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Nr. 11.
Dienstag den 14. Januar
1879.
Amtliches.
Die dahier bestellten Exemplare des von C. Heinrich herauS- gegebenen Werkes, „Anlage, Bepflanzung und Pflege der Hausgärten auf dem Lande", können geg n Erstattung deS Selbstkostenpreises in Empfang genommen werden.
Hanau am 8. Januar 1879.
Ludwig Heinrich Stein aus Wachenbuchen ist als Ortstoxator vereidigt.
Hanan am 11. Januar 1879.
Gefunden: Ein LeihhauSzettel. Eine Säge.
Entlaufen: Ein kleiner grauer Pinscher.
Hanau am 14. Januar 1879.
________________Aus Königlichem Landrathsamt._________________
Die Herren Ortsvorstände der Streife Hanau, Gelnhausen und Schlächtern werden unter Hinweisunz auf den § 4 unserer Bestimmungen über die Erziehung und Verpflegung von Waisenkindern in Familien daran erinnert, daß die Gesuche um Verpflegung von solchen Waisen auf Kosten deS hiesigen Waisenhauses mit den tabellarischen Nachwei- sungen und den vorgeschriebenen Zeugnissen im Monat Januar bei den Königlichen Landrathsämtern anzubringen sind.
Hanau, den 8. Januar 1879.
Königl. Waise nhaus- Vorsteheramt.
Schrötter. Reinhard. Junghenn. Weishaupt.
Rundschau.
R. F. Die äußerst deutlich zahlreichen Beweise der Liebe und Anhänglichkeit, welche dem Kaiser Wilhelm seit seiner Rückkehr nach Berlin bis in die jüngste Vergangenheit von all-n Seiten in Gestalt von Zuschriften, Gedichten, Widmungen, Blüthenströußen und Kunstsachen zu Theil geworden sind, haben den Kaiser veranlaßt, in einem Handschreiben an den Reicht! nzler öffentlich seinen Dank für diese Aufmerksamkeiten, die den Monarchen innig erfreut, auszusprechen.
Seit einigen Tagen ist in unsere innere Politik außer von der Zoll- und Steuerfrage auch noch von einer anderen Seite her Leben gebracht worden. Der Reichskanzler hat dem Bundesrathe einen Gesetzentwurf vorgelegt, wonach der Reichstag ermächtigt werden soll, gegen Einzelne seiner Mitglieder, die sich ungebührliche Aeußerungen in den Sitzungen zu Schulden kommen lassen, strafrechtlich vorzugehen. ' Da die angedrohten Strafen nicht nur in Verweisen, sondern auch in Entfernung aus dem Reichstage, Verlust der Wählbarkeit und eventuell strafrechtlichen Verfolgungen bestehen, so sind durch diesen Antrag des Reichskanzlers wohl fast alle politischen Parteien des Reichstages ziemlich verblüfft worden.
Das Tabaksmonopol ist bekanntlich, obwohl sich die betreffende Reichscommissivn dagegen ausgesprochen hat, von der Regierung noch nicht aufgegeben worden. Es wird dah r der Fall in Erwägung gezogen, daß, weil das Monopol doch schließlich nicht durchdringen kann, jedenfalls eine bedeutende Erhöhung der Tabakssteuer stattfinden wird, und zwar dürfte es sich dabei um eine Vermehrung der Gewichtssteuer handeln. Einer solchen würde wohl auch die Mehrheit des Reichstages ihre Zustimmung ertheilen, da bei der gegenwärtigen Finanzlage eine Steuererhöhung unvermeidlich ist und eine solche auf den Tabak dürfte vom Volke immer noch am leichtesten ertragen werden.
Der Vorsitzende der Tarifcommission, Herr von Varnbüler, ist am Gallenfieber erkrankt. Der Direktor der Reichskanzlei, Geh Regierungsrath Tiedemann, hatte sich nach Friedrichsruh begehen, um dem Reichskanzler über den Stand der Arbeiten der Reichstarifcommission Vortrag zu halten. Die nächste Sitzung der Commission wird für die Mitte dieser Woche erwartet; ob die Behinderung des Vorsitzenden einen Aufschub veranlassen wird, steht dahin. Immerhin würde es sich vorläufig nur um die Behandlung geringfügiger Materien handeln.
Am 4. Januar sind die Berathungen zu Ende geführt worden, welche zur Feststellung des Etats der Reichs-Post- und Telegraphenverwaltung für 1879/80 zwischen Commissarien des Generalpostmeisters Wd des Reichskanzleramts sowie des preußischen Finanzministeriums
stattgefunden haben. Es ist nunmehr binnen Kurzem die Vorlegung des Etatsentwurfs an den Bundesrath zu erwarten.
