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modische» Zeitschrift: Neue Welt. Jllustrirtes Unterhaltung Sblatt für das Volk.
— Berlin, 25. Januar. (Abgeordnetenhaus.) Im weiteren Verlaufe der gestrigen (35.) Sitzung setzte das Haus die Berathung über den Antiag des Abg. Frhrn. von Heereman, in Bezug auf den dem Bundes: athe vorgelegten Gesetzentwurf, betr. die Strafgewalt des Reichstages über seine Mitglieder, fort. Zu demselben hatten die Abgg. Dr. Laster, Dr. Miguel, Dr. Hänel, Dr. Virchow und Genossen folgenden Antrag eingebracht:
Das Haus der Abgeordneten wolle beschließen: „Unter Ablehnung des Antrages des Abg. Frhrn. von Heeremann zu erklären:
1) daß die bestehenden Garantien der Redefreiheit, die selbständige Ordnung des Geschäftsganges im Parlament und der Disciplin seiner Mitglieder die unerläßlichen Grundlagen sowohl der preußischen Verfassung wie der Reichsversassung bilden;
2) daß gegenüber dem im Bundesrath eingebrachten Gesetzentwurf dem Deutschen Reichstag die Wahrung der ihm verfassungsmäßig zustehenden Rechte vertrauensvoll zu überlassen ist “
Nach längerer Debatte wurde über den Antrag Lasker rc. getrennt abgefiimmt. Der erste Theil desselben wurde mit großer Majorität angenommen ; der zweite Theil, und ebenso der Antrag im Ganzen wurde sodann ebenfalls mit geringer Majorität angenommen. Der 8h trag von Heereman war somit gefallen Hierauf vertagte sich das Haus um 4^ Uhr.
In der gestrigen Abendsitzung stand die Fortsetzung der zweiten Berathung des Kultus-Etats Kap 126a Titel 14a. (Wohvuvgszu- schüsse rc.) mit dem Berichte der Kommission über die Petitionen in Betreff des technischen Unterrichtswesens auf der Tagesordnung. Die Kommission hatte beantragt, über die Petition des Baarath Hobrecht und Genossen — zum Examen für das höhere Bauwesen nur diejenigen jungen Leute zuzulassen, die ihre Vorbildung in einem Gymnasium oder Realschule I. Ordnung erhalten hätten — zur Tagesordnung überzu- gehen, was schließlich auch geschah.
In der heutigen (37.) Sitzung wurden auf einen von Mitgliedern aller Fraktionen unterzeichneten Antrag in einer Abstimmung folgende 7 Vorlagen in dritter Berathung en bioc angenommen: die Staatsver- träge mit verschiedenen Staaten über die Begründung von Gerichtsge- meinschaften; der Entwurf einer Hinterlegungsordnung; die Gesetzentwürfe, betr. die Ausführung der Deutschen Civilprozeßordnunz; zur Ausführung der Konkursordnung; betr. die Uebergangsbestimmungen zur Deutschen Civilprozeßordnunz und Deutschen Strafprozeßordnung; betr. die Zwangsvollstreckung in das unbewegliche Vermögen und betr. die Zwangsvollstreckung gegen Beuefizialerben und das Aufgebot der Nachlaßgläubiger im Geltungsbereiche des Allgemeinen Landrechts.
Es folgte die zweite Berathung des Gesetzentwurfs, betr. die Befähigung zum höheren Verwaltungsdienst. (R u. St.-A.)
— Der Finanz-Minister hat unter dem 23 Novbr. v. I. genehmigt, daß allen außeretatsmäßig mit einem den Betrag von 750 Mark jährlich übersteigenden fixirten Diätenbezuge angestellten Mitgliedern der Königlichen Regierungen, welche der Allgemeinen Wittwen-Berpflegungs- anstalt mit einer Versicherung ihrer Ehefrauen beitreten, d-eser Eintritt fortan, nachdem sie in Gemäßheit des Pensionsgesetzes vrm 27. März 1872 die Pensionsberechtigung erlangt haben, ohne Beschränkung auf einen geringeren als den statutenmäßigen Betrag der Versicherungssumme zu gestatten ist.
