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diplomatisch zu schlichten und erwartet man tx PariS demnächst emen tunesischen Spec^algesandten. Auch erbl ckt man in dem Umstände, daß der französische Botschafter in Berlin Graf St. Ballier vom Fürsten Bismarck eine Einladung nach FriedrichSruh empfangen Hai,kleine weitere Aufbesserung der französisch-deutschen Beziehungen.
Aus Rußland kommt für Europa eine Schreckenskunde. Aus der südrussischen Stadt Astrachan wurde am letzten Sonntag nach Petersburg telegraphirt, daß bald nach der Rückkehr der Kosaken aus der asiatischen Türkei im Jenotajewsk'schen Bezirke des Gouvernements Astrachan eine epidemische Krankheit ausgebrochen ist, welche nunmehr von den Aerzten als die Menschenpest erkannt worden ist. Die Epidemie hat sich. noch ehe Sicherheitsmaßregeln ergriffen werden konntcn, nach mehrere» Dörfern weiter verbreitet. Hoffentlich gelingt es, durch die getroffenen Maßregeln diesen größten Feind der Menschheit zu beseitigen.
Die englisch afghanische Affaire fängt jetzt an, recht misteriös zu werden. Zwar halten die Engländw sich gut in den eroberten Stel- langen, aber Niemand ist vorhanden, mit dem die Engländer irgendwie als Oberhaupt des Lmdes verhandeln können. Wohin der Emir Schir Ali geflüchtet ist, weiß man eigentlich gar nicht. Die Engländer behaupten, er sei nach Rußland geflohen, doch bie Russen verneinen diese Nachricht. Jakub Khan, der Sohn Schir AU's, der mit der Regentschaft Afghanistans betraut wurde läßt auch nichts von sich hören. Im Uebrigen weiß man nur, daß allenthalben in Afghanistan Aufstände ausbrcch n un) daß die Engländer fortwährend im Rücken bedroht werden. Die Bergstämme sind bereits so kühn geworden, daß sie sogar Einfälle auf indisches Gebiet wagen So hat kürzlich der Stamm der Mah uawaziris den Ort Tank geplündert, niedergebrannt und sich dann auf einen Berg zurückgezogen.
Zm ungarisch n Abgeordnetenhause gab der Finanzminister Szapary einen Ueberblick über das Budget, wobei sich herausftellte, daß dasselbe ein Deficit von 22,800 000 Fl. aufzuweisen hat. Das Deficit wurde hauptsächlich durch die Rubrik „Staatsschuld" veranlaßt.
Die Stellung des italienischen Ministeriums hat sich im neuen Jahre etwas aufgevessert. Denn nach dem parlamentarischen Branche Italiens mußten die Minister von Neuem in die Deputirtenkammer gewählt werden und ist dies auch m t bedeutenden Mehrheiten geschehen.
Der Sultan hat seine Bevollmächtigten für die Unterhandlungen mit Rußland wegen Abschluß eines definitiven Friedensvertrages persönlich mit weitgehenden Jnstruklionm versehen und man glaubt, daß der Abschluß eines definitiven Friedensvertrages bald stattfinden werde, wenn Rußland noch einige Concessionen mache. Die Furcht des Sultans, daß sein L-ben von unmittelbaren Gefahren bedroht sei, scheint jetzt auch beseitigt zu sein. Derselbe unternahm in Begleitung seiner Generäle und an der Spitze eines glänzenden Gefolges in letzter Zeit wiederholt mehrstündige Spazierritte und wirkte durch sein unerwartetes Erscheinen beruhigend auf die Bevölkerung.
Aus Spanien kommt die Nachricht, daß in der Stadt Jerez sieben Mitglieder eines internationalen Reoolutionscomitös, bei denen man wichtige Schriftstücke fand, verhaftet worden seien.
