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Afghanistan, so können die Engländer lange auf dessen Unterwerfung warten. Vom afghanischen Kriegsschauplatze erfährt man auch, daß Jakub Khan, der Sohn des Emirs, die Forderungen der Eng'ander ab- gelehnt und seinen Entsch'uß kund gegeben hat, im Auftrage seines Va­ters das Land zu vertheidigen Die Engländer wollen daher den ab­trünnigen Bruder des Emirs von Afghanistan, den Vali Mohamed, auf den afghanischen Thron haben. Jakub Khan hat auch in der af­ghanischen Hauptstadt Kabul einen Aufstand zu bekämpfen, und sind deshalb die Zustände in Afghanistan wahrhast trostloser Natur.

In der Türkei ha'en die obwaltenden Zustände keine Verände­rungen erfahren, nur ist zu erwähnen, daß die Türkei endlich an Mon­tenegro mehrere Gebietstheile abgetreten hat und daß die Uetzergabe von Epuz und Podgoritza an die Mmtenegriner wahr cheinlich demnächst erfolgen wird.

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1— Der „R. u. St-A." Nr. 32 enthält: Gesetz wegen anderwei­tiger Fassung des §. 41 Absatz 2 des Gesetzes, betr. die Ausführung des Bundesgesetzes über den Unterstätzungswohnsitz, vom 8. März 1871 (Gesetz-Sammlung S. 130 ff.). Vom 20. Januar 1879.

— Bekanntmachung auf Grund des Reichsgesetzes vom 21. Oktbr. 1878. Nach dem „R u St.-U." Nr. 32 wurden unterm 3. Februar verboten: die Nr. 4 der periodischen Druckschrift: „Reichswauwau mit Freigeist", Redaction, Druck und Verlag von Adam Weber in Nürn­berg, unb das fernere Erscheinen derselben; sowie die nicht periodische Druckschrift: „Der Schutz des Arbeiters in der internationalen Arbeiter- Gewerksgenossenschast" von A. Otto-Walster, Dresden, im Selbstverlag des Verfassers. 1870.

— Berlin, 6. Februar. (Abgeordnetenhaus) Im weiteren Ver­laufe der gestrigen (44.) Sitzung nahm das Haus Petitions berichte ent­gegen. Wir erwähnen unter anderen:

Die im Staatseisenbahndienste stehenden Civil-Supernumerare bitten, dahin zu wirken, daß sie alternirend mit den in Dienst tretenden Mili- täranwärtern zur Anstellung gelangen. Die Kommission beantragte Ue- bergang zur Tagesordnung, in der Erwartung, daß die Regierung fort- fahren werde, nach Möglichkeit die Herstellung des reinen Alternais zwischen Militäranwärtern und Civil-Supernumeraren zu beschleunigen. Der Abg. Freiherr von Heeremann befürwortete, die Petition aus Billigkeitsgründen der Regierung zur Berücksichtigung zu überweisen, womit sich das Haus nach kurzer Debatte einverstanden erklärte.

Der Ober Bergra'ch a D. Wachter, General-Bevollmächtigter des Grafen Guido Henckel von Donnersmarck hatte um Erlaß eines Noth­gesetzes für Schlesien, betr die Feststellung und Aufbringung der Leh­rergehälter gebeten, weil die Gutsbesitzer zu sehr belastet wären; mhrere Gemeinden hatten dasselbe Petitum gestellt, weil sie eine Umlage der Schulunterhaltungskosten nach Maßgabe des Erwerbes wünschen.

Die Kommission beantragte: „Ueber das auf Erlaß eines Noth­gesetzes für Schlesien gerich ete P.titum zwar zur Zeit zur Tagesord­nung überzugehm", gleichzeitig aber zu erklären: „daß die durch An­wendung des Schulreglements vom 18. März 1801 auf heutige Ver­hältnisse vielfach entstehenden Mißstände einer Abhülfe im Wege des Gesetzes in kürzester Zeit dringend bedürfen." Das Haus trat diesem Anträge mit großer Majorität bei, worauf es sich um 41/* Uhr ver­tagte.