— Soviel bis jetzt aus officiösen Mittheilungen zu ersehen, werden nachstehende Osficiere als Richter bei dem Kriegsgericht in Sachen des Großen Kurfürsten fungiren: 1. Classe: General der Cavallerie v. Rheinhaben, zugleich Präses, General-Lieutenant v. Dannenberg, General-Lieutenant v. Bülow. 2. Classe: Contre- Admiral Berger, Capitän z. S. Livsnius, drittes Mitglied unbekannt. 3. Classe: Capi- täns zur See Frhr. v. Schlei» tz und Knorr, Corvettencap.tän Karcher. Diesen drei Cmssen liegt die Fällung eines Urtheils gegen den Admiral Bet ch ob. Zur Aburtheilung der anderen Angeklagten müssen noch andere Richterclasfin einberufen werden; über die jedenfalls schon erfolgten Commandrrungen verlautet noch nichts. Im Ganzen sollen 12 Marine-Osficiere als Richter am Kn g$geriet thelinehmen. (Köln. Ztg.)
— Wie die Luxemburger Zeitung meldet, soll Prinz Alexander der Niederlande zum Nachfolger seines Onkels, des Prinzen Heinrich, als Statthalter des Großherzogthums ernannt werden.
— Paris, 24. Jan. (Köln. Ztg.) Die Agence Havas vernimmt, gestern Abend auf einer Abendgesellschaft im Ely 6e habe der Marschall Mac Mahon dem Präsidenten der D putirtenkammer Herrn Grävy erklärt, er werde zurücktreten, wenn die Mmistec vom 16. Mai in Anklagezustand versetzt würden.
— St. Petersburg, 24. Jan., Vormittags. (R. u. St-A.) In Bestätigung früherer Nachrichten kann gemeldet werden, daß Schrr Ali nicht räch St. Petersburg kommen, sondern in Taschkent bleiben wird. — Nachm. 2 Uhr. Heute fand in der großen Kirche des Winterpalais
die Trauung Sr. Königlichen Hoheit des ErbgroßherzogS von Mecklen- burg-Schwerin mit Ihrer Kaiserlichen Hoheit der Großfürstin Anastasia Michailowna von Rußland statt.
— Der Polit. Corr wird aus Adrianopel vom 12. gemeldet: Fürst Dondukow hat kürzlich einer aus den reichsten und angesehenst?« Kreisen Bulgariens und Rumeliens bestehenden Deputation auf die Frage, ob die Zeitungsnachricht daß er für den bulgarischen Thron nicht als Candidat auftrete, begründet sei, die Antwort gegeben, daß er nach reiflichem Nachdenken zu der Ueberzeugung gekommen, daß es bester sei, wenn kein Russe, sondern ein fremder Fürst diesen Thron einnehme. Aus diesem Grunde habe er, so sehr schwer ihm dies auch gefallen sei, auf die ihn ehrende und beglückende Aussicht, zur Herrschaft des bulgarischen Landes berufen zu werden, Verzicht gele stet und dies bereits dem Kaiser Alexander mit dem Beifügen mitgetheilt, überhaupt keinen Russen zu dieser Würde zuzulasfin. da sonst leicht viele Verwicklungen mit Europa entstehen könnten. Diesem Vorschläge habe der Zar auch schließlich bei» gestimmt. Die bulgarische Deputation wurde durch diese Erklärung sehr wehmüthig gestimmt und die Wortführer derselben boten ihrerseits alle Ueberreduuaskunst auf, um bn Fürsten anderen Sinnes zu machen. Er btharrte j doch bei dem erwähnten Entschlüsse, bemerkte aber, daß das bulgarische Vo k aus diesem Ereignisse durchaus nicht den Schluß ziehrn möge, daß sich die Liebe des Kaisers Alexander von Bulgarien abgewandt habe oder daß er (Dondukow) geg-nwärtig weniger warm für bOfeS Land empfinde als früher. Das Wohlergehen und die Zukunft Bulgariens wird dem Zar, davon werden Sie sich überzeugen, sagte der Fürst, auch fortan am Herzen liegen Sie haben also gar keine Ursache, an der baldigen Erfüllung aller Ihrer Wünsche zu verzweifeln. Als dann noch der Rückmarsch der russischen Armee von den Führern der Deputation zur Sprache gebracht und