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murr Ammer
Zugleich Amtliches Organ für Kreis nnd Stadt Hana'^
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Die Lshalt. L«il«
20 Pfg.
DieSspaMseSetl« so Ps»
Nr. 17.
Dienstag den 21. Januar
1879.
Amtliches.
Es ist — namentlich auf dem Lande — vielfach die Meinung vorherrschend, als ob nur Fabrikarbeiter im Besitze von Arbeitsbüchern sein müßten; ich mache deshalb die Herren Ortspolizeibeamten darauf wiederholt aufmerksam, daß alle gewerblichen Arbeiter unter 21 Jahren Bücher erhalten müssen.
Fernere erforderliche Arbeitsbücher und Arbeitskarten sind bei dem hiesigen Waisenhaus pro Stück 10 resp. 2 Pf. zu entnehmen.
Hanau am 18. Januar 1879.
Der Landrath.
Gefunden: Eine kleine Brief-Mappe, enthaltend einen Post- Einlieferungsichein mit der Inschrift „A. Krimm, Ostheim". Ein schwarzer Muff. Zwei Messer. Ein Portemonnaie mit Loosen. Ein leeres Portemonnaie.
Verloren: Ein Fünf Markschein. Ein gesticktes Portemonnaie mit Loosen; der Finder wird zur Ablieferung aufgefordert.
Hanau am 21. Januar 1879
Aus Königl. Landrathsamt.
Rundschau.
B. F. In unserer väterländischen Politik befinden wir uns gegenwärtig in einer UebergangSper-ode. Eine Anzahl Fragen werden tagtäglich diSkutirt und kritisirt, doch alle Erörterungen bewegen sich nur in den Vorbereitungen auf eine ersehnte Entscheidung. Dieselbe' kann jedoch erst im Reichstage herbe'geführt werden und bis zur Eröffnung desselben wird die stets schwankende Diskussion der fraglichen Angelegenheiten die Signatur unserer politischen Verhältnisse sein.
Aus Friedrichsruh kommt die Nachricht, daß Fürst Bismarck, dessen Gesundheit durch die ländliche Zurückgezogenheit bedeutend gekräftigt worden ist, seine Rückkehr in die Reichshauptstadt beschleunigen wird, und nimmt man an, daß der Fürst längstins zu Anfang des Februar in Berlin eintrifft. Es foll dabei in der Absicht des Reichskanzlers liegen, den Vorbereitungen für die im nächsten Monat beginnende Reichstagssession persönlich beizuwohnen.
Ueber den Strafentwurf sür den Reichstag vernimmt man, daß der JustizauSschuß des Bundesraths sich in dieser Woche mit demselben ; befassen wird und sind in dem Ausschuß außer Preußen noch Bayern, Sachsen, Württemberg, Hessen, Braunschweig und Lübeck vertreten. Stellvertreter sind Baden und Schwarzburg-Rudolstadt.
Die Vorarbeiten der Zolltariscommi sion, welche mit umfangreichem ! Material schon längere Zeit die Herren Referenten beschäftigen, sollen, wie verlautet, in nächster Zeit beendet sein, so daß die Commission im Plenum bald wird zusammentreten können. Außerdem wird auch eine Regulirung der Eisenbahntarife vorbereitet gan; nach dem Muster der Post-Tarife, wozu schon Unterredungen des Reichskanzlers und des ! General-Postmeisters stattgefunden haben.
Der Etat des CultuSministeriums beschäftigte auch in der letzten Sitzung wie in den zwei vorhergegangemn Sessionen unser Abgeordnetenhaus. Um die Berathung des Cultusetats nicht noch weiter i Hinauszuschleben, wurde die nächste Sltzrng gleich auf Abends 8 Uhr i anberaumt.
Im bayerischen Abgeordnetenhause fanden fortgesetzte Berathungen | über Gesetze gegen den Wucher und Beschränkung der Wechselfähigkeit | statt, welche dazu führten, deß eine civilrechtliche Beschränkung des ZinSmaximums abgelehnt, dagegen ein Antrag des Abgeordneten Schels, i der Maßregeln zur Hebung des landwirthschastlichen Credits verlangte, angenommen wurde. Während der Debatten legte der Minister des 1 Innern die wirthschastlichen Verhältnisse Bayerns eingehend dar und - best ritt, auf Grund genauer statistischer Erhebungen, die Behauptung, daß das Land der Verarmung entgeg-ngehe.