In Portugal ist am 2. Januar das Parlament vom Könige durch eine Thronrede eröffnet worden. Aus b;r Rede ist als besonders interessant hervorzuhkben die Mittheilung von dem Abschluß von Verträgen zwischen England und Portugal, betreffend den Bau einer Eisenbahn von Gra nach Britisch-Jndien, und einer anderen von Transvaal nach Laurenzo-Marques (Delagra-Bac). Die Befestigungen von Lissabon werden weiter geführt.
TageSscha».
— Bekanntmachung auf Grund des ReichSgesetzes vom 21. Oktbr. 1878. Nach dem „R. u. St.-A." Nr. 7 wurden unterm 3. und 7. Januar verboten: die im Druck und Verlage der „Arbeiter-Wochen- Chronik" zu Budapest erschienene nicht periodische Druckschrift: „Allgemeiner Arbeiter-Kalender 1879" ; die in der sozialistischen Buchhandlung von Henri Kistemaeckers zu Brüssel 1878 erschienene nicht periodische Druckschrift: „Le suffrage universel par Paul Strauss ancien redac- teur des Droits de FHomme et du Radical de Paris, avec une pr6- face d’Alfred Naquet“; sowie der in der Genossenschaftsbuchdruckerei zu Chemnitz G. Rübner und Comp. erschienene Wahlaufruf „des Arbeiter- Central-Wahlcomitss für den 15. Wahlkreis" an die „Arbeiter, Kleinbürger und Landleute des 15. sächsischen Reichstagswahlkreises."
— Berlin, 9. Januar. (Abgeordnetenhaus.) Im weiteren Verlaufe der gestrigen (24.) Sitzung setzte das Haus die zweite Berathung des Gesetzentwurfs, betreffend die Reorganisation der drei vormals sächsischen Stifter Merseburg, Naumburg und Zeitz fort.
Nach längerer Debatte wurde das Gesetz nach den Vorschlägen der Kommission genehmigt, worauf sich das Haus um 23/< Uhr vertagte.
In der heutigen (25.) Sitzung wurden in erster und zweiter Berathung ohne Debatte unverändert angenommen die Gesetzentwürfe, betreffend dir Abänderung von Bestimmungen des Gesetzes vom 30. Mai 1873 über das Grundbuchwesen in dem Bezirke des Justizsenats zu
Ehrenbreitstein, und des Gesetzes vom 23. März 1873 über daS Grundbuchwesen im Jadeqebiete, betr. die Abänderung von Bestimmungen deS Gesetzes vom 27. Mai 1873 über das Grundbuchwesen und die Verpfändung von Seeschiffen in der Provinz SchleSwig-Holstein, und betr. die Abänderung von Bestimmungen des Gesetzes vom 28. Mai 1873 über das Grundbuchwesen in der Provinz Hannover mit Ausschluß des Jadegebiets.
Der Gesetzentwurf, betr. die Radfelgenbeschläge der Fuhrwerke in der Provinz Hannover wurde nach kurzer Debatte, an welcher sich außer dem Regierungskommissar die Abgg. Schmidt (Sagan), v. Meyer (ArnS- waide), Kropp, Dr. Miguel und Windthorst (Meppen) betheiligten, an eine Kommission von 14 Mitgliedern verwiesen.
Bei einer von dem Abg Windthorst (Meppen) in der zweiten Berathung deS Gesetzentwurfs, betr. die richterlichen Mitglieder der Gcund- steuer-Entschädigungs-Kommission, provozirten Spezialabstimmung ergab bei der Zahlung sich die Beschlußunfähigkeit deS Hauses, worauf dasselbe sich um halb 1 Uhr vertagte. (R. u. St.-A)
— Berlin, 8. Jan. Die wiederholt auftretende Nachricht, daß Fürst Bismarck dem Papst eine Einvirkung auf das Centrum im Sinne einer veränderten politischen Haltung desselben angesonnen habe, ist jetzt wie früher vollkommen grundlos.