auf die hoffnungslose Lage, welche dann eintreten müsse, hingew esen wurde, äußerte Fürst Dondukow wörtlich: Jetzt marschirt nur das Gros der russischen Armee ab, 50,000 Mann bleiben noch nahezu ein halbes Jahr im Lande. Wir haben Ihnen bereits eine nationale Armee geschaffen, haben dieselbe mit Geschützen, guten Waffen und allem möglichen Bedarf in freigebigster Weise ausgestattet. Unsere besten Organisatoren arbeiten daran, aus derselben ein brauchbares, tüchtiges Werkzeug für die Vertheidigung Ihres Landes zu machen, und kommt endlich die Zeit, wo auch die BesetzungSarmee wird geh n müssen, so werben wir Ihnen diese erprobten Osficiere belassen, damit sie ihr Werk vollenden können. Wir haben jetzt schon g nag Verbindungen mit Ihrem Lande; diese werben in Zukunft aufrecht bleiben, und man wird noch neue Hinzufügen. Balgarien ist heute auf der Balkanhalbinsel so zu sagen der Vorposten Rußlands, und daß dieser zum Nutzen und Frommen aller südslawischen Völker immer stärker und mächtiger werde, dafür lassen Sie, meine Herren, nur ganz getrost Rußland sorgen. Die russische Armee hat sich als unüberwindlich erwiesen, die russische Diplomatie wird sich desgleichen unüberwindlich erwe sm. Nun Adieu, meine Herren, ich glaube Ihnen genug gesagt zu haben, das Sie in die Lage fitzt, Ihren Mitbürgern neue Hoffnung für die Zukunft und Muth und Ausdauer zu geben!" Für die in Tirnova zusammentretende bulgarische Volksvertretung, welche sich mit der Ausarbeitung eines organ scheu Statuts und mit den auf die Wahl des Fürsten von Bulgarien bezüglichen Arbeiten zu beschäftig n haben wird, hat Fü st Dondukow ein Organisationsstatut unterbreit n lassen. Besonders drei Punkte desselben sind h-rvorzuheben: 1) die Erblichkeit des Fürstenthums; 2) die Bestimmung, daß der Fürst nicht ohne die National-Versammlung Krig erklären ober Frreden schließen dü fe, und 3) daß die National-Versammlung aus 400 Mitgliedern — wovon 300 gewählte uns 100 ernannte — bestehen solle. Als verbürgt kann gemeldet werden, daß General Totleben bereits mehrere Truppeniörper nach Adrianopel zurückbeordert hat und daß auch sonst bereits Anstalten getroffen wuroen, um Adrianopel binnen kurzer Frist zu räum n. Ferner ist zu m lden daß bereits Befehl ertheilt wurde, die Festungswerke von Wtddin zu schleifen. Auf besonderen Befehl Totleden's werden hierzu außer mehreren Hundert Soldaten auch zahlreiche Eivilacbeiter verwandt werden. (Kö n. Ztg.)
— (Die Pest in Rußland.) Die beiden Nachbarstaaten Rußlands Oesterreich und Leutschland, gehen, wie wir bereits angezeigt, mit allem Ernst daran, durch geeignete Vrrsichtsmaßregeln das Einschlepprn der Pest zu verhüten. Die Gefahr scheint drohend genug, um ein energisches und sehr rasches Vorgehen zu rechtfertigen. Hätten sich ja, nach einem Konstantinopeler Blatt, bereits am Bosporus Spuren der Pest gezeigt. Auf eine officieUe Anfrage der Fiumaner Seebehörde zeigte sich wohl diese Meldung, wie man uns telegraphisch berichtet, als unbegründet, sie beweist aber, daß man dort in jener Gegend bereits den Feind heranrücken sieht, und was heute vielleicht noch unbegründet, ist möglicherweise schon morgen traurige Wahrheit. Langte doch hier bereits gestern die Nachricht ein, daß in Odessa ein Fall von Beuleupest vorgekommen sein soll. Diese Mittheilung dürfte auf die oben erwähnte Konstantinopeler Nachricht zurückzuführen sein und wäre darnach auch vorläufig dementirt. Ein sehr trübes Bild entrollt die