Wie, '^ d-", ri^rlomentarischen Kreisen Wien's angenommen wird, Benutzung. "n die Spitze des zu gewärtigenden Jn-
" " - das von den Osffciöjen angelündigte
definitive Ministerium, welches im künftigen Juli an's Ruder kommen soll, circulirt folgende Liste auf der Rechten des Abgeordnetenhauses: Graf Hohenwart Präsidium und Inneres, Plener junior Finanzen, Lehmayer Cultus, Claudy Justiz, und Dunojewski Minister ohne Porte- feulle. Im Ministerrath, welcher unter Vorsitz deS Kaisers in Wien stattfand, wurden wichtige Beschlüsse gefaßt über die Vorlagen, betreffend die Administration von Bosnien und der Herzegowina; man trennte sich erst nach beinahe 4stündiger Berathung. — Eine längere Rede im österreichischen Abgeordnetenhause hielt der Minister Unger, in der her- vorgrhoben und klargelegt wurde, daß der Berliner Vertrag zur Gültigkeit einer Genehmigung des österreichischen Reichsraths nicht bedürfe. Außerdem wurden Interpellationen eingebracht, welche sich auf Vorkehrung! n gegen die Pest in Rußland beziehen.
Die entscheidenden Debatten über das Programm des Ministeriums in der französischen Deputirtenkammer haben nun begonnen. Die republikanischen Organe sprechen sich über das Wesentliche des ministeriellen Programms billigend aus, obschon die Form dessen eine kalte sei und geben der Ansicht Ausdruck, daß eine MinisterkrisiS inopportun, ja sogar gefährlich sein würde. Auch im linken Centrum bringt man dem Ministerprogramm Vertrauen entgegen und steht zu erwarten, daß das Ministerium die Majorität erlangen wird, da die reaktionären Abgeordneten, um dem verhaßten Gambetta einen Streich zu spielen, jedenfalls für dasselbe stimm n werden.
In der italienischen Deputirtenkammer wurde dem Ministerpräsidenten Depretis die Frage vorgelegt, welche Schritte geschehen seien, um über den Verbleib des zu den rumänischen GrenzregulirungSarbeiten delegirten Oberst Gola Aufklärung zu erlangen, worauf der Minister das bisher leider erfolglose Ergebniß der Nachforschungen nach dem Verschwundenen mittheilte und die Fortsetzung eifriger Untersuchungen zusagte.
Von russischer officiöser Seite wird die Nachricht widerlegt, welche sich in verschiedenen Blättern fand, die Opposition der Pforte und die feindselige Haltung Englands sollten eine Verzögerung des russisch- türkischen Friedensvertrages herbeigeführt haben, und es wird die bevorstehende Unterzeichnung desselben in Aussicht gestellt. Auch kommt auS Petersburg die Nachricht, d-r erkrankte Domänenminister Walujeff sei wieder soweit hergestellt, daß derselbe binnen Kurzem seinen Geschäften in gewohnter Weise wieder wird vorstehen können.
In der Thronrede, mit welcher der Reichstag in Stockholm soeben eröffnet wurde, kündigte der Ministerpräsident eine Reihe neuer Gesetzvorlagen an, unter denen sich auch die von der Synode beantragten Kirchengesetze befinden. Die Einnahmen gedenkt der Reichstag zu vermehren durch Erhöhung der Branntwein-FabrikationSsteuer und der Zölle auf Tabak, Zucker und Kaffee. — Auf dem Ausgabeetat befinden sich 19,700,000 Kronen für die Armee und 6,705,060 Kronen für die Marine.
Aus Rumänien verlautet, der Regierung seien Pläne zur Erbauung einer Brücke über die Donau bei Siliftria vorgelegt worden, und man erwarte das Zusammentreten einer Commission, welche die Bauten in die Hand nehmen solle, damit die Arbeiten möglichst im Frühjahr beginnen könnten.
Den vielfachen Gerüchten, welche über die Person des zukünftigen Fürsten von Bulgarien bereits circulirt haben, schließt sich nun wieder ein neues aus Konstantinopel kommendes an, nach welchem der Senats- präsident von Montenegro „Petrovics" und Vetter des Fürsten von Montenegro der glückliche dereinstige Herrscher sein soll.
TageSstza«.
— Berlin, 20. Jan. Der Kaiser hatte gestern Nachmittag eine längere Conferenz mit dem Staatsminister v. Bülow. Das Capitel des Schwarzen Adler-Ordens, welches nach den bisherigen Bestiwmungen am Samstag Mittag 1 Uhr, also zu derselben Zeit wie die Beisetzung der Leiche des Prinzen Heinrich in Delft Statfffinden sollte, ist aus den darauf folgenden Montag verlegt worden.
— Der „R. u. St.-A." Nr. 16 enthält: 1) Verordnung, beir.