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Postdampfers „Pommerania" ist nunmehr Besannt geworden und lautet dahin, daß die Ursache des Unterganges der „Pommerania" lediglich in den falschen Manövern des beim Zusammenstöße betheiligten englischen Dampfers „Moel Eilian" zu suchen ist und daß hierbei dem Kapitän und der Mannschaft der „Prmmerania" feine Schuld zufällt.
Unser Herrenhaus hie't in letzter Zeit häufige Sitzungen ab, um die vorausgegangenen Beschlüsse des Abgeordnetenhauses zu berathen, wobei hervorragende Zwischenfälle nicht statt'anden — Unser Abgeordnetenhaus befindet sich seit dem Beginn dieser Woche bereits in der dritten Berathung des Staatshausha tsetats.
Wie man aus Wien erfährt, ist es bem Grafen Taa^e nicht gelungen, ein neues Ministerium für die österreichische Hälfte der Habsburger Monarchie zu bilden und ist derselbe auf seinen Statthalter- Posten nach Tyrol zurückgekehrt. Man wird sich daher in Wien ohne Verzug dazu entsch ietzen müssen, einen anderen Staatsmann mit der schwierigen Mission ru bei tauen, doch wird nach den gemachten Erfahrungen der Erfolg dieses neuen Versuchs, ein neues Ministerium zu bilden, abermals ein zweifelhafter sein. — Im ungarischen Abgeord- netenhause wurde das neue Anleihegesetz unverändert angenommen.
Ueber den Stand der Pest in den fraglichen Distrikten kamen in letzter Zeit ständige günstige Nachrichten. Auch sei gleich hier erwähnt, daß die Mitheilungen über Pesterlrankungen in der Türkei (Süd- rumelien) n ch der Bestätigung bedürfen. Im russischen Gouvernement Astrachan sind nur innerhalb des a-gesperrten Pestrayons einige neue Erkrankungen vorgekommen, außerhalb der Absperrungslinie trat die Krankheit jedoch nicht auf und hofft man von den Maßregeln des be reits im Gouvernement Astrachan weilenden Generals Loris-Meli'off und den sonstigen gesundheitlichen Vorkehrungen das Beste. Mit äußerster Vorsicht hütet sich auch das übrige Europa gegen eine Ein- schleppung der Pest und haben äuget Deutschland und Oesterreich a^ch Italien, Spanien, Griech n and, die Türkei, Schweden, Dänemark und England Quarantänemaßrege n, die hauptsächlich den Verkehr in den Hafenstädten betreffen, ergriffen
England hat neuerdings wieder mit einem Hochgang seiner Industrie- und Handelskrisis harte Kämpfe zu bestehen, denn auch in der großen Seehandelsstadt Liverpool haöen ausgedehnte und gefahrdrohende Arbeitereinstellungen stattgefunden, welche die sufbietung von Truppen- abtheilungen zur Zrha tung der Ordnung nothwendig machen — Am Donnerstage wurde auch das englische Par'ament durch eine Botschaft der Königin eröffnet — Vem afghanischen Kriegsschauplatze wird nichts Neues gemeldet und dürfte auch längere Zeit nichts Neues gemeldet werden, da wegen des ein getretenen großen Schneefalls die Operationen auf W. chen hinaus fraglich geworden sind. — Ein officielles Telegramm vom Obere.mmandanten der englischen Expedition gegen die Zu us, Lord Chelmsford's, welches soeben von London gemeldet wird, theilt die vollständige Niederlage der englischen Truppen im Kampfe gegen die Zulus am Tugelaflusse in Süd-Ost-Afrika mit. Das Telegramm ist vom 27. vorigen Monats datirt und sch int außerordentlich schnell befördert zu sein, da Nachrich en vom Cap der guten Hoffnung gewöhnlich mindestens 21 Tage brauchen, um nach London zu gelangen. Die Zahl der feindlichen Armee soll 20,000, die der Engländer gegen 1000 Mann gewesen sein, und sollen letztere vernichtet, sowie ein eng lischer Transport von Proviant, Waffen und Munition vom Feinde erobert worden sein. In London findet ein Cabinetsrath statt, der sich mit der Berathung der Zulufrage beschäftigt.