— Berlin, 9. Jan. (Köln. Zig.) Die telegraphisch: Meldung, daß die Türkei einen Gcenzoct für die griechisch türkischen Brhandlungen bezeichnet habe, ist eine Bestätigung unserer früheren Nachrich en und liefert, wie die neueste Times richtig bemerkt, den Beweis, daß es der Türkei mit der Grenzberichtigung, welche durch die Näh: der Grenze erleichtert wird ernst ist. Es wird aber vir Allem darauf ankommen, daß man sich über die beiden Punkte im Norden und Süden verständige, zwischen welchen die neue Grenze laufen soll. Die Griechen werden sich, wie bekannt, streng an den berliner Frieden halten und andere Grundlagen d.r Unterhandlung von vornherein zurückweisen.
— Mün chen, 9. Jan. (R. u. St.-A) Der Landtagsabgeordnete Schels hat den Entwurf zu einem neuen Landtagswahlgesetze, welches auf dem indirekten Wahlmodus beruht, sowie einen Antrag, betr. die Erlassung eines Wuchergesetzes und die Beschränkung der Wechselfähigkeit, angebracht.
— Wien, 9. Jan., Vormitt. Die N. Fr. Pr. erfährt von unterrichteter Seite, daß die rumänischen Verhandlungen bezüglich der Lösung des seiner Zeit abgeschlossenen 3etriebsvertrageS mit der Staatsbahn nunmehr abgeschlossen seien. Außerdem sei eine grundsätzliche Verständigung dahin erzielt worden, daß die Staatsbahn eine mäßige Geldentschädigung erhält, über deren Höhe bie Verhandlungen noch schweben.
— Wien, 9. Jan. (Köln. Ztg) Das „Vaterland" veröffentlicht eine päpstliche Encyklica, in welcher die Nothwendigkeit ausgeführt wird, der Kirche wieder Frecheit zu gewähren, damit sie für das allgemeine Wohl wirken könne. Weiter wird in der EncyMca hervorgehoben, daß, da die Anhänger des Socialismus vorzüglich Handwerker und Arbeiter zu gewinnen suchten, die unter dem Schutze der Religion gegründeten Arbeiter-Verbindungen unterstützt werd n müßten.
— Kalkutta, 7. Jan. Eine Meldung des Majors Cavagnari erwähnt abermals des schon anderweitig verzeichneten Gerüchtes, daß Jakub Khan sich anschicke, dem Emir Schir Ali zu solgen, da er in Kabul machtlos sei, und die Häupter der Ghilzais sich feindlich verhielten.
— Washington, 8. Januar. Der Schatzsekretär Sherman hat weitere 10 Millionen Bonds de 1867 einberufen.
— New - Iork, 8 Jan. Der Dampfer des Norddeutschen Lloyd „Donau" ist hier eingetroffen.
Lokales.
Hanau, 10. Januar 1879.
Öffentliche Sitzung des Gemeinde-Ausschusses vom 9. ds. Mts.
Anwesend: die Herren Kehl, Vorsitzender; Brenner, Deines, Elsaß, Friedgä, Gerhard, Gioth, Hengsberger, Dr. Heuser, Hoffmann, Koch, Körner, Sanitätsrath Dr. Roll, Pannot, Spatz, Treusch, Una, Weber, Weishaupt, Wirth, Zeh, Ziegler.
Nach Verlesung des Protokolls der Sitzung vom 14. Nov. genehmigte der Gemeinde-Ausschuß sämmtliche Vorlagen und zwar:
1. Eine Nachverwilligung von M. 100 auf Titel IK. b c/aa (Reparaturkosten für Brücken);
2. Den Uebertrag von 600 M. für bewilligte Inventar-Anschaffungen auf das neue Rechnungsjahr;
3. Die Anlegung eines Abzugkanals aus dem Wohnhause des Herrn Kaufmann D öring in der neuen Anlage nach dem Stadtgraben, gegen einen Recognitionszms von jährlich 3 M, mit der Bedingung, daß die Anlage des Kanals nach Angabe des städtischen Baumeisters