In der heutigen (45.) Sitzung wurdm zunächst ohne Debatte die Gesetzentwürfe, betr. die Dienstverhältnisse der Gerichtsschreiber, betr. die Abänderung von Bestimmungen der Disziplinacgesetze und der Ent­wurf einer Haubergsordnung für den Kreis Siegen in dritter Berathung erledigt. (R. u. St.-A)

— Berlin, 6. Febr. Fürst Bismarck ist mit seiner Familie gestern Abend 9 Uhr hier eingetroffen.

— Bezüglich des internationalen Vertrages über den Eisenbahn- frachtverkehr haben die Bundesrathsausschüsse vorgeschlagen: „Der Buu- desrath wolle sich damit einverstanden erklären, daß, vorbehaltlich der Ratifikationen und abgesehen von den durch die weitern Verhandlungen etwa nöthig werdenden Modifikationen auf der Grundlage der oorgeleg- ten Entwürfe und unter thunlichster Berücksichtigung der von den Aus­schüssen empfohlenen Aenderungen, Namens des D. Reiches ein Ver­trag mit den übrigen in der Berner Konferenz vertreten gewesenen Re­gierungen abgeschlossen werde “ Die Versammlung faßte über die wün- schenswerthen Aenderungen vorläufig Beschluß, hat sich aber die Schluß­abstimmung noch für eine der nächsten Sitzungen Vorbehalten.

— In der am 29 v. M. gehaltenen Ausschußsitzung des Kon­gresses deutscher Landwirthe sind der 24 und 25. Febr. als die Ver- samn^ungstage für den diesjährigen Kongreß, und Berlin wieder als Versammlungsort bestimmt werden. Als erster, Gegenstand ist „die Stellung der Landwirthschaft zu den wirthschaftlichen Reformplänen des Fürsten Reichskanzlers" in Aussicht genommen; Punkt 2 wird die

Wucher- und Wechselfrage sein und Nr. 3 die Frage der Scha'pscken- imp ung Die Sitzungen finden im Englischen öaufe statt. Jede Aus­kunft ertheilt das Bureau des Kongresses deutscher Landwirthe, Berlin SW., Alte Jakobs str. 132. (Schv.Merk.)

— Bonn. Eine Synagogen-Einweihung wie sie selten vor- kommt, fand hier am 31. Januar statt. Um 2 Uhr begann der Ab­schiedsgottesdienst in der alten Synagoge, welcher namentlich durch die ergreifende Abschiedspredigt des Rabbiners Dr. Schreiber ein sehr rührender wurde. Gegen 3 Uhr begab sich der Festzug aus 22 Thora- trägern ic. bestehend, durch die prachtvoll beflaggte Judengasse zum neuen Tempel am Rhein. An diesem Zuge nahmen Theil die städtischen Behörden, vertreten durch den Oberbürgermeister, den Stadtrath, den Landrath, die Regierung war durch den Ober-Regierungsrath v. Florschütz vertreten, die evangelische und altkatholische Geistlichkeit (Bischof Reinkens), die Universität (Rector Geheimrath v. Beseler, Richter und verschiedene Professoren), das Gericht und sehr viele Bürger aller Confessionen. In einer schönen, die Eintracht und Opferwillig­keit der hiesigen Gemeinde betonenden Rede öffnete Oberbürgermeister Dötsch mit dem ihm durch den Gemeindepräses Herrn R. Goldschmidt nach einer treffenden Ansprache überreichten Schlüssel das der Stadt zur großen Zrerde gereichende Gotteshaus. Mit Musik und rühren­dem, von gemischtem Chöre gut ausgeführtem Gesänge wurde die Ein­weihungsfeier eingeleitet, welche über zwei Stunden dauerte. Einen sichtlich tiefen Eindruck machte auf alle Anwesenden die R:de vor dem Anzünden der ewigen Lampe und die an Gehalt und Form gleich fesselnde Festpredigt des Dr. Schreiber. Auch Der Prinz Wilhelm von Preußen hatte sein Erscheinen zur Füer zugesagt, wurde aber durch einen Unfall, der ihm auf dem Fechtvoden zustieß, abgehalten. Die Ge­meinden Köln und Coblenz schickten Deputationen. Der hier einge­führte Gottesdienst ist ein reformirter nach dem Prinzip des Geiger'- schen Gebetbuches. Dr. Schreiber gat auch unter dem Titel: „Die jüdische Gemeinde Bonn" eine Festschrift veröffentlicht, in welcher u. Andern nachgewiesen wird, daß dir Gemeinde nahezu tausend Jahr alt ist.

— Minden, 5. Febr. Bei der Entgleisung des Cöln-Berliner Courierzuges unweit der Station Porta, in der leflen Nacht, wurde nur der Zugführer anscheinend sch ver verletzt. Ein Postsekretär, zwei Postschaffner und mehrere Passagiere erlitten leichte Verletzungen.

— Wien, 6. Febr. (Köln Ztg.) In der heutigen Sitzung des Herrenhauses re'erirte der Berichterstatter Hasner über den Berliner Vertrag, welcher ohne Debatte einstimmig angenommen wurde.

— Kopenhagen, 5. Februar. Der Transport über das Eis zwischen Seeland und Fünen, sowie zwischen Seeland und Faffter, dau­ert fort. Der Sund ist mit Eis bedeckt. Nur die Dampfschiffahrt von Helsingör nach Helsingborg ist im Betriebe. Das Kattegat tft voll von Eis.

— Paris, 6. Febr. Der Präsident Gcöoy wird am Sonnabend das diplomatische Corps empfangen.

— Paris, 6. Febr., Borm. (Köln. Ztg) Die Räpubliqne Fran?aise erfährt, die Botschaft des Präsidenten würde von keinerlei ministerieller Erklärung begleitet sein. Sie würde die Nothwendigkeit betonen, daß sich die Regierung fortwährend im Einklänge mit den Wünschen der Nation befinde, und würde auffordern zu fruchtbringenden Arbeiten, die sich frei erhielten von jeder Beunruhigung über die Form der Regierung. Endlich würde sie Maßregeln der Beruhigung ankün­digen, durch welche der Sch eier der Vergessenheit über das Vergangene gebreitet werden solle, und alle Bürger auffordern zum Vertrauen und zur Einsicht. — Das Journal Officiel veröffent icht ein Decret des Präsidenten, wonach ein neues Ministerium für Post- und Telegraphen« Wesen geschaffen wird Zum Munter für Post- und Telegraphenwesen wird der Deputirte Cochery ernannt.

— London, 6. Febr. Wie der „Standard" erfährt, haben die Regierungen von England und Portugal beschlossen, gemeinsam gegen den Sklavenhandel zwischen Mozambique und Madagascar vorzugehen.

— Malta, 5. Febr. (Köln. Ztg.) Seitens der eng ischen Be­hörden ist für alle aus dem Schwarzen und dem Asowschen Meere kommenden Schiffe eine 2ltägige Quarantäne angeordnet worden.

— St. Petersburg, 6. Febr. (R. u. St. A.) Offiffelles Tele­gramm aus Astrachan, vom 5. Febr. In Wetljanka und Umgegend kein Kranker. In Selitrennoje und Umgebung befanden sich am 3. d. M. 5 Kranke; davon sind 2 gestorben. Ein neuer Erkrankungsfall kam nicht vor, es blieben daher am 4. d. 3 Kranke. In Tschernojarsk hat die Krankheit keine Fortschritte gemacht, in Vissoko herrscht der gewöhn­liche Typhus. — Ja d m vor dem hiesigen Kreisgerrchte anhängigen Prozesse gegen den Kassirer der gegenseitigen Bovenkreditgesellschaft, Juchantzeff, ist gestern Abend das Urtheil gefällt worden. Der Ange­klagte wurde der widerrechtlichen Aneignung von 2 Millionen Rubel aus dem Kassenbestande schuldig erkannt und unter Verlust aller beson­deren Rechte zur Verbannung nach Sibirien verurtheilt.