Auf die so glalt verlaufenden Regierungsverschiebungen in Frankreich scheinen nun doch einige Regierungsschwierigkeiien zu folgen. Die sehr einflußreiche Partei „Republikanische Union“ harmonirt nicht ganz mit dem gegenwärtigen Ministerium Frankreichs und will, bis ihr weiter Erklärungen zugehen, eine reseroirte Haltung beobachten. Fast scheint es auch, als ob Floguet, der Führer der „Republikanischen Union“, mit Gambetta brechen und sich mit den radikalen Republikanern verbinden wolle.
Bon dem russischen Botschafter Fürsten Lobanoff und dem türkischen Minister des Auswärtigen ist nun endlich der russisch türkische Friedensoertrag unterzeichnet worden.
Zwischen der Türkei und Montenegro haben die noch bestehenden Schwierigkeiten auch ihr Ende gefunden. Die Städte und Gebietstheile von Podgoritza, Sputz und Zabliak sind von den Türken anstandslos an die Montenegriner ausgelieiert worden.
In den Vereinigten Staaten von Nordamerika hat die Repräsentantenkammer die Bill betreffend die H-eresVerbesserung angenommen.
— Berlin, 13. Februar. (Reichstag.) In der gestrigen (1.) Sitzung übernahm auf Grund des §. 1 der Geschäftsordnung der Präsident der vorigen Session, Abg. Dr. von Forckenbeck, den Vorsitz und erklärte die Sitzung um 31/» Uhr für eröffnet; herauf berief derselbe die Abgg. Bernards, Graf Klefft Schmenzin, Thilo und Weigel zu einstweiligen Schriftführern. An Regierungsvorlagen waren eingezangen: 1) die Feststellung des Reichshaushälts-Etats für das Etatsjahr 1879/80
mit sämmtlichen Spezialetats; 2) die Aufnahme einer Anleihe für Zwecke der Verwaltungen der Post und Telegraphen, der Marine, des Reichsheeres und zur Durchführung der Münzreform; 3) die Erwerbung und bauliche Instandsetzung eines Grundstücks für das Gesundheitsamt; 4) ein Gesetzentwurf, betr. den Verkehr mit Nahrungsmitteln, Genußmitteln und Gekuauchsgegenständen; 5) Entwurf einer Gebührenordnung für Rechtsanwälte; 6) Handelsvertrag zwisch n Deutschland und Oesterreich« Ungarn; 7) Weltpostoertrag nebst Uebereinkommen, betr. den Austausch von Briefen mit Werthangabe, sowie Uebereinkommen, betr. den Austausch von Postanweisungen; 8) Zusammenstellung des Ergebnisses der Reichstagswahlen vom Jahre 1878; 9) Uebersicht der Betriebsergebnisse der deutschen Eisenbahnen im Betriebsjahre 1877, verglichen mit den früheren Jahrgängen nebst erläuternden und ergänzenden Bemerkungen und graphischen Darstellungen; 10) Uebersichten der Resultate der Ersatzgeschäfte in den Bezirken des I. bis einschließlich XV. Armee-Corps und in den Bezirken des Königreichs Bayern für das Jahr 1877; 11) Darlegung der Anordnungen, welche von der preußischen Staatsregie- runq mit Genehmigung des Bundesrathes zufolge der Bestimmung in §. 28 Absatz 2 des Gesetzes gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie vom 21. Oktober 1878 getroffen worden sind.
Der darauf vorgenommene Namensaufruf ergab die Anwisenheit von 200 Mitgliedern, sodaß das Haus beschlußfähig war, worauf sich dasselbe um 4 Uhr bis Donnerstag Nachmittag 2 Uhr vertagte. (Tagesordnung : Präsidenten- und Schriftführerwahl.) (R. u. St.-A.)