Reger als in den beiden ersten Sitzungen nach den Ferien hat das preußische Abgeordnetenhaus seine Berathungen fortgesetzt. Eine Anzahl Gesetzentwürfe gelangten an d> Justizcommission, ein Entwurf einer Schiedsmannsordnung gelangte an eine besondere Commission, und ebenso wurden Gesetzentwürfe über Wegebauten u. s. w. Commissionen übergeben. Bei der darauf begonnenen Berathung des Cultusetats begannen wieder die bekannten Culturkampfdebatten, bei welcher Gelegenheit sich auch die Polen über die Germanisirung beklagten. Wichtiger als die laufenden Berathung n des preußischen Abgeordnetenhauses sind die wirthschasilichen Fragen, welche das Abgeordnetenhaus beschäftigen und im Zusammenhangs mit der Reform der Reich-finanzen stehen. Das Einverständniß, welches im preußischen Staatsministerium in der Frage der konstitutionellen Bürgschaften, ohne welche die Erhöhung der indirekten Steuern im Reichstage nicht möglich ist, soll daraus hinauskommen, daß dem preußischen Landtage die teilweise Quotisirung der direkten Steuern nur für den Fall zugestanden werden soll, wenn das Reich in der Lage sein wird, aus seinen Einnahmen von den neu ein« zuführenden indirekten Steuern Überschüsse an die Einzelstaaten abzu- führen.
DaS sächsische Königshaus wird in dieser Woche einen hohen Gast empfangen, denn aus Dresden wird geschrieben, daß der Kronprinz Rudolph von Oesterreich daselbst zum Besuche eintreffen wird. Diese Anwesenheit des österreichischen Kronprinzen in Dresden wird wied.r in Verbindung mit einer möglichen Verlobung desselben mit einer Tochter des Prinzen Georg von Sachsen gebracht.
In Oesterreich sieht man sich genöthigt den occupirten Provinz N Bosniens und der Herzegowina vorn militärischen und wirthschaftlichen Standpunkte aus fortwährend große Aufmerksamkeit zuzuwenden. Gegenwärtig handelt es sich in dieser Beziehung um Eisenbahnbauien, die demnächst in Bosnien in Angriff genommen werden sollen.
Noch den für die Republikaner siegreichen Senatswahlen sind am 14. Januar die französischen Kammern wieder eröffnet worden und darf man gespannt darüber sein, wohin die neue republikanische Mehrheit ihren Schwerpunkt legen wird. Ein seltsames Gerücht w ll wissen, daß man die Mitglieder des früheren Cabinets Broglie-Fourtou in Anklage- zustand versetzen wolle. Das bisherige französische Ministerium steht nach bitt Senatswahlen noch auf festen Füßen, doch dürfte der bei den Republikanern unbeliebte Kriegsminister Borel se n Amt niederlegen und soll au seine Stelle der Divisionsgeneral Farre treten.
Der an der Gicht wiederginesene englische Premierminister Lord of Beaconsfield sieht sich genöthigt, sich jetzt mehr mit der inneren Lage Englands als mit der äußeren Politik zu beschäftigen, denn zu dem in England allgemein h rr chenken Nothstände sind noch eine Anzahl Bankrotte großer Banken und mehrere Eisenbahnbetriebseinstellungen gekommen, welche das Arbeits- und Geschäftselend in England noch erhöhen. — In Affhanistan bleibt die Situation zweifelhaft wie zuvor. Der englische General Stewart ist zwar bis in dir unmittelbare Nähe Kan- dahars vorgedrungen und der boxt befehligende Afzal Khan hat sich zurückgezogen, aber an mehreren Stellen beginnt der Kleinkrieg gegen die Engländer und General Roberts ist durch die drohende Haltung einiger Gebirgsstämme veranlaßt worden, einige Rückwärtsbewegungen nach Kurum vorzunehmen. Jndesi n wird auch ein großer Sieg der Engländer über die Afghanen bei SisorNn gemeldet. Der Emir Schir Ali befindet sich auf der Reise nach Petersburg und wird im Februar dort erwartet.
Die finanziellen Verlegenheiten der russischen Regierung sollen in jüngster Zeit wiederum ganz besonders sich fühlbar gemacht haben. Von den 200 M llionen Rubeln in Golo, welche der Finanzminister Greigh zur Einlösung der auf die im Auslande kontrahirten Staatsanleihen zunächst fällig werdenden Coupons b-i seinem Amtsantritte vorfand, dürfte nur noch ein verschwindend kleiner Theil vorhanden sein. Da von den proj-ktirikn neuen Steuern ein sofortiger Erlös nicht zu erwarten sieht, wird man in Petersburg zur Biffnahme einer neuen ausländischen Aneihe trotz der rfferirten ungünstigen Bedingungen schritten müssen. — Die in Südrußland aufgetauchte pestartige Krankheit ist