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Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanar^ Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.
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Nr. 23.
Dienstag den 28. Januar
1879.
Amtliches.
Für Michael Heinrich Kropp zu Kilianstädten, 33 Jahre alt, ist um einen Paß zur Reise noch Amerika nachgesucht worden.
Hanau am 24. Januar 1879.
Mit Bezugnahme auf die Bekanntmachung im Kreisblatt Nr. 8, wonach am 1 ds. Mts. bei Würzburg eine unbekannte Mannsperson im Ma n ertrunken, wird veröffiml-cht, daß die Leiche geländet und die Identität des Verunglückten festgeftellt ist.
Hanau am 24. Januar 1879.
Der Landrath.
Rundschau.
E. F. Nachdem unser Erdtheil in politischer Beziehung in nahezu desriedtgender Weise beruhigt worden ist, wird derselbe nun von einer Seite in Sorge und Unruhe gebracht, von wo aus man es wohl am wenigsten erwartet hätte. Denn trotz des gegenwärtig fast in ganz Europa harschenden Winters ist im östlichen Theile des Erdtheils, im südlichen Rußland, eine Seuche ausgetreten, die, ihrem bösartigen Charakter eut pichend, entweder die asiatische Pest oder doch eine Epidemie von gleicher Furchtbarkeit ist. Außerdem scheint es, daß dieser schlimme Gast in Rußland eher im Zunehmen als im Abnehmen begriffen ist und unter diesen Umständen sinken fast alle anderen den Erdtheil bewegenden Fragen zur halben Gleichgültigkeit herab. Die furchtbare von der in Rußland ausgebrochenen Pest allen Völkern Europas drohende Gefahr hat denn auch bereits Deutschland und Oesterreich veranlaßt, Schritte gegen die Ausbreitung der Pest zu thun und ist in Wien von einer deutsch-österreichischen Commission festgesetzt worden, daß deutsche und österreichische Aerzte sich in Rußland an Ort und Stelle über Wesen und Ausbreitung der Krankheit ori-ntiren sollen und daß schleunigst Maßregeln bezüglich des Grenzverkehrs mit Rußland zu treffen und tm Nothfülle entsprechend zu steigern sind.
Unser sich einer rüstigen Gesundheit erfreuender Kaiser hielt am letzten Sonntage die Feier des Krönungs- und Ordensfestes in der her- vorgebrachten Weise ab. Am Vormittage senden die Ordensverleihungen und um 12 Uhr Mittags ein Gottesdienst in der Echloßkapelle statt. Nach 1 Uhr Nachmittags begann dann das Galadiner im Weißen Saale des Königlichen Schlosses. Am Montage hielt der Kaiser das Capitel des Schwarzen Adler-Ordens ab und wurden auf den Vorschlag des Kaisers der deutsche Botschafter in Paris Fürst Hohenlohe und der General der Infanterie v. Bryen als Ritter dieses hohen Ordens ausgenommen.
Der Bundesrath hielt am 25. Januar eine Plenarsitzung unter dem Vorsitze des Reichskanzleromtsprösidenten Staatsminister Hosmenn. Es handelte sich in der Sitzung um Erledigung resp. Entgegennahme einer Menge kleinerer Angelegenheiten, wie Entwürfe eines Gesetzes über die Verwaltung der Dominialnutzungen in Elsaß-Lothringen, Nachweis der verfügbaren Bestände im Reichshaushaltetat, Uebersicht der Ausgaben und Einnahmen der Landesverwaltung von Elsaß-Lothringen, Uebersicht der Betriebsergebuisse der deutschen Bahnen u. s. w. Der Justizaus- schuß des BundesratheS wird sich am Mittwoch mit dem Gesetzentwürfe betreffend die Disciplinargewalt des Reichstags beschäftigen.
Das Kriegsgericht in Sachen des Unterganges des „Großen Kurfürst" hat am Montag seine Verhandlungen begonnen. Auch in Sachen des untergegangenen Dampfers „Pommerania" hat das deutsche Seeamt in Hamburg eine neue Untersuchung eingeleitet und werden nunmehr als Zeugen auch d.e Mannschaften des bei dem Schiffszusammenstoße be- Iheilrgten englischen Dampfers verhört.
Unser Abgeordnetenhaus hat in seinen letzten Sitzungen wohl recht nützliche Gegenstände berathen, doch waren sie ihrer ganzen Natur nach wenig geeignet, das öffentliche Interesse zu erregen, und wir erwähnen daher nur, daß eS Vorlagen über Radfelgenbeschlöge, Sch'fffahrtsgerichte, Fluhzollgerichle u. s. W. waren, welche 6^ "^geordnetenhaus erledigte.
