann. Zu derselben lag folge-der von Mitgliidern der nationalliberalen, der Fortschrittspartei und des Centrums unterstützte Antrag des Abg. Rickert vor:
„Der Reichstag wolle beschließen:
1) die beantragte Genehmigung zur strafrechtlichen Verfolgung und zur Verhaftung der Reichstagsabgeordneten Fritzsche und HasselmWu zu versagen; 2) gleichzeitig zu erklären: daß der Reichstag mit dem §. 28 des Gesetzes vom 21. Oktober 1878 nicht den Sinn verbunden hat, daß ein Mitglied des Reichstags durch eine poliz-iliche Auswei- sung in seiner verfassungsmäßigen Obliegenheit, an den Verhandlungen des Reichstages Theil zu nehmen, verhindert werden dürfe."
Nach längerer Debatte verweigerte das Haus die Genehmigung zur Verhaftung der Abgg. Fritzsche und Hasselmann. Die vom Abg Rickert beantragte Declaration wird mit allen gegen die Stimmen der beiden conserrativen Fractionen angenommen. (R. u. St -A.)
— Berlin, 19. Februar. (Abgeordnetenhaus.) In der heutigen (56.) Sitzung des Hauses der Abgeordneten genehmigte das Haus in dritter Lesung die Gesetzentwürfe, betr. die Kempetenzkonflikte zwischen den Gerichten und den Verwaltungsbehörden und betr. die gerichtlichen Verfolgungen wegen Amtshandlungen nach den Beschlüssen zweiter Lesung, und trat den Beschaffen des Herrenhauses in Bezug auf die Ge- sitzentwürfe, betr. die Abänderung von Bestimmungen der Dissipimar- gesetze und betr. die Errichtung von Landeskultur Rmtenbanken bet. Ruch der Gesetzentwurf, betr. die Bildung von Wassergenossenfchasten wurde den Be chlüssen des Herrenhauses gemäß angenommen, nachdem von Seiten des Abg Diricksiet mehrfach der Versuch gemacht war, Die Beschlüsse des Abgeordnetenhauses wieder hrrzustellen _
Es folgte die erste und zweite Berathung des Gesetzentwurfs, re. treffend die Rechtsverhältnisse der Studirenden und die Dtszrplm auf den Landesuniversitäten, der Akademie zu Münster und dem Lyzew. Hosianum in Braunsberg. Gegen den Absatz 2 des §. 2, daß sich dm akademische Disziplin auch auf Vereine und Versammlungen von Stu- direnden erstrecken solle, erhob sich von Seiten der Abgg Dr- ^.anger-