— Berlin, 13. Februar. (Abgeordnetenhaus) In der heutigen (52.) Sitzung machte der Präsident Mittheilung, von dem erfolgten Hinscheiden des Abg. Nitsche (Pleßß dessen Andenken das Haus durch Erheben von den Plätzen ehrte. Darauf setzte das Haus die gestern unterbrochene Berathung des Generalberichts der Budgetkommission fort.
— Berlin, 13. Febr. (Köln Ztg.) Die Nachricht des Journal des Debüts über ein russisches Rundschreiben an die Mächte wegen des Streites mit Rumänien, das zugleich die russische Note an Rumänien zur Kenntniß der Mächte bringe, wird hier als richtig bestätigt. Trotzdem glaubt man, Rußlands Operationen wären von der Absicht ge eitet, zu einer directen Auseinandersetzung mit Rumänien zu gelangen, was auch schon aus seiner Note an Rumänien heroorging, deren starker Ton in politischen Kreisen, wo man Kenntniß davon hatre, sehr überrascht hat. Jedenfalls erweist sich die Nachricht einiger Blätter, daß die Angelegenheit schon in dem einen oder anderen Sinne erledigt sei, a'S verfrühs und irrthümlich.
— Das deutsch-österreichische Uebereinkommen in Betreff des Artikels V. des Präger Friedens wird demnächst das dänische Folkething beschäftigen. Das Kopenhagener „Morgenbladet" erklärt nämlich, das Folkething werde das Gesetz in Betreff der Aussteuer der Prinzessin Thyra nur dann definitiv genehmigen, wenn das Ministerium Aufkiä- rungen darüber g?be, ob die Aufhebung des Artikels V. nicht durch die Vermählung der Prinzessin herbeigeführt, auch nicht Dänemarks Stellung betreffs eines gütlichen Abkommens mit Deutsch and erschwert sei.
— Eine Deputation aus Hadersleven soll sich, wie die „Magd. Ztg " hört, nach Berlin begeben, um dem Kaiser eine Adresse zu überreichen, in welcher ihm der Dank der deutschen Bevölkerung Nordschleswigs für die Aufhebung des Art. 5 des Präger Friedens ausgesprochen wird.
— Aus Metz wird geschrieben: Da durch starke Einwanderung die unmittelbar nach dem Kriege erfolgte Verminderung der Äevölke- rungsziffer ausgeglichen ist, so zählt Metz nach der von der städtischen Verwaltung letzten Herbst vorgenommenen Zahlung ungefähr so viele Seelen wie vor dem Kriege. Bezüglich der Nationalität sind etwa die Hälfte der Einwohnerschaft Deutsche. Die Zahl letzterer erhöht sich nach den statistischen Nach Weisungen der letzten Jahre regelmäßig. Wenn dies so fortgeht, so wird Metz in wenig Jahrzehnten eine vorwiegend deutsche Bevölkerung zählen. Metz hat jetzt ca. 50,000 Einwohner.
— Hamburg, 12. Febr. In der heutigen Sitzung der Bürgerschaft wurde der Antrag des Senats, betr. die Uebertragung der Konzession zum Bau und Betrieb der auf hamburgischem Gebiete liegenden Strecke einer Eisenbahn von Hamburg nach Cuxhasen an eine unter dem Namen „Unter Elbe^che Eisenbahngesellschait" neu zu begründende Eisen« baongesellschaft, mit zwei von dem Ausschusse gestellten Bedingungen definitiv genehmigt.
— München, 13. Febr. (R. u. St.-A.) Abgeordneten-Kammer. Der Gesetzentwurf über die Erbschaftssteuer wurde mit 137 gegen 1 Stimme angenommen. Im Laufe der Debatte erklärte der Finanz- Minister, bezüglich der Reform der direkten Steuern in Bayern solle zunächst eine Revision der Einkommen erfolgen, die übrigen direkten Steuern dagegen vorläufig unverändert bleiben. Der Minister ersuchte ferner die bayerischen Reich-tags-Abgeordneten, im Reichstage das Projekt der Verrechnung der Reichseinnahmen durch indirekte Steuern möglichst zu unterstützen, da dies dem Budget Bayerns vortheilhaft sein würde.