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Nr. 32.

Freitag den 7. Februar

1879.

Amtliches.'

Bei der letzten Revision ist eine große Menge Gewichte und Waagen vorgekunden worden, welche die vorgeschriebenen Gren en der Verkehrsfehler überschritten haben. Da die Ueberschreitung der Fehler- grenre in der Regel äußerlich nicht m er'ennen, zuweilen auch uner­heblich ist, und die Confiskotion solcher Gewichte rc rft als eine schwere Strafe empfunden wird, wird das gewerbetreibende Publikum hierdurch aufgefordert, die im Verkehr befindlichen Maaße, Gewichte und Waagen bei dem Aichamt einer Prüfung unterließen resp. berichtigen zu lassen. Bei der nächsten Revision wird die Confislation unrichtiger Maaße rc. unnach sichtlich erfolgen

Hanau am 5. Februar 1879.

Metzger Karl Kirchmann zu Eckenheim hat zum Betrieb der Schlächterei in der an der Frankfurter Straße gelegenen Hofraithe des Themas Kirchmann, Karte G Nr. 50 Brandversicherung Nr. 68 um die nach § 16 der Gewerbe-Ordnung vom 21. Juni 1869 erforderliche Gestaltung nachgesucht.

Etwaige Einwendungen sind binnen 14 Tagen, bei Meidung des Ausschlusses, hier vorzubringen. Die Pläne und Beschreibungen des Projects liegen während obiger Zeit hier offen.

Hanau am 4. Februar 1879.

Der Landrath.

Rundschau.

R. F. Eine sich seit Jahren dahin schleppende Frage unseres Vaterlandes ist nunmehr zum nicht geringen Erstaunen der meisten un- eingeweihten Politiker plötzlich begraben worden. Die Kaiser von Deutschland und Oesterreich sind durch ihre Bevollmächtigten, den beut schen Botschafter Prinz Reuß in Wien und den österreichischen Kanzler Graf Andrassy, dahin übereingekommen, den berüchtigten Nord-Schleswig betreffenden Passus des Artikel V des im Jahre 1866 abgeschlossenen Präger Friedens aufzuhe^en und zwar ist dies von Seiten des erlauch­ten Kaisers von Oesterreich deshalb geschehen, um die zwischen Deutsch­land und Oesterreich bestehenden Bande der Freundschaft noch enger zu schließen. Die betreffende außer Kraft gesetzte Vertragsclausel des Ar­tikel V des Präger Friedens lautet,daß die Bevölkerung der nörd­lichen Distrikte von Sch eswig, wenn sie durch freie Abstimmung den Wunsch zu erkennen gebe, mit Dänemark vereinigt zu werden, von Preußen mit dem betreffenden Gebiete an Dänemark abgetreten werden sollen Eingeflickt wurde diese Clausel in den Präger Frieden auf be­treiben des damals noch dominirenden Frankreichs, resp Napoleon's III, und nicht ausgeführt wurde die Bestimmung, weit einestheiis Dänemark in den letzten Jahren eine Deutschland feindselige Haltung zeigte und anderentheiis die dänische Regierung zu hoch stehende Anforderungen stellte, unter Anderem wollte Dänemark auch die Insel Alsen ;urück- Haken. Seit der Verheirathung des Herzogs von Cumberland, des Sohnes des verstorbenen Exkönigs von Hannover, mit der dänischen Prinzessin Thyra ist die sogenannte Welfenfrage mit der Dänenfrage auch auf seltsame Weise verquickt worden. Leifische Deputationen find am däni chen Hole freundlich aufgeMmmen und mit hohen Orden deko- rirt worden. Dieser Umstand hat dargethan, was für Gesinnungen nunmehr im dänisch-welfischen Lager gehegt werden. Dieselben gipfeln einfach in der Wiedereinsetzung des Herzogs von Cumberland als König in Hannover und der von Dänemark ohne Vorbehalt verlangten Abtre­tung N-rd-SchleSwigs. Diese Sachlage läßt also vollk-mmen die Wichtigkeit erkennen, daß Deutschland im Einverständnisse mit derVer- tragsmacht Oesterreich die Dänenfrage durch Aufhebung der betreffenden Vertragsclausel beseitigte, denn angesichts der lebenden Factoren, mit denen wir gewohnt sind, seit der Errichtung des geeinigten Reiches in unserem Vaterlande zu rechnen, können die Nörgeleien deutschfeindlicher Parteien nicht den ewigen Zankapfel in unserer Pontik a-gettn.

In unserer inneren Politik nierlt man, daß wichtige Entscheidun­gen nahen. Der Bundesrath arbeitet ununtertrrchen an den ihm vor­liegenden Gesetzentwürfen für den Reichstag und der Reichskanzler Fürst

Bismarck ist auch von seinem Landsitze Friedrichsruh nach Berlin zu- rückge'ehrt, um den Berathungen des Bundesrathes nahe zu sein. Der Bundesrath wird sich am Ende der Woche auch m't den Anträgen be­schäftigen, die seine Ausschüsse hinsichtlich des Strafgewaltgesitzentwurss für den Reichstag stellen.

Ueber das Resultat des Kriegsgerichts in Sachen des Panzer- schifies »Großer Kurfürst" sind viele Gerüchte im Umlauf Derartige Nachrichten entbehren aber vorläufig jeder Begründung, denn das Ur­theil des Kriegsgerichts wird noch vollständig geheim geha'ten und erst nach dem Gutachten des Generalaudoriats durch kaiserliche Entscheidung in Kraft treten, Hs dahin hat es aber wohl noch acht Tage Zeit.

Trotz der günstigen Nachrichten über den Stand der Pest in Ruß­land fährt die Reichsregierung fort, Maßregeln gegen eine Einschleppung der Pest ru ergreifen. Auf das Verbot der Einführung resp. beschränk­ten Einführung gewisser Hande'sartikel aus Rußland ist eine Verord­nung über die Pafpflichtigkeit der aus Rußland kommenden Reisenden er'assen worden, wonach jeder Reisende glaubwürdig nach-nweisen hat, daß er innerhalb der letzten 20 Tage keinen von der Pest heimge uchten Distrikt berührt habe, im entgegengesetzten Falle treten für die Reisenden Ouarantärenmaßrege'n in Kra t. Am Dienstag hat sich auch der zum Studium der Pestepidemie ausgewählte Dr. Hirch aus' Berlin in Be- g'eitung zweier anderen Aerzte nach Rußland begebeu, wo sie in War­schau mit ihren österreichischen Collegen zusammentreffen wollen. Es sei auch hier erwähnt, daß wie Deutschland auch Oesterreich und Ru­mänien unpassende Maßregeln zur Controle ihrer Grenzen getroffen haben, Rumänien hat sogar zwei Truppencordons ausgestellt.

Das parlamentarische Leben in unserem Landtage ist mit dieser Woche wieder lebhafter geworden. Seit Mittwoch hat auch das Herren­haus seine Berathungen wieder ausgenommen, und das Abgeordnetenhaus muß angestrengte Sitzungen halten, wenn es mit den Etatterathungen und den Justi gesehen recht eilig fertig werden will.

Im Finanzausschüsse des dayeri chen Abgeordnetenhauses beantragte der Re erent Walter eine Herabminderung der Militärlast, doch wurde der Antrag nach längerer Berathung abgelehnt. Die badische Abge­ordnetenkammer hat die badisch schweizerische Grenzregulirung bei Con- stanz vorbehatlich der Genehmigung des deutschen Reiches gebilligt.

Im österreichischen Reichsrath ist man mit der Berathung des Berliner Vertrages immer noch nicht ganz fertig, obwohl es schon lange gleichgiltig geworden ist, ob der österreichische ReichsrathJa" oder Nein" zum Berliner Vertrage sogt. Nichtsdestoweniger scheint man nach einer Kundgebung in Pest auch im ungarischen Reichstage Lust zu haben, den Berliner Vertrag zu berathen und man kann da in Pest dasselbe widerwärtige parlamentarische Schauspiel wie in Wien ersehen.

Die rapiden Po itichen Perionalveränderungen in der französischen Republik ziehen noch immer die allgemeine Aufmerksamkeit auf ficß unb es scheint, als ob die an's Ruder gelangte definitive Republik einen tüchtigenpwitifchen Kehraus" halten wollte. Denn die Ersetzung des Präsidenten Mac Mahon durch den biederen Republikaner und Kam­merpräsidenten Jules Grevy war nur der oberste Personenwechsel. Auch der Ministerpräsident Dufaure rermechte sich angesichts der neuen Lage nicht mehr aus feinem Posten zu halten, und hat, aus Antrieb des Prä­sidenten Ersry, der bisherige sran ösische Minister des Aeußern Wad- dington, ein »ehr gemäßigter Staatsmann, die Leitung des Ministeriums, aus denen übrigens auch noch einige bisherige Mitglieder ausscheiden werden, ülernrmmen. Auch sollen nicht vier, sondern zehn französische Generäle ihrer Posten als Corpscommandanten enthoben werden. In nächster Woche erwartet man auch eine Botschaft des neuen Präsidenten, in welcher er sein auf sieben Jahre berechnetes Regierungsprogramm kundgeoen wird. , ! .

Eng'and hat nun wirklich neben seinem langwierigen Kriege unt Afghanis an in Centra'afien auch nrch einen Krieg mit dem Könige der Zululafiern in Südafrika, da der letztere die englischen Forderungen um eantwortet gelasse.n hat. Die Engländer trösten sich damit, daß der Zulukönig bald vor ihrer Waffenmacht zu Kreuze kriechen werde, doch wenn dieser König, Namens Cetywayo, so handelt, wir der Emir vo«