In der bayerischen Kammer wurde Antrag des Abgeordneten Schels, welcher sich mit der Abänderung der Landtagswahlgefetzes be
schäftigt, an eine Commission verwiesen, obgleich der Abg. Herz wiederholt erklärte, der Antrag Schels sei nicht annehmbar und enthalte auch nicht die gewünscht n Reformen.
Die badische Kammer genehmigte den Gesetzentwurf wegen Con vertirung der Spree. Anleihe unverändert und die hessische zweite Kammer wurde auf den 3. Februar einberufen.
Der im brsunschwrigischrn Landtag eingebrachte „Gesetzentwurf" über die „Regentschaft" hat die Erbfolge- und Regentschaftsfrage in ein neues Stadium gebracht und wird die Frage in Maßgebenden Kreisen erörtert, was geschehen werde für den Fall, daß der Sohn des Herzogs von Cumberland (Sohn des früheren Königs von Hannover) bei Erledigung des braunschweigiichrn Thrones noch wie bisher auf dem Boden der Verneinung stehen bleiben sollte.
Die öffentliche Meinung in Oesterreich wird jetzt vorwiegend von der aus Rußland drohenden Pestgefahr beherrscht und beschäftigt man sich bereits mit dieser Angelegenheit in den Parlamenten. Im öster-- re chifcheu Abgeorduetenhanse antwortete der Ministerpräsident auf eine diesbezügliche Interpellation, daß nach den Mittheilungen des auswärts- gen Amtes die Ep demie nur in 6 Ortschaften an der Wolga und auf einigen Wolgainsel» herrsche, bis nach Rischneinowgorod sei jedoch die für die Pest gehaltene Seuche noch nicht vvrgedrungm, ebenso sei die Seuche nicht über den russischen Truppencoe don hinaus bemerkbar geworden. Zu den äußersten Vorsichtsmaßregeln zu greifen, erscheine daher zur Zeit noch nicht nothwendig, doch wende die österreichische Regierung im Verein mit der ungarischen und deutschen dem G genstande fortwährend ihre Aufmerksamkeit zu.
In der italienischen Deputirtenkammer haben am 24 Januar die Verhandlungen über den österreichisch-ungarischen Handelsvertrag begonnen. Der Depntirte, frühere Minist-r, SeiS-mit-Doda, sprach für den Vertrag, dessen Vortheile für Italien von ihm nachgewiesen wurden. Die Regierung unterbreitete auch der Kammer die Convention bezüglich des Beitritts Italiens zum Weltpostvertrag. Die Debatten im Senate über die auswärtige Politik Italiens haben mit der Annahme der vorn Senator Moniezomolo eingebrachten motivirten Tagesordnung, welche von dem Cabinet acceptirt wurde, ihren Abschluß erhalten. Der Ministerpräsident Depretrs ließ es sich angelegen sein, das freundschaftliche Verhältniß zu betonen, welches Italien mit Deutschland verbinde. — Papst Leo XIII. hat laut einer telegraphischen Meldung der „Agenzia Stefani" alle Cardinäle aufgewrdert, sich am 20. Februar in Rom ein» zu finden. Der Papst wird an der Kongregation der Cardinäle the^i- nehmen und denselben seine Absichten bezüglich der Ernennung neuer Cardinäle und andere die Kirche betreffenden Fragen mittheilen.
In Frankreich bemühen sich gegenwärtig alle republikanischen Par teien, um mit dem Ministerium Dufaure in möglichster Eintracht zu leben, denn sie haben eingesehk», daß es einen sehr übelen Eindruck im Lande machen würde, wenn nach den siegreichen Senatswahlen die fron- zösiichm Regiekurigsverhältnisse noch fortwährend schwankten. Befürwortet wird vor allen Dingen die Einigkeit und Mäßigkeit unter den französischen Republikanern durch deren erste Parteiführer Grevy und Gambetta.
Die Königin Victoria von England beabsichtigt in diesem Jahre ncch Deutschland zu reisen und glaubt man, daß dies schon im April starr finden werde. Die Königin will zunächst das Grab ihrer Tochter der Großherzogin Alice von Hessen Darmstadt besuchen und dann wird sie sich nach Coburg begeben.
Obwohl die italienischen Angelegenheiten hinsichtlich des Abschlusses des definitiven russisch-türklschen Friedens ziemlich gut stehen, so ist, wie man auS Konstautincpel erfährt, die Lage der Türkei dennoch eine ganz verzweifelte und zwar wegen der traurigen financiellen und wirthschaft- lichen Lage. Das türkische Papiergeld sinkt immer mehr im Preise und die Banken des Landes stehen auf außerordentlich schwachen Füßen, der Geschäftsverkehr stockt, die Verarmung des türkischen Volkes schreitet ärmer weiter und mit den entsetzlichen Kalamitäten lockern sich euch gleichzeitig alle Bande der gesellschaftlichen und staatlichen Ordnung ur der